Eine letzte Liebschaft

Short Storys

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Kein Wort zu viel und trotzdem alles gesagt: Die letzten Erzählungen vom Meister der kurzen Form

Richard Yates gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der US-amerikanischen Nachkriegsgeneration, für manche ist er der »missing link« zwischen Tennessee Williams und Raymond Carver. Der Band Eine letzte Liebschaft versammelt die neun letzten noch nicht auf Deutsch veröffentlichten Erzählungen des Autors. Ganz gleich, ob er das unterdrückte Begehren einer Hausfrau in der Vorstadt thematisiert, die Verzweiflung eines Büroangestellten in Manhattan oder das gebrochene Herz einer alleinerziehenden Mutter – niemand porträtiert die Alltagshoffnungen und -enttäuschungen seiner Figuren so schonungslos, doch mitfühlend wie Richard Yates.

«Richard Yates zu lesen, diesen unversöhnlichen Chronisten der amerikanischen Mentalitätsgeschichte nachdem Zweiten Weltkrieg, ist immer ein Gewinn.»

Süddeutsche Zeitung, Christopher Schmidt (14. November 2016)

Aus dem Englischen von Thomas Gunkel
Originaltitel: Uncollected Stories
Originalverlag: Methuen
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-15983-2
Erschienen am  26. September 2016
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Ein Must-have: Wahrhaft große Literatur im Kleinformat!

Von: artWORDising Diana Wieser

25.07.2018

Unerfüllte Sehnsucht umweht all seine Figuren. Wohl kaum einer vermag die Hassliebe einer Alltagsehe, die geplatzten Träume einer Mittelstandsexistenz und die Wunden der Nachkriegsjahre besser auf den Punkt zu bringen als Richard Yates. Er schaut hin, wo es wehtut: hinter die Fassaden der Vorzeigefamilien, in die Schlafsäle der Veteranenkrankenhäuser. Neun Erzählungen zeigen die literarische Größe eines der besten amerikanischen Schriftsteller seiner Zeit auf. Denn Yates komponiert Szenen, die sich einprägen. Symbole, die aufrütteln. Wie die Osterglocken, deren Bedeutung durch den Krieg ins Gegenteil verzerrt, plötzlich wie Vorboten des Todes anmuten. Die Geschichten dieser Sammlung sind in den 40er und 50er Jahren angesiedelt. Die Erlebnisse des Zweiten Weltkrieges hängen wie ein dunkler Schatten über den Stories. Der Krieg lässt seine Protagonisten nicht los, selbst Jahre später. Ein Gast prahlt auf einer Cocktailparty mit seinen Verdiensten in einer Schlacht und stellt dadurch einen Kollegen bloß. Auf der Tuberkulosestation eines Veteranenkrankenhauses nehmen amouröse Verwicklungen ein ungutes Ende. Die Frau eines GIs vereinsamt in Frankreich, wo ihr die Einheimischen ablehnend begegnen. Das komplexe Zusammenspiel von Beziehungen bringt Yates ebenfalls meisterlich auf den Punkt. Eigene Unzulänglichkeiten und Ängste werden auf die Beziehung übertragen. Der Partner leidet und schlägt zurück. Die Hassliebe entlädt sich in kleinen Alltagsszenen, bei denen eine zerbrochene Teetasse den angestauten Frust zum Explodieren bringt. Auch zeigt Yates eine Generation von Männern und Frauen, die ihren Platz in der Gesellschaft neu definieren müssen. Zwar ist das Rollengefüge noch klassisch geprägt – der Mann bringt das Geld nach Hause, wo er von der fürsorglichen Frau mit dem Abendessen erwartet wird – doch das Bild bekommt Risse. Die Männer kehren als gebrochene Helden vom Krieg zurück. Sie befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Rekonvaleszenz, scheinbar nicht mehr in der Lage, ihre Stellung als Familienoberhaupt auszufüllen. Danben gibt es Frauen, die Wege suchen, sich ihres Daseins als Heimchen am Herd zu entledigen. Sie beginnen Affären, verlassen den angepassten Buchhalter und brennen mit dem Intellektuellen durch. Sie nehmen sich das Recht auf eine letzte Reise samt einer letzten Liebschaft heraus, bevor sie in den Hafen der Ehe einlaufen. Ob Machtkämpfe zwischen Soldaten oder Liebenden, in Streitsituationen offenbaren die Protagonisten oftmals schonungslos hässliche Charakterzüge. Dennoch bleiben die Handlungen verständlich, die Charaktere menschlich, der Schmerz nachvollziehbar. Auf die eine oder andere Weise fühlen sich die Figuren in die Ecke gedrängt und beginnen um sich zu schlagen. Zum Beispiel, weil sie dem oberflächlichen moralischen Druck der Gesellschaft nicht mehr Stand halten können. Richard Yates präzise, perfekt formulierte Sprache, stellt ein ideales Gegengewicht zur emotionalen Wucht der Situationen dar. Jedes Wort hat seine Berechtigung, kein einziges wird verschwendet. Zwischen der Biografie von Yates und seinen Stories gibt es tragische Parallelen. Der Autor galt als „writer‘s writer“, der von Kollegen wie Raymond Carver hochgeschätzt wurde, aber beim breiten Publikum keinen Anklang fand. Vielleicht war die amerikanische Gesellschaft damals noch nicht bereit, sich Yates messerscharfen, sezierenden Blicken zu stellen. Yates Romane und Erzählungen wurden zu seinen Lebzeiten nie Bestseller, seine Ambitionen als Drehbuchautor scheiterten ebenso. 1992 starb Yates unter ärmlichen Bedingungen. Wenig später wurde seine Prosa zum „Kult“ erklärt und erhielt endlich die ihr zustehende Würdigung. Sein bekanntestes Werk „Zeiten des Aufruhrs“ wurde mit Leonardo di Caprio und Kate Winslet verfilmt. Es erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Fazit: Jede der neun Erzählungen ist ein kleines Meisterwerk. Jede von ihnen kann als Lehrstück für einen Creative Writers Workshop zum Thema „Wie schreibe ich die perfekte Short Story?“ herangezogen werden. Das Wesen des strauchelnden Menschen, schonungslos und doch mitfühlend auf den Punkt gebracht. Wahrhaft große Literatur im Kleinformat!

