Der Verräter

Roman

(6)
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Eine bissige, kühne Satire über eine Gesellschaft, die ihre ethnische Spaltung noch lange nicht hinter sich gelassen hat.

Dickens, ein Vorort von Los Angeles, ist der Schandfleck der amerikanischen Westküste: verarmt, verroht, verloren. Zugleich ist es der ganze Stolz seiner schwarzen Einwohner, eine Bastion gegen die weiße Vorherrschaft. Hier zieht der Erzähler von "Der Verräter" friedlich Wassermelonen und Marihuana. Doch als sein bürgerrechtsbewegter Vater durch Polizeigewalt stirbt und die Gentrifizierung den gesamten Vorort auszuradieren droht, wird er unversehens zum Anführer einer neuen Bewegung: Mit seinem Kompagnon Hominy, alternder Leinwandheld aus "Die kleinen Strolche", führt er Sklaverei und Rassentrennung wieder ein ...

»Mit ›Der Verräter‹ hat Beatty nicht nur einen anmaßenden, überdrehten, unerschrockenen Roman geschrieben. Sondern einen Weckruf.«

Dennis Pohl / SPIEGEL ONLINE (11. November 2018)

Aus dem Englischen von Henning Ahrens
Originaltitel: The Sellout
Originalverlag: Picador
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-22249-9
Erschienen am  15. Oktober 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Eine bitterböse Fiktion, die den Vereinigten Staaten unter Trump den Spiegel vorhält

Von: Elke Heid-Paulus

11.01.2019

Ein kühnes Gedankenexperiment, das sich der Autor und ehemalige Poetryslammer Paul Beatty in seinem 2016 mit dem Man Booker Prize ausgezeichneten Roman „Der Verräter“ (The Sellout, 2015) erlaubt. Es ist eine, im besten Sinne, respektlose Abrechnung mit der amerikanischen Gesellschaft, die sich auf Rassismus und Diskriminierung gründet und dies auch während der achtjährigen Amtszeit Obamas nicht überwunden hat. Im Gegenteil, dessen Nachfolger ist redlich bemüht, zugeschüttete Gräben wieder aufzureißen bzw. neue auszuheben und die gesellschaftliche Spaltung weiter voranzutreiben. Beatty nutzt das literarische Mittel der Satire. Inhaltlich unterfüttert er diese mit zahlreichen Rassismen, nicht nur aus Alltag sondern auch aus Wissenschaft, Film und Literatur. Das beginnt schon bei dem Namen des fiktiven Handlungsorts: Dickens (!), ein heruntergekommener Vorort von Los Angeles. Den Stadtvätern ein Dorn im Auge, für die Immobilienhaie nach entsprechenden Investitionen ein äußerst lohnendes Objekt. Aber auch Heimat für die dort seit Generationen lebenden Afroamerikaner, die stolz auf ihr Viertel sind. So auch der Ich-Erzähler, dessen Vater (Sozialwissenschaftler) sein Leben lang die Bürgerrechte hochgehalten und besänftigend auf seinen Sohn und die zornigen jungen Männer eingeredet hat. Immer hoffend, mit gefälligem Verhalten die Akzeptanz der (weißen) Öffentlichkeit zu erlangen. Doch dann wird er erschossen, und der Sohn verliert nicht nur den Vater sondern auch seinen moralischen Kompass. Anpassung ist das Wort der Stunde für ihn, und so kommt er zu dem irrigen Schluss, dass nur Segregation Erfolg garantiert und der Schlüssel zur Lösung aller Probleme ist. Sein Konzept zur Rassentrennung kommt an, bei Schwarz und Weiß. Endlich weiß jeder wieder, wo sein Platz ist. Und so mutiert der Ich-Erzähler zum Sklavenhalter. Einen willigen Gefolgsmann findet er auch. Ein alter Schauspieler, einst zum Cast der „Kleinen Strolche“ gehöhrend, lässt sich bereitwillig von ihm zum Sklaven machen. Und schon bald übernehmen auch öffentliche Institutionen in Dickens dieses „Erfolgsmodell“… Sprachlich auf höchstem Niveau (dem Übersetzer Henning Ahrens sei Dank), bitterböse und entlarvend, jenseits aller „political correctness“. Ein Roman, der mit Vorurteilen spielt, sie auf Gag-Niveau bringt, das aber so raffiniert bewerkstelligt, dass einem das Lachen schon im Ansatz im Halse steckenbleibt. Eine Fiktion, die den Vereinigten Staaten unter Trump den Spiegel vorhält. Hoffnungslos überzeichnet – oder etwa doch nicht?

