Japan – Abstieg in Würde

Wie ein alterndes Land um seine Zukunft ringt
Ein SPIEGEL-Buch

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Was passiert, wenn ein ganzes Land in Rente geht

Seit den neunziger Jahren ist die einst als unbesiegbar geltende Wirtschaft Japans in einer Abwärtsspirale gefangen. Sie wird auch dadurch beschleunigt, dass Japans Bevölkerung so schnell altert wie kaum eine andere: In den vergangenen fünf Jahren verlor das Land knapp eine Million Menschen, ganze ländliche Regionen sterben gleichsam aus. Japans Beispiel zeigt, was passiert, wenn ein Land die Grenzen des Wachstums erreicht und sich tiefgreifenden Reformen – insbesondere der konsequenten Öffnung der Wirtschaft für Frauen und Einwanderer – verweigert. Wieland Wagner, Asien-Korrespondent des SPIEGEL, beschreibt in seinem Buch eindrucksvoll, wie die jahrzehntelange Stagnation den Alltag der Menschen verändert und welche Lehren wir in Deutschland aus dem Vergreisen dieser Wohlstandsnation ziehen sollten.

»Der Reporter also macht sich auf den Weg zu den Menschen – und genau darauf, auf Gespräch und kluger Beobachtung, beruht die Stärke seiner Analyse.«

Deutschlandfunk "Andruck" – Das Magazin für Politische Literatur (19. November 2018)

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ISBN: 978-3-641-21697-9
Erschienen am  03. September 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Japan ein Land ohne junge Menschen und Zukunft?

Von: Lesefieber-Buchpost

01.10.2018

Meine Zusammenfassung: Japan wurde lange als Techniknation gefeiert. Viele Innovationen wie der Discman, die CD, Fernseher, Handys, Konsolen u.a. kamen aus dem Land der aufgehenden Sonne. Doch die Zeiten sind längst vorbei. Während die immer älter werdende Bevölkerung an bereits bestehenden Erfolgen festhält, wird Japan von China und Korea als Techniknation überholt. Was bleibt sind Rentner und im System gefangene junge Menschen ohne berufliche und private Perspektive. Meine Bewertung: Ein wirklich spannendes Buch mit einer Seite die ich als Japanfan so noch nicht betrachtet habe. Es ist ein Buch, welches aufschlussreich Japans wirtschaftliche Seite betrachtet. Manchmal war es mir etwas zu wirtschaftlich, bei einigen Sätzen bin ich nicht mitgekommen, weil sie mir zu abstrakt waren. Im Klartext manche Sachen habe ich einfach nicht verstanden, ohne mich länger damit zu beschäftigen. Daher wäre es gut gewesen am Ende ein Verzeichnis mit Erklärungen von manchen Begriffen zu haben. Ich denke dieses Buch ist eher an Fachpublikum gerichtet für die alles verständlich ist. Ansonsten war es mir etwas zu viel auf die Atompolitik bezogen, auch wenn das ein sehr wichtiges Thema ist. Mir wäre es lieber gewesen, der Autor hätte genauer betrachtet, wie es dazu kam, dass Japaner so wenig Kinder bekommen. Gut fand ich das Kapitel über die Japaner, die sich komplett aus der Gesellschaft zurückziehen (Hikikomori) und über jene jungen Japaner, die zu wenig Geld verdienen um eine Familie zu gründen. In diesen Kapiteln wird erstmal klar wie weit die Probleme in die soziale Schicht hineinreicht und wie stark ein junger Mensch unter Druck stehen kann. Es waren einige gute Ansätze dabei, aber ich hätte mir da noch mehr Informationen zu den Menschen gewünscht. Insbesondere aus der Sicht der Frau, die in Japan immer noch nicht gleichgestellt ist. Was ich mir auch noch gewünscht hätte, wäre ein Teil über die Probleme der japanischen Baueren, die ja auch immer älter werden und keinen Nachwuchs finden. "Japan - Abstieg in Würde" ist auf jeden Fall ein Buch was ich jeden Japan interessierten ans Herz lege, neben Manga, Reiseführern und Zen Büchern.

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Sehr genaue und auch über das konkrete Objekt heraus wichtige Lektüre

