Die Frau des Obersts

Roman

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Die grausame Verbindung von Ideologie und Liebe

In einer Nacht lässt eine Frau ihr langes Leben in einem Dorf im Norden Finnlands Revue passieren. Schon mit vier Jahren schien ihr Schicksal besiegelt zu sein, als sie im Haus der Eltern den Oberst kennenlernt, ihren späteren Ehemann. Achtundzwanzig Jahre älter als sie, macht er aus ihr eine glühende Nationalsozialistin. Beide verehren sie Hitler, und mit seinen Erfolgen wächst ihre alles verzehrende Liebe zueinander. Doch mit dem Fall Nazideutschlands zieht die Gewalt in die Ehe ein – und sie muss alle Kräfte aufbieten, um sich zu befreien, von ihrem tyrannischen Mann und den falschen Versprechungen.

»Die Frau des Obersts« ist ein messerscharfes, unerbittliches Zeugnis über die Allmacht der ideologischen Verblendung, über Abhängigkeit und Unterwerfung und die Kraft der wahren Liebe.

»Schonungslos und obszön. Der Ertrag der Lektüre: eine Ahnung der Perversionen, die Nationalsozialismus und Krieg begünstigt haben, und ihrer Träger in ungewohntem Blickwinkel und Zusammenhang.«

FAZ, Fridtjof Küchemann (07. März 2020)

Aus dem Finnischen von Stefan Moster
Originaltitel: Everstinna
Originalverlag: Like Kustannus Oy
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-24174-2
Erschienen am  24. Februar 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Ideologie und Gewalt

Von: Barbara62

04.04.2020

Im Roman "Lempi, das heißt Liebe" der Finnin Minna Rytisalo, einem Lesehighlight 2018, hatte ich bereits einiges zur Geschichte Lapplands im Zweiten Weltkrieg erfahren. Für die Lektüre von "Die Frau des Obersts" von Rosa Liksom war dieses Wissen hilfreich, auch wenn die Handlung hier schon früher einsetzt. Vier Kriege führte Finnland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach der Unabhängigkeit 1918 fochten im Finnischen Bürgerkrieg die siegreichen bürgerlichen Weißen mit den sozialistischen Roten die neue Staatsform aus. Im Winterkrieg 1939/40 gegen die Sowjetunion wahrte Finnland zwar seine Unabhängigkeit, verlor jedoch Teile Ostkareliens. Vom Sommer 1941 bis Herbst 1944 kämpfte Finnland an der Seite des Deutschen Reiches im sogenannten Fortsetzungskrieg erneut gegen die Sowjetunion mit dem Ziel eines Großfinnlands. Der Waffenstillstandsvertrag vom 19.09.1944 verpflichtete Finnland zur Vertreibung der 200.000 Wehrmacht-Soldaten aus Lappland, wodurch es zwischen September 1944 und April 1945 zum Lapplandkrieg mit der Folge der verbrannten Erde kam. Überall Gewalt Die namenlose Ich-Erzählerin des Romans, für die es ein reales Vorbild gibt, wird schon im Kindesalter zuhause und bei den „Lottas“, einer paramilitärischen Frauenorganisation der Weißen, auf ihre Bestimmung vorbereitet: "Ich lernte, dass eine Frau fleißig bis zur Selbstaufopferung und gehorsam sein und sich gründlich auf ihr künftiges Los als Soldatenmutter vorbereitet sein muss. Dass zum Mannsein ein Stück Tyrannei gehört und dass der Mann der Frau moralisch überlegen sein soll, […] und dass die Frau lernen muss, das zu akzeptieren und den Mann trotzdem in aller Unschuld und Reinheit zu lieben." Trotz Warnungen wird sie mit gut 20 Jahren die Geliebte des ebenso namenlosen Obersts, 28 Jahre älter und für seine Gewalttätigkeit berüchtigt. Als seine Verlobte führt sie ein privilegiertes Leben, verinnerlicht die nationalsozialistische Propaganda, akzeptiert die Gräuel in deutschen wie finnischen Lagern, ist mit Generaloberst Dietl befreundet und trifft Göring, Himmler, Mannerheim, Speer, den norwegischen Naziführer Quisling und sogar Hitler. Solange er sich im Feld austoben kann, wahrt der Oberst den häuslichen Frieden. Als er sie jedoch nach dem Waffenstillstandsvertrag und zehn Jahren „Techtelmechtel“ heiratet und sich durch Untertauchen dem „Bruderkrieg“ sowie einer möglichen Verurteilung als Kriegsverbrecher entzieht, beginnen mörderische häusliche Gewaltexzesse. "Von seinem Trieb genötigt jagte und verehrte er ein Weibchen so lange, bis er es in der Falle hatte, und danach begann die Zeit der Folter und Verächtlichkeit." Erst nach 20 Jahren Beziehung und einem Psychiatrie-Aufenthalt gelingt ihr ein neues Leben als Lehrerin und Schriftstellerin. Vier Leben In der kurzen Rahmenhandlung, je zwei Seiten zu Beginn und am Ende, spricht ein auktorialer Erzähler über vier Leben der Ich-Erzählerin: Kindheit, die Zeit mit dem Oberst, eine weitere Ehe mit einem 28 Jahre jüngeren Mann, den sie als 14-jährigen Schüler verführt, und das Lebensende, als sie in Abgeschiedenheit ihren Frieden findet. Zwiespältiges Fazit So sehr mich der geschichtliche Hintergrund des Romans interessiert, zu dessen Verständnis das lobenswerte Glossar beiträgt, so sehr hat mich die obszöne Sprache abgestoßen, die ich nur schwer einer alten Frau zuordnen kann. Es fehlt mir auch völlig an Empathie für die Ich-Erzählerin, immerhin eine misshandelte Frau, die als glühende Nationalsozialistin selbst kein Mitleid mit den Opfern hatte und sich bis zuletzt nicht dafür schämt.

