Queer London

Von der Antike bis heute

(7)
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Londons größter lebender Chronist über die »gay history« seiner Stadt

Das römische Londinium war übersät mit »Wolfshöhlen«, Bordellen und heißen Bädern, in denen es hoch herging. Homosexualität galt als bewundernswert. Bis Kaiser Konstantin die Macht übernahm und mit seinen Mönchen und Missionaren für Ordnung sorgte. Zeiten der Toleranz wechselten mit Zeiten der Ächtung und Verfolgung. Heute gehört »queer London« zur britischen Hauptstadt wie Tower und Big Ben. Londons homosexuelle Szene ist die größte in Europa und eine der größten weltweit. Peter Ackroyd zeigt uns, wie seine Stadt sich diesen Platz erkämpft hat. Er zelebriert die Vielfältigkeit und Energie der Community, zeigt aber auch die Gefährdungen, denen sie zu allen Zeiten ausgesetzt war. »Ein absolut einzigartiges Leseerlebnis.« The Independent

»Peter Ackroyd feiert London als Hauptstadt der geschlechtlichen Vielfalt.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Oliver Jungen (19. Januar 2019)

Aus dem Englischen von Sophia Lindsey
Originaltitel: Queer City
Originalverlag: Chatto & Windus
eBook epub (epub), 44 farbige Abbildungen, 18 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-641-23084-5
Erschienen am  12. November 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Informatives Sachbuch mit kleinen Schwächen

