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Faber oder Die verlorenen Jahre Roman

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eBook (epub) ISBN: 978-3-641-19674-5

Erschienen: 26.09.2016
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Als Eugen Faber nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in seine Heimatstadt zurückkehrt, liegt seine Welt in Trümmern: Er ist zum Außenseiter geworden, zum Fremden in seiner eigenen Familie. Jakob Wassermanns wiederentdeckter Roman ist ein erschütterndes und bewegendes Zeugnis der Entwurzelung einer ganzen Generation.

Sechs Jahre hat sich der junge Architekt Eugen Faber in russischer Gefangenschaft nach seiner Frau, seiner großen Liebe und Seelenverwandten, gesehnt und schließlich eine gefährliche Flucht auf sich genommen. Doch das Leben ist inzwischen weitergegangen. Seine Frau erkennt er kaum wieder, sein kleiner Sohn kann sich nicht an ihn erinnern. In seinem Beruf wird er nicht mehr gebraucht, und auch Ideologien bieten ihm keinen Halt. Zunehmend verzweifelt versucht er, sich in eine Welt einzufügen, die nicht mehr die seine ist.

Mit außerordentlichem Einfühlungsvermögen erkundet Jakob Wassermann das quälende Ringen um Nähe und Verständnis. In den 1920er-Jahren war er einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller. 1933 sollten seine Werke den Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten zum Opfer fallen, doch schon 1924, als er den vorliegenden Roman veröffentlichte, ahnte er das nahende Unheil voraus. In einer Zeit des brüchigen Friedens und des drohenden Zerfalls Europas stellt der Roman existenzielle Fragen, die uns auch heute noch beschäftigen: nach dem Wert von Menschlichkeit, Respekt und gegenseitiger Achtung.

«Was Wassermanns Prosa auszeichnet, das ist die geradezu an Versessenheit grenzende Akribie, mit der er die Unordnung im Gefühlshaushalt erkundet... Diese Entzweiungsgeschichte berührt.»

Andrej Klahn, Deutschlandfunk Büchermarkt (25.10.2016)

Jakob Wassermann (Autor)

Jakob Wassermann (1873–1934), als Sohn eines jüdischen Gemischtwarenhändlers in Fürth geboren, gelangte Ende der 1920er-Jahre zu Weltruhm: Seine von der Psychoanalyse beeinflussten Romane waren Bestseller und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die Verbrennung seiner Bücher 1933 in Deutschland bedeutete seinen materiellen wie auch psychischen Ruin.

«Was Wassermanns Prosa auszeichnet, das ist die geradezu an Versessenheit grenzende Akribie, mit der er die Unordnung im Gefühlshaushalt erkundet... Diese Entzweiungsgeschichte berührt.»

Andrej Klahn, Deutschlandfunk Büchermarkt (25.10.2016)

«Einer der bekanntesten und erfolgreichen deutschen Schriftsteller. Er wurde vor und nach dem Ersten Weltkrieg in einem Zug mit Thomas oder Heinrich Mann genannt.»

Falter (A), Alfred Pfoser (12.10.2016)

«Klare Worte, die bis heute nicht an Gültigkeit und Aktualität eingebüßt haben.»

fixpoetry.com, Anja Kümmel (16.12.2016)

Mit Nachwort von Insa Wilke

eBook (epub)

ISBN: 978-3-641-19674-5

€ 21,99 [D] | CHF 28,00* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Manesse

Erschienen: 26.09.2016

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Faber oder die verlorenen Jahre

Von: Mirella Pagnozzi Datum: 26.04.2017

mirella-pagnozzi.blogspot.de/

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, wenn es auch meine Erwartungen nicht ganz erfüllt hat. Ich dachte erst, nachdem ich den Klappentext gelesen habe, das Buch behandelt thematisch einen traumatisierten Kriegsheimkehrer aus dem Ersten Weltkrieg.

