Die Unruhigen

Roman

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Sehen, sich erinnern, verstehen. Alles hängt davon ab, wo du stehst.

Als sie zum ersten Mal nach Hammars kam, war sie ein knappes Jahr alt und ahnte nichts von der großen und umwälzenden Liebe, die sie dorthin geführt hatte. Im Grunde waren es drei Lieben.

Vater und Tochter sitzen mit einem Aufnahmegerät zwischen sich zusammen. Ihr Plan lautet, das Altern in einem Buch zu dokumentieren, das sie gemeinsam schreiben wollen. Als sie ihn endlich in die Tat umsetzen wollen, hat das Alter ihn in einer Weise eingeholt, die ihre Gespräche unvorhersehbar und unzusammenhängend macht.

"Die Unruhigen" ist ein genreüberschreitender Roman über ein Kind, das es nicht erwarten kann, erwachsen zu werden, und Eltern, die am liebsten Kinder sein wollen, über Erinnerungen und Vergessen und die vielen Geschichten, die ein Leben ausmachen.

»Ein streng durchkomponiertes, wunderschön vor sich hinfließendes, trotz allem tänzelnd endendes Buch.«

Matthias Hannemann / Frankfurter Allgemeine Zeitung (29. November 2018)

Aus dem Norwegischen von Paul Berf
Originaltitel: De Urolige
Originalverlag: Forlaget Oktober
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-20532-4
Erschienen am  11. Juni 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Alt werden ist Arbeit

Von: Werkberg

17.10.2019

»Alt werden ist Arbeit. Aufstehen ist Arbeit. Sich waschen ist Arbeit, sich anziehen ist Arbeit, an die frische Luft gehen ist Arbeit, anderen Menschen begegnen ist Arbeit. Es gibt niemanden, der über diese Arbeit spricht« (S.78). Linn Ullmann schreibt über das Altwerden ihres Vaters Ingmar Bergman bis zu seinem Tod. Vater und Tochter haben, mit dem Zweck darüber ein Buch zu schreiben, Gespräche vor einem Diktiergerät geführt. Die im Buch abgedruckten Dialogsequenzen daraus sind statt tiefgründigen philosophischen Problemen hauptsächlich den alltäglichen, banalen Gesprächsthemen gewidmet: bevorstehenden Essenszeiten, die Lichtverhältnisse, und der nächste Termin. Die Protagonistin versetzt diese Leerstellen mit Kindheitserinnerungen und untersucht dabei das Erinnern an sich. Das Buch ist ein Abschiednehmen von den Aufnahmen auf dem Diktiergerät und ein Abschied von ihrem Vater. Dabei schildert Linn Ullmann seinen Hof Hammars auf der Insel Fårö so deutlich, als könnte man ihr dabei über die Schulter gucken. Ihre Erzählstimme ist zurückhaltend, subtil und leise. Die Autorin hat ein sehr gutes Gespür für Zitate (u.a. Marcel Proust: »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«, Fernando Pessoa: »Das Buch der Unruhe«), die dem Buch »Die Unruhigen« zu mehr Substanz verhelfen. Obwohl die Schrift groß ist, der Lesefluss schnell und manche Seiten kaum bedruckt sind, hätten es ruhig 120 Seiten weniger sein können. 3,5/5

