Dichterliebe

Roman

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Ein hintergründiger Roman über deutsche Befindlichkeiten und sensible Künstlerseelen.

Der Lyriker Henry Steiger war in der DDR ein Star. Dann kam die Wende und mit ihr ein unsanftes Erwachen. Im Westen liest niemand Gedichte, sagt sein Verleger und rät zu einem Liebesroman. Aber Henry hält Prosa für unter seiner Würde. Bis die junge West-Kollegin Sidonie seine Phantasie beflügelt. Ein deutsch-deutscher Roman, der der Welt der DDR die raue Wirklichkeit nach der Wende gegenüberstellt, treffsicher und voll subtiler Komik.

Für Henry Steiger bedeutet die Wende 1989 nicht nur Befreiung. Der so eigensinnige wie angesehene DDR-Lyriker ist nun ein auf Stipendien angewiesener Hungerkünstler. Ein alter silberner Porsche ist das letzte Relikt der Hoffnung, den Ruhm in die neue Zeit retten zu können. In Wahrheit steckt Henry in einer Lebenskrise. Mit anderen Stipendiaten führt er in einer Künstlerenklave bei billigem Wein lächerliche Kämpfe um die wahre Kunst, buhlt um jeden Rock und trauert seinem alten Status hinterher. In Dichterliebe fragt Petra Morsbach ernst und ironisch zugleich nach dem Platz des Künstlers in der Gesellschaft. Dabei gelingt ihr ein überraschend klarer und humorvoller Blick zurück auf eine vermeintlich „gute alte Zeit“, als die Welt, auch die der Literatur, noch in Ordnung schien.

„Der originellste Ost-Roman der Saison“

Die Zeit, Alexander Cammann (28. Februar 2013)

eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-10580-8
Erschienen am  11. März 2013
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Leserstimmen

„Na Liebe, wenn dich nicht schon bald ein Dichter frisst.“

Von: Franziska_J

06.07.2019

Für Henry Steiger sieht es schlecht aus: Der in der DDR berühmte Lyriker hat mit der Wende seinen Erfolg eingebüßt. Niemand will mehr seine Gedichte lesen. Der nun mittellose Künstler fristet sein Dasein nun in einem Künstlerhaus in Speyer und kommt mit dem Kunststipendium, das er erhält, gerade so über die Runden. Ein Verleger rät dem uninspirierten Lyriker zu einem Liebesroman, doch Henry hält Prosa für unter seiner Würde. Was hätte denn ein Mann, der sich noch dazu in einem erbitterten Scheidungskrieg befindet, schon zum Thema Liebe zu sagen? Doch dann lernt er seine junge West-Kollegin Sidonie kennen und wird erneut von der Muse geküsst. Diese Handlung bildet die Grundlage von Petra Morsbachs Roman Dichterliebe, der nicht nur eine wunderbare Geschichte über Liebe und Neuanfänge erzählt, sondern auch versucht, Antworten auf grundlegende Fragen nach dem Verhältnis von Literatur und Gesellschaft zu finden. „Mir ist überhaupt nicht zu helfen. Ich sollte mich umbringen, ich weiß nur nicht wie. Vergiften und Aufhängen ist unmännlich, eigentlich müsste ich mich erschießen. Aber wie geht man mit einer Pistole um?" Henry Steiger ist einer der wohl pessimistischsten und missmutigsten Protagonisten, die man in der Literatur zu finden vermag. Während er jedoch am Beginn völlig verbittert erscheint und dem Leser fast schon schlechte Laune bereitet, ändert sich diese Haltung im Verlauf des Buches, so dass er am Ende zwar immer noch ein Schwarzseher ist, aber an den richtigen Stellen auch viel Humor beweist. Doch als Leser kann man Henrys Pessimismus durchaus verstehen, zuweilen empfindet man sogar tiefstes Mitgefühl mit ihm. Der mittellose Künstler ist umgeben von Rechnungen und auch eine Strafanzeige hat er wegen eines dummen Unfalls noch am Hals. In seiner Verzweiflung ist er wie gelähmt, sitzt vor seinem Zimmer im Künstlerhaus und starrt in die Gegend. Mit Literatur, da kennt er sich aus, doch am echten Leben scheitert er. Aber dann taucht die lebenslustige Sidonie Fellgiebel, eine junge Kollegin aus dem Westen, auf und nimmt ihn gewissermaßen an die Hand, erledigt mit ihm Behördengänge, stellt Anträge und bringt Ordnung in seine Finanzen. Gleichzeitig beflügelt sie auch seine Phantasie, so dass er wieder mit dem Schreiben beginnen kann. Ohne es selbst zu merken, findet Henry so Stück für Stück ins Leben zurück. Morsbach erzählt damit von Glück eines Neuanfangs, der nicht wie so oft mit einem Knall, sondern schleichend und unbemerkt kommt. Doch deshalb, das beweist sie, ist er nicht weniger schön oder bewundernswert. „Der Markt tötet die Kunst. Wir wollen ein Gegenmodell entwerfen, eine nicht gefällige, nicht korrupte Kunst.“ Anhand der Kunst- und Literaturszene, in der sich der Roman bewegt, werden auch ganz grundsätzliche Fragen nach dem Verhältnis von Literatur und Gesellschaft behandelt, deren Antworten – das wird am Beispiel der Unterschiede von west- und ostdeutscher Literatur deutlich – sich immer wieder ändern. Besonders dringlich wird am armen Künstler Henry zum Beispiel die Frage nach den ökonomischen Voraussetzungen von Literatur verhandelt. Ganz offenbar kann Literatur nie frei sein von ökonomischen Zwängen, doch sobald sie diese in den Blick nimmt, der Autor also nur das schreibt, was sich gut verkauft, wird sie unfrei. Besonders ausführlich wird auch die Frage nach den Bedingungen von Literatur unter der Zensur der DDR behandelt. Besonders diese Frage ist für einige Regionen der Welt aktueller denn je und so sind die zahlreichen Rückblicke in die DDR kein Blick in die Vergangenheit sondern vielmehr ein mögliches Spiegelbild der Bedingungen von Literaturproduktion und -rezeption in anderen, mitunter repressiven Gesellschaften. „Der Alkohol legt sich als Ölfilm auf die hüpfende Kreuzsee in mir.“ Die kurzen Szenen, in die die Kapitel unterteilt sind, haben etwas Fragmenthaftes und Unvollständiges und doch sind sie so prägnant und aufschlussreich, dass sich nach und nach das vollständige Leben Henrys ergibt, eines Künstlers, der nach und nach seiner Existenzkrise entflieht und mit der Liebe zurück ins Leben findet. Dichterliebe erinnert durch Henrys Schilderungen aus der Ich-Perspektive an den Stil eines Tagebuchs. Morsbach schafft es dabei, in jedem Satz Henrys Bestimmung als Lyriker herausscheinen zu lassen. Seine Äußerungen sind poetisch, reich an Wortspielen und ungewöhnlichen Metaphern. Dichterliebe – Ein poetischer Roman über Liebe, das Glück des Neuanfangs und den Sinn von Literatur.

