Neujahr

Roman

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Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passsieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater – in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon. Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés. Damals hatte sich etwas Schreckliches zugetragen - etwas so Schreckliches, dass er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwo in den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute.

»Mit leichter Feder kombiniert Juli Zeh eine kluge Meditation über moderne Männerrollen mit einem düsteren Buch über ein Kindheitstrauma zum Psychothriller.«

Denis Scheck / Der Tagesspiegel (28. Oktober 2018)

eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-22123-2
Erschienen am  10. September 2018
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Leserstimmen

Der Roman einer Überforderung, eines Traumas und einfach sehr gute Literatur

Von: Uljana Brunzema aus Bonn

04.02.2019

VORSICHT SPOILER!!! "Neujahr" : Der Roman einer Überforderung, eines Traumas und einfach sehr gute Literatur Ein Familienvater, zwei Kinder, Erinnerungen, ein Urlaub auf Lanzarote. Die Geschichte und der Rahmen sind einfach in Juli Zehs neuem Roman „Neujahr". Es mag nicht übertrieben sein, dieses Buch als eines der persönlichsten und besten von Juli Zeh zu bezeichnen. Ein Roman den man in einem Zug liest ohne absetzen zu können. Der Protagonist Henning erklimmt mit seinem Fahrrad einen Berg, die Hitze, die Erinnerungen und Gedanken flirren durch seinen Kopf, sein Körper pulsiert, gebiert irgendwann sein Innerstes aus der Vergangenheit zum Vorschein. Juli Zeh beschreibt diese Bergfahrt sehr sinnlich, Gerüche alle Art werden evoziert, Ziegenherden am Wegesrand, vorbeifahrende Autos, ein unwirklich scheinender Hirte, der schon ahnen lässt dass etwas von jenseits der Gegenwart heraufdräut. Das ES, diffuse Angstzustände und Ahnungen aus der Vergangenheit, die weit mehr sind als ein auf das Freudsche ES reduzierte Unbewusste, holt Henning immer wieder ein und nimmt ihm den Atem. Seine Gedanken wandern zur jüngeren Vergangenheit, ein Restaurant Besuch mit Frau und Kindern in einem spanischen Restaurant am Tag zuvor. Seine Frau Theresa die er plötzlich hocherotisch mit einem französischen Gast eng umschlungen im Tanz sieht, - eine Szene, die später entscheidend seine Kindheitserinnerungen triggern soll. Dann sind wir wieder ganz mit Henning auf seinem Fahrrad, schwitzen mit, nähern uns langsam dem Gipfel des Berges. Und wieder schweift die Erinnerung ab, sie wandert zu den Großeltern seiner Kinder: Rolf und Marlies kommen zu Besuch aus Rom, pflügen in ganzer Egozentrik und Selbstverliebtheit durch die junge Familie, halten den schönen Schein einer gelungenen Enkel-Großeltern-Beziehung fest, um diesen dann zuhause in Rom fotografisch auf die Kommode zu bannen. Er fühlt sich an seine eigene Kindheit erinnert, als Trennungskind, überforderter älterer Bruder einer kleinen Schwester neben einer ebenfalls überforderten Mutter. Und wieder treten wir mit Henning zusammen in die Pedale seines Fahrrads, erleben zusammen mit ihm eine unfassbare Wut aufsteigen. Und dann erreicht Henning den Gipfel des Berges und ein alleinstehendes Haus. Er wird kurz bewusstlos, sein Unbewusstes meldet sich mit einer lange vergessenen Geschichte aus seiner Kindheit zu Wort. Henning kennt dieses Haus. Drei Tage haben ihn hier damals allein mit seiner kleinen Schwester Luna ans Haus gefesselt, die Eltern waren unter dramatischen Umständen verschwunden, - nicht der Mörder aber der Verführer war diesmal der Gärtner. Henning hatte ihn in flagranti mit seiner Mutter ertappt. Und dann entfaltet sich vor seinem inneren Auge das ganze Drama dieses Ausgeliefertseins, die Unfähigkeit sich allein zu versorgen, seine kleine Schwester zu versorgen, die Ordnung beizubehalten. Die Beschreibung der Abhängigkeit und Hilflosigkeit der kleinen Schwester ist so plastisch dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Alles ist ans Licht gekommen, es ist Neujahr. Zum Glück endet dieser Roman nicht mit einem platten Happy end, das ES hört nicht plötzlich auf, Henning zu quälen. Nein, viel weiser und reifer ist das Ende: Henning will und muss die Beziehung zu seiner Schwester Luna, die bislang immer die Kleine und Hilfsbedürftige blieb bis ins Erwachsenenalter, neu definieren. Er muss ihr seine Helfer Rolle aufkündigen. Er weist ihr die Tür. Und gerade die letzten beiden Seiten des Romans, in dem dieser langsame Abschied beschrieben wird, ist Juli Zeh unglaublich gut gelungen. Feine literarische dicht gewebte Atmosphäre, kristallklar und langsam. Juli Zeh ist mit diesem Roman ein brillantes Stück Literatur gelungen.