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Zerbrochene Träume und einsame Seelen

Von: Birgit Böllinger aus Augsburg

28.06.2017

Eins und doppelt möchte man sein. Die romantische Idee des Ineinander-Verschmelzens, die regelmäßig an den Klippen des Alltags zerschellt. Einer, der gerade dieses mit wenigen, knappen Sätzen beschrieb, war Richard Yates. Schon in seinem bekanntesten Roman „Revolutionary Road“ gibt es sie, diese Szenen einer Ehe – da liegt so viel Unausgesprochenes zwischen dem Paar, soviel ungelebte Möglichkeiten, soviel unerfüllte Wünsche. Den bitteren Geschmack der Enttäuschung – ihn transportierte der amerikanische Schriftsteller (1926 – 1992) auch in seinen letzten Erzählungen, neun short storys, die zu Lebzeiten nie veröffentlicht wurden und nun erstmals in deutscher Übersetzung erschienen sind.

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Vita

Richard Yates wurde 1926 in Yonkers, New York, geboren und lebte bis zu seinem Tod 1992 in Alabama. Obwohl seine Werke zu Lebzeiten kaum Beachtung fanden, gehören sie heute zum Wichtigsten, was die amerikanische Literatur des 20. Jahrhunderts zu bieten hat. Wie Ernest Hemingway prägte Richard Yates eine Generation von Schriftstellern. Die DVA publiziert Yates’ Gesamtwerk auf Deutsch, zuletzt erschien der Roman "Eine strahlende Zukunft". Das Debüt "Zeiten des Aufruhrs" wurde 2009 mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in den Hauptrollen von Regisseur Sam Mendes verfilmt. „Cold Spring Harbor“, zuerst veröffentlicht 1986, ist Yates‘ letzter vollendeter Roman.

