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Ein Schlüsselroman zum Verständnis der modernen USA, ihrer tiefen Ambivalenz und inneren Zerrissenheit

Carol Kennicott, eine junge Frau aus Neuengland, hat es in ein Provinznest verschlagen, deren Einwohner, so merkt sie rasch, völlig anders ticken als sie. Um keinen Preis wollen sie von Vorurteilen abrücken und mit neuen Ideen beglückt werden. Im Gegenteil: Wer an ihren tief verwurzelten Überzeugungen rüttelt, kann sein blaues Wunder erleben. So entspinnt sich ein Kampf zwischen zwei konträren Weltbildern - urbane Liberalität vs. rustikales Hinterwäldlertum. Dass Letzteres nicht so einfach zu überwinden ist, sondern böse zurückschlägt, wenn es sich bedroht fühlt, lässt sich an der USA der Gegenwart ebenso studieren wie an diesem turbulenten, unterhaltsamen Klassiker.

»Wie packend sein Röntgenblick bis heute ist, zeigt sich an der aktuellen Sinclair-Lewis-Wiederentdeckungswelle. ... Man kann vielleicht sagen: Der Mann war ein glühender Feminist. Auch deshalb lassen sich seine Romane heute (wieder) sehr gut lesen.«

taz - die tageszeitung, Katja Kullmann (02. Juni 2018)

Übersetzt von Christa E. Seibicke
Mit Nachwort von Heinrich Steinfest
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-22356-4
Erschienen am  23. April 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Ein Buch, das die gelegentliche Anstrengung beim Lesen absolut lohnt

Von: Ponine T.

31.10.2018

Carol Kennicott, eine junge Frau aus Neuengland, hat es in ein Provinznest verschlagen, deren Einwohner, so merkt sie rasch, völlig anders ticken als sie. Um keinen Preis wollen sie von Vorurteilen abrücken und mit neuen Ideen beglückt werden. Im Gegenteil: Wer an ihren tief verwurzelten Überzeugungen rüttelt, kann sein blaues Wunder erleben. So entspinnt sich ein Kampf zwischen zwei konträren Weltbildern – urbane Liberalität vs. rustikales Hinterwäldlertum. Dass Letzteres nicht so einfach zu überwinden ist, sondern böse zurückschlägt, wenn es sich bedroht fühlt, lässt sich an der USA der Gegenwart ebenso studieren wie an diesem turbulenten, unterhaltsamen Klassiker. Die letzten Monate habe ich an einem Buch gelesen, nicht etwa, weil ich keine Lust gehabt hätte, sondern weil ich nach einigen Seiten immer mal wieder eine Pause zum Nachdenken gebraucht habe. Und an Seiten hat dieser 1920 erschienene Roman wirklich mehr als genug. Nach dem Ende habe ich dann noch einmal ein bisshen Zeit zum Reflektieren gebraucht, denn dieser Roman ist zum ersten Mal seit langem wieder einer gewesen, den ich mit der Absicht aufgeschlagen habe, mein Sujet an Literaturnobelpreisträgern zu erweitern. Sinclair Lewis war der erste amerikanische Preisträger und hatte mit „Main Street“ seinen Ruf als Gesellschaftskritiker begründet. Ein bisschen also wie Thomas Mann mit seinen „Buddenbrooks“? Das wollte ich natürlich herausfinden. Ein „Buddenbrooks“ ist das Buch nicht direkt für mich, aber es war alles in allem eine extrem interessante Lektüre. Lewis ist ein sehr detailgetreuer Beobachter, der trotz allem auch Kritik an seiner Hauptfigur übt, statt sich damit zufrieden zu geben, die Hinterwäldler Minnesotas vorzuführen. Carol ist eine idealistische junge Frau, mit der man sich gut identifizieren kann, die man gelegentlich aber auch schütteln möchte, weil sie ihr „Projekt“ reichlich naiv angeht. Als hätten die Einwohner Gopher Prairies nur darauf gewartet, von der Dorfarztfrau zivilisiert zu werden … Bisher kamen sie nämlich auch ganz gut zurecht und fühlten sich weder völlig abgehängt von der Welt noch von der Kultur. In dieses Nest hinein wirft Lewis seine Leser und nimmt sich dabie wirklich Zeit. Zum Teil weren Einzelereignisse über mehrere Kapitel auserzählt, dann wieder zeitgerafft fortgefahren – für damalige Verhältnisse ein wirklich neues Erzählen, an das man sich aber ein wenig gewöhnen muss. Ich fand vor allem diese Umbruchszeit der direkten Vorjahre des Ersten Weltkriegs sehr spannend. In den USA werden Dinge wie Automobile und Telefon langsam erschwinglich – noch nicht für alle, aber sie ziehen selbst in die Provinz ein – und die Menschen gewöhnen sich allmählich an die Verfügbarkeit von internationalen Waren. Gleichzeitig leben sie ihr Leben immer noch in dem Wertesystem des vorigen Jahrhunderts und wirken modern und anachronistisch zur selben Zeit. Genau diesen Menschen nähert man sich im Buch durch die Augen Carols und reibt sich an ihnen. Auch Carol selbst ist eine gepaltene Person, die jedes Mal den Kopf in den Sand steckt, wenn sie an Widrigkeiten stößt, gleichzeitig aber zumindest den ersten Schritt in Richtung Emanzipation wagt. Ihr Mann, der anfangs sehr fortschrtittlich wirkt, lehnt sich durch das ruhige Landlebne wieder komplett zurück in alle alten Verhaltensmuster. Spannend ist, dass man wirklich jede dieser Figuren aus seinem eigenen Leben zu kennen glaubt, sie sind bis heute vorhanden in den kleineren und größeren Städten auf dem Land, nicht nur in den USA. Insgesamt ist das ein wirklich dichter Roman. Einer, bei dem man viel Input erhält und bemerkt, wie wenig sich die Gesellschaft eigentlich wirklich verändert hat. Es ist nicht immer leicht zu lesen, aber auf jeden Fall lohnenswert.

