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Dunbar und seine Töchter Roman

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eBook (epub) ISBN: 978-3-641-17700-3

Erschienen:  30.10.2017
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Edward St Aubyns meisterhafter Roman über einen machtbesessenen und eitlen Despot am Ende seines Lebens

Sein ganzes Leben lang hat Henry Dunbar auf nichts und niemanden Rücksicht genommen, besessen von der Vision, seinen kleinen Zeitungsverlag zu einem Medienkonzern auszubauen. Auf dem Zenit seiner Macht hat nur noch einen einzigen, aber mächtigen Feind: das Alter. Dunbar weiß, er muss sein Reich in die Hände seiner Töchter legen. Nur zwei der Kinder hält er für geeignet. Doch das Leben erteilt ihm eine bittere Lektion.

In seinem neuen Roman, inspiriert von Shakespeares König Lear, seziert Edward St Aubyn gekonnt innerfamiliäre Beziehungen. "Dunbar und seine Töchter" ist ein brillantes Lehrstück über Egoismus, Starrsinn und die Erkenntnis, wie leicht einem am Ende des Lebens alles Erreichte aus den Händen gleiten kann.

»König Lear hat in Henry Dunbar einen würdigen literarischen Nachfahr gefunden.«

MDR Kultur, Rainer Moritz, Literaturkritiker (12.12.2017)

Edward St Aubyn (Autor)

Edward St Aubyn wurde 1960 geboren und wuchs in England und Südfrankreich auf. Er studierte in Oxford. Seit 1992 hat er sechs Romane veröffentlicht. Edward St Aubyn ist Vater zweier Kinder und lebt in London. 2006 war er unter den Finalisten des renommierten "Man Booker Prize", 2007 gewann er den "Southbank Award" in der Kategorie Literatur und den "Prix Femina Étranger".

»König Lear hat in Henry Dunbar einen würdigen literarischen Nachfahr gefunden.«

MDR Kultur, Rainer Moritz, Literaturkritiker (12.12.2017)

»Exzentrisch, gallig, finster – wie ein gelungener Theaterabend.«

STERN (18.01.2018)

»Dieser neue Roman St Aubyns ist nicht hoch genug zu preisen, er ist das Werk eines Wortsinn ungeheuerlich guten Schriftstellers.«

Süddeutsche Zeitung, Franziska Augstein (28.11.2017)

»Eine grandiose Neubearbeitung von Shakespeares ‚King Lear‘!«

Kleine Zeitung (A) (10.12.2017)

»Edward St Aubyn ist der ideale Autor für die Aktualisierung dieser finsteren Geschichte.«

Welt am Sonntag, Richard Kämmerlings (03.12.2017)

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Aus dem Englischen von Nikolaus Hansen
Originaltitel: Dunbar
Originalverlag: Hogarth

eBook (epub)

ISBN: 978-3-641-17700-3

€ 15,99 [D] | CHF 19,00* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Knaus

Erschienen:  30.10.2017

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Ohn' Macht

Von: Frau Lehmann Datum: 13.03.2018

fraulehmannliest.com

Ein weiterer Band des Hogarth Shakespeare Projects im Knaus Verlag, der vierte für mich inzwischen. Dabei waren bisher Margaret Atwood, Jeanette Winterson und Howard Jacobson. Herausgekommen sind sehr unterschiedliche Interpretationen von Werken Shakespeares, mal als miterlebte Theateraufführung, mal fast soapartig, mal ein Diskurs zum Judentum gestern und heute, aber immer spannend, interessant oder auch lehrreich.
Nun also Edward St Aubyn, einer der besten britischen Schriftsteller derzeit, bekannt dafür, den Finger in Wunden zu legen, die sonst eher im Verborgenen schwelen und kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Er hat "King Lear" gewählt, ein Familiendrama in höchsten Kreisen, also eigentlich für ihn fast ein Heimspiel.