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Albtraum auf Lanzarote

Von: ulistuttgart

02.02.2019

Henning verbringt mit seiner Frau Theresa und seinen beiden Kindern im Kindergartenalter (2 und 4 Jahre) seinen Weihnachtsurlaub auf Lanzarote. Am Neujahrstag beschließt er für sich mit dem geliehenen Mountainbike eine Radtour zu machen. Während der Anstrengung des Fahrens und dem Kampf gegen den Wind, kommen ihm so manche Gedanken und Erinnerungen in den Sinn. Seine Frau und er arbeiten Teilzeit, damit sich beide um die Kinder kümmern können. Theresa arbeitet viel von zu Hause und zieht sich deshalb gerne in ihr Home Office zurück. Henning arbeitet praktisch genau so viel wie vor den Kindern und verdient das Gehalt der Teilzeitkraft. Dafür darf er sich dann in seiner „Freizeit“ sehr intensiv um seine Kinder kümmern. Er fühlt sich ausgelaugt und ist unzufrieden mit seinem Dasein. Zu allem Überfluss plagen ihn auch noch Angstzustände und Panikattacken. Das alles und noch viel mehr geht ihm beim Fahrradfahren am Neujahrstag durch den Kopf. Erster-Erster … Das Buch von Juli Zeh ist klasse. Erstmal die Wahnsinns Beschreibungen von Lanzarote. Jedes Haus und jede Pflanze wird beschrieben. Die Landschaft mit Palmen, Kakteen und Bougainvilleen. Da ich Lanzarote sehr liebe, sehe ich all die Dinge vor mir und weiß genau an welchem Ort sich Henning und seine Familie gerade befinden (Puerto del Carmen, Playa Blanca …). Das alles wird von der Autorin sehr detailliert beschrieben. Auch die Panikattacken von Henning erläutert sie sehr anschaulich. Genau wird dargestellt wann „ES“ (so bezeichnet er seine Angstzustände) auftaucht und wie es sich auswirkt. „ Es beginnt mit einem Brennen im Zwerchfell, wie eine Mischung aus Lampenfieber und Flugangst. Sein Herz fängt an zu rasen, dann zu stolpern. Hennings Körper und Geist geraten außer Kontrolle. Manchmal weckt ES ihn mitten in der Nacht. Er fährt dann aus dem Schlaf und bekommt keine Luft …“ – einfach grandios erzählt. Die Doppelbelastung von Arbeit, Kinder und Haushalt belasten ihn sehr. Er kann nichts zu Ende bringen, hat für nichts richtig Zeit … Auch im Urlaub kann er nicht abschalten. Henning versucht sich beim Radfahren zu entspannen. Dort ist er mit sich selbst alleine. „Eine schmale Schneise zwischen Beruf und Familie.“ Erster-Erster Seine Gedanken rasen durch seinen Kopf … Und plötzlich kommt Henning alles so bekannt vor. Es fühlt sich für ihn an, als ob er schon einmal dort war … Erinnerungen kommen bruchstückhaft auf … Und dann wird es schrecklich. Seine Flashbacks sind unfassbar. Das Erlebte ist erschreckend, Wahnsinn, Horror … Fazit: Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass dies mein erster Roman von Juli Zeh ist. Und ich bin begeistert. Begeistert von Schreibstil, den detaillierten, eindrucksvollen Beschreibungen und dem tiefsinnigen Thema. Sicher wegen seiner Intensität und Tiefenpsychologie nicht für Jedermann der passende Lesestoff, aber ich bin restlos begeistert. 5 Sterne !!!

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Vita

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, studierte Jura in Passau und Leipzig. Schon ihr Debütroman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Ihr Gesellschaftsroman "Unterleuten" (2016) stand über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015) und dem Bruno-Kreisky-Preis (2017) sowie dem Bundesverdienstkreuz (2018). 2018 wurde sie zur ehrenamtlichen Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt.

www.juli-zeh.de

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Pressestimmen

»Weil beides, der Thriller und die Gesellschaftsanalyse, hier so dicht ineinandergreifen, ist ›Neujahr‹ vielleicht Juli Zehs bislang bestes Buch.«

Karin Janker / Süddeutsche Zeitung (08. September 2018)

»Mit ›Neujahr‹ erbringt Juli Zeh den Beweis, dass sich gute Unterhaltung problemlos mit inhaltlichem Tiefgang und literarischer Qualität verbinden lässt.«

Luzia Stettler / Radio SRF 2 Kultur (10. September 2018)

»Ein beeindruckendes Spiel mit verschiedenen Zeit-, Wahrnehmungs- und Realitätsebenen.«

Jörn Meyer / BuchMarkt (01. Juni 2018)

»Klug analysiert Juli Zehs ›Neujahr‹, wie die Kindheit unser Lebensgefühl prägt.«

Nido (15. August 2018)

»Eine emotionale Tour de Force in die Vergangenheit, ein Ritt, der einen mitreißt und erschöpft, aber bereichert zurücklässt. Kurz - und trotzdem gut.«

Christine Ritzenhoff / emotion (05. September 2018)

»Auf der Hälfte kippt Juli Zehs kunstvoll konstruierter Familienroman in einen Psychothriller.«

Ute Büsing / rbb Inforadio (16. September 2018)

»Eine hochkonzentrierte und kompakte Geschichte mit fesselnder Dynamik und einem Aha-Effekt, der es in sich hat.«

Ulrich Noller / SWR2 (08. September 2018)

»Wenn man die Familie als Keimzelle der Gesellschaft betrachtet, ist auch dieses fesselnde Buch eine Art Gesellschaftsroman.«

Birgit Nüchterlein / Nürnberger Nachrichten (10. September 2018)