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Vita

Petra Morsbach, 1956 geboren, studierte im München und St. Petersburg. Danach arbeitete sie zehn Jahre lang als Dramaturgin und Regisseurin. Seit 1993 lebt sie als freie Schriftstellerin in der Nähe von München. Bisher schrieb sie mehrere, von der Kritik hoch gelobte Romane, u.a. „Plötzlich ist es Abend“, „Opernroman“ und "Gottesdiener" (alle im Taschenbuch bei btb). Im Frühjahr 2013 erscheint ihr neuer Roman "Dichterliebe" im Knaus Verlag. Für ihr Werk wurde Petra Morsbach mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

„Eine gelungene Mischung aus Melancholie, Witz und Poesie“

Süddeutsche Zeitung, Meike Fessmann (04. April 2013)

"Der Roman (...) ist genau, sprachmächtig und amüsant. Eine Geschichte, die als gute Geschichte über sich hinausgreift."

Neues Deutschland, Werner Liersch (14. März 2013)

"Petra Morsbach, die mit ihrem "Opernroman" bekannt geworden ist, legt mit "Dichterliebe" wieder einen so unterhaltsamen wie tiefgründigen Roman vor (...)"

LESART (Frühjahr 2013), Eva Pfister (15. März 2013)

"Der mit Abstand subtilste und ironischste Ost-West-Roman der Frühjahrssaison 2013"

RBB Kulturradio, Salli Sallmann (21. März 2013)

„Ein Künstlerroman in bester Tradition.“

BR, B5 aktuell "Neues vom Buchmarkt", Roana Brogsitter (27. März 2013)

„‘Dichterliebe‘ ist ein kleines Meisterwerk mit vielen Facetten.“

Badische Zeitung, Martin Halter (20. April 2013)

"Ein wichtiger, stark geschriebener Roman, der ernst klingt, aber eigentlich voller Humor steckt."

Münstersche Zeitung, Heiko Ostendorf (02. Mai 2013)

"... ein amüsanter Künstlerroman ohne jede Ostalgie."

DeutschlandRadio, Edelgard Abenstein (28. Mai 2013)

"Eine messerscharfe deutsch-deutsche Tragikomödie."

Für Sie (10. Juni 2013)

"Mehr Wahrheiten über das menschliche Seelenleben findet man wohl selten."

Ostthüringer Zeitung (15. Juni 2013)

„… erzählt (…) so lakonisch wie federnd, dass sich die Last des Stoffes in Leichtigkeit verwandelt.“

Leipziger Volkszeitung (28. Juni 2013)

"(...) ein Werk voller Sprachmacht und unterschwelliger Komik, wie man es selten zu fassen bekommt.“

WDR 5 "Scala", Carolin Courts (16. Juli 2013)

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