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Thomas Gunkel

Thomas Gunkel, 1956 in Treysa geboren, arbeitete mehrere Jahre als Erzieher. Nach seinem Studium der Germanistik und Geografie in Marburg/Lahn wurde er 1991 Literaturübersetzer. Zu den von ihm übersetzten Autoren gehören u.a. Larry Brown, John Cheever, Stewart O'Nan, William Trevor und Richard Yates.

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Zitate

»Die banale Traurigkeit des Lebens, gegossen in die für Yates so typische unprätentiöse, glasklare Prosa. ... Er zieht hier wieder alle Register seines schriftstellerischen Könnens.«

DIE WELT kompakt, Philipp Haibach (05. Oktober 2016)

»Richard Yates Romane und Erzählungen haben bis heute nichts von ihrer Gegenwartsprägnanz verloren.«

Deutschlandfunk, Büchermarkt, Christoph Schröder (02. Oktober 2016)

»Ein Meister der Zwischentöne, der eindringlichen Augenblicke und Sätze, die alles beinhalten, worum es zwischen zwei Menschen geht oder eben nicht mehr geht.«

»Nach ein paar Seiten denkt man, die Welt wäre ein besserer Ort, wenn jedes Buch mit dieser Sorgfalt fürs Detail, für jedes Motiv geschrieben wäre.«

FAZ, Verena Lueken (15. Oktober 2016)

»Yates' Sprache kommt ohne Stuck daher, simpel, fast naiv, ohne Bilder. Seine Szenen haben Konturen, Schlagschatten wie Gemälde von Edward Hopper.«

Nordkurier, Roland Gutsch (27. September 2016)

»Lange blieb er unbeachtet, seit seiner Wiederentdeckung aber wird er unablässig gepriesen: Richard Yates.«

stern (08. Dezember 2016)

Pressestimmen zu den vorherigen Büchern:

»Einer der wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts.«

FAZ

»Richard Yates seziert Lebenslügen – kühl, schnörkellos, herzergreifend.«

Welt am Sonntag

»Ein Meister der Sprache. Klar und messerscharf: Kein Wort ist zuviel und trotzdem ist alles gesagt.«

Bayerischer Rundfunk

»Richard Yates ist einer der großen Existentialisten und Fatalisten der Moderne.«

Die Zeit

»Yates ist eine Art Gott der Eingeweihten. Viele der besten US-amerikanischen Schriftsteller haben von ihm gelernt.«

Eva Menasse

»Und doch ist da diese Unbedingtheit, Verletztheit, Gereiztheit, eine sprachliche Unnachgiebigkeit, die vielleicht aus der Kunstfertigkeit hervorgeht, alles Poetische aus der Darstellung herauszuhalten. Gerade das macht Ruhestörung, weil es zu scheitern droht und vom Scheitern erzählt, zu einem faszinierenden Buch.«

Frankfurter Rundschau über "Ruhestörung"

»Meisterhaft und bis ans Äußerste getrieben, versteht es Yates, vor dem Hintergrund der großen, weltumspannenden Geschichte den emotionalen Kleinkrieg zwischen Mutter und Sohn zu schildern. Wenn es eines letzten Beweises bedurfte, um Yates' einsame Könnerschaft als schreibender Exorzist zu belegen – hier ist er!«

Spiegel Online über "Eine besondere Vorsehung"

»...ein zutiefst humanes Buch. Yates hat aus seinen Tränen Eiswürfel gemacht, die beim Schreiben im Whiskeytumbler klirrten; schwer zu sagen, was ihn letztlich umgebracht hat, der Alkohol oder der Schmerz, den er darin ertränkte.«

Süddeutsche Zeitung über "Eine gute Schule"

»Richard Yates' Geschichten sind bitter und schön, ihr Stil ist deutlich und durchsichtig, ihr Milieu durchschnittlich und zugänglich, ihre Poesie ist tief bewegend.«

Süddeutsche Zeitung über "Elf Arten der Einsamkeit"