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Zwischen Liebe und Ideologie

Von: Buchwoerter

29.03.2020

Zwischen Liebe und Ideologie! • Darum geht’s: In einer Nacht lässt eine Frau ihr langes Leben in einem Dorf im Norden Finnlands Revue passieren. Schon mit vier Jahren schien ihr Schicksal besiegelt zu sein, als sie im Haus der Eltern den Oberst kennenlernt, ihren späteren Ehemann. Achtundzwanzig Jahre älter als sie, macht er aus ihr eine glühende Nationalsozialistin. Beide verehren sie Hitler, und mit seinen Erfolgen wächst ihre alles verzehrende Liebe zueinander. Doch mit dem Fall Nazideutschlands zieht die Gewalt in die Ehe ein – und sie muss alle Kräfte aufbieten, um sich zu befreien, von ihrem tyrannischen Mann und den falschen Versprechungen. • Ein wirklich heftiges Buch. Verstörend, direkt und schonungslos. Es geht vor allem um eine krankhafte Beziehung zwischen einem jungen Mädchen zu einem fanatischen Nationalsozialisten, dem Oberst. Der Oberst brennt für die Ideologie, muss in allem der Beste sein und behält gerne die Macht. Die zu Beginn junge Frau ordnet sich immer mehr unter. Eine krasse Co-Abhängigkeit entsteht und die Frau ist viel Gewalt, Missbrauch und Schmerz ausgesetzt. Personen, die Gewaltdarstellungen und Co. nicht gut lesen können, sollten auf jeden Fall nicht zu diesem Buch greifen. Der klare, emotionslose Erzählstil ist schwer aushaltbar, da man nur ansatzweise erahnen kann was die Protagonistin fühlt, durchmacht. Diese kalte Darstellung lässt mich zurück. Ich weiß gar nicht mit was für einem Gefühl. Die Geschichte hängt mir mit Sicherheit noch etwas nach. Die kurzen Auftritte von Personen haben mich zwischenzeitlich etwas verwirrt. Ein interessantes Buch über Ideologie, Abhängigkeit und dem Eheleben zur Zeit des Zweiten Weltkrieges in Finnland.

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Vita

Rosa Liksom, 1958 in Nordfinnland geboren, lebt heute in Helsinki und hat lange Zeit im Ausland verbracht (u.a. in der Sowjetunion, Dänemark und den USA). Sie studierte Anthropologie, arbeitete in den unterschiedlichsten Jobs und debütierte 1985 mit Kurzgeschichten, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Ihr erster Roman ist 1999 unter dem Titel "Crazeland" auch auf Deutsch erschienen. "Abteil Nr. 6" ist ihr dritter Roman, er wurde 2011 mit dem wichtigsten finnischen Literaturpreis ausgezeichnet, dem Finlandia-Preis, und ist mit 100.000 verkauften Exemplaren in ihrem Heimatland ein Bestseller. Neben dem literarischen Schreiben verfolgt Rosa Liksom eine künstlerische Karriere und malt, macht Comics und Kurzfilme.

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Events

22. Nov. 2020

Lesung und Gespräch mit Rosa Liksom

17:30 Uhr | Wien | Lesungen
Rosa Liksom
Die Frau des Obersts

Pressestimmen

»Furios und furchterregend: Durch die Augen einer Täterin beschreibt Liksom die Nazizeit in Finnland.... Grandios.«

BÜCHERmagazin (5 von 5 Punkten) (01. März 2020)

»Soll die Protagonistin am Ende für ihre Komplizenschaft verachtet oder für ihre späte Befreiung bewundert werden? Dass sich diese Frage schwer beantworten lässt, ist die große Stärke des Romans.«

»Verstörend. Das jedoch kann der Roman nur sein, weil er so grandios erzählt ist. ... Vorsicht vor diesem Buch. Es ist gewaltig.«

»Äußerst schwer zu verdauende Kost, aber auch großartige und wertvolle Literatur.«

»Rosa Liksom schreibt nicht: Sie malt in expressionistischer Manier und in glühenden Farben. Eine Prosa, zerwühlt wie ein Bett nach fiebriger Nacht.«

Badisches Tagblatt

»Literarisch hochwertig.«

DFR Deutsch-Finnische Rundschau, Saskia Geisler (01. Juni 2020)

»Eine schonungslose Liebesgeschichte.«

Borås Tidning

»Die Geschichte einer unerklärlichen Liebe. Eng verknüpft mit der Geschichte Finnlands im 20. Jahrhundert, das zwischen Bolschewisten und Nationalsozialisten zerrissen war. Das Ergebnis: eine literarische Meisterleistung!«

Weekendavisen

»Ein Ehedrama, das zugleich von der grausamsten Phase in Finnlands Geschichte des 20. Jahrhunderts erzählt. Diese zwei Handlungsstränge sind eng miteinander verwoben und erschaffen so einen herausragenden, kurzen, sehr konzentrierten Roman.«

Politiken

»Besonders im Kontrast zu den Gräueln der Geschichte strahlt Rosa Liksoms Sprache mehr denn je.«

Helsingin Sanomat

»Rosa Liksom zieht den Leser mit ihrer einzigartigen Erzählweise in den Bann. Dabei unterhält sie bestens und sucht zugleich Antworten auf die wesentlichen Fragen des Lebens.«

Uusi Suomi

»Ylävaara/Liksom gibt der 'Frau des Obersts' eine sehr eigene Stimme, die einen dazu bringt, ihr zu folgen, auch wenn man manchmal ganz schön schlucken muss.«

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