Gehen, ging, gegangen

Roman

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Entdeckungsreise zu einer Welt, die zum
Schweigen verurteilt, aber mitten unter uns ist

Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Wie geht man um mit dem Verlust derer, die man geliebt hat? Wer trägt das Erbe weiter? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die zufällige Begegnung mit den Asylsuchenden auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen dort zu suchen, wo sonst niemand sie sucht: bei jenen jungen Flüchtlingen aus Afrika, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind. Und plötzlich schaut diese Welt ihn an, den Bewohner des alten Europas, und weiß womöglich besser als er selbst, wer er eigentlich ist.

Jenny Erpenbeck erzählt auf ihre unnachahmliche Weise eine Geschichte vom Wegsehen und Hinsehen, von Tod und Krieg, vom ewigen Warten und von all dem, was unter der Oberfläche verborgen liegt.

"(...) dieser Roman ist realistisch: Nicht weil er Verhältnisse real darstellt, sondern weil er eine literarische Wirklichkeit aufbaut, die die Weltrealität reflektiert."

NZZ am Sonntag, Stefana Sabin (30. August 2015)

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ISBN: 978-3-641-17405-7
Erschienen am  31. August 2015
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Leserstimmen

Politisch brisanter Roman, dem erzähltechnisch schnell die Puste ausgeht.