Der Medienmogul Dunbar, Vater von drei Töchtern, gibt den Firmenvorsitz an zwei seiner Töchter ab und verstößt die dritte. Diese Entscheidung war falsch, denn Abigail und Megan schieben ihn in ein Sanatorium ab und versuchen, Pläne durchzusetzen, die gar nicht in Dunbars Sinne sind. Dunbar entflieht. Und nun hängt sein Leben davon ab, wer ihn zuerst findet, die ihn liebende Dritte im Bunde, Florence, oder die beiden intriganten Biester, die vor nichts zurückschrecken.
St Aubyn hatte definitiv Spass. Megan und Abigail sind die bösen Schwestern Cinderellas, getuned für die heutige Zeit, Karikaturen ihrer Art. Zehen fahren sie lieber anderen ab, statt sie selbst zu verlieren. Ihr Umfeld ist ebenso überzeichnet, der Arzt, der sein eigener bester Kunde ist, der Latino-Bodyguard, der für seine Süße auch mordet. Dagegen bleibt Florence blass. Was soll sie auch machen, sie ist die Gute im Stück und das Gute schillert nie so facettenreich wie der Gegenpart. Das muss auch der Autor so gesehen haben, denn rasanter sind definitiv die Szenen mit den Teufelsschwestern. Dunbar selbst ist gebeutelt, unter Medikamenteneinfluss und verstört von den Ereignissen. Ein armer, alter Mann, dessen Welt zerplatzt ist und der nun versucht,die Scherben zu finden.
St Aubyn ist trotz aller Modernisierungen und Anpassungen recht nah am Stoff geblieben, der Fokus bleibt auf der Familie, darauf, was Macht in den falschen Händen ausrichten kann und wie man gerade denen besonders gut weh tun kann, die einem am nächsten sein sollten, zeigt aber auch die Leere, die diejenigen erfüllt, die Macht besessen und verloren haben.

"Dunbar und seine Töchter" ist sicherlich das Werk aus der Reihe, das am leichtesten zugänglich ist, für das man eigentlich keine Shakespeare-Kenntnisse braucht, weil es auch eigenständig funktioniert. Keine Werkanalyse, keine anstrengenden Monologe, keine mühsamen Adaptionsversuche. St Aubyn hat einen bösen Unterhaltungsroman über die Medienwelt zum Einen und dysfunktionale Familien zum Anderen geschrieben und ist damit wahrscheinlich sehr nah dran an Shakespeares Intentionen. Gutes Theater, das durch die Darsteller lebt, ohne aus dem Zylinder gezogene Kaninchen, dafür mit einer großen Portion menschlicher Abgründe. Leider allerdings auch mit ein paar Längen. Das Tempo, das das Duo Infernale vorlegt, können die restlichen Mitwirkenden nicht halten. Das ist schade, fällt im Gesamtverlauf aber gar nicht so sehr ins Gewicht.

Eine leichtfüssige Umsetzung eines schwerer wiegenden Themas, gute Unterhaltung und dafer definitiv lesenswert.

Lear reloaded

Von: klappentextmag.de Datum: 06.02.2018

www.klappentextmag.de

Mit Dunbar und seine Töchter findet zusammen, was scheinbar zusammengehört: Edward St Aubyn und William Shakespeare. Dass mich die Idee des britischen Hogarth Verlags, Shakespeares Dramen durch zeitgenössische Autoren in ein modernes Gewand stecken zu lassen, absolut begeistert, habe ich euch ja bereits bei meiner Rezension zu Die störrische Braut (alias Der Widerspenstigen Zähmung) erzählt. Dass sie mit St Aubyn nun einen meiner Lieblingsautoren für das Projekt gewinnen konnten, brachte mich bereits bei der Ankündigung zum Jubilieren.

St Aubyn wagt sich – es war nicht anders zu erwarten – an eines von Shakespeares intensivsten Dramen: König Lear. Arbeitete er sich in seiner fünfbändigen Melrose-Saga (bitte unbedingt lesen, gehört zum besten, was die Gegenwartsliteratur zu bieten hat) noch am eigenen Vater ab, widmet er sich mit Henry Dunbar einem fiktiven Übervater.

Unsere Lears von heute

Man liest ein paar Seiten des kurzweiligen Buches und weiß sofort, wer dieser Lear, wer dieser Dunbar ist. Dazu muss man König Lear nicht gelesen, ja nicht einmal von ihm gehört haben. Man muss dazu auch keine Romane gewälzt oder Filme verschlungen haben. Männer wie ihn finden wir hier. Hier im 21. Jahrhundert. Hier auf dieser Erde. Sie sitzen ganz weit oben und gucken mit kaltem Blick auf die da, auf uns da unten. Und alles, was zählt in ihrer eiskalten Welt, ist das Geld. Für diese Männer gibt es ein Wort: Mogul.

Ich habe dieses Buch gelesen und jemanden wie Rupert Murdoch, wie Silvio Berlusconi, ja, wie Donald Trump vor mir gesehen. Dunbar und seine Töchter offenbart uns einen Blick in ihr Inneres und in das ihrer Kinder. Das sind keine schönen Orte. Aber sie schaffen ein gutes Buch.

