Noir

Roman

(2)
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San Francisco 1947: Es kommt nicht jeden Tag vor, dass eine rätselhafte, anmutige Blondine namens Stilton (ja, wie der Käse) in den verlotterten Laden kommt, in dem Sammy »Two Toes« Tiffin Gin ausschenkt. Für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick. Aber bevor Sammy den ersten Schritt machen kann, betritt ein General der Air Force aus Roswell den Saloon. Er hat einen eiligen Auftrag, den Sammy nur widerwillig annimmt, denn eigentlich hat er ganz andere Dinge im Kopf. Doch als Stilton kurz darauf spurlos verschwindet, geht es ohnehin erst einmal nur noch um eines: Er muss seine Traumfrau retten – und vielleicht auch noch einen kleinen Alien ...


Aus dem Amerikanischen von Jörn Ingwersen
Originaltitel: Noir
Originalverlag: William Morrow
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-20012-1
Erschienen am  15. Oktober 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Trocken und packend erzählt

Von: Michael Lehmann-Pape

29.11.2018

Trocken und packend erzählt Sammy „Two Toes“ hat es nicht einfach. Vor allem aus einer gewissen Peinlichkeit heraus, was seine Fußverletzung angeht. Die nicht nur für ein dezentes Hinken hinter der Bar sorgt, an der Sammy arbeitet, sondern vor allem damit zu tun hat, dass die meisten Leute fest glauben, es wäre eine Kriegsverletzung. Und Sammy das mal lieber nicht überall richtigstellt. Vor allem nicht bei dieser umwerfenden Frau, Stilton, die an seiner Theke aufschlägt, rotzfrech, überlegen, kühl. Auf den ersten Blick, was auf den zweiten Blick aber in eine ganz andere Richtung gehen wird. Was sich ganz anregend anlassen könnte, hätte Sammy nicht die Idee gehabt, sich nebenbei ordentlich Einnahmen zu verschaffen. Mit Folgen für seinen Chef. Zunächst. Das nebenbei Stilton auch gedenkt, schnelles, scheinbar leicht verdientes Geld mal mitzunehmen (als „Amüsierdame“ auf einem Club Treffen einflussreicher Männer) und auch dort die Ereignisse einen anderen Verlauf nehmen, als geplant (was mindestens zwei Fluggeräte und deren Insassen intensiv betreffen wird), das kann ja vorher keiner ahnen. Ein brachialer, schmieriger Polizist steht störend im Raum, ein General aus Roswell sucht Anschluss, ein merkwürdiges Wesen taucht auf und eine der gewählten Erzählperspektiven (Moore wechselt hier und da in Betrachtung Sammys von der ersten in die dritte Person) kommt von einer „gespaltenen Zunge“. So nimmt das Chaos seinen Lauf, müssen Männer still gestellt werden, macht sich ein alter Chinese auf Schlangenjagd, erkennt ein junger Chinese, wie er seine Angebetete näher ans ich binden kann, wickelt Stilton viele Männer um den Finger und geht Sammy es an, die Dinge kühl und auch mal mit der nötigen Härte anzugehen. Was alles lange auf des Messers Schneide steht, auch wegen einiger ominöser Männer in schwarzen Anzügen und schwarzen Sonnenbrillen (ein durchaus gewollter Verweis auf die bekannten „Men in Black“), die erst durch ein umfunktioniertes Kornett Respekt lernen werden. Das Ganze setzt Moore umwerfend sprachlich in Szene, folgt den Spuren klassischer „Noir-Thriller“, die er hier überzeugend mit einer Prise Science-Fiction erweitert. Wobei vor allem die trockenen und überaus coolen Dialoge und ironischen Wendungen für die erfrischende Atmosphäre im Roman sorgen. „Und wie geht es unserem Hausgast“? (der unter Drogen gehalten wird, um keinen Stress verursachen zu können). „Ruhst sich aus. Erholt sich von seiner Reise“. Dies, gepaart mit ebenso ironisch und trocken versehener Härte von „Todesfällen“ ergibt insgesamt einen interessanten, durchdachten, sprachlich überzeugenden Thriller, der bestens unterhält.

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Dunkle Käseschnecken – Christopher Moore

