Joe

Roman

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Gary Jones schätzt sein eigenes Alter auf etwa fünfzehn. Zusammen mit seinem gewalttätigen Vater, einer apathischen Mutter und seinen beiden Schwestern zieht er obdachlos und ohne Chance auf ein anständiges Leben durch den Süden der USA. Bis er auf den Ex-Häftling Joe Ransom trifft, der sein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen versucht. Joe gibt dem eifrigen Jungen einen Aushilfsjob und nimmt ihn unter seine Fittiche. Doch Garys Vater ist damit alles andere als einverstanden. Bald kommt es zur Konfrontation.

Mit einem exklusivem Nachwort von Marcus Müntefering


Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel
Originaltitel: Joe
Originalverlag: Algonquin
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-22761-6
Erschienen am  29. Oktober 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Joe

Von: SophieNdm

13.12.2018

Inhalt: Gary Jones schätzt sein eigenes Alter auf etwa fünfzehn. Zusammen mit seinem gewalttätigen Vater, einer apathischen Mutter und seinen beiden Schwestern zieht er obdachlos und ohne Chance auf ein anständiges Leben durch den Süden der USA. Bis er auf den Ex-Häftling Joe Ransom trifft, der sein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen versucht. Joe gibt dem eifrigen Jungen einen Aushilfsjob und nimmt ihn unter seine Fittiche. Doch Garys Vater ist damit alles andere als einverstanden. Bald kommt es zur Konfrontation. Meine Meinung: Ich war damals von Larry Browns "Fay" absolut begeistert und habe mich so gefreut, als ich gesehen habe, dass ein neues Buch von Ihm übersetzt wird! "Joe" ist vom Stil her sehr ähnlich, es gibt viel Gewalt, Sex, Armut und Alkohol. Joe selbst ist als Charakter eher semi sympathisch aber vor allem Mitleid erregend. Er ist ein Alkoholiker mit gescheiterter Ehe, der aber mit seinem Job als Vorarbeiter ganz gut verdient. Er scheut sich nicht vor Gewalt, ist aber ein ehrlicher Mann, der leider allzu oft in ungünstige Situationen gerät. Obwohl er damit relativ gut zurecht kommt will er sich bessern und sein Leben wieder in den Griff bekommen. Nicht zuletzt für seine Tochter und seine Ex-Frau. Dann gibt es noch Gary (Fay's Bruder!), den Sohn von Wade, der bei Joe Arbeit findet und Ihn sich als Vorbild nimmt. Wade ist wohl der verabscheuungswürdigste Charakter dem ich bisher begegnet bin. Er misshandelt seine Frau und vernachlässigt, schlägt und quält seine Kinder um selbst ein möglichst bequemes Leben zu führen. Ein absoluter Egoist ohne Skrupel. Gary hingegen ist ganz anders als sein Vater und will niemals so enden wie Wade. Er gibt sich Mühe den richtigen Weg zu finden und kämpft gegen sein scheinbar auferlegtes Schicksal. "Joe" war ein dramatisches, berührendes und vor allem trauriges Buch. Larry Brown schafft es, dem Romen eine unglaublich greifbare Atmosphäre zu geben und das Leid der Charaktere so glaubhaft darzustellen, als würde man sie persönlich kennen. Ich liebe seinen bildhaften Schreibstil und seine schonungslose Ehrlichkeit. Für meinen Geschmack hätte das Buch aber ruhig 200 Seiten mehr haben können. Irgendwie war mit die Story zu kurz und ich fand die einzelnen Handlungsstränge manchmal etwas zusammenhangslos. Auch das Ende hat für mich zu viel offen gelassen. Fazit: "Faye" hat mich mehr berührt und schockiert, dennoch ist "Joe" ein sehr empfehlenswertes Buch. Für mich ist dieser Roman etwas unfertig, aber dennoch lesenswert.

