Die Gesichter des Meeres

Roman

(2)
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Kingstown, Heiligabend 1895. Vor der Küste Irlands läuft ein Frachter auf Grund. Während die Schiffbrüchigen auf Hilfe warten, kommen die Seenotretter in den eisigen Wellen ums Leben. Die Bewohner der Hafenstadt sind traumatisiert. Der 13-jährige Matias, der an Bord des havarierten Frachters war, findet sich in den hilfsbereiten Händen der Einheimischen wieder – und mitten im Strudel der Ermittlungen…

Über 100 Jahre später, auf den Spuren ihrer Vergangenheit, offenbart sich einer Schriftstellerin aus Finnland ein unbekannter Teil ihrer Familiengeschichte.


Aus dem Finnischen von Stefan Moster
Originaltitel: Kuka Vartijoita Vartioi
Originalverlag: Siltala
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-20018-3
Erschienen am  09. Dezember 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Havarie

Von: Frau Lehmann

12.02.2020

Diesmal sind Roman, Rezension und Wetter aus einem Guss. Während Sturm Sabine noch tobt und für Land unter hier an der Nordseeküste sorgt, schreibe ich über ein Buch, das einen Schiffbruch vor der irischen Küste während einer Sturmflut beschreibt. Und derweil der Wind den Regen mit Wucht gegen die Fenster schleudert, denke ich an die Männer und Frauen, die damals wie heute ausziehen, um den Schiffbrüchigen zu helfen und dabei ihr eigenes Leben riskieren. 1895. Vor Dun Laoghaire, damals Kingstown, strandet ein finnischer Frachter. In Windeseile fährt ein Rettungsboot der Freiwilligen der Königlichen Seenotretterstation aus. Und kentert bei starkem Wellengang in Sichtweite der Schiffsbesatzung. Es gibt keine Überlebenden. Erst am nächsten Tag gelingt es, die Crew des Frachters heil ans Festland zu bringen. Leena Landers Roman hat zwei Erzählstränge. Zum einen berichtet sie direkt aus dem Jahr 1895, zum anderen lässt sie eine Schriftstellerin in der heutigen Zeit über die Geschehnisse recherchieren. Bindeglied ist der Großvater, der als Junge auf dem Frachter mitfuhr. Sehr schnell stellt sich bei Untersuchungen heraus, dass das Rettungsboot wohl nicht seetauglich war. Konstruktionsfehler oder Fehlentscheidungen der Mannschaft? Die Regierung bevorzugt letzteres. Sehr ruhig, fast schon ein wenig betulich, erzählt Leena Lander von den Ereignissen rund um den Schiffsbruch. Es ist hochspannend zu verfolgen, wie aus den Seehelden Bauernopfer der Politik werden, wie Spendengelder für die Hinterbliebenen in andere Kanäle fließen und daraufhin Familien zerrissen werden und in Armenhäusern landen. Trotzdem hat Lander ihr Boot ein wenig überfrachtet, denn daneben kommen noch Frauenrecht und Kriegstraumata zur Sprache und bisweilen fragt man sich, was der eine Erzählstrang mit dem anderen zu tun hat. Ein paar Kürzungen hätten dem Fluss sicherlich nicht geschadet. Nichtsdestotrotz ist dies ein eindringlicher, intelligenter Roman, der sich mit Ehre und Mitgefühl beschäftigt, mit Verantwortung und der Frage nach dem richtigen Handeln in schwierigen Situationen. Wer allerdings einen Abenteuerroman in der Art der Titanic-Verfilmung erwartet, der wird sicherlich enttäuscht. Auch, wenn es durchaus eine kleine romantische Liebesgeschichte gibt.

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Spannendes von einer neuen Lieblingsautorin

Von: Celina

06.01.2020

Bei keinem Buch als diesem hätte es mich weniger überrascht, am Ende ein „Und die Moral von der Geschicht‘ ist …“ zu lesen. Ich kann nicht sagen, warum das so ist und ich finde es sehr schwierig, überhaupt zu beschreiben, warum mir Die Gesichter des Meeres so gut gefallen hat. Aber es ist eines der besten Bücher des Jahres und vielleicht sogar eines der besten, die ich je gelesen habe. Besonders gut fand ich den Schreibstil. Das Buch hat zwei Erzählstränge: einmal die Geschehnisse rund um das Unglück an Heiligabend 1895 und die Geschichte in der Gegenwart, um die Autorin und ihren Mann. Leena Lander gelingt es richtig gut, die unterschiedlichen Töne zu treffen. Allein am Stil konnte man immer erkennen, ob man sich im Jahr 2012 oder am Ende des 19. Jahrhunderts befindet. Die für heutige Ohren (oder Augen) gestelzte Ausdrucksweise ebenso wie die Darstellungen der Gedanken und Gefühle der Personen bringen dies sehr deutlich rüber. Grundsätzlich werden auch unglaublich spannende Themen im Buch angesprochen. Zunächst einmal, als wichtigstes Thema, die Seenotrettung. Ich glaube, vielen ist nicht klar, wie lange sich schon Menschen bei furchtbarem Wetter aufs Meer hinauswagen, um anderen Menschen zu helfen. Ich wusste es auf jeden Fall nicht und ich habe durch das ganze Buch hinweg tiefsten Respekt für sie empfunden. Denn auch heute noch ist es ein gefährlicher Beruf und mit der vergleichsweise schlechten Ausrüstung der Seenotretter am Ende des 19. Jahrhunderts, barg es noch mehr Gefahren. Ein weiteres Thema, über das ich bisher nichts wusste, wird nur am Rande gestreift: die Deportation irischer Kinder aus Waisenhäusern nach Kanada, wo sie als Arbeitskräfte ausgebeutet wurden. Hinzu kamen viele Dinge, die wütend machen, wie die Behandlung von Frauen, die Unterschlagung von Spendengeldern, Korruption oder die (einfach zu vollziehende) Irreführung von Ermittlungen. Wie man sieht, sind die knapp 600 Seiten des Buches gut angefüllt. Toll fand ich auch, wie die Personen dargestellt wurden. Über manche der Personen habe ich im Laufe des Buches meine Meinung geändert, wie das im Leben nun mal auch häufig geschieht. Leena Lander sagt über die Charaktere der Personen nicht immer viel, aber schon mit wenigen Worten wurde meist deutlich, was für ein Mensch sie sind. Besonders Elin, die Frau des Kapitäns der Unglücksfregatte ist mir ans Herz gewachsen. Sie ist ein sehr intelligenter Mensch und mit ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter nicht glücklich. Elin fungiert oft als Übersetzerin vom Englischen ins Finnische für ihren Mann und beweist eine Entschlossenheit und Hirn, das man ihrem Mann oft nur wünschen kann. Bei Die Gesichter des Meeres stimmt einfach alles und ich habe mit Leena Lander eine neue Lieblingsautorin entdeckt. Falls eure Büchergutscheine von Weihnachten also noch nicht eingelöst wurden, besorgt euch doch diesen Schatz hier!

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Vita

Leena Lander

Leena Lander, geboren 1955, ist eine der international bekanntesten und erfolgreichsten Schriftstellerinnen der finnischen Gegenwartsliteratur. Ihre Bücher wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt und vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Die Verfilmungen ihrer Romane »Die Insel der schwarzen Schmetterlinge« und »Die Unbeugsame« waren in Finnland große Erfolge. Leena Lander lebt mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Hannu Raittila, im Südwesten von Finnland in der Nähe von Turku.

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