Von: Thursdaynext

30.10.2018

Was macht eine Käseschnecke 1947 in San Francisco? Und welche Rolle spielt eine schwarze Mamba bei den mysteriösen, bis heute ungeklärten Ereignissen in Roswell und wann hat nochmal der paranoide Antikommunist J. Edgar Hoover das FBI gegründet und befehligt? Nicht all diesen Fragen geht Christopher Moore in seinem, wie leicht am Titel zu erkennen, Krimi Noir auf den Grund. Wer Moore bereits gelesen hat, kann sich denken, dass es so richtig dunkel nicht werden kann, ist er doch bekannt für seinen amüsanten unkonventionellen Erzählstil, meist als Autor von abgedreht, schrägen, aber immer unterhaltsamen Urban Fantasys. Seit „Der Lustmolch„ und „Flossen weg“ bin ich ihm verfallen. Ebenfalls grandios war „Fool*“. Noir kann nicht gänzlich an diese Meisterwerke des skurrilen Humors anknüpfen, dafür eröffnet Moore sich eine neue Literaturgattung und das zu verfolgen ist interessant, denn so dialoglastig sein Roman ist, er wechselt elegant die Erzählperspektive, und ist sprachlich nicht unbedingt ein Highlight, doch solide, wenn auch derb wie gewohnt. Diesmal verzichtet er fast gänzlich auf fantastische Elemente, für mich sehr stimmig. In einem Krimi Noir seinen spezifischen, respektlosen, schwarzen Humor unterzubringen und dabei doch NOIR zu bleiben ist nicht einfach. Fast immer fand ich, es ist ihm gelungen. Die „Noir“-Atmosphäre schimmert oft durch, besonders in seinen Beschreibungen der Lebensumstände der damaligen Zeit an diesem Ort. Puristen mag das stören, ich bin da nicht so zimperlich, wenn es stimmig ist und das war es nach einer kurzen Durststrecke, bis Moore sein Personal vorgestellt hatte und der Plot an Fahrt aufnahm. Barkeeper Sammy „Two Toes“ Tiffin, hält sich kurz nach Ende des 2. Weltkriegs mit allen möglichen und unmöglichen Gelegenheitsjobs – Schlangenpisse als Geschäftsidee – über Wasser. Über seine Vergangenheit erfährt man zuerst kaum etwas, später gewinnt seine Figur an Tiefe. In Anbetracht des Jahrzehnts seiner Story in Ordnung, aber wenn er Sammy die Ladies beschreiben lässt, können sich einer Hardcore Emanze schon die Zehennägel aufrollen. Dabei ist er, zugeben, wirklich treffsicher in seinen Beschreibungen des Umgangs der Geschlechter miteinander. Er schreibt plakativ, aber nie oberflächlich, billigt jeder Figur ihre Würde zu. Der Zeit geschuldet, liest sich Etliches seltsam, etwa wenn Ladies mit Püppi gekennzeichnet werden, oder, wie im Fall der Käseschnecke, deren Vorname Stilton lautet, zuerst die Pin-Up Aspekte der Dame lang und breit ausgetreten werden. Nur so kann ich es mir erklären, dass ausgerechnet das muffige Altherrenmagazin PLAYBOY – das Hasi Magazin für Dumpfbacken, das nicht tot zu kriegen ist – auf dem hinteren Umschlag den Autor in so dämlicher Weise anpreist. Das hat Christopher Moore nun wirklich nicht nötig. Der hinkende Sammy bedient also eines Abends in der etwas runtergekommenen Kneipe, als die Käseschnecke selbige entert und kurz darauf hat es ihn erwischt. Das liegt sowohl an der Optik – „Büstenhalter…Gebaut wie ein Zoo – du weißt schon: sperr sie ein, aber so dass sie jeder sehen kann.“ – als auch an der Kommunikationsfähigkeit, respektive Schlagfertigkeit der jungen Witwe. Ihren, von Sammy geschätzten, gesunden Menschenverstand und Pragmatismus bedarf es auch, um gemeinsam mit Sammys Freunden das vor ihnen liegende Abenteuer zu bewältigen. FBI-Agenten, Auftragsmörder, ein steinreicher Anwalt, ein rassistischer Cop, ein Außerirdischer, ein Rotzbengel und diverse andere Protagonisten bereichern diese Liebes- und Lebensgeschichte die angesiedelt in San Francisco in den 40-er Jahren einen wunderbaren Platz gefunden hat. Bei Moore siegt das Gute, doch der Weg dahin ist nicht nur steinig und verschlungen, sondern so witzig, dass man sich gerne dazu aufmacht den Untergang des Bösen zu verfolgen, auch wenn es in Noir ab und an ein wenig lang dauert. Wer Mark Childress gerne gelesen hat, kann sich bei Noir via Kopfkino fröhlich weiteramüsieren. Diese Mischung aus Albernheit, Gesellschafts- und Menschenbetrachtung und richtig gutem schwarzen Humor macht Laune unterfordert dabei aber nicht. *(Shakespeares King Lear wunderbar verhunzt. Ein Buch zum reinlegen und amüsieren. Absolut sinnfrei und grandios. Inhaltlich nicht mal anspruchslos , da die verschiedenen Charaktere erstmal sortiert sein wollen, dankenswerteweise ist ein Personenregister enthalten. Die vom Autor vorausgeschickte Warnung sollte allerdings beachtet werden : „Dieses ist ein derber Schwank, randvoll mit entbehrlichem Beischlaf, Mord, allerlei Maulschellen, Verrat und einem ehedem ungeahnten Mass an Geschmacklosigkeit und Profanität, fürderhin unüblicher Grammatik, getrennten Infinitiven, und hier und da einem Onanisten. Solltet Ihr Euch an derartigem stören – dann edler Leser – wandelt Eures Weges, denn unser Streben gilt allein der Unterhaltung, nicht der Kränkung. Wenn Ihr aber glaubt solcherlei könnte Euch Freude bereiten, dann haltet Ihr genau das rechte Buch in Händen)

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Vita

Der ehemalige Journalist Christopher Moore arbeitete als Dachdecker, Fotograf und Versicherungsvertreter, bevor er anfing, Romane zu schreiben. Inzwischen haben seine Bücher längst Kultstatus. Christopher Moore liebt den Ozean, Acid Jazz und das Kraulen von Fischottern. Er lebt in San Francisco.

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