Joe

Roman

(9)
eBook epub
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Gary Jones schätzt sein eigenes Alter auf etwa fünfzehn. Zusammen mit seinem gewalttätigen Vater, einer apathischen Mutter und seinen beiden Schwestern zieht er obdachlos und ohne Chance auf ein anständiges Leben durch den Süden der USA. Bis er auf den Ex-Häftling Joe Ransom trifft, der sein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen versucht. Joe gibt dem eifrigen Jungen einen Aushilfsjob und nimmt ihn unter seine Fittiche. Doch Garys Vater ist damit alles andere als einverstanden. Bald kommt es zur Konfrontation.

Mit einem exklusivem Nachwort von Marcus Müntefering


Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel
Originaltitel: Joe
Originalverlag: Algonquin
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-22761-6
Erschienen am  29. Oktober 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Schonungslose Sicht auf Außenseiter der US-amerikanischen Bevölkerung

Von: 3lesendemädels

31.08.2020

In einem verfallenen Blockhaus im Wald findet die Familie von Gary eine vorübergehende Bleibe. Der 15jährige, sein genaues Alter ist unbekannt, da er über keinerlei Papiere verfügt, lebt mit seinem Vater Wade, Mutter und zwei Schwestern auf der Straße. Wade schert sich einen Dreck um seine Familie. Nur der Alkohol zählt für ihn. Er ist schmutzig und stinkt, aber schlägt sich irgendwie mit falschen Versprechungen durchs trostlose Leben. Sein Sohn Gary hat eine ganz und gar andere Einstellung. Er möchte Geld verdienen, um sich ein Auto zu kaufen und Lebensmittel für die Familie. Doch sobald er in die Bruchbude heimkehrt, prügelt ihm sein Vater die Dollars raus. Joe Ransom nimmt ihn unter seine Fittiche. Er bietet ihm einen Job an und freut sich, dass sich Gary als zuverlässig und fleißig erweist. Allerdings bekommt auch Joe sein Leben nicht in den Griff. Er saß bereits im Gefängnis, seine Ehe zerbrach und im Suff neigt er zur Brutalität. Aber anders als Wade schlägt ein gutes Herz in ihm und er nimmt Gary immer öfter in seinem Auto mit auf seine Streifzüge. Larry Browns schonungsloser Schreibstil, in dem er Menschen am Rande der Bevölkerung beschreibt, hat mich bereits bei "Fay" äußerst beeindruckt. Sie ist übrigens eine der Schwestern Garys. Kaum vorstellbar, unter welchem Leid sie leben. Mit Gewalt, ständigem Hunger und ohne Liebe aufzuwachsen. Was eine Zahnbürste bedeutet und wofür man sie benutzt, ist Gary unbekannt. Allerdings fehlte mir bisweilen ein Handlungsfaden. Die Perspektive wechselt sehr schnell, dafür ist aber die Schreibweise trotz der Derbheiten manchmal geradezu poetisch.

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Derbe Sprache mit detailreichen (Natur-) Beschreibungen