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Langatmig, aber wahr

Von: Jill von Letterheart

05.10.2018

"Einen Schritt vor und zwei Zurück" Man kennt das Gefühl, so sehr man sich auch bemüht, voranzukommen, gibt es doch immer wieder Menschen oder auch Situationen, die einem Steine in den Weg legen. Carol hat sich auf die Fahne geschrieben das Provinzstädtchen Gopher Praire einmal ordentlich umzukrempeln, doch die Bürger dort sehen es ganz anders. Sinclair Lewis hat hier nicht nur mit einer guten Portion Humor, sondern auch vielen Klischees gearbeitet, die leider doch immer ziemlich viel Wahrheit enthalten. Denn auch, wenn die Denkweise und die geplanten Schritte von Carol lobenswert sind, so ist es ihre Herangehensweise nicht immer unbedingt. Als kleine Visionärin und Traumtänzerin soll alles am besten sofort funktionieren und jeder Rückschlag wirft sie in ein tiefes Loch. Die eigentliche Idee wurde dann wieder unter den Teppich gekehrt und dafür neue Ansätze entworfen. Konsequenz war demnach vielleicht nicht die größte Stärke der Protagonistin, dafür aber ordentliches Durchhaltevermögen. Die Bürger von Gopher Praire und auch Will, der Partner von Carol belächeln ihr Verhalten viel mehr – in guten Zeiten. Denn meistens wird ihr hier gehörig vor den Kopf gestoßen und das in bester „Hinterwäldlermanier“. Hier treffen wahrlich Welten aufeinander und haben auch mich selbst beim Lesen in den Wahnsinn getrieben. So sehr man auch die Parallelen erkennt, so sehr möchte man ihnen am liebsten den Rücken zukehren. "Bezug zur heutigen Zeit" Auch wenn das Geschehen in der Geschichte so einige Jahrzehnte zurückliegt, so scheint es einem beim Lesen gar nicht immer der Fall zu sein. Dass dieses Werk von Lewis immer noch an Universitäten mit einbezogen wird, hat durchaus seinen Grund. Auch, wenn es teilweise als Vorurteil verschrien ist, so lässt es sich sicherlich nicht gänzlich widerlegen – Amerika politische und gesellschaftliche Einstellungen sind oftmals gegen jede Zeit. So hat der Autor hier scheinbar auch mit seinem eigenem ehemaligen Wohnort abgerechnet, was verständlicherweise für Aufruhr gesorgt hat – Fortschritte werden nicht gerne angesehen, ebenso wenig wie Veränderungen. Alles scheint unglaublich rückständig und gerade in unserer heutigen Zeit überhaupt nicht vorstellbar. Doch mit dieser Einstellung schießt man definitiv am Ziel vorbei, denn auch zu unserer heutigen Gesellschaft werden äußerst viele Parallelen erkenntlich. Carol war für mich persönlich leider keine Sympathieträgerin, was aber nicht bedeutet, dass ich ihre Arbeit und ihre stetigen Bemühungen nicht anerkennen würde. Es ist wie ein Ankämpfen gegen Windmühlen – man verliert fast schon selbst den Antrieb und die Lebenslust. Denn selbst nach der ein oder anderen Wendung scheint es am Ende nicht viel genützt zu haben, viel eher spiegelt sich hier wieder, aus welchen Fehlern unsere Gesellschaft wohl nie lernen wird. Mit einigen Kürzungen hätte mich der Autor allerdings mehr fesseln können, so war es wirklich schwer, sich durch die Seiten und die Geschichte zu kämpfen, sodass ich zwischenzeitlich einige Passagen nur überflogen habe. Vielleicht war es aber auch einfach nicht mein Stil, was allerdings nicht die Message hinter dieser Geschichte kleinreden soll. FAZIT Sinclair Lewis hat mit Main Street ein wahrlich interessantes und vor allem ehrliches Werk auf den Markt gebracht. Stellenweise hat mich die Geschichte um Carol wirklich in den Wahnsinn getrieben und die satirische Art konnte meine Stimmung kaum noch heben. Was hier aber mit deutlich gezeigt wird, sollte keineswegs verkannt werden – denn die Parallelen zu unserer heutigen Zeit ist nicht zu leugnen.