Was Macht mit Menschen macht. Das ist der Kern des Romans. Sie vergiftet alles und jeden, der von ihr umgeben ist. Und wer sie einmal mit den Fingerspitzen berührt hat, vergisst dieses Gefühl nicht mehr, der will sie ganz und gar in Händen halten.

Die Fratzen der Macht

So geht es auch den beiden ältesten Töchtern des alternden Medienmoguls Henry Dunbar. Abby und Megan wollen die ganze Macht im Konzern des Vaters für sich und lassen ihn mit kaum legalen Mitteln in ein Heim im englischen Lake District einweisen. Während die beiden durch und durch verlogenen, verschlagenen und von der Macht versauten Schwestern sich mit ihren männlichen Angestellten die Zeit vertreiben, bricht Dunbar aus dem Sanatorium aus und schlägt sich mit wirrem Kopf durch die wilde Seenlandschaft. Ein Worst-Case-Szenario für seine Töchter, die ihn mit kreisenden Hubschraubern suchen lassen und gleichzeitig versuchen, das Imperium weiter an sich zu reißen und vor weiteren Betrügern und Feinden zu schützen. Die Luft ist dünn an der Spitze eines Konzerns. Das heißt: Vertrauen, Schwäche und Naivität können sie sich nicht leisten. Deshalb sind die Damen härter als hart. Im Büro genauso wie im Schlafzimmer. Wer sich für das Business entscheidet, tut das mit jeder Faser und verkauft dazu noch seine Seele.

Da sie vor der Besatzung an Bord des Flugzeugs nicht offen sprechen konnten, hatten Abigail und Megan die Royal Suite in einem der feinsten Hotels von Manchester bezogen und Dr. Bob eingeladen, sie dort zum Lunch zu treffen. Das Wissen, dass die Schwestern nach immer höheren Dosen der Perversion gierten, um ihre abgestumpften Gelüste zu stimulieren, ermutigte ihn, den Gefahren des bevorstehenden wichtigen Telefonanrufs zu trotzen. Sein Körper, längst entstellt von heftigen Striemen und Kratzern, gelblich verfärben Blutergüssen und neuerdings der frischen schmalen Wundnaht auf seiner Brust, schrie nach Rache.

Es kommt noch schlimmer für die schlimmen Schwestern: ihre Halbschwester Florence – einst vom Vater enterbt – betritt nach langer Abwesenheit die Bühne und will sich mit Dunbar aussöhnen. Sie wird zur Endgegnerin für Abby und Megan und für den Leser zu einer angenehmen Verschnaufpause. Florence ist nämlich ein Mensch. Ein Mensch mit klarem Kopf und einem gesunden Gefühlsleben. Eine Tochter, die ihren Vater liebt und ihm helfen will.

Ein bisschen zu böse

Das Spiel „Gut gegen Böse“ ist eine alte Masche – niemand gibt ihr so viel Kraft und Drama wie Meister Shakespeare. St Aubyn greift sie auf und schleift sie einmal gehörig durch den zeitgemäßen Dreck aus Sex, Drugs und fast ein bisschen wenig Rock’n’Roll. Das liest sich locker und das Wühlen im Schmutz und der zunehmenden Verrohung fast aller Charaktere fühlt sich bisweilen wie das Begaffen einer Katastrophe an: man will wegschauen, aber die Gier ist zu groß. Der Autor spielt mit unserer Lust nach Sensationen – und er weiß ganz genau, was er da tut und wie er es tut. Manchmal trägt er so dick auf, dass es zu gestelzt, zu konstruiert wirkt. Für meinen Geschmack zumindest. Dann sind mir die Bösen ein bisschen zu böse und die Guten ein bisschen zu gut. Vielleicht funktioniert die Tragödie aber auch nur so. Und vielleicht – ja, ich befürchte, es ist so – trägt er noch nicht dick genug auf, um der Realität das Wasser reichen zu können.

Dieser Roman passt in diese Zeiten, in denen die Sprache immer roher zu werden scheint und Anstand sich im öffentlichen Raum zum seltenen Phänomen entwickelt. Man erträgt es nicht besser, wenn man ihn gelesen hat. Die „Elite“ – der Schlangenkopf aus Medienkonzernen und Politikern – zeigt hier seine hässlichste Fratze. Aber wer einen Blick hinter die Machtstrukturen von Trump und Co. werfen will, findet hier sein Buch. Das Hässliche kommt poetisch und unterhaltsam daher. Aber Vorsicht: die Bilder, die St Aubyn malt, wird man so schnell nicht wieder los.

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