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Große Literatur

Von: Zeilentänzer

02.01.2019

Paul Beatty schreibt in seinem Buch "Der Verräter" auf kluge, sarkastische und auch bittere Weise, wie gespalten die Menschheit bezüglich Ethnie noch immer ist. Das Buch erschien 2018 im Luchterhand Verlag. Der Erzähler lebt in Dickens, einem Vorort von Los Angeles, welches einen Brennpunkt darstellt. Die fast ausnahmslos schwarzen Bewohner von Dickens sind stolz auf ihre Herkunft und auf Dickens. Sie zelebrieren ihr Leben dort und sehen sich als einheitliche Macht gegen die Weißen. Der Erzähler lebt ein friedliches Leben, bis sein Vater, ein Bürgerrechtler durch Polizeigewalt stirbt. Plötzlich ändert sich alles. Die Grundidee des Buches ist ohne Frage genial. Den deutschen Titel finde ich wenig gelungen, was mir leider häufig so geht. Ich muss sagen, dass mir der Anfang gut gefiel, ich dann aber immer mehr Schwierigkeiten hatte, mich dem Buch zu widmen. Es wird immer anstrengender und die gut konzipierte Story verliert an Reiz. Der Erzählstil ist angenehm und verständlich, der Inhalt durchaus anspruchsvoll (was die Thematik vorgibt). Beatty schreibt rau und launisch, erbarmungslos und sarkastisch. Die vielen Details und die Fülle an Ereignissen führten dazu, dass ich immer wieder aus dem Konzept gebracht wurde und es einem Kampf glich, beim Lesen alles immer wieder von Neuem aufzuarbeiten. Dennoch wollte ich die Geschichte unbedingt zu Ende lesen und wissen, was mich noch erwartet. Der sarakstische Unterton war für meinen Geschmack hier und da überflüssig, bisweilen nicht angebracht. Ungeschönt und ehrlich beschreibt Beatty die Lücke, die noch heute zwischen Schwarz und Weiß klafft. Ein zuweilen axnstrengendes aber ein sehr wichtiges Buch!

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Vita

PAUL BEATTY, 1962 geboren, zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Autoren der Gegenwart. Begonnen hat er als Lyriker, schnell avancierte er zum Star der New Yorker Slam-Poetry-Szene. Seine Romane haben in den USA Kultstatus. Für »Der Verräter« wurde Beatty mit dem National Book Critics Circle Award sowie – als erster Amerikaner – mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet. Paul Beatty lebt in New York.

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Henning Ahrens

Henning Ahrens, geb. 1964, lebt als Schriftsteller und Übersetzer in der niedersächsischen Provinz. Für seinen Lyrikband "Lieblied was kommt" (1998) erhielt er einen der Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise beim Literarischen März 1999 sowie den Pro Litteris-Preis 1999 der Märkischen Kulturkonferenz und den Hebbel-Preis (2001). Er übersetzte u.a. J. C. Powys, Jonathan Safran Foer, Jonathan Coe und Hugo Hamilton. Zuletzt erschien sein Lyrikband "Kein Schlaf in Sicht" und der Roman "Tiertage".

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Pressestimmen

»Selbst wenn man alle unkorrekten Witze aller berüchtigten amerikanischen Comedians zusammennimmt, wird man nicht annähernd die Dichte erreichen, die Paul Beattys Roman ›Der Verräter‹ aufbietet.«

Jan Wiele / Frankfurter Allgemeine Zeitung (06. Oktober 2018)

»Das Buch ist bis zum Bersten der Sprache gefüllt mit den Elementen einer schwarzen Kultur, die das ganze 20. Jahrhundert umfasst, und mit einem Humor, der sie permanent in Frage stellt.«

Hubert Winkels / Süddeutsche Zeitung (09. Oktober 2018)

»Es ist eine grandiose, bitterböse Dystopie, die Beatty entwirft. Sprachlich brilliant!«

Das Erste / ttt - titel, thesen, temperamente (14. Oktober 2018)

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