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Vita

Sinclair Lewis (1885-1951), geboren in einer Kleinstadt in Minnesota, studierte in Yale und arbeitete als Journalist und Lektor in New York, San Francisco und Washington. Seit dem Erfolg seines Romans «Main Street» konnte er von der Schriftstellerei leben. 1926 erregte er großes Aufsehen mit seiner Ablehnung des Pulitzerpreises, der ihm für seinen Roman «Arrowsmith» zuerkannt worden war; 1930 erhielt er als erster US-Amerikaner den Literaturnobelpreis.

Zur AUTORENSEITE

Heinrich Steinfest

Heinrich Steinfest wurde 1961 in Australien geboren und wuchs in Wien auf. Er wurde mehrfach mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet; sein Roman «Ein dickes Fell» war für den Deutschen Buchpreis 2006 nominiert. 2010 erhielt er den Heimito-von Doderer-Literaturpreis. Aus der Begündung der Jury: "Er ist der Meister spannender Prosa an der Grenze zwischen Absurdität und Komik". Heinrich Steinfest lebt in Stuttgart.

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Zitate

»Das kluge Nachwort stammt vom Romancier Heinrich Steinfest. Lewis erzählt spöttisch, frech und schnell... Ein so hochaktueller wie unterhaltsamer Roman.«

NZZ am Sonntag, Manfred Papst (27. Mai 2018)

»Sinclair Lewis bekam als erster Amerikaner 1930 den Nobel-Preis. ... Seine beiden großartigen Romane sind jedenfalls ein zwar ferner, aber geschliffener Spiegel von Trump-Amerika.«

DAS MAGAZIN, Erhard Schütz (01. September 2018)

»Als Lewis 1930 als erster Amerikaner mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, stellten die Juroren ganz besonders ›Main Street‹ als herausragendes Beispiel für moderne Literatur heraus.«

Gießener Allgemeine (26. Mai 2018)

»Lewis erzählt viel direkter, bösartiger und entlarvender als Faulkner. ... Dieser Roman ist über hundert Jahre alt und aktueller denn je. Wer immer noch darüber sinniert, warum ein gelbhaariger Geistloser die Vereinigte Staaten regiert, der lese ›Main Street‹! ... Ein großer Roman, in dem der Masochismus der kleinen Leute große Blüten treibt. Und an diesen lässt es sich wunderbar berauschen.«

Lesart. Unabhängiges Journal für Literatur, Heike Kunert (19. März 2018)

»Wer den Blick von der Handlung allein auch auf die Sprache richtet, wird feststellen, dass Lewis ein hervorragender Schriftsteller ist, was die deutsche Übersetzung durchaus erkennen lässt.«

»Ein sehr witziger und flotter Roman, der unglaublich gut unterhält. Lewis beweist sich darin nicht nur als grandioser Satiriker, sondern zugleich als ein minutiöser Beobachter menschlichen Verhaltens, was den Roman überaus beeindruckend macht. ›Main Street‹ ist genauso aktuell wie damals, man möchte schon fast sagen aktueller. Denn, was Sinclair Lewis beschreibt, findet sich fast eins zu eins in der Trump-Ära wieder.«

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