Nicht sterben

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Erzählen, um zu überleben

Ausgezeichnet mit dem Georg-Büchner-Preis 2018.

Wenige Monate nachdem Terézia Mora im Herbst 2013 für ihren Roman »Das Ungeheuer« mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, hielt sie ihre Frankfurter Poetik-Vorlesungen. Schritt für Schritt erzählte sie, wie sie ihren unvergleichlichen literarischen Kosmos geschaffen hat, erst Erzählungen, dann ihre vielfach ausgezeichneten Romane. Diese Vorlesungen waren ein Ereignis. Wer mehr über Terézia Mora, ihr Werk, über das Schreiben und über die Literatur im Allgemeinen erfahren möchte, kann die in Frankfurt gehaltenen Vorträge jetzt nachlesen.

Terézia Moras Frankfurter Poetik-Vorlesungen beginnen mit einem starken Bild. Sie erzählt, wie sie unlängst mit ihrer kleinen Tochter im Kino war, um sich einen Zeichentrickfilm anzusehen. Darin musste eine Familie von Steinzeitmenschen ihre Höhle verlassen und sah sich mit einem Mal einer fremden und bedrohlichen Welt gegenüber. Ähnlich fühlt Terézia Mora sich als Autorin von jeher in eine Welt von Störungen und Irritationen ausgesetzt, der sie sich erwehren muss, die aber auch zu Antriebskräften ihres Schreibens werden. Wie sich dies gestaltet, darüber spricht sie in ihren Vorlesungen. Detailliert erzählt sie von ihren Romanfiguren, wann sie ihnen begegnet ist und welchen intimen Umgang sie mit ihnen, fiktiven Freunden teilweise schon seit Kindertagen, pflegt. Und sie kommt auch auf einen wesentlichen Aspekt ihres Schreibens zu sprechen: das Drastische, und weswegen ihre Geschichten immer radikale Wendungen nehmen. Indem Terézia Mora so dem existentiellen Ursprung sowie den Bedingungen und Grundlagen ihres Schreibens nachgeht, ist ihr neues Buch auch ein Nachdenken über die autobiographischen Hintergründe ihrer Entwicklung als Autorin. Dies macht »Nicht sterben« zu einer ebenso erhellenden wie faszinierenden Hinführung zu ihrem Werk und zur Literatur im Allgemeinen.


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ISBN: 978-3-641-14998-7
Erschienen am  23. Februar 2015
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Nicht sterben von Terezia Mora

Von: Xeniana

04.05.2015

" Die ersten 2 Jahre handeln immer von der Unerträglickeit. Dass es doch sinnlos ist, nutzlos, dass es keine gute Form dafür geben kann." "Nicht sterben" ist ein Buch über Terezia Moras individuellen Weg zur Erzählung, zum Roman. In den von ihr gehaltenen fünf Poetikvorlesungen ( Frankfurter Poetikvorlesungen) geht sie der Frage nach: Wie komme ich zu einer Erzählung? Wie komme ich zu einem Roman? Im inneren Dialog mit sich selbst oder ihrer Tochter gewährt sie Einblick in das Ringen um den Entwurf der Erzählkonstellation, Handlungsbogen, Recherche und akribischer Planung. Wo beginnt man mit dem Schreiben? Wie komme ich vom Privaten ins Poetische? Was muss in einem erzählenden Text dominieren um ihn nicht zu einem Bericht über eine Erzählung werden zu lassen? Wie kommt man zum Kern der Geschichte? Terezia Mora erschafft zur inhaltlichen immer auch eine formale Struktur. "Der architektonische Plan hilft mir dabei, die sehr komplexe Gesamtaufgabe in leichter überschaubare Teile aufzubrechen." Sie beginnt mit dem Prozess des Filterns, des Herausarbeitens, der großen Linien und endet am Punkt wo man am kleinsten ist: "Großvater trinkt." Das ist der Punkt des Losgehens. "Jeder kann einen ersten und einen letzten Satz schreiben." Für mich zählt dieses Buch vielleicht zum Interessantesten (weil so überaus präzise und doch gleichzeitig persönlich), was ich bisher über das Schreiben gelesen habe. Es ist als würden diese Bücher von Mora mir einen Teil meiner verloren gegangenen, östlich geprägten Sprache zurückbringen und sie gleichzeitig verwandeln. Viele Bilder fanden sich allein durch ihre Fragestellungen. Wie war der Sprachgebrauch in meiner Familie? Durchaus interessant-ein sächsisch-pfälzisches Gemisch mit dem Beigeschmack von Sehnsucht und Exil. Wie war der Sprachgestus in der Schule-repressiv. Wie war der Sprachgestus in der Zeitung? Meine Mutter las das Neue Deutschland, mein Vater den Eulenspiegel und ich? Terezia Mora, gleichsam wie die "Ortskundige" aus dem Film "Stalker" vonTarkowski, nimmt den Leser mit auf eine spannende Expedition hinter den Sperrgürtel. Eine Expedition die durch beobachten, anpirschen, hinterfragen, Neugier zu neuen Erkenntnissen über Literatur, das Schreiben und nicht zuletzt sich selbst führt. Leseprobe "Nicht sterben" erschien 2014 im Luchterhand Literaturverlag. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Vita

Terézia Mora wurde 1971 in Sopron, Ungarn, geboren und lebt seit 1990 in Berlin. Für ihren Roman „Das Ungeheuer“ erhielt sie 2013 den Deutschen Buchpreis. Ihr literarisches Debüt, der Erzählungsband „Seltsame Materie“, wurde mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Für ihr Gesamtwerk wurde ihr 2018 der Georg-Büchner-Preis zugesprochen. Terézia Mora zählt außerdem zu den renommiertesten Übersetzern aus dem Ungarischen.

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