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Ort der Engel Die Tragödie von Beslan und ihre Folgen

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CHF 11,00*
(* empf. VK-Preis)

eBook (epub) ISBN: 978-3-641-19704-9

Erschienen: 12.12.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

Weitere Ausgaben: Taschenbuch

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Ort der Engel nennen die Bewohner des ossetischen Beslan ihren neuen Friedhof, der an eines der blutigsten Attentate der letzten Jahrzehnte erinnert: 2004 besetzte ein Terrorkommando die Schule von Beslan und nahm über 1100 Schüler und Lehrer als Geiseln. Nach drei Tagen wurde das Gebäude gestürmt – ein langer Kampf und 333 Tote waren die Folge. Erika Fatland ist nach Beslan gereist und hat mit Überlebenden wie Hinterbliebenen gesprochen. Sie erzählt von den dramatischen drei Tagen, ihren undurchsichtigen politischen Hintergründen, vom Kaukasus als »Pulverfass Europas« und davon, wie der Terror unser Leben verändert – auch lange nachdem die letzten Kamerateams abgezogen sind.

Erika Fatland (Autorin)

Erika Fatland, geboren 1983, ist eine norwegische Autorin und Sozialanthropologin. Sie studierte in Lyon, Helsinki, Kopenhagen und Oslo, spricht sieben Sprachen und verbringt einen Großteil ihrer Zeit auf Reisen. Ihr Interesse gilt den Opfern und Überlebenden von Terrorangriffen und anderen Tragödien, denen sie in ihren hoch gelobten und in vielen Sprachen übersetzten Büchern eine Stimme gibt. Erika Fatland lebt mit ihrem Lebensgefährten Erik Fosnes Hansen in Oslo.

Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger, Stephanie Elisabeth Baur
Originaltitel: Englebyen
Originalverlag: Cappelen Damm

eBook (epub), 2 s/w Abbildungen

ISBN: 978-3-641-19704-9

€ 8,99 [D] | CHF 11,00* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: btb

Erschienen: 12.12.2016

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Sachlicher Blick auf eine Tragödie

Von: Ponine T. Datum: 24.08.2017

nichtnocheinbeautyblog.blogspot.de/

Ort der Engel nennen die Bewohner des ossetischen Beslan ihren neuen Friedhof, der an eines der blutigsten Attentate der letzten Jahrzehnte erinnert: 2004 besetzte ein Terrorkommando die Schule von Beslan und nahm über 1100 Schüler und Lehrer als Geiseln. Nach drei Tagen wurde das Gebäude gestürmt – ein langer Kampf und 333 Tote waren die Folge. Erika Fatland ist nach Beslan gereist und hat mit Überlebenden wie Hinterbliebenen gesprochen. Sie erzählt von den dramatischen drei Tagen, ihren undurchsichtigen politischen Hintergründen, vom Kaukasus als »Pulverfass Europas« und davon, wie der Terror unser Leben verändert – auch lange nachdem die letzten Kamerateams abgezogen sind



Es gibt Konflikte in dieser Welt, die kommen dir so weit weg vor, dabei sind sie rein kilometertechnisch näher an dir als die, die du sofort kennst. Der Tschetschenienkonflikt ist für viele Europäer eine dieser gefühlten Entfernungen. Irgendwas ist da irgendwie mit Unabhängigkeit von Russland, aber so richtig beschäftigt hat man sich damit eigentlich nie. Warum eigentlich? Vielleicht, weil Russland irgendwie nicht attraktiv genug ist, selbst dreißig Jahre nach dem Ende des Kalten Kriegs irgendwie so vollständig fremd und abstrakt wirkt für viele Westeuropäer. Eben aus diesem Grund habe ich mir dieses Buch als Rezensionsexemplar schicken lassen. Erika Fatland wählt darin einer eher ungewöhnlichen Blickwinkel. Sie ist weder Historikerin noch Politikwissenschaftlerin, sondern Sozialanthropologin, deren Masterarbeit sich mit der Frage beschäftigt, wie Menschen nach Terroranschlägen leben.


Durch ihre eigene eher unverstellte Sichtweise nimmt sie den uninformierten Leser an der Hand. Sie liefert vor allem über die Hinergründe des Konflikts die Informationen, die man als Einsteiger braucht, um zumindest einen Überblick zu gewinnen. Auch die zunöchst einmal wichtigsten Stichpunkte über die Abläufe in der Schule sind kurz und prägnant formuliert, hier geht es nicht darum, irgendwelche Fragen aufzuwerfen oder Zweifel zu sähen. Erst im letzten Kapitel wird sie noch einmal darlegen, welche Probleme es zwischen den Aussagen der Geisel und der offiziellen Darstellung gibt, aber auch hier ergreift sie wenig Partei, sondern belegt ihre Aussagen und überlässt dem Leser, sich zu positionieren. Das fand ich für das gesamte Buch wirklich gelungen, dass hier kein "Gut" und "Böse" gezeichnet wird, sondern die furchtbaren Geschehnisse von 2004 ansatzweise aufgearbeitet werden.


