Ich und meine Mutter

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Vivian Gornick ist eine Entdeckung!

Mütter sind anstrengend und bleiben es ein Leben lang. Schon als Kind spürt Vivian Gornick bei ihrer Mutter eine blinde Wut über deren Schicksal als Hausfrau. Begleitet von der trotzigen Behauptung, die wichtigste Rolle einer Frau sei die der Ehefrau und Mutter. Darüber, dass die Tochter Unabhängigkeit und Schriftstellerei wählt, können die beiden Frauen endlos streiten, zugleich sind sie unzertrennlich. In diesem biografischen Roman, der noch nie auf Deutsch erschienen ist und gerade in mehreren Ländern neu entdeckt wird, zerlegen Mutter und Tochter auf kilometerlangen Fußmärschen durch New York weibliche Lebensentwürfe und führen ein furioses und komödiantisches Defilee verschiedenster Charaktere, ihrer Liebhaber, Träume und Enttäuschungen auf.

»Kaum mit Worten zu sagen, wie überragend gut dieses Buch ist.« Washington Post

»An die Brillanz und den Witz und die Liebe dieses Memoirs, das man als Tochter einer Mutter eigentlich nur feiern kann, wird allerdings so schnell nichts herankommen«

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (12. Mai 2019)

Aus dem Englischen von pociao
Originaltitel: FIERCE ATTACHMENTS: A Memoir
Originalverlag: Farrar, Straus and Giroux
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-23986-2
Erschienen am  15. April 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Spitzzüngige Dialoge und lebenskluge Einblicke über Frauenbilder im Wandel der Generationen

Von: artWORDising Diana Wieser

12.08.2019

Mütter und Töchter – eine lebenslang schwierige Beziehung. Autorin Vivian Gornick schildert eine dieser „Sie lieben und sie hassen sich“- Geschichten, die ihrer eigenen Biografie entsprungen ist. Während der gemeinsamen Spaziergänge durch New York lässt sie in herrlich bösartigen Dialogen die Lebensentwürfe von sich und ihrer Mutter aufeinanderprallen. Ein Minenfeld voller spitzzüngiger Gemeinheiten. Gornicks Mutter muss in den 30er Jahren ihren Beruf für ihre beiden Kinder aufgeben – der Ehemann wollte es so – und hasst fortan ihre eintönige Existenz als Hausfrau. Den Frauen in ihrem Häuserblock intellektuell überlegen, findet sie in Klatsch und Besserwisserei bald ihre neue Bestimmung. Tochter Vivian hingegen lebt ein völlig anders Leben als Journalistin und Schriftstellerin, finanziell unabhängig, ohne Mann und Kinder. Zwischen Neid und Bewunderung für das Leben der jeweils anderen schwankend, können die beiden nicht mit- und nicht ohne einander leben. Am Ende müssen beide erkennen, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie wahrhaben wollen. In wundervollen, fast schon poetischen Szenen, schildert die Autorin ihre Kindheit im New Yorker Stadtteil Bronx in den 40er Jahren. Die Vierteil sind in jüdische, italienische und irische Einwanderer gegliedert, die Familien teilen nicht nur das Badezimmer am Ende des Flurs, sondern auch das Leben der anderen miteinander. Hier charakterisiert die Autorin verschiedene Frauenbilder, darunter auch Nachbarin Nettie, die einzige Nichtjüdin im Block, die nach dem Tod ihres Mannes ihre Sexualität frei auslebt. Gornick zeichnet das Bild von verwirrten, verlorenen, achtbaren und klatschsüchtigen Frauen mit Akzent, die nicht am wahren Leben da draußen in New York teilnehmen können, weil ihnen Geld, Erfahrung und Möglichkeiten fehlen. Gefesselt an ihren Block bauen sie sich einen eigenen Mikrokosmos auf. Schnell spürt die Autorin, dass ihre Mutter diesen Mikrokosmos hasst und sich stattdessen hinter der Rolle der liebenden Ehefrau sowie später hinter der trauernden Witwe versteckt. Gornick erarbeitet sich Stück für Stück ein anderes Leben, zum Beispiel durch den Besuch des City-College. Sie wählt die Welt des Geistes, die Welt des Herzens erschließt sich ihr lange Zeit nicht. Ihre erste Ehe zerbricht. Spät folgt die Erkenntnis, dass sie das Grundgerüst der mütterlichen Beziehung auch auf ihre Beziehung zu Männern überträgt. Die Streitigkeiten, die bei ihrer Mutter allgegenwärtig sind, sucht sie unbewusst auch bei ihren Partnern. Sie wählt Männer, an denen sie sich intellektuell reiben kann inklusive stundenlanger Diskussionen. So wie sie ihrer Mutter niemals ganz nahe sein kann, hält sie auch die Männer auf Distanz, führt Affären, teilt Zeitfenster, aber kein Leben. An ihren gemeinsamen Spaziergängen halten Mutter und Tochter jedoch fest – egal, wie sehr sie einander auch an die Gurgel springen. Nach und nach nehmen die Spitzen ab, Annäherung, Versöhnung, ja sogar Verständnis scheinen möglich… Der 1987 erschienene Roman gilt zurecht als ein amerikanischer Klassiker. Zwar mögen die Gräben zwischen den Generationen heute nicht mehr ganz so tief sein, dennoch sind insbesondere Frauenrollen einem ständigen Wandel unterzogen. Jede Generation hat ihre eigenen Ideale, jede Generation definiert die Rolle der modernen Frau neu. Es wird wohl kaum eine Leserin geben, die sich nicht in der einen oder anderen Situation wiederfindet. Die Abnabelung der Eltern gestaltet sich für Söhne und Töchter gleichfalls diffizil, doch kommt für Frauen erschwerend hinzu, dass sie sich den gewählten Weg oft aus eigener Kraft ebnen müssen. „Männer haben die Möglichkeit, sich vor ihren Ängsten in eine bereits vorgefertigte Identität zu flüchten. Frauen hatten nicht so viel Glück. Mit wem sollten sie sich identifizieren?“ beklagt Gornick. Die vielfach ausgezeichnete Autorin Vivian Gornick hat ein Buch voller Lebensklugheit, bemerkenswerter Charaktere und weiser Beobachtungen geschrieben. Auch die Liebe zu New York ist zwischen den Zeilen deutlich spürbar und erinnert fast ein wenig an Woody Allans „Stadtneurotiker“. Neurotisch sind mehr oder weniger alle Beziehungen in diesem Buch. Aber dies macht sie nicht weniger liebenswert.

