Mit Blick aufs Meer

Roman

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Ausgezeichnet mit dem Pulitzerpreis

Crosby, eine kleine Stadt an der Küste von Maine. Hier ist nicht gerade sehr viel los. Doch sieht man einmal genauer hin, ist jeder Mensch eine Geschichte und Crosby die ganze Welt. Elizabeth Strout fügt diese Geschichten mit liebevoller Ironie und feinem Gespür für Zwischenmenschliches zu einem unvergesslichen Roman.

Sie kann manchmal eine rechte Nervensäge sein: Olive Kitteridge, die pensionierte Lehrerin. Weil sie zu allem, was in dem Städtchen Crosby geschieht, eine dezidierte Meinung hat, halten sie einige für überkritisch. Dann wieder überrascht sie durch Selbstlosigkeit und Mitgefühl. Sie mischt sich ein und macht sich ihre Gedanken über ihre Mitmenschen: die schrille Barpianistin, die insgeheim einer verlorenen Liebe nachtrauert, einen ehemaligen Schüler, der keinen Sinn mehr im Leben sieht, ihren eigenen Sohn, der sich von ihren Empfindlichkeiten bevormundet fühlt, ihren Mann Henry, der die Ehe mit ihr nicht nur als Segen, sondern manchmal auch als Fluch empfindet. Und während sich die Menschen in Crosby mit ihrem ganz normalen Leben herumschlagen, den Problemen wie den Freuden, lernt Olive auf ihre alten Tage, das Leben zu lieben.

Elizabeth Strouts Roman erzählt von Liebe und Kummer, von Toleranz und Aufbegehren. »Mit Blick aufs Meer« ist ein weises und anrührendes Buch über die Natur des Menschen in all seiner Verletzlichkeit und Stärke, erfrischend ehrlich und unglaublich schön.


Aus dem Englischen von Sabine Roth
Originaltitel: Olive Kitteridge
Originalverlag: Random House Inc. USA, New York
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-04072-7
Erschienen am  23. Juni 2010
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Nicht weglaufen vor dem eigenen Hunger