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Linn Ullmann, Die Unruhigen

Von: Susanne Becker

03.08.2019

"Um über wirkliche Personen zu schreiben wie Eltern, Kinder, Geliebte, Freunde, Feinde, Onkel, Brüder oder zufällige Passanten, ist es notwendig, sie zu fiktionalisieren. Ich glaube, dies ist der einzige Weg, ihnen Leben einzuhauchen. Sich erinnern heißt, sich umzuschauen, immer wieder, jedes Mal von Neuem erstaunt." Linn Ullmanns Buch "Die Unruhigen" ist so vieles auf einmal: ein zärtliches Buch über das Alter, über einen Vater, über eine Kindheit, über den Wunsch, ganz schnell erwachsen zu werden, über die Suche nach Eltern, die nicht wie Kinder sind, über ein Mädchen, das diese Eltern nicht finden konnte... Während ich es lese, muss ich oft an meine Eltern denken, die ganz anders waren, aber auch nicht erwachsen und immer wieder steigt in mir die Frage hoch, ob ich mich meinen Töchtern gegenüber wie eine Erwachsene verhalten habe. Dieses Buch ist so persönlich und offen, es berührt einen vom ersten Satz an tief im eigenen Inneren. "Die Unruhigen", so wie in Pessoas "Buch der Unruhe". Ewig suchend. Ewig sehnend. Die Unruhe vielleicht eines der prägendsten Elemente der Kindheit des Mädchens, das keinen Namen bekommt, genauso wenig wie die Eltern. Der Vater, die Mutter, das Kind. Der Vater und die Mutter trennen sich, als das Kind drei Jahre alt ist. Manchmal wird von ihnen in der dritten Person erzählt, aber oft auch in der ersten. Linn Ullmanns Eltern sind die Schauspielerin Liv Ullmann und der Regisseur Ingmar Bergman. Das Mädchen hat acht Geschwister von den vielen anderen Frauen des Vaters. Diese Geschwister heißen Daniel, Maria, Ingmarie.... Die anderen Frauen des Vaters heißen Käbi, Ingrid...Sie trifft sie im Sommer, wenn sie den Vater auf seiner schwedischen Insel für mehrere Wochen besucht. Ansonsten lebt sie mit der Mutter in Oslo, zeitweise auch in den USA. Ein autofiktionales Buch, in dem alle Namen tragen außer den drei Hauptpersonen. Diese werden von der Handlung umkreist, als bestünde die Hoffnung, sie in einen Zustand der Ruhe zu zwingen, wenn man ihnen nur lange genug auf den Fersen bleibt. Noch zu Lebzeiten des Vaters entstand die Idee zu diesem Buch, eine gemeinsame Idee. Es sollte auch ein Buch über das Altern werden, welches der Vater als schwere Arbeit empfand. Die Dinge begannen, ihm zu entgleiten. Es gibt sechs Tonbandaufnahmen, die in dem Jahr vor seinem Tod entstanden. Nach dem Tod des Vaters konnte die Autorin sie lange nicht anhören. Aber irgendwann fand ihr Mann sie auf dem Dachboden wieder und da begann sie, sich erneut mit der Idee zu diesem Buch zu beschäftigen. "Sie: Wir haben über die Damen gesprochen. Er: Was? Sie: Wir haben über die Damen gesprochen, über dein kolossales Interessse an den Frauen. Er: Ich glaube, ein Großteil meiner beruflichen Tätigkeit drehte sich darum, dass ich kolossal an Frauen interessiert war. Sie: Auf welche Art haben die Frauen geprägt, was... Er unterbricht sie und lehnt sich vor. Er: Auf jede denkbare Art, mein Herz." Dieses Buch nimmt sich oft aus wie die Suche nach dem Vater, den sie durch die Trennung der Eltern verlor. Denn die Mutter nahm sie mit in ihr Leben, in welchem die Tochter sich nicht besonders gut aufgehoben fühlte Das Buch ist in vieler Hinsicht zärtlich, aber nicht, wenn es von der Mutter erzählt. Da ist es von einer unendlichen Verlorenheit geprägt, von einer Trauer darüber, wie wenig ihre Bedürfnisse zählten in dieser Beziehung zur Mutter. Vielleicht hätte der Vater, wäre er anwesender in dem Leben des Mädchens gewesen, diese Verlorenheit abfedern können? Aber sie war nur im Sommer bei ihm. Jeden Sommer auf seiner Insel, wo strenge Regeln galten. Pünktlichkeit war oberstes Gebot und dass der Vater, während er arbeitete, auf keinen Fall gestört werden durfte. Die Sommer waren die Ausnahme. Der Alltag fand mit der Mutter statt, die auch alle das Mädchen betreffenden Fragen und Probleme allein entscheiden musste. An einer Stelle in dem Buch tut einer der zahlreichen Liebhaber der Mutter den Ausspruch "Die Komplexität der kleinen Dinge", und dies ist für mich eine wunderbare Beschreibung dessen, was Linn Ullmann mit ihrem Buch tut. Sie schildert uns unzählige kleine Dinge aus dem Leben dieser drei Menschen, dem Vater, der Mutter und dem Mädchen. Aus diesen kleinen Dingen, die oft in sehr kurzen Abschnitten Seite um Seite aneinandergereiht erscheinen, ergibt sich ein überaus komplexes Gesamtbild einer Kindheit, der Liebe, einer Familie, dieses Mädchens. "Ich versuche an dieser Stelle, etwas über die Liebe zu verstehen und über meine Eltern, und warum die Einsamkeit eine so große Rolle in ihrem Leben spielte,...." Ein wunderschönes Buch, tief und bewegend, suchend, sehnend und dabei all das in einem selbst berührend. Sehr große Leseempfehlung! (c) Susanne Becker