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Ich und meine Mutter

Von: Bearnerdette

03.07.2019

Vivian Gornick ist eine Journalistin und Autorin, die als Tochter jüdischer Einwanderer in der Bronx aufwuchs. In ihrem berührenden Roman Ich und meine Mutter schreibt sie sehr reflektiert über die schwierige Beziehung zu ihrer Mutter. Statt einem roten Faden gibt es Ausschnitte und Anekdoten aus ihrem Leben. Die Geschichte deckt die aktuelle Zeit ab, in der Gornick mit ihrer Mutter durch New York spaziert und über gegenwärtiges und Vergangenes redet, arbeitet aber auch mit Rückblenden, die Gornicks Jugend, den Tot ihres Vaters und ihre vergangenen Beziehungen beleuchten. Wer Action sucht oder eine Geschichte mit klarem Aufbau, die auf ein Finale zusteuert, wird enttäuscht werden. Das Buch ist Reflektion, wohl ein Stück weit Selbsttherapie, ein Werk über Beziehungen und deren Höhen und Tiefen. Der frühe Tod des Vaters ist ein zentrales Element, genauso wie die Nachbarin Nettie und deren kompliziertes Verhältnis zu Gornick selbst und deren Mutter. Es geht um Liebe, Familie und Freundschaft. In erster Linie geht es aber um facettenreiche Frauen, unperfekte Geschöpfe mit Makeln, gefangen in sozialen Konventionen. Gornick hat einen sehr eingängigen Schreibstil. Sie tritt im Buch oft als Beobachterin auf, die die Personen um sie herum betrachtet und versucht, deren Verhalten zu verstehen. Doch auch sich selbst analysiert sie, beleuchtet reflektiert ihre eigene Gefühlswelt und die daraus resultierenden Handlungen. Ich und meine Mutter ist ein lesenswerter Roman über ambivalente Gefühle und schwierige Beziehungen, ein Ausschnitt aus dem Leben der Autorin.

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Vita

Vivian Gornick, 1935 als Tochter einfacher jüdischer Einwanderer in der Bronx geboren, ist Autorin, Journalistin, Literaturkritikerin und bekennende Feministin. Sie begann ihre Karriere bei der New Yorker Wochenzeitung The Village Voice und schreibt seither für zahlreiche renommierte Medien, darunter The New York Times und Atlantic Monthly. Gornick veröffentlichte bisher elf Sachbücher mit oft autobiografischem Hintergrund. Mit »Ich und meine Mutter«, diesem modernen Klassiker der amerikanischen Frauenbewegung, ist nun erstmals eines ihrer Werke auf Deutsch erhältlich. 2019 wurde »Ich und meine Mutter« von der New York Times zum besten Memoir der vergangenen fünfzig Jahre gewählt.

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pociao

Pociao studierte Anglistik und Vergleichende Literaturwissenschaften, übersetzt u.a. Paul Bowles, William S. Burroughs und Evelyn Waugh und gewann 2017 den Don DeLillo-Übersetzungswettbewerb.

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Pressestimmen

»Ein beeindruckendes Buch über zwei beeindruckende Frauen.«

»Wie hat meine Mutter mein Leben geprägt? Vivian Gornick verhandelt diese Frage meisterlich. Alles ist nicht nur furios beschrieben, sondern oft auch extrem lustig.«

Deutschlandfunk Kultur, Kim Kindermann (22. Juli 2019)

»Die Verbindung von Intellektualität und Emotion, feinster auch sinnlicher Wahrnehmung durchdringt ihr ganzes Schreiben und bringt es zum Leuchten.«

taz (24. Juni 2019)

»Ein Buch, so rasant und lebendig wie die Stadt, in der es spielt.«

Der Tagesspiegel, Susanne Kippenberger (20. April 2019)

»Vivian Gornick hat ein starkes Buch über die Verstrickungen zwischen Mutter und Tochter geschrieben«

«Was soll man sagen? Brillant. Ein amerikanischer Klassiker. Kaum mit Worten zu sagen, wie überragend gut dieses Buch ist.»

The Washington Post

»Die Geschichte einer anhaltend schwierigen Beziehung, glänzend und furios erzählt.»

The New York Times

»Zurecht als zeitloser Klassiker gefeiert.»

Jonathan Lethem

«Vibrierend und lebendig – ‹Ich und meine Mutter› kartografiert Gefühle und Prägungen und zeichnet eine genaue Landkarte der eigenen Persönlichkeit.»

Los Angeles Times