Ingenieure des Chaos

Wie smarte Social-Media-Experten den Rechtspopulisten helfen und unsere Demokratie manipulieren

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Lesen Sie dieses Buch, wenn Sie sich gegen Manipulationen von rechts schützen wollen!

Rechtspopulistische und rechtsextreme Politiker wie Donald Trump, Viktor 0rbán, Marine Le Pen, Matteo Salvini und Björn Höcke haben nicht nur ideologische Gemeinsamkeiten. Sie alle verfolgen auch die Strategie, ihre Anhänger vor allem über Social-Media-Kanäle anzuwerben. Die Experten, die ihnen dabei helfen, sind erfahren und international vernetzt. In der Wahl ihrer Mittel kennen sie keine Skrupel: Emotionalisierung und Aufmerksamkeit um jeden Preis, genau dosierte Tabubrüche und die Verknüpfung von Lügen mit Halbwahrheiten.

Diese Methoden haben dramatische Folgen für die Gesellschaft und jeden Einzelnen von uns. Unsere Demokratie steht auf dem Spiel.

»Eine Augen öffnende Untersuchung über die Strategien der Rechtspopulisten.«

Le Figaro (23. Oktober 2019)

Aus dem Französischen von Alexandra Hölscher
Originaltitel: Les ingénieurs du chaos
Originalverlag: Editions Lattès
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-25980-8
Erschienen am  13. April 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Ingenieure des Chaos

Von: Ingeborg Strauss

29.06.2020

Oft entscheidet der erste Blick auf das Cover eines Buches über Neugier oder Ablehnung. Schwarz auf gelb lassen „Ingenieure“ die Buchstaben CHAOS in das Hirn eines Menschen purzeln, dessen Kopf einem bekannten US-Präsidenten nachempfunden scheint. Und was strömt aus dessen Mund? Die Gedanken des Betrachters beginnen zu kreiseln. Der Verlag schickt dem Buch eine Info voran mit einer Kurzvorstellung von Giuliano da Empoli: italienisch-schweizerischer Schriftsteller, Journalist, war politisch aktiv in der italienischen Regierung und Gründungsvorsitzender von „Volta“, einer in Mailand ansässigen Denkfabrik. Für den deutschen Leser erfreulich ist die von Autor und Verlag aktualisierte und erweiterte Übersetzung. So kommen USA, Deutschland (AfD), Ungarn und Großbritannien besser in den Blick. In der Einführung breitet da Empoli ein historisches Szenario aus, in dem sich die feine italienische Gesellschaft hinter Masken verborgen dem Karnevalsvergnügen in seinen auch negativen Facetten hingibt. Sodann: „Die Karnevalsmasken haben sich mittlerweile ins Internet verlagert, wo unter dem Deckmantel der Anonymität völlige Enthemmtheit herrscht, ein Zustand, der früher erst mit dem Anziehen einer Verkleidung hervorgerufen wurde.“ Dieser groß geschlagene Bogen mit vielen Ausdifferenzierungen verlangt Durchhaltevermögen. Ziel des Autors ist, den Lesenden die technisch-aktuelle Situation nahezubringen, nämlich „wie der Algorithmus der Social Media programmiert“ ist. Der Nutzer soll an eine bestimmte Plattform gefesselt werden. Es „ist der Algorithmus der Ingenieure des Chaos darauf ausgerichtet, irgendeinen Standpunkt zu vertreten, sei er vernünftig oder absurd, realistisch oder intergalaktisch, solange die Wähler und Wählerinnen mit ihren Sehnsüchten und Ängsten – vor allem mit ihren Ängsten – dadurch abgeholt werden“. Zu diesem Zweck wird vorrangig auf Extrempositionierte abgehoben und nicht auf die sogenannte „Mitte“. Da Empoli stellt eine Tendenz zur Polarisierung in allen Gesellschaften fest. Der Wahrheitsgehalt von Fakten ist Nebensache, das Gefühlte in seiner und die Botschaft in ihrer Gesamtheit sind das Wichtige. Die Folgekapitel untermauern diese Auffassung(en) und differenzieren sie länderspezifisch aus. Es schließt sich „Waldo erobert die Welt — Wie Social-Media-User Konflikte in Myanmar, Frankreich und Deutschland anheizen“ an. Für die Rezensentin haben erst zweites Lesen und Internet-Recherche etwas Licht in die Ausführungen gebracht. So zieht sich „ein unbändiges Gefühl durch sämtliche Gesellschaften, ein Gefühl, das in denjenigen gärt, die sich, zu Recht oder zu Unrecht, benachteiligt, ausgeschlossen, diskriminiert oder nicht genug gehört fühlen“. Verschwörungstheorien sprießen wie Pilze aus dem Boden, genährt von Facebook und seinen erzwungenen Likes, die „wie ein ungeheuerlicher Multiplikator“ funktionieren. Und als hätte der Autor in die Gegenwart sehen können, beklagt er, dass unter anderem Vorurteile und Rassismus aus ihrer Deckung hervorkommen. Mal mit der Lupe, mal mit dem Fernrohr werden die USA, Deutschland („Die AfD und die Social Media“), Ungarn und UK („Der Brexit und Die Physiker“) inhaltlich seziert. Verglichen wird mit Dürrenmatt und seinem in einer Irrenanstalt spielenden Theaterstück. Die Auswahl der Länder ist erweiterungsbedürftig. Zwar gibt es viele gemeinsame rote Fäden, doch momentan keinen Ariadne-Faden, man fühlt sich noch mitten im Labyrinth. Man sieht nach der Lektüre klarer. Das Ziel, das sich Giuliano da Empoli gesteckt hat, die „Aufklärung“ in seinem Sinne, wurde zumindest bei der Rezensentin ansatzweise erreicht. Ich wünsche dem Buch eine der heutigen Situation angepasste Neuauflage, möglichst unter Vermeidung des nebulösen Wortgebildes „Quantenpolitik“. Noch eine Bitte um Klärung: Zitiert wird das Motto des französischen Kardinals Mazarin »ex inimici salus mea«. Mag sein, es war einmal sein Wahlspruch, dies zu verifizieren gelang jedoch nicht.