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Vita

LINN ULLMANN ist eine der bedeutendsten Autorinnen Skandinaviens. Ihre Romane sind vielfach preisgekrönt und in 30 Sprachen übersetzt, 2017 erhielt sie von der Schwedischen Akademie den Doubloug -Preis für ihr Gesamtwerk. Bei Luchterhand erschien zuletzt „Das Verschwiegene“ – unter dem Titel „The Cold Song“ u.a. auf der Jahresbestenliste der New York Times und eines der Lieblingsbücher von James Wood (New Yorker). Für „Die Unruhigen“ erhielt sie den Hörerpreis des Norwegischen Rundfunks, der Roman war für den Kritikerpreis und den Nordischen Literaturpreis nominiert. Eine Bühnenfassung davon hatte im Herbst 2018 am Königlichen Dramatischen Theater Stockholm unter der Regie von Pernilla August ihre Uraufführung.

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Paul Berf

Paul Berf, geboren 1963 in Frechen bei Köln, lebt nach seinem Skandinavistikstudium als freier Übersetzer in Köln. Er übertrug u. a. Henning Mankell, Kjell Westö, Aris Fioretos und Selma Lagerlöf ins Deutsche. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.

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Pressestimmen

»Ein Meisterwerk«

Peter Pisa / Kurier (24. Juni 2018)

»›Die Unruhigen‹, ein autofiktionaler Roman, ist Ullmanns brillanter Versuch, aus Kompromissen, Teilstücken, Subjektivem sowie literarischen, poetologischen Zweifeln ein Bild der Kindheitssommer auf Farö zu zeichnen.«

Stefan Mesch / Deutschlandfunk Kultur (21. Juni 2018)

»Assoziativ das alles, einfühlsam, liebevoll, und gleichzeitig ein Buch von hinreißender poetischer Intensität.«

Jutta Duhm-Heitzmann / WDR 5 (12. Juni 2018)

»Die Norwegerin Linn Ullmann, Jahrgang 1966, gehört zu den Superstars der skandinavischen Literatur. In ihrem neuen Roman ›Die Unruhigen‹ nähert sie sich ihrer Kindheit.«

Dirk van Versendaal / stern (07. Juni 2018)

»›Viel mehr als das Porträt einer berühmten Familie. Linn Ullmann geht es um die Frage: Wie werden wir zu dem, was wir sind?«

Nadine Kreuzahler / rbb inforadio (10. Juni 2018)

»Linn Ullmanns Roman gelingt Widersprüchliches: Er verweigert sich dem bloß Realen, erschafft aber etwas Authentisches. ›Die Unruhigen‹ löst Leben in Bilder auf.«

Carsten Hueck / Deutschlandfunk Kultur (08. Juni 2018)

»Es ist das bisher emotionalste Buch der Norwegerin, die nach eigenen Aussagen versucht hat ›so ehrlich wie möglich zu sein‹.«

Suzanne Forsström / Nordis (01. Juni 2018)

»Basierend auf Erinnerungen, Tonaufnahmen von Gesprächen und ihrem anarchisch-poetischen Zugriff, ist ›Die Unruhigen‹ Familiengeschichte und Sittenbild, ein Buch über das Erwachsenwerden und das Altern.«

Petra Kohse / Berliner Zeitung (04. Juni 2018)

»Sprachlich brillant und tiefgründig erkundet Linn Ullmann auf der Suche ›nach dem innersten Punkt der Geborgenheit‹ das Wesen ihrer Eltern und damit letztlich ihr eigenes.«

Nicola Bardola / Abendzeitung (04. Juni 2018)

»Immer wieder vermischen sich Film und Erinnerung, Fiktion und Wahrheit in Linn Ullmanns neuem, deutlich autobiografischen Roman ›Die Unruhigen‹.«

Salomé Meier / Süddeutsche Zeitung (30. Mai 2018)

»Linn Ullmanns Roman über ihre Kindheit mit weltberühmten und überforderten Eltern erwies sich als unwiderstehliche Lektüre.«

Thomas Borchert / Frankfurter Rundschau (08. Juli 2017)

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