Gleichzeitig sind die Interviewauszüge sehr intensiv und eindrücklich, da sie vor allem natürlich die anthropologische Sichtweise interessiert. Es kommen viele Menschen zu Wort, die sich heute zu Teil nicht mehr grün sind, auh hier werden beide Seiten einfach nur dargestellt. Wem glaube ich als Leser mehr? Darauf gibt es keine zufriedentellende Antwort, jeder muss selbst entscheiden. Für mich sehr grausam zu lesen waren immer wieder die Beschreibungen von Müttern, die vor die Wahl gestellt waren, ihre Kinder in der Turnhalle zurückzulassen, um ihr Baby zu retten - dabei muss man wirklich schlucken und durch die immer und immer wieder gleichen Szenen, die Fatland schildert, wird dies Auswegslosigkeit von drei Tagen Geiselhaft sehr deutlich.


Das Buch nimmt nicht in Anspruch eine vollständige Aufarbeitung von Beslan zu sein. Es ist eine Momentaufnahme von Trauer und dem Umgang mit ihr, und hier liegen seine absoluten Stärken. Wer tiefer in die Geschichte des Tschetenienkonflikts eintreten will, sollte sich noch andere Bücher suchen, aber zumindest erhält man ein wenig Hintergrundinformation, die einem dann helfen, tiefer zu graben.

Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Taschenbuch)

‚Er [Vladimir Putin] hätte mit den Terroristen verhandeln können.'

Von: Travel Without Moving Datum: 22.09.2017

www.travelwithoutmoving.de

‚Er [Vladimir Putin] hätte mit den Terroristen verhandeln können. [...] Die Forderungen der Terroristen waren ganz einfach und verständlich. Zieht eure Truppen aus Tschetschenien ab. Warum konnte er das nicht tun? Es ist sinnlos, im eigenen Land Krieg zu führen. Welche normale Regierung tut so etwas?‘

Ich kenne bereits ‚Sowjetistan‘ von Erika Fatland und war restlos begeistert von ihren Beschreibungen Turkmenistans, Kasachstans, Tadschikistans, Kirgisistans und Usbekistans. Nun habe ich ‚Ort der Engel‘ gelesen, in dem Fatland die Geiselnahme in der Schule Nr. 1 im ossetischen Beslan thematisiert.

Für ihre Recherche hat Fatland Beslan zwei Mal für längere Zeit besucht - im Herbst 2007 und im Frühjahr 2010 - sowie Interviews in Moskau und St. Petersburg geführt. Niedergeschrieben hat sie ihr Buch fast sieben Jahre nach dem Geiseldrama im September 2004, bei dem 333 Menschen, darunter 186 Kinder, ums Leben gekommen sind und mehr als 800 Menschen verletzt wurden.

Durch ihre minuziösen Beschreibungen der Abläufe der Geiselnahme und der Folgen dieser drei Septembertage im Jahre 2004 gibt Fatland den tragischen Ereignissen ein Gesicht bzw. viele verschiedenen Gesichter. Sie erklärt in ‚Ort der Engel‘, bei dem es sich im Übrigen um den Friedhof handelt, der eigens für die Opfer des Terroranschlags angelegt wurde, wie sich der Anschlag zugetragen hat, wie die Geiselnahme beendet wurde und was Überlebende darüber erzählen. Dabei lässt sie Eltern zu Wort kommen, die ihre Kinder verloren haben, spricht mit Eltern, deren Kinder überlebt haben, und stellt Personen vor, deren ganze Familie beim Anschlag getötet wurde und die nicht wieder in ihr altes Leben zurückfinden.

Fatland berichtet stets eindringlich, beobachtet genau und erklärt umfassend, so dass sie die Ereignisse im September 2004, die politische Situation und das alltägliche Leben im Kaukasus besser verstehbar und greifbar macht.

Ein Lageplan der Schule und eine Karte von Region, die auf den ersten Seiten des Buches abgedruckt sind, helfen zusätzlich dabei, sich die Septembertage 2004 in der Schule Nr. 1 vorstellen und das Gelesene besser einordnen zu können.

Erika Fatland: Ort der Engel. Die Tragödie von Beslan und ihre Folgen. Aus dem Norwegischen von Stephanie Elisabeth Baur und Ina Kronenberger. btb, 2017, 285 Seiten; 9,99 Euro.

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