Von: Der Medienblogger

26.03.2020

Zwischen den Jahren 2012 und 2014 befand sich auf dem Berlinerischen Oranienplatz ein durch die Behörden nicht genehmigtes Flüchtlingscamp, dessen Ziel die mögliche Verbesserung des Asylbewerbergesetzes hin zu erreichbaren Aufenthaltsgenehmigungen war. Die anschließende polizeiliche Räumung geriet in das Visier zahlreicher öffentlicher und politischer Diskussionen. Die deutsche Autorin Jenny Erpenbeck greift diese noch immer aktuelle, gesellschaftsrelevante Thematik und die Motivation der Demonstranten in der vorliegenden Lektüre "Gehen, ging, gegangen" auf. Diesen, mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Roman lasen wir im Rahmen unserer Abiturvorbereitungen in unserem Deutschkurs – welche Erwartungshaltung kann er letztlich erfüllen? Erpenbeck zeigt, dass sie sich mit dem brisanten Stoff auseinandergesetzt hat und zu einer reflektierten Wiedergabe der Erkenntnisse fähig ist. Sie gibt dem Lesepublikum einen überzeugenden Einblick in den Gedankenhorizont der geflüchteten Asylsuchenden und erzählt ihre ergreifenden Schicksale und Hintergrundgeschichten. Ihre Träume, Erwartungen und Befürchtungen, die sie an das Leben (oftmals als das Einzige, was ihnen übrig blieb) haben, werden authentisch ausgeführt. Die Autorin ergreift in ihrem Werk zudem deutlich Partei für die Bedürftigen und vertritt eine liberale, aufgeklärte Position, die meiner Meinung nach eigentlich nicht zur Debatte stehen sollte. Zahlreiche politisch rechte Bewegungen der letzten Jahre zeichnen aber das traurige Bild unserer Gesellschaft, die bloß auf die Sicherung des eigenen materiellen Wohls fokussiert ist und die notwendige Unterstützung der Notleidenden, Besitzlosen aus den Augen verliert. Außerdem stellt sie ihr teilweise außergewöhnliches sprachliches Niveau unter Beweis, mit dem sie nicht nur zu gesellschaftspolitischen, sondern auch ethischen Gedankengängen anregt. Der hypotaktische, verschachtelte Satzbau gerät auf Dauer jedoch ermüdend und stellt die Konzentration der Leser*innen auf die Geduldsprobe. "Gehen, ging, gegangen" leidet, trotz all seiner inhaltlichen Stärken und Vorzüge, unter einigen erzähltechnischen Schwächen, die dem Buch ein großes Maß seines Potenzials nehmen. Die Erzählung ist beinahe durchgehend in einem sich sehr schwerfällig weiterentwickelndem, vor sich hin dümpelnden Tempo verfasst. Man wünscht sich hier sehnlichst einen richtigen Spannungsbogen her, der den Roman aus diesem ewig herumdrucksenden Zustand befreit und auf einen Weg, der ein echtes Ziel ansteuert, leitet – aber vergeblich. Schließlich mündet die Geschichte in ein übereiltes, hektisch geschildertes Ende, indem mehr zu passieren und die Hauptfigur ein deutlicheres Profil zu bekommen scheint als in den zweihundert Seiten zuvor. Und da liegt ein weiteres erhebliches Problem: der Protagonist Richard erweist sich als wenig inspirierter, leblos kalter Protagonist, der zwar bis auf wenige Ausnahmen die Handlung aus seiner eigenen Perspektive wiedergibt, aber den Leser*innen einen nur sehr beschränkten Blick in sein Innenleben gewährt. Seine Hoffnungen und Wünsche bleiben häufig ungeklärt, seine aus purer Langeweile und schierem Zeitüberdruss entstandenen Motive oftmals fraglich. Ich hatte bis zur letzten Seite das Gefühl, nie auch nur in Ansätzen in die Gefühlswelt des alten, weißen Mannes eintauchen zu können – und das obwohl wir ihn auf ausschweifenden, teils philosophisch anmutenden gedanklichen Spaziergängen begleitet durften. In ihrem Roman schafft die Autorin es nicht, die notwendige Grenze zwischen der Masse der Flüchtlinge, oftmals als Problemursache diskreditiert, und dem Individuum mit subjektiven Schicksalsschlägen und Erwartungen zu ziehen. Die Eigenarten der einzelnen Figuren werden recht unbeherzt herausgearbeitet, einige Personen sogar bis zum Ende hinter der undankbaren Maske ihrer Freizeitbeschäftigung verborgen (die "Billardspieler") und wirken insgesamt recht austauschbar – somit gerät die Charakterisierung der Asylsuchenden größtenteils unzureichend. Dennoch möchte ich der Autorin gegenüber meine Dankbarkeit aussprechen, sich in ihrem Buch auf ein so wichtiges Thema wie dieses zu beziehen und nicht nur offene Kritik an der deutschen Bürokratie auszuüben, sondern auch das Bewusstsein einer breiteren öffentlichen Masse darauf zu lenken. Es ist spürbar, wie sehr sie hinter diesem Roman steht. "Gehen, ging, gegangen" ist ein politisch brisanter Roman, der sich kompetent mit der Thematik auseinandersetzt. Erzähltechnisch geht ihm aber recht schnell die Puste aus.

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Das Buch der Stunde

Von: Gute Seiten Schlechte Seiten

22.05.2018

In ‚Gehen, ging, gegangen‘ konjugiert Jenny Erpenbeck das gesellschaftspolitische Dauerthema, die sog. „Flüchtlingskrise“ anhand der persönlichen Schicksale einer Gruppe geflohener Afrikaner. Um auf die Zustände bzw. Missstände aufmerksam zu machen, protestieren sie in einem Camp vor dem Rathaus. Auf diese Aktion wird, eher passiv und zufällig, ein ehemaliger Professor aufmerksam, Richard. Nach dem ersten Kontakt mit der Gruppe lässt das Thema ihn nicht mehr los. Es treibt ihn um, was dort mit den Menschen geschieht, und er tritt in Aktion. Skeptisch, zögernd zu Beginn. Aufopfernd und intensiv am Ende. Flucht und Heimat, so stellt er fest, sind auch zu bestimmenden Determinanten seines Lebens geworden, denn auch er ist durch die Wiedervereinigung heimatlos geworden. Wo früher noch eine Mauer stand und seine Strasse, scheinbar für immer endete, führt sie heute weiter. Die meisten Grenzen sind willkürlich, ob im großen Afrika oder auf wenigen Quadratkilometern in Berlin und können quasi per Verwaltungsakt verschoben werden, wenn der politische Wille dazu besteht. Die nicht aufgearbeitete Wiedervereinigung wird so zum Zweitthema des Romans, quasi zur Leiche im Keller; bzw. zum toten Taucher im See vor Richards Haus oder zu den Leichen Geflüchteter im Mittelmeer. Ein großartiges Buch zum Verständnis der Unmenschlichkeit. Leider ist es sehr einseitig aus der Perspektive der Willkommenskultur geschrieben und fasst andere wichtige Aspekte der Debatte zu kurz, aber für einen emphatischen Leser ist es eine unbedingte Leseempfehlung!