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Ein guter Einstieg

Von: Phienchen

15.06.2020

Die Ingenieure des Chaos wollen Unruhe schaffen und verschieben Grenzen, in der Öffentlichkeit aber auch in den Köpfen der Bevölkerung. Giuliano da Empoli zeigt auf, wie Populisten vorgehen und was sie im Vergleich zu alteingesessenen Politikern anders machen. Sie nutzen moderne Technologien deutlich effizienter für ihre Zwecke. Im Einzelnen hätte da Empoli generell noch weiter in die Tiefe gehen können, abgesehen von den Bereichen über Italien. Dies war ein sehr dominantes Thema, wobei mich persönlich andere Aspekte mehr interessiert hätten (das Kapitel über die AfD ist leider das kürzeste). Das Buch ist als Einstieg in das Thema gut geeignet und lässt sich flüssig lesen. Es ist auch ein Quellenverzeichnis vorhanden, sodass seine Aussagen überprüfbar sind und man sich bei Bedarf weiter informieren kann. Ich würde gern eher 3,5 statt 4 Sterne geben.

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Vita

Giuliano da Empoli wurde 1973 in Paris geboren, studierte Politikwissenschaft, war stellvertretender Bürgermeister für Kultur in Florenz und politischer Berater von Matteo Renzi. Giuliano da Empoli gründete und leitet den Volta Think Tank in Mailand, der sich für mehr Transparenz in der Politik, für eine effektive Regulierung der Globalisierung und verantwortungsvolle politische Rhetorik einsetzt und progressiven politischen Bewegungen helfen will, wieder mehr Beachtung zu finden. Giuliano da Empoli lebt in Paris. Seine Bücher "The plague and orgy" (2006) und "The Florentin" (Grasset, 2016) wurden international beachtet.

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Pressestimmen

»Das Verdienst seines Buches besteht in einer Dekonstruktion des neuen Populismus, die zu richtigen Fragen führt.«

Uwe Ebbinghaus, FAZ (15. September 2020)