Zur Erinnerung gebe ich erneut den Klappentext rein:

"Als Eugen Faber nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in seine Heimatstadt zurückkehrt, liegt seine Welt in Trümmern: Er ist zum Außenseiter geworden, zum Fremden in seiner eigenen Familie. Jakob Wassermanns wiederentdeckter Roman ist ein erschütterndes und bewegendes Zeugnis der Entwurzelung einer ganzen Generation.Sechs Jahre hat sich der junge Architekt Eugen Faber in russischer Gefangenschaft nach seiner Frau, seiner großen Liebe und Seelenverwandten, gesehnt und schließlich eine gefährliche Flucht auf sich genommen. Doch das Leben ist inzwischen weitergegangen. Seine Frau erkennt er kaum wieder, sein kleiner Sohn kann sich nicht an ihn erinnern. In seinem Beruf wird er nicht mehr gebraucht, und auch Ideologien bieten ihm keinen Halt. Zunehmend verzweifelt versucht er, sich in eine Welt einzufügen, die nicht mehr die seine ist."

Ich finde schon, dass der Klappentext einen dazu einlädt, diese Erwartung in sich aufzubauen ...

Das Buch ist sehr tiefgründig, dass ich fast auf jeder Seite Klebeblättchen haften habe, obwohl mir von Anfang an bewusst ist, dass ich die meisten Blättchen nicht bearbeiten kann. Mich haben die Gedanken des Protagonisten Eugen Faber so sehr fasziniert, dass ich nicht anders konnte, als sie mit den Blättchen festzuhalten.

Eugen Faber lernt man als einen sehr ernsten Menschen kennen, der später sogar misanthropische Züge entwickelt. Aber mit dem Hintergrund, den Faber mitbringt, ist das eher menschlich, obwohl man sehr wenig erfahren hat, welche Erlebnisse er in seiner russischen Gefangenschaft erlitten hat. Wie konnte seine Flucht von Sibirien nach China gelingen? Wie hat er es geschafft, wieder nach Hause zu kommen? Dieses und anderes hätte mich interessiert und es wunderte mich, dass meine Fragen so unbeantwortet geblieben sind. Erst im Anhang entnahm ich schließlich, dass der Roman kein (traumatisierter) Heimkehrroman darstellen würde.

Es werden in dem Buch viele Themen behandelt, wie z. B. die Ehe, Politisches, Pädagogisches, Gesellschaftliches. Aber von den Kriegserfahrungen erfährt man nur am Rande etwas ...

Als Faber sich wieder in seiner Heimatstadt befindet, geht er nicht nach Hause zu seiner Frau und zu seinem Kind, nein, er sucht seinen Freund Jakob Fleming auf, ein guter Onkel der Familie, und bittet um Asyl für ein paar Tage. Eine zerrissene Persönlichkeit, die am liebsten vor sich selbst fliehen würde, so kommt er mir vor. Sehr ernst und nachdenklich wirkt er auf mich. Seine Gedanken, seine Verstimmtheit nehmen sogar krankhafte Züge an ... Und so erfährt Faber von Fleming über die kriegsbedingten Veränderungen innerhalb seiner eigenen Familie und über seine Herkunftsfamilie ...

Er entnahm die traurige Notiz, dass sein Vater, von Beruf war er Arzt, nicht mehr am Leben sei, und seine selbstbewusste Mutter namens Anna, die sich für die Frauenrechte einsetzte, auch nicht mehr dieselbe war. "Auch sie hat ihren Tribut an die Zeit bezahlt wie wir alle", so Fleming. (2016,39)

Jakob Fleming war mir total sympathisch. Nicht nur weil seine Wohnung bis zur Wohnungsdecke voller Bücher ist, nein, auch weil er der Familie Faber, speziell Martina, Eugen Fabers Frau, seelsorgerisch zur Verfügung stand. Auch Fleming ist von Beruf Arzt.

Seine Frau Martina schließt sich während des Krieges, in der Zeit als Eugen einberufen wurde und nicht mehr zu Hause lebte, einer sozialpädagogischen Organisation an, die heimatlose und seelisch-körperlich vernachlässigten Kindern ein Zuhause bietet. Gegner dieser Einrichtung bezeichnen diese als eine Krüppelfabrik. Martina wollte lernen, von ihrem Mann unabhängig zu leben, weshalb sie diese Herausforderung mit den misshandelten Kindern auf sich nahm.