Von: Barbara62

31.05.2020

Zwei Klammern halten die 13 Erzählungen in Elizabeth Strouts 2009 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Erzählband "Mit Blick aufs Meer" zusammen: die fiktive US-Kleinstadt Crosby an der nördlichen Küste von Maine und die ehemalige Mathematiklehrerin Olive Kitteridge, nach der die 2008 erschienene Originalausgabe benannt ist. Crosby ist ein Durchschnittsstädtchen mit Kirche, Grange Hall der Farmervereinigung und Lebensmittelladen. Genauso durchschnittlich sind seine Bewohnerinnen und Bewohner, die in den Geschichten abwechselnd aus dem Schatten ins Rampenlicht treten. Es sind Menschen wie der Psychiater Kevin Coulson aus New York, der in „Flut“ mit Selbstmordabsichten in seinen Heimatort zurückkehrt, die Barpianistin Angela O’Meara aus „Frau am Klavier“ mit Alkoholproblemen und unglücklichen Männerbeziehungen, die magersüchtige Nina White, die in „Hunger“ die verwitwete Daisy und den verheirateten Harmon noch enger zusammenschweißt, oder Julie Harwood, die in „Flaschenschiff“ am Hochzeitstag von ihrem Verlobten im Stich gelassen wird. Beim Bummel durch Crosby werfen wir einen Blick auf die Wendepunkte in ihrem Dasein, um uns dann der nächsten Figuren zuzuwenden. Lediglich Olive Kitteridge ist in allen Geschichten präsent, mal am Rande, mal im Zentrum. Ihr Leben und das ihrer Familie gibt Orientierung und steckt den zeitlichen Rahmen über mehrere Jahrzehnte ab. Raue Schale, weicher Kern Als ehemalige Mathematiklehrerin an der Crosby Junior High School kennt Olive jede und jeden im Städtchen. Dort wie in ihrer Familie wird sie mehr gefürchtet als gemocht. Ihre scharfe Zunge, ihr aufbrausendes Temperament und ihre radikale Ehrlichkeit sind anstrengend und berüchtigt. Nicht nur ihr gutmütiger, allseits beliebter Mann Henry, sondern vor allem ihr Sohn Christopher haben darunter zu leiden. Doch Olive wäre nicht Olive, wenn sie es nicht zugeben könnte: "… tief in mir sitzt etwas, und ab und zu pumpt es sich voll wie der Kopf eines Tintenfisches und stößt einen Schwall von Schwärze aus. Ich habe mir das nicht ausgesucht, aber so wahr mir Gott helfe, ich habe meinen Sohn geliebt." (S. 95/96) Zugleich kann Olive, die den Smalltalk hasst, aber in Notfällen zur richtigen Zeit am richtigen Ort auftaucht und die richtigen Worte findet, ebenso einfühlsam wie verletzlich sein. Sie verabscheut ihre Korpulenz und Grobknochigkeit, möchte geliebt werden und lieben: "„Ich bin auch am Verhungern“, sagte Olive. Das Mädchen schaute zu ihr herüber. „Klar“, sagte Olive. „Oder was glaubst du, warum ich jeden Doughnut esse, den ich in die Finger kriege?“" (S. 126/127) Das Herausragende im Alltäglichen finden Immer wieder hat mich Mit Blick aufs Meer an die wundervollen Bücher von Kent Haruf erinnert, die alle im Städtchen Holt, Colorado, spielen. Hier wie dort stehen ganz gewöhnliche Menschen mit ihren alltäglichen Höhen und Tiefen im Mittelpunkt, geht es um Jugend und Alter, Eheprobleme und Ehefreuden, Familie, Tod, Befreiungsschläge und immer wieder um den Kampf gegen die Einsamkeit. Elisabeth Strout hat mich mit diesem ebenso empathisch wie kitschfrei erzählten Buch bestens unterhalten und Olive Kitteridge bleibt als Romanfigur im Gedächtnis – mit ihrer Gespaltenheit und Lebensweisheiten wie dieser: "Vor seinem eigenen Hunger darf man nicht weglaufen. Wer vor seinem eigenen Hunger wegläuft, ist auch nur eine Schießbudenfigur wie all die anderen." (S. 255)

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Am Ende versteht man diese Frau

Von: femundo

21.08.2017

Das Cover sieht nach einer federleichten Sommergeschichte aus, aber der Schein trügt. Die Hauptfigur, Olive Kitteridge, ist ein wirklich harter Brocken. Olive stößt Menschen vor den Kopf, die sie lieben und mögen. Sie ist schlecht gelaunt und manchmal ungerecht, vom Leben erwartet sie nur das Schlimmste. Beim Lesen möchte man ihr immer wieder vors Schienbein treten. Und das ist das wirklich Tolle an diesem Roman: Elizabeth Strout gelingt das Kunststück, ihre Leser für eine zunächst unsympathische Hauptfigur zu erwärmen. Am Ende kann man Olive mit ihren eigenen Augen sehen und versteht, wie diese Frau wurde, wie sie ist. Und man bewundert Henry, der so lange und so treu an ihrer Seite stand. Ein manchmal unbequemes Buch, das einen über die eigenen Launen nachdenken lässt.

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Vita

Elizabeth Strout wurde 1956 in Portland, Maine, geboren. Für ihren Roman »Mit Blick aufs Meer« bekam sie 2009 den Pulitzerpreis. »Die Unvollkommenheit der Liebe« wurde für den Man Booker Prize 2016 nominiert. »Alles ist möglich« wurde 2018 mit dem Story Prize ausgezeichnet, erhielt ein überwältigendes Presseecho in den USA und stand in allen großen Medien auf den Empfehlungslisten. Die Übersetzungsrechte ihres neuen Romans wurden in bisher 17 Länder verkauft. Elizabeth Strout lebt in Maine und in New York City.

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