Von: Koriko

29.10.2019

Inhalt: Die Geschichte Londons ist schon seit der Antike geprägt von Queerness, was die Stadt in diesem Bereich zu einer der wichtigsten in Europa macht. Peter Ackroyd nimmt den Leser im vorliegenden Sachbuch auf eine Zeitreise que(e)r durch die Jahrhunderte mit und zeigt, wie in Homosexualität und Queerness in den jeweiligen Epochen ausgelebt wurde – von der römischen Antike, in der Knabenliebe vollkommen normal war über die schrittweise Christianisierung und die damit verbundene Ächtung im Mittelalter bis hin zu den brutalen und Bestrafungen im 18. und 19. Jahrhundert, bis er schließen einen kurzen Abriss des 20. Jahrhundert und die heutige Zeit liefert. Eigene Meinung: „Queer London“ ist ein knapp 300-seitiges Sachbuch und stammt von Peter Ackroyd. Das Buch erschien in Deutschland im November 2018 im Penguin Verlag und erhielt gemischte Kritiken. Es ist in 18 Kapitel unterteilt und enthält einige Farbseiten mit gesammelten Bildmaterial und Fotografien. Der Autor steigt mit einer Erklärung der queeren Begrifflichkeiten ins Buch ein und weist ganz am Anfang darauf hin, dass sie die heutigen, in den letzten Jahrzehnten geprägten Begriffe (und das waren eine Menge) nicht auf die Geschichte der vergangenen Epochen anwenden lassen – was gut und richtig ist. Erst danach steigt er in der Antike ein, als London gerade im Entstehen und in römischer Hand war und führt durch die Geschichte der Stadt. Dabei nutzt er vor allem Briefe, Tagebucheinträge, schriftliche Überlieferung, teils halbwahre Gerüchte und Legenden, die er in die jeweiligen Beschreibungen der Zeit einbettet, später auch Zeitungsartikel und Gerichtsakten. Er berichtet von vielen queeren Männern und Frauen, letztere machen einen verhältnismäßig geringen Anteil an „Queer London“ aus, was nicht verwundert, wurden ihre Belange doch zumeist unter den Tisch gekehrt und kamen auch sonst kaum zur Sprache. So ist es schön, dass sich der Autor zumindest in zwei Kapiteln mit der weiblichen Homosexualität auseinandersetzt und dazu Fallbeispiele und Geschichten zusammengetragen hat. Ansonsten geht es vorwiegend um männliche Homosexualität in all ihren Facetten, der Auslebung der Homosexualität – mal im stillen Kämmerlein, mal im öffentlichen Raum. Transsexualität kommt erst in den letzten Abschnitten vor, da dieses Thema erst in den letzten Jahrzehnten wirklich an Bedeutung gewonnen hat. Der Autor liefert lediglich viele Beispiele für „Crossdressing“, in der sich Frauen als Männer und Männer als Frauen verkleideten, um eine gleichgeschlechtliche Beziehung zu führen oder mehr Chancen im Leben zu haben. So spannend und informativ die vielen Geschichten, Anekdoten und Geschichtseinträge sind, so wenig reflektiert sind sie seitens des Autors – man sollte sich auf jeden Fall selbst weiterbilden, wenn man an den geschichtlichen Hintergründen und weitere queer-historische Sachbücher lesen, wenn man an dem Thema interessiert ist. Ebenso wenig kann man von den teils stark polarisierenden Beispielen wirklich auf die jeweilige Epoche schließen – vieles lässt sich heute wahrscheinlich nur noch schwer rekonstruieren, da man kaum passendes Quellenmaterial finden dürfte (von den Ereignissen des 19./20. Jahrhunderts einmal abgesehen). Wer ein umfangreicheres, differenzierteres Bild haben möchte, müsste sich nach weiteren Sachbüchern dieser Art umsehen – vielleicht sogar solche, die sich ausführlich mit den verschiedenen Epochen auseinandersetzen. Nichtsdestotrotz ist „Queer London“ spannend und informativ, gibt zumindest rudimentär Einblicke in einige düstere Zeiten der Menschheitsgeschichte und liefert eine gute Grundlage queerer Geschichte. Peter Ackroyd hat einen tollen, fesselnden Stil, der dafür sorgt, dass es nie zu trocken wird, ganz gleich wie viele Ereignisse er aneinanderreiht und wie viele queere Persönlichkeiten er kurz vorstellt. Er bleibt stets sachlich, nutzt das (teils deftige und degradierende) Vokabular der jeweiligen Zeit (meist finden sich diese Begriffe in den Zitaten und Einträgen der jeweiligen Epoche) und beschränkt sich auf die Wiedergabe der Ereignisse, ohne meinungsbildend zu sein – was bei einem Sachbuch meiner Meinung nach ungeheuer wichtig ist. Der Autor überlässt es dem Leser, die Informationen, die er zusammengetragen hat, selbst zu analysieren und für sich zu bewerten. Fazit: „Queer London“ ist ein gelungenes, informatives Sachbuch, das einen guten Überblick über die verschiedenen Epochen und das Leben queerer Menschen in London gibt. Peter Ackroyd gibt auf knapp 300 Seiten einen guten Einstieg ins Thema, bleibt jedoch weitestgehend oberflächlich und an manchen Stellen auch unreflektiert. Wer sich für queere Geschichte interessiert und wenig Lust hat, sich durch Unmengen an Sachbüchern zu lesen, sollte dem Buch eine Chance geben – es ist informativ und spannend umgesetzt. Historiker und Leser, die auf eine detailliertere Ausarbeitung der Epochen hoffen, sollten sich andere Sachbücher zu Gemüte führen. Am Besten einen Blick ins Buch werfen …

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Ein sachlicher Einblick in die Schwulenszene Londons