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Mitten ins Herz

Von: Elke Heid-Paulus

30.11.2018

Oxford, Mississippi scheint ein gutes Pflaster für Autoren zu sein, die sich mit dem Leben im Armenhaus der Vereinigten Staaten literarisch auseinandersetzen. Denn von dort kommen William Faulkner, Richard Ford, John Grisham und nicht zuletzt der geniale Tom Franklin, der hierzulande nach dem Erfolg seines Rural Noir „Krumme Type, krumme Type“ hoffentlich endlich die Aufmerksamkeit erhält, die ihm gebührt. Und natürlich darf in dieser Aufzählung auch Larry Brown nicht vergessen werden, der schreibende Feuerwehrmann, der leider 2004 im Alter von 53 Jahren viel zu früh verstarb. In der Übersetzung war bisher nur „Fay“ (Original aus dem Jahr 2000) verfügbar, aber glücklicherweise scheint Heyne nun die Lücken zu füllen und hat mit „Joe“ (erstmals 1991 erschienen) nachgelegt. Aber wer ist nun dieser Joe? Ex-Häftling, Spieler, Gelegenheitstrinker mit einer gescheiterten Ehe, Vorarbeiter einer schwarzen Crew, die unrentable Bäume töten, damit auf den entstandenen Freiflächen im darauffolgenden Jahr gutes Holz gepflanzt werden kann. Ein Mann mit Moral, der sein Leben in den Griff bekommen will. Für den fünfzehnjährigen Gary ist er ein Vorbild. Einer, der ihm einen Job gibt und eine Perspektive zeigt, um dem trostlosen Leben seiner Landstreicher-Familie zu entkommen und sich aus den Fängen seines nichtsnutzigen Vaters Wade zu befreien. Wade ist erbärmlich, ein heruntergekommener Säufer, der seine Frau schlägt, seinen Sohn bestiehlt und seine kleine Tochter für die nächste Flasche Schnaps an schmierige Typen verkauft (die älteste Tochter ist übrigens Fay, und sie ist die einzige, die aus eigenem Antrieb und ohne fremde Hilfe der Familie den Rücken kehrt und sich mutterseelenallein auf den Weg in ein neues Leben macht). Anfangs hält Joe sich aus diesen interfamiliären Problemen heraus, aber schließlich gibt es da den berühmten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, und es kommt zur finalen Konfrontation. Die Schicksale von Larry Browns Figuren treffen den Leser mitten ins Herz, was mit Sicherheit auch dem schlichten, authentischen Stil geschuldet ist. Er beschönigt nichts, zaubert keinen Gutmenschen aus dem Hut, der den armen Jugendlichen adoptiert und ihm ein sorgenfreies Leben garantiert. Bei ihm kämpft jeder jeden Tag ums Überleben. Muss sich seinen Dämonen stellen und immer wieder aufs Neue entscheiden, welchen Weg er gehen will. Und manchmal müssen auch gute Menschen schlimme Dinge tun um diejenigen, die ihnen etwas bedeuten, zu beschützen, und ihnen so die Hoffnung auf ein besseres Leben zu geben und zu erhalten.

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Vita

Larry Brown, geboren 1951 in Oxford, Mississippi, begann seine Schriftstellerkarriere als schreibender Feuerwehrmann. Nachdem er jahrelang erfolglos versucht hatte, seine Kurzgeschichten und Romane veröffentlicht zu bekommen, erschien 1988 unter dem Titel Facing The Music seine erste Kurzgeschichtensammlung. Weitere Short Storys und fünf Romane komplettieren das Werk des Mannes aus Mississippi, der auch außerhalb der Südstaaten Kultstatus besaß und vielfach ausgezeichnet wurde. Mit seinem Werk beeinflusste er viele Songwriter, von denen einige ihm nach seinem Tod infolge eines Herzinfarkts im November 2004 mit dem Tribute-Album Just One More die Ehre erwiesen. Fay war 2017 der erste ins Deutsche übersetzte Roman.

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Thomas Gunkel

Thomas Gunkel, 1956 in Treysa geboren, arbeitete mehrere Jahre als Erzieher. Nach seinem Studium der Germanistik und Geografie in Marburg/Lahn wurde er 1991 Literaturübersetzer. Zu den von ihm übersetzten Autoren gehören u.a. Larry Brown, John Cheever, Stewart O'Nan, William Trevor und Richard Yates.

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