Joe

Roman

(8)
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Gary Jones schätzt sein eigenes Alter auf etwa fünfzehn. Zusammen mit seinem gewalttätigen Vater, einer apathischen Mutter und seinen beiden Schwestern zieht er obdachlos und ohne Chance auf ein anständiges Leben durch den Süden der USA. Bis er auf den Ex-Häftling Joe Ransom trifft, der sein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen versucht. Joe gibt dem eifrigen Jungen einen Aushilfsjob und nimmt ihn unter seine Fittiche. Doch Garys Vater ist damit alles andere als einverstanden. Bald kommt es zur Konfrontation.

Mit einem exklusivem Nachwort von Marcus Müntefering


Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel
Originaltitel: Joe
Originalverlag: Algonquin
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-22761-6
Erschienen am  29. Oktober 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Derbe Sprache mit detailreichen (Natur-) Beschreibungen

Von: miss_lia48

25.03.2019

INHALT: Gary Jones schätzt sein eigenes Alter auf 15, hat bisher in sieben Staaten gelebt und nie eine Schule besucht. Seine fünfköpfige Familie ist obdachlos und macht sich mit ihren wenigen Habseligkeiten auf den Weg nach Mississippi. In London Hill finden sie schließlich Unterschlupf in einem alten und verlassenen Blockhaus tief im Wald. Während der gewalttätige Vater des Jungen alles dafür tut, um an alkoholische Getränke zu gelangen, starrt die Mutter meistens nur noch apathisch vor sich hin. Seiner Schwester Fay passt die Wohnsituation so gar nicht in den Kram und die kleine Dorothy ist mittlerweile komplett verstummt. Gary ist klar, wenn sie überleben wollen, muss er dringend Arbeit finden! Auf seiner Suche lernt er Joe kennen, ein ehemaliger Häftling, dem der Junge leid tut. Er bietet ihm einen Job an, doch Vater Wade funkt gehörig dazwischen. Und so lassen die Auseinandersetzungen nicht lange auf sich warten... MEINUNG: Zu Beginn musste ich mich erst einmal an den Schreibstil gewöhnen. Wenn von Gary und seinen Familienmitgliedern die Rede ist, werden diese meistens "der Junge", "das Mädchen" und "der/ die Alte" genannt, was zunächst etwas Distanz aufbauen kann. Doch nach einigen Seiten hatte ich mich daran gewöhnt und bin damit gut zurecht gekommen. Die Sprache würde ich stellenweise als etwas "derb" bezeichnen. Manchmal bin ich da etwas empfindlich. Hier war das gerade noch in einem Bereich, der sich für mich lesen lässt, mit dem ich mich aber nicht durchgängig wohlgefühlt habe. Ganz wunderbar gefielen mir die detailreichen Beschreibungen, vor allem von der Natur. Durch die anschaulichen Schilderungen konnte ich mir die Umgebung gut vor Augen führen und auch das Cover vom Buch passt toll dazu. Lediglich in Situationen wie z.B. beim Auseinandernehmen eines Tieres oder bei Beschreibungen einer Wundversorgung, hätte ich die Liebe für's Detail nicht unbedingt benötigt - was natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks sein dürfte! Mit Gary hatte ich immer wieder Mitgefühl, vor allem weil sein Vater sich so verantwortungslos benimmt. Der zum Teil recht trostlosen Thematik des Buches, setzt Gary mit seinem Optimismus und Schaffensdrang gekonnt entgegen, so dass mir die Geschichte nicht zu düster vorkam. Die sich eher langsam entwickelnde Handlung sorgt für eine gewisse Authentizität. Etwas zu konstruiert war mir dagegen Garys Ahnungslosigkeit von der Welt, vielleicht weil sie für den Leser erst gegen Ende des Buches richtig deutlich wird, statt von Anfang an. Ich hätte noch etwas mehr Spannung bei diesem Buch erwartet, was das Buch aber nicht zwingend benötigt. Dass das Ende doch an einigen Stellen offen bleibt, gefällt mir an dieser Geschichte recht gut. Bei mir wirkte das Buch dadurch noch lange in mir nach... FAZIT: Eine etwas derbe Sprache mit wunderbar detailreichen (Natur-) Beschreibungen, gepaart mit einer etwas düsteren Thematik, der der Optimismus des Protagonisten entgegen steht. Leseempfehlung und 4/5 Sterne!

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Eine besondere Männer-Freundschaft

Von: booksnotdead_13

26.01.2019

[Werbung, da Rezensionsexemplar und Verlinkung] Seit Ewigkeiten liegt „Fay“ von Larry Brown auf meinem SuB. Klappentext und Cover haben mich sehr angesprochen. Gelesen habe ich es bisher trotzdem nicht. Aber „Joe“ habe ich nun gelesen - und das hat mir sehr gefallen. Es ist ein Einblick in das White-Trash-Milieu, welches heute noch genau so zu sein scheint, wie 1991, da erschien „Joe“ nämlich bereits. Eine absolut zeitlose Geschichte. Joe ist ein trinkender Mittvierziger, ein Ex-Häftling, der von allen respektiert und geachtet wird. Er lernt den 15-jährigen Gary Jones kennen, ein fleißiger und arbeitswilliger Teenager, der mit seiner Familie obdachlos durch den Süden Amerikas zieht. Zwischen den beiden Protagonisten entwickelt sich eine Freundschaft, eine schön zu beobachtende Dynamik, die am Ende des Romans krasse Konsequenzen mit sich zieht. Larry Brown schreibt gemütlich und doch intensiv - ich war zu jeder Zeit mitten im Geschehen. Meine Emotionen wechselten von Mitleid zu Hass, von Zufriedenheit zu Unverständnis. Der Roman ist ziemlich leicht zu lesen, aber auch ziemlich schwer zu verdauen. Ich freue mich auf Browns anderen Roman „Fay“ und bedanke mich recht herzlich beim Heyne Hardcore Verlag für das Rezensionsexemplar von „Joe“.

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Vita

Larry Brown

Larry Brown, geboren 1951 in Oxford, Mississippi, begann seine Schriftstellerkarriere als schreibender Feuerwehrmann. Nachdem er jahrelang erfolglos versucht hatte, seine Kurzgeschichten und Romane veröffentlicht zu bekommen, erschien 1988 unter dem Titel Facing The Music seine erste Kurzgeschichtensammlung. Weitere Short Storys und fünf Romane komplettieren das Werk des Mannes aus Mississippi, der auch außerhalb der Südstaaten Kultstatus besaß und vielfach ausgezeichnet wurde. Mit seinem Werk beeinflusste er viele Songwriter, von denen einige ihm nach seinem Tod infolge eines Herzinfarkts im November 2004 mit dem Tribute-Album Just One More die Ehre erwiesen. Fay war 2017 der erste ins Deutsche übersetzte Roman.

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Thomas Gunkel

Thomas Gunkel, 1956 in Treysa geboren, arbeitete mehrere Jahre als Erzieher. Nach seinem Studium der Germanistik und Geografie in Marburg/Lahn wurde er 1991 Literaturübersetzer. Zu den von ihm übersetzten Autoren gehören u.a. Larry Brown, John Cheever, Stewart O'Nan, William Trevor und Richard Yates.

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