Von: Michael Lehmann-Pape

19.09.2018

Eine führende Wirtschaftsnation, das ist Japan in gewisser Weise noch, jedoch in keinem Vergleich zu jener Größe, die das Land in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufzuweisen hatte. Ein „Abstieg“, ein „überholt werden“ von China, Südkorea und anderen asiatischen Staaten, den Wieland Wagner aus erster Hand (und enger familiärer Bindung) miterlebt hat. Den Wagner im Kern auf die demographische Entwicklung des Landes mit zurückführt und damit ein Paradebeispiel für eine alternde Industrienation moderner Prägung im Buch vorlegt. Was besonders bedeutsam gerade für deutsche Leser dahingehend ist, dass die Ähnlichkeiten zwischen beiden Länder-Historien nah beieinander liegen. Beide im zweiten Weltkrieg durch eigenes Verschulden in Schutt und Asche gelegt, beide rasante Aufsteiger der Nachkriegszeit durch Verlagerung der nationalen Kräfte umfassend in den wirtschaftlichen Bereich. Und auch wenn Deutschland bei Weitem (noch) nicht mit ständiger Deflation und stagnierendem Wachstum zu tun hat, was nicht ist, kann (und wird wohl) noch werden. Denn die Ähnlichkeiten der sozialen Probleme, der Überalterung der Gesellschaft, des „an die Grenze kommen“ der Maximen des Wachstums um jeden Preis, sogar die (in Deutschland eher neue, oder, besser gesagt, neu ans Licht kommenden) Ressentiments gegen Fremde schienen in beiden Gesellschaften ähnlich vorzuliegen. Insofern gilt durchaus, dass auf Japan zu schauen bedeutet, die eigene Zukunft drohend vor Augen zu sehen. Und damit vielleicht die Chance zu erhalten, anders gegenzusteuern. Damit nicht ganze Wohngebiete vergreisen, die Gesellschaft nicht massiv schrumpft, die Jungen nicht gefangen sind in einem reinen Arbeitsleben ohne großartige Zeit zur Freizeitgestaltung oder gar für Urlaube, damit nicht (es fehlen schon genug) irgendwann hunderttausende Mitarbeiter in der Pflege und im Gesundheitssystem fehlen, wie es in Japan bereits der Fall ist. Mit all den medizinischen, kulturellen und sozialen Verwerfungen, die all das mit sich bringt. „Damals (vor drei Jahrzehnten) begann die Japan-Blase. Kaum jemand bezeichnete sie allerdings so und kaum jemand schien daran zu zweifeln, dass es immer aufwärts gehen würde mit dem Land“. Was aber noch schwerwiegender zu Buche schlägt ist: „Japan ist weit davon entfernt, eine neue, eigene Vision für das sogenannte postindustrielle Zeitalter zu präsentieren“. Vielleicht ist es tatsächlich einfach so, dass Gesellschaften erst mit dem Rücken zur Wand und dann noch länger benötigen, um zu erkennen, dass althergebrachtes nichts mehr funktioniert und damit die Zukunft immens bedroht. Was Wagner bestens verständlich und griffig am Verschwinden ehemaliger Weltmarken der Technik wie Sharp und Sanyo erzählt. Eine Entwicklung, die auch an Sony (noch allgemein bekannt) nicht spurlos vorüberging und durchaus an Geschwindigkeit noch zunehmen könnte. Ein Absteig, der rasant schnell stattfand. Auch das eine offenkundige Warnung an ähnlich gelagerte Volkswirtschaften, die scheinbar dort nicht gerne gehört werden. Das Motto „uns wird’s schon nicht treffen“ ist aber nach der Lektüre dieses fundiert recherchierten Buches nicht mehr aufrecht zu halten, denn viele Zeichen aus Japan deuten zu sehr in eine Richtung, die auch in Deutschland bedrohlich vor der Tür steht. Mit auch persönlichen Beispielen versehen und mit vielen Kontakten in Japan ausgestattet gelingt Wieland Wagner ein treffender, nachdenklich stimmender Rundumblick. Einerseits auf Japan konkret, im Kern aber auf alle führenden Industrienationen, die mit ähnlichen Problemen langsam zu kämpfen haben und dabei auch soziale Einschnitte und Verwerfungen bereits vollzogen haben. Was, wie man an Japan sieht, nicht die Lösung für das große Ganze sein wird und kann. Eine empfehlenswerte Lektüre.

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Vita

Wieland Wagner, geboren 1959, studierte Geschichte und Germanistik in Freiburg, London und Tokio. Seine Dissertation über Japans frühe Expansionspolitik in Ostasien wurde mit dem Gerhard-Ritter-Preis ausgezeichnet. Von 1990 bis 1993 arbeitete Wagner als Korrespondent für die Nachrichtenagentur Vereinigte Wirtschaftsdienste (VWD) in Tokio. Bis 1995 war er Wissenschaftlicher Assistent am Historischen Seminar der Universität Freiburg. Seit 1995 berichtet Wagner für den SPIEGEL aus Asien, bis 2004 zunächst mit Sitz in Tokio, anschließend in Shanghai, ab 2010 in Peking, ab 2012 in Neu-Delhi und seit 2014 wieder in Tokio.

Zur AUTORENSEITE

Zitate

»Eine lesenswerte Analyse eines westlich geprägten, zusehends ehemaligen Superstars der Weltwirtschaft – die für Europa noch unverhofft aktuell werden könnte.«

Literarische Welt (08. Dezember 2018)

»Ein lesenswerter Denkanstoß für erfolgsverwöhnte Exportweltmeister wie Deutschland«.

Smart Investor (29. Oktober 2018)