Als sich Faber wieder nach Hause begibt, sind ihm seine Frau und auch sein kleiner Sohn Christoph fremd. Und vor allem mit seinem Sohn zeigte Faber Schwierigkeiten, sich mit ihm zu beschäftigen ... Zudem versteht er Martinas berufliche Veränderung nicht wirklich einzuordnen, als sie versucht hatte, es ihm zu erklären, dass ihr die Zeit zu lang schien, um auf Fabers Rückkehr zu warten. Sie hatte das dringende Bedürfnis, sich in der Gesellschaft nützlich zu machen und sie wollte aufhören, wirtschaftlich von ihrem Mann abhängig zu sein. Mit emanzipierten Frauen hat Eugen keine wirklichen Erfahrungen …

Ebenso Fabers Schwester Clara wundert sich über Fabers Rückzug von der Familie. Auch sie nimmt eine Wesensveränderung wahr und bespricht diese mit ihrem Mann Hergesell:

>>Es zieht ihn ja auch nicht zu uns, zu mir oder zu Mutter. Es treibt ihn nur weg von daheim. Am liebsten ginge er von sich selber weg.<< Daraufhin Hergesell:

>>Das mag wohl wahr sein, (…), er ist eine entwurzelte Existenz. Wohin gehört er? Er weiß es nicht. Was erstrebt er? Er weiß es nicht. Wo sind seine tieferen Verpflichtungen? Er hat keine. Von solchen Menschen wimmelt unsere Welt jetzt, und bei den meisten bedarf es nur des Stichworts, und sie werden… nun, sie werden was sie eben sind. (…) Und ich glaube, bei Eugen rächt sich das am bittersten. Er steht nicht. Er ist kein Mensch, der steht. Er ist ein Mensch, der flieht.<< (115f)

Auch wenn man das dem Buch und der Thematik nicht wirklich ansieht, verbirgt es doch auch eine kleine und komplizierte Liebesgeschichte. Der unglückliche Eugen Faber verliebt sich in eine andere Frau namens Fides und Fides verliebt sich in Eugen … Eugen glaubt, diese Frau sei viel feinfühliger als seine Martina, und er fühlt sich zu Fides seelisch sogar hingezogen ... Aber mehr ist dem Buch zu entnehmen.

Mein Fazit zu dem Buch?

Ich habe nicht nur das Buch mit großem Interesse gelesen, sondern auch das Nachwort fand ich äußerst interessant, aus dem zu entnehmen ist, wie andere bekannte Autoren literarisch zu Jakob Wassermann standen. Thomas Mann z. B. vermisste mehrfach den Humor. Ja, das stimmt, das kann ich selbst auch bestätigen, aber gestört hat mich das nicht. Arthur Schnitzler empfand Wassermanns Werke als nicht besonders intellektuell tiefgründig, während Stefan Zweig Wassermann eher lobend gegenüberstand. Wassermanns Schreibstil hätte tiefes, psychologisches Potenzial. (409)

Ich schließe mich Stefan Zweigs Meinung an. Den psychologischen Tiefgang findet man auch in diesem Buch. Wie ich eingangs schon beschrieben habe, ist Faber ein Mensch, der starke innere Nöte erlitten hat, und er gezwungen ist, sich ihnen zu stellen, bzw. sich mit diesen Nöten auseinanderzusetzen, bis er, das hoffe ich, seinen inneren Frieden wieder gefunden hat, und wieder gesellschaftsfähig wird. Ob er das schafft, dies lässt der Autor Jakob Wassermann offen.

Ein Suchender

Von: Lesemanie Datum: 14.04.2017

lesemanie.com/

Der Erste Weltkrieg ist vorbei und Eugen Faber kehrt heim. Schon wenige Wochen nach seinem Dienstantritt ist er in russische Gefangenschaft geraten und nach fünfeinhalb Jahren in Sibirien und China hat er es nach Hause geschafft. Wobei - "nach Hause" lenkt der frühere Architekt seine Schritte eine ganze Weile erst mal nicht. Er mietet ein Pensionszimmer, irrt durch die Stadt und steht schließlich bei seinem ehemaligen Hauslehrer Fleming vor der Tür, kurz darauf bei der Mutter und seiner Schwester Klara.