Von: miss_lia48

25.03.2019

INHALT: Gary Jones schätzt sein eigenes Alter auf 15, hat bisher in sieben Staaten gelebt und nie eine Schule besucht. Seine fünfköpfige Familie ist obdachlos und macht sich mit ihren wenigen Habseligkeiten auf den Weg nach Mississippi. In London Hill finden sie schließlich Unterschlupf in einem alten und verlassenen Blockhaus tief im Wald. Während der gewalttätige Vater des Jungen alles dafür tut, um an alkoholische Getränke zu gelangen, starrt die Mutter meistens nur noch apathisch vor sich hin. Seiner Schwester Fay passt die Wohnsituation so gar nicht in den Kram und die kleine Dorothy ist mittlerweile komplett verstummt. Gary ist klar, wenn sie überleben wollen, muss er dringend Arbeit finden! Auf seiner Suche lernt er Joe kennen, ein ehemaliger Häftling, dem der Junge leid tut. Er bietet ihm einen Job an, doch Vater Wade funkt gehörig dazwischen. Und so lassen die Auseinandersetzungen nicht lange auf sich warten... MEINUNG: Zu Beginn musste ich mich erst einmal an den Schreibstil gewöhnen. Wenn von Gary und seinen Familienmitgliedern die Rede ist, werden diese meistens "der Junge", "das Mädchen" und "der/ die Alte" genannt, was zunächst etwas Distanz aufbauen kann. Doch nach einigen Seiten hatte ich mich daran gewöhnt und bin damit gut zurecht gekommen. Die Sprache würde ich stellenweise als etwas "derb" bezeichnen. Manchmal bin ich da etwas empfindlich. Hier war das gerade noch in einem Bereich, der sich für mich lesen lässt, mit dem ich mich aber nicht durchgängig wohlgefühlt habe. Ganz wunderbar gefielen mir die detailreichen Beschreibungen, vor allem von der Natur. Durch die anschaulichen Schilderungen konnte ich mir die Umgebung gut vor Augen führen und auch das Cover vom Buch passt toll dazu. Lediglich in Situationen wie z.B. beim Auseinandernehmen eines Tieres oder bei Beschreibungen einer Wundversorgung, hätte ich die Liebe für's Detail nicht unbedingt benötigt - was natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks sein dürfte! Mit Gary hatte ich immer wieder Mitgefühl, vor allem weil sein Vater sich so verantwortungslos benimmt. Der zum Teil recht trostlosen Thematik des Buches, setzt Gary mit seinem Optimismus und Schaffensdrang gekonnt entgegen, so dass mir die Geschichte nicht zu düster vorkam. Die sich eher langsam entwickelnde Handlung sorgt für eine gewisse Authentizität. Etwas zu konstruiert war mir dagegen Garys Ahnungslosigkeit von der Welt, vielleicht weil sie für den Leser erst gegen Ende des Buches richtig deutlich wird, statt von Anfang an. Ich hätte noch etwas mehr Spannung bei diesem Buch erwartet, was das Buch aber nicht zwingend benötigt. Dass das Ende doch an einigen Stellen offen bleibt, gefällt mir an dieser Geschichte recht gut. Bei mir wirkte das Buch dadurch noch lange in mir nach... FAZIT: Eine etwas derbe Sprache mit wunderbar detailreichen (Natur-) Beschreibungen, gepaart mit einer etwas düsteren Thematik, der der Optimismus des Protagonisten entgegen steht. Leseempfehlung und 4/5 Sterne!

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Vita

Larry Brown, geboren 1951 in Oxford, Mississippi, begann seine Schriftstellerkarriere als schreibender Feuerwehrmann. Nachdem er jahrelang erfolglos versucht hatte, seine Kurzgeschichten und Romane veröffentlicht zu bekommen, erschien 1988 unter dem Titel Facing The Music seine erste Kurzgeschichtensammlung. Weitere Short Storys und fünf Romane komplettieren das Werk des Mannes aus Mississippi, der auch außerhalb der Südstaaten Kultstatus besaß und vielfach ausgezeichnet wurde. Mit seinem Werk beeinflusste er viele Songwriter, von denen einige ihm nach seinem Tod infolge eines Herzinfarkts im November 2004 mit dem Tribute-Album Just One More die Ehre erwiesen. Fay war 2017 der erste ins Deutsche übersetzte Roman.

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Thomas Gunkel

Thomas Gunkel, 1956 in Treysa geboren, arbeitete mehrere Jahre als Erzieher. Nach seinem Studium der Germanistik und Geografie in Marburg/Lahn wurde er 1991 Literaturübersetzer. Zu den von ihm übersetzten Autoren gehören u.a. Larry Brown, John Cheever, Stewart O'Nan, William Trevor und Richard Yates.

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