Fahrplanmäßiger Aufenthalt

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Das Schreiben Franz Hohlers ist immer auch ein Reisen. Nicht selten entsteht es unterwegs, an Bahnhöfen oder Flughäfen, im Gehen oder Warten. "Fahrplanmäßiger Aufenthalt" versammelt die neueste Kurzprosa dieses großen Meisters der kleinen Form. Die Erzählungen führen in die Ferne, nach Sarajevo, Kenia, Odessa oder auf den Maidan nach Kiew. Sie führen aber auch in einen Wartesaal am Bahnhof Schwäbisch Hall oder zur Birke vor dem eigenen Haus. Brillant beiläufig und pointiert öffnen sie die Fenster in die Wirklichkeit - die fremde wie die eigene, oder gleiten unvermutet ins Fantastische. Sie erzählen davon, was sich in unserer immer kleiner werdenden Welt entdecken lässt, wenn man nur genau hinsieht.

»Franz Hohler ist einer, der in Widrigkeiten die Chance einer Entdeckung sieht, die er sonst nicht gemacht hätte.«

Ingrid Mylo / Badische Zeitung (27. Juni 2020)

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ISBN: 978-3-641-26256-3
Erschienen am  16. März 2020
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Leserstimmen

Stille hören

Von: Thomas Lawall

10.08.2020

Was die Welt zu bieten hat, bleibt nicht selten im Verborgenen, wird ignoriert oder schlicht übersehen. Vielleicht ist die Vielfalt, jenes Übermaß an Dingen, Eindrücken und das, was es neben eingleisigem Existieren, auch Leben genannt, schlicht und einfach des Guten zu viel? Warum stürzen so viele in die Falle der Belanglosigkeit, tun dies vielleicht sogar ganz bewusst, und wundern sich dennoch über die Leere und das sichere Gefühl, irgend etwas permanent zu verpassen? Oder gehört das alles zu jenen "Schäden", die uns Franz Hohler auf Seite 22 vorstellt? "Es gibt Wörter, nach denen dreht man sich um." Der Rezensent will hier das entzückende Wort nicht verraten, welches auch als Titel dieser kleinen Geschichte funktioniert. Es entstammt zweifellos dem Schatzkästlein amtsdeutscher Formulierungskunst und taucht in gewissen Verträgen auf. Der Autor hat sich dieses Wort genommen und es nahtlos in seine Befindlichkeiten integriert. Leserinnen und Leser werden sich spätestens beim nächsten Arztbesuch daran erinnern. Sicherlich erinnert man sich auch an den "Weltbeobachter", an seine Botschaft, und seinen denkwürdigen Fernsehauftritt, unterstützt von einer ganz speziellen Körpersprache, nacherzählt in einer nur zwei Seiten umfassenden Geschichte, die mit einem einzigen Satz ganz gut zurechtkommt. Eine Spezialität Hofers übrigens. Sätze, vollgepackt wie Urlaubskoffer. Gute Überleitung, denn das Reisen spielt eine tragende Rolle. Vielleicht sogar die führende. Doch dieses Umherfahren findet nicht nur auf der Landkarte statt, denn das ganzheitliche Sehen fährt immer mit. Ein sinnfreies Abhaken der sogenannten Sehenswürdigkeiten ist für den Autor undenkbar. Nichts geschieht ohne Grund, obwohl jener nicht nur schwer, sondern mitunter gar nicht zu verstehen ist. Raum wird nicht nur Beobachtungen, sondern auch dem Augenzwinkern eingeräumt. Etwa in "Usbekistan", wo es für den Autor eine Premiere der besonderen Art gab, welche er einleitend erwähnt und welche sich auch als Schlusspointe eignet. Die "Globalisierung" hält ebenfalls, in diesem Falle geografische, Überraschungen bereit, oder eine beleidigte "8" kann in "Die Beschwerde" letztlich von höchster Instanz besänftigt werden. Franz Hohler öffnet Türen, repariert verlorengegangene Zusammenhänge oder stellt einfach neue her, wobei "einfach" hier das Zauberwort ist. Indem er das vermeintlich Unsichtbare klar und unmissverständlich auf den Punkt bringt, werden uns nicht nur Augen und Ohren geöffnet, sondern sogar der Glaube daran, dieses und jenes ebenfalls schon immer so gesehen zu haben. Mitfahren und Mitsehen mit Franz Hohler ist Freude, Abenteuer und ein Sonnenaufgang für das Bewusstsein zugleich. Dass man Stille plötzlich hören kann, ist da noch das kleinere Wunder ...