Und dann erst sieht er Martina wieder, seine Frau und Jugendliebe und den kleinen Sohn Christoph, der an den eigenen Vater keinerlei echte Erinnerung mehr hat. Die beiden leben in der selben Wohnung, die Faber noch kennt und doch ist vieles ganz anders. Martina hat angefangen zu arbeiten und das ist ein Punkt, mit dem Eugen Faber hadert, ohne dass er genau definieren kann, warum. Dass seine Frau bis spätabends außer Haus ist, dass sie mit ihrer Chefin, "der Fürstin", nach London reist und dass sie ganz augenscheinlich völlig von ihrer Arbeit erfülllt wird, kann er kaum glauben. Fides, die sich während Martinas häufiger Abwesenheit um Christoph kümmert und die Wohnung sauber hält, versucht, dem Befremdeten Martinas Entscheidung zu erklären:

"Sie konnte nicht ausschließlich Mutter sein. Darauf war sie innerlich nicht eingerichtet; ihre eigene Person galt ihr auch was; das Problem war für sie, wie sie mit sich selber auskommen und hausen würde [...] Und wie sie sich achten lernte und sich nichts schuldig blieb, und aus einem nesthütenden Weibchen ein tätiger Mensch wurde: Das war doch was..."

Während Martina sich emanzipiert hat, führt Fabers Schwester eine unglückliche Ehe, die sie scheinbar in erster Linie aufrecht erhält, weil sie so für den Unterhalt der Mutter aufkommen kann, die mit Klara, ihren Kindern und dem Mann, dem resoluten Hermann Hergesell, zusammen lebt.

Während Fabers Entwurzelung Mittelpunkt der Erzählung ist, schweift Wassermann insbesondere zu Beginn ab und lässt den Leser an Fabers Kindheit und Familiengeschichte teilhaben. Und spätestens im letzten Buchdrittel, in dem er sich verstärkt auf Fabers Mutter und Schwester konzentriert, wird deutlich, dass der Kriegsheimkehrer Faber nicht der Einzige ist, der orientierungslos umherirrt. Klara und seiner Mutter geht es ebenso. Und hätte Martina nicht die Erfüllung in ihrer Arbeit gefunden, müsste man sie auch zu dieser Gruppe rechnen. Wenn bloß die Familienmitglieder sich durch Fabers kriegsbedingte Abwesenheit nicht so sehr voneinander entfremdet hätten, könnten sie einander gegenseitig Halt geben. Aber so treibt jeder für sich in einer Zeit und Gesellschaft, die aus den Fugen geraten ist.

Dieser Heimkehrer-Roman muss in den 20er Jahren des vorangegangenen Jahrhunderts einen Nerv getroffen haben (Wassermann gehörte neben Stefan Zweig und Thomas Mann zu den meistgelesenen deutschsprachigen Schriftstellern seiner Zeit). "Die Menschheit friert" heißt es in Faber und die Orientierungslosigkeit und das Gefühl von Ohnmacht, das die Protagonisten befällt, muss vielen der damaligen Leser bekannt vorgekommen sein. Und heute, fast 100 Jahre später, treffen viele Passagen einen ganz ähnlichen Nerv. Faber und die anderen merken, dass sie sich ständig wandeln, ständig Schritt halten müssen, damit ihnen das Hier und Jetzt nicht entgleitet. Alte Weltbilder haben keinen Bestand mehr, Probleme und Fragestellungen scheinen viel komplexer als einige Jahre zuvor...

Stellenweise schwingt viel Pathos mit in diesem Roman, aber die Aktualität der aufgeworfenen Fragen und die Charaktere, die auf den ersten Blick Schablonen zu entsprechen scheinen, auf den zweiten Blick aber Tiefgang beweisen, gleichen diese Schwäche wieder aus.

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