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Vita

Jenny Erpenbeck, geboren 1967 in Berlin, debütierte 1999 mit der Novelle »Geschichte vom alten Kind«. Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen, darunter Romane, Erzählungen und Theaterstücke. Ihr Roman »Aller Tage Abend« wurde von Lesern und Kritik gleichermaßen gefeiert und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Joseph-Breitbach-Preis und dem Independent Foreign Fiction Prize. Für »Gehen, ging, gegangen« erhielt sie u.a. den Thomas-Mann-Preis. 2017 gewann Jenny Erpenbeck den Premio Strega Europeo und wurde mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Zur Autor*innenseite

Pressestimmen

""Gehen, ging, gegangen" ist ein Werk von bezwingender Aktualität – und zugleich eines, das diese Brisanz literarisch weder gesucht noch einkalkuliert hat, weil ihm jeglicher Zynismus fremd ist."

F.A.Z.net, Felicitas von Lovenberg (15. September 2015)

"Jenny Erpenbeck hat das Buch der Stunde geschrieben. (...) Es ist ein trauriger Glücksfall für die deutsche Literatur, den Erpenbeck uns hier beschert."

Der Spiegel,Elke Schmitter (05. September 2015)

"Ich habe ganz großen Respekt für diesen Text von Jenny Erpenbeck, weil es ihr wirklich gelungen ist, Gefühlsduselei, Klischees und Schwarzweißmalerei zu meiden. Und dann bekommt man durch die Begegnung mit ihren Romanfiguren einen neuen Blick auf die Problematik."

NDR Kultur, Ulrike Sárkány (13. August 2015)

"Ein zutiefst menschlicher Roman, genau zur richtigen Zeit.“

DeutschlandRadio Kultur "Frühkritik" (17. August 2015)

"Jenny Erpenbeck erzählt von ihren eigenen Recherchen durch das Prisma ihres Protagonisten, dabei gelingen ihr empathische Inneneinblicke in die wirklichen Probleme der Flüchtlinge, die einem zuvor nicht bewusst waren."

"Ein großer Wurf und eine Besinnung auf die Grundwerte der Humanität."

„Es ist die Qualität dieses Romanes, dass er mit Vorurteilen bricht, hinter die Oberflächen schaut und fremde Kulturen näher bringt.“

Südkurier, Welf Grombacher (09. September 2015)

„(…) Doch der Roman ist weit mehr als ein Zeugnis von Nächstenliebe, Scham und Ratlosigkeit. Jenny Erpenbeck weicht den Konflikten, die die Annäherung der Kulturen mit sich bringt, nicht aus."

F.A.Z., Felicitas von Lovenberg (14. August 2015)

"Wichtigster Roman des Jahres!"

Für Sie, Susanne Walsleben (07. Dezember 2015)

"Jenny Erpenbeck findet eine Sprache für ein sprachlos machendes Problem, sie lässt zwei getrennte Welten sich leicht ineinander finden. Und gibt Hoffnung."

Berliner Zeitung (31. Dezember 2015)

"Wer über Fluchtursachen etwas erfahren will, muss nur diesen Roman mit seiner klaren, schnörkellosen, wie immer bei Jenny Erpenbeck ungeheuer verdichteten Sprache lesen."