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Vita

Franz Hohler wurde 1943 in Biel, Schweiz, geboren. Er lebt heute in Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Erzähler seines Landes. Hohler ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Alice-Salomon-Preis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis. Sein Werk erscheint seit über vierzig Jahren im Luchterhand Verlag.

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Events

03. Dez. 2020

Lesung und Gespräch

19:30 Uhr | Zürich | Lesungen
Franz Hohler
Sommergelächter | 113 einseitige Geschichten | Ein Feuer im Garten | Alt? | Fahrplanmäßiger Aufenthalt

05. Dez. 2020

Digitale Lesung und Gespräch

17:00 Uhr | Berlin | Lesungen
Franz Hohler

15. Dez. 2020

Lesung und Gespräch

20:00 Uhr | Thun | Lesungen
Franz Hohler
Sommergelächter | 113 einseitige Geschichten | Ein Feuer im Garten | Alt? | Fahrplanmäßiger Aufenthalt

17. Dez. 2020

Lesung mit musikalischem Intermezzi

20:00 Uhr | Zürich | Lesungen
Franz Hohler

11. Jan. 2021

Lesung mit musikalischem Intermezzi

20:00 Uhr | Lesungen
Franz Hohler
Fahrplanmäßiger Aufenthalt

15. Jan. 2021

Lesung und Gespräch

19:00 Uhr | Grossaffoltern | Lesungen
Franz Hohler
Sommergelächter | 113 einseitige Geschichten | Ein Feuer im Garten | Alt? | Fahrplanmäßiger Aufenthalt

20. Jan. 2021

Lesung

20:00 Uhr | Nürnberg | Lesungen
Franz Hohler
Fahrplanmäßiger Aufenthalt

29. Jan. 2021

Lesung und Gespräch

20:15 Uhr | Wald | Lesungen
Franz Hohler
Sommergelächter | 113 einseitige Geschichten | Ein Feuer im Garten | Alt? | Fahrplanmäßiger Aufenthalt

17. März 2021

Lesung

19:00 Uhr | Murnau | Lesungen
Franz Hohler
Sommergelächter | 113 einseitige Geschichten | Ein Feuer im Garten | Alt? | Fahrplanmäßiger Aufenthalt

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Pressestimmen

»Neugier und Empathie sind der Antrieb für Hohlers Schreiben, überraschende Blickwinkel und souveräne sprachliche Verknappung seine formalen Qualitäten.«

Hans Ulrich Probst / WOZ Die Wochenzeitung (11. Juni 2020)

»Er zeichnet tänzerische Miniaturen auf, die seiner Kunst des emphatisch genauen Blicks zu schöner Anschauung verhelfen.«

Roman Bucheli / Neue Zürcher Zeitung (13. Juni 2020)

»Unbändige Fabulierlust, liebevolle Komik, Freude am Absurden und politisches Engagement vermischen sich bei ihm zu einer unwiderstehlichen Mischung.«

SonntagsBlick Magazin (05. Mai 2020)

»Hohlers Denkstücklein sind schwebeleicht und pointensicher.«

Christine Richard / Basler Zeitung (16. März 2020)

»In 43 kostbaren Miniaturen eröffnet uns Hohler eine Welt voller Absurditäten und Wahrhaftigkeit.«

Sabine Dultz / Münchner Merkur (02. April 2020)

»Immer kommt ihm da die Welt entgegen, und immer setzt sich Franz Hohler zu ihr in Beziehung.«

Bettina Kugler / St. Galler Tagblatt (14. März 2020)

»In Kurzprosa, nie länger als ein paar Seiten, beschreibt Hohler Alltägliches und Historisches, wird bewusst politisch und hinterfragt gerne auch mal unhinterfragte Begriffe.«

Ingrun Gade / Szene Hamburg (27. März 2020)

»Es ist ein wunderbares ›Nachttischbuch‹, das man immer mal wieder aufschlägt, um eine Geschichte zu lesen«

Regula Tanner / Brigitte Schweiz (08. April 2020)