Von: Sarah

28.05.2019

In der Queeren Szene kommt die Damenwelt leider immer zu kurz, so auch in dem neuen Buch von Peter Ackroyd. Nichtsdestotrotz würde ich “Queer London” als ein Must Have der LGBT-Literatur sehen. Ackroyd erzählt in einem angenehmen Schreibstil über die Entwicklung und besonders die Betrachtung von Homosexuellen. London, nicht nur eine historisch und kulturell interessante Stadt, ist zudem noch eine Hochburg der Schwulenszene Europas. Das Buch erzählt faktisch, wie das römische Londinium zu dieser Hochburg heranwuchs. Wie in der Antike Lustknaben zur Normalität gehörten und Homosexuelle keinerlei Konsequenzen fürchten mussten, bis das Christentum über Großbritannien herrschte und dann homosexuelle Handlungen kriminalisiert wurden. Ackroyd berichtet über die Verfolgung im Mittelalter, welche sich bis in die Neuzeit zog und wo Homosexualität mit Sodomie gleichgestellt wurde. Auch Anekdoten über Oscar Wilde kann man lesen und inwieweit Homosexualität im britischen Adel vertreten war. Ackroyd nimmt den Leser mit in schummrige Szenebars des 20ten und 21ten Jahrhunderts und stellt die besten Plätze für anonymen Sex (Cruising) vor, wobei er dabei die Angst vor dem erwischt werden durch die Polizei sehr gut vermittelt, denn auch in der Moderne war Homosexualität nicht nur verpönt, sondern noch immer verboten. Durch diese vielen Fakten und Informationen ist es jedoch keine leichte Kost, man muss immer mal wieder Lesepausen einlegen, um die vielen Infos verarbeiten zu können. Es ist nun einmal ein Sachbuch, welches zwar sehr angenehm geschrieben ist, aber trotzdem nicht in einem heruntergelesen werden kann. Peter Ackroyd ist bekannt für seine historischen Sachbücher über seine Heimatstadt London. Queer London reiht sich deswegen in eine Reihe mit “London. Die Biografie” und “Die Themse. Biografie eines Flusses” ein. Formell bietet “Queer London” 18 Kapitel, immer mit den passenden Bilder eingeleitet und in Szene gesetzt. Weitere Bilder findet man in der Mitte des Buches, dies lockert das Lesegefühl ein wenig auf. Das künstlerische Intermezzo ist auf hochwertigen Glanzpapier gedruckt welches die Bilder in Farbe darstellt und so auch ästhetisch das Buch aufwerten. Peter Ackroyd belegt seine Aussagen anthropologisch, fast schon archäologisch durch Überlieferungen und Funde und erzählt anhand dessen, wie sich das Ansehen von Homosexuellen in der Gesellschaft geändert hat. Auch wird die Etymologie von vielen Begriffen, die wir heute wie selbstverständlich nutzen, erläutert. Diese akribische Arbeit spiegelt sich in der umfangreichen Bibliographie am Ende des Buches wieder. Es wird zwar viel Fachwissen vermittelt, das Buch ist trotzdem nicht ein typisches Werk der Sorte Queer Studies, sondern für jeden zugänglich der gerne Geschichtsbücher liest. Ganz im Gegenteil der Queer Studies, amüsiert sich der Autor ein wenig über die typischen Queer Studies Klischees, da er die Meinung vertritt, dass es seit 2014 (Öffnung der Ehe für Alle in London) viele Privilegien für Homosexuelle gibt und seitdem kaum weitere spannende Entwicklungen geschehen sind. Das Buch ist definitiv ein MUSS für alle die sich für LGBTQ Themen interessieren! Aber auch Geschichts- und Kulturinteressierte Leser kommen bei “Queer London” von Peter Ackroyd voll auf ihre Kosten. Ich habe auf jedenfall viel neues gelernt.

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Vita

Peter Ackroyd, geboren 1949 in London, wo er bis heute lebt. Er studierte Literaturwissenschaft in Yale und Cambridge und arbeitete viele Jahre für den "Spectator" und die "Times". Mit seinen Romanen, Theaterstücken und Biographien gehört er zu den wichtigsten britischen Gegenwartsautoren. Er erhielt unter anderem den Somerset Maugham Award und den Whitbread Award. Er gilt als brillanter Autor mit einem unverwechselbaren Stil. Zuletzt veröffentlichte der Knaus Verlag seine Biographie über Shakespeare.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

»Hymne der Vielfalt«

GEO SAISON, März-Heft 2019

»Der ultimative Triumph, so die Quintessenz dieser detailreichen, humorvollen und provokanten Chronik, ist, dass die Stadt sich trotz aller Verfolgungen und Verbote ihre Vielfalt bewahrt hat.«

Rolling Stone, Maik Brüggemeyer (31. Januar 2019)

»Beim Lesen wird man immer Londons queere Geschichte mit der queeren Geschichte der eigenen Stadt vergleichen. Das macht den besonderen Reiz aus.«

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