Radio Girls

Roman

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Eine unvergessliche Reise in Londons Roaring Twenties

London, 1926, der Krieg ist vorbei, die aufregende Energie der Veränderung flirrt durch die Luft. Die junge Amerikanerin Maisie hat einen Job bei dem gerade erst gegründeten Rundfunksender BBC ergattert. Sie ist elektrisiert vom hektischen Tempo, den jungen klugen Mitarbeitern und einschüchternden Chefs. Sie entdeckt ihre Leidenschaft für das Radio und trifft auf die außergewöhnliche Hilda Matheson, die Gründerin des beliebten Talk-Programms, die ihr zur Mentorin wird. Als die beiden jedoch eine schockierende Verschwörung aufdecken, müssen sie sich entscheiden: Wie weit gehen zwei engagierte Journalistinnen für die Wahrheit?


Aus dem Amerikanischen von Beate Brammertz
Originaltitel: Radio Girls
Originalverlag: Berkley, Penguin USA
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-22027-3
Erschienen am  09. März 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Talk Radio

Von: Ben Vart

26.07.2020

Ich lese gern im Bett, bin aber die letzten Monate wenig dazu gekommen. Weil es kein Buch gab, über dem ich nicht eingeschlafen bin. Geändert haben das erst die "Radio Girls". Ein gänzlich unaufgeregt spannender Roman über die Anfänge der BBC, Frauenrechte und sich langsam auflösende Männerträume über ihre gesellschaftliche Vorherrschaft. Im Jahr 1922 wurde die BBC gegründet als British Broadcasting Company Ltd. von einem Konsortium aus sechs amerikanischen und britischen Elektrogeräteherstellern, die durch das Angebot von Radiosendungen den Absatz ihrer neuen Radiogeräte steigern wollten. Den Posten des Generaldirektors bekam John Reith. Seine Vision war ein Sender, der neben Bildung und Information auch Unterhaltung bieten sollte. 1926 kam Hilda Matheson zur BBC in die Bildungsredaktion und geriet schon bald, weil politisch linksliberal und ihrer vielen neuen unkonventionellen Ideen wegen, in Konflikt mit dem streng konservativen Reith. Matheson verließ die BBC 1931 und die "Radio Girls" beleuchten romanhaft diese fünf Jahre durch den Blick von Maisie Musgrave. Ihre Figur ist fiktiv, Reith und Matheson dagegen haben ihren Platz in der Geschichte der BBC. Die Kanadierin Musgrave, die ihres Akzentes wegen gern als Amerikanerin bezeichnet wird, besteht auf ihrer kanadischen Herkunft, besuchte die Sekretärinnenschule und bewirbt sich auf eine BBC-Anzeige. Sie wird auf Intervention von Reith eingestellt und muss sich von Stund an von dessen hochnäsiger Sekretärin herumkommandieren lassen, die ihr mehr als einmal sagt, sie gehöre eigentlich ihrer mangelhaften Bildung und Herkunft wegen gar nicht zur BBC. Ein halber Tag Arbeit für Reith, ein halber Tag in der "Vortragsabteilung" wie die von der lesbischen, unkonventionellen Hilda Matheson geleitete Redaktion genannt wird. Dort saugt Maisie alles auf, was sie an Wissen erwischt. Der Job als Sekretärin ist bald nicht genug, ihr Ehrgeiz erwacht, gefördert durch Hilda Matheson, die sich bald zu ihrer Mentorin entwickelt. Die war (nicht nur im Buch) vor der BBC Sekretärin von Lady Nancy Astor, die bereits 1919 ins britische Parlament gewählt worden war, und die erste Frau, die dieses Amt auch antrat und ausfüllte. Sie setzte sich für das allgemeine Frauenwahlrecht und die Gleichstellung von Frauen im Staatsdienst ein. Für politische Gesprächsrunden holte Matheson ihre frühere Arbeitgeberin oft ins Radio und prallte deswegen mit Generaldirektor John Reith zusammen, der mit Frauen in leitenden Positionen seine Probleme hat. Und die BBC, so hebt die Autorin mehrfach hervor, sei in dieser Zeit die einzige Institution gewesen, die Frauen in leitender Position zugelassen habe. Nichtsdestotrotz ist die Moral Messlatte auch für den beruflichen Werdegang. Weshalb Mathesons lesbische Neigungen gehütet werden wie ein Staatsgeheimnis. In das Leben des verheirateten Chefingenieurs Eckersley, der ein Verhältnis mit einer ebenfalls verheirateten Frau hat und sich ihretwegen scheiden lässt, mischt sich Reith allerdings derart massiv ein, dass der Ingenieur schließlich kündigt. Im realen Leben werden John Reith dagegen mehrere außereheliche Affären, darunter auch zu mindestens einem Mann, nachgesagt, die die Autorin Sarah-Jane Stratford allerdings außen vor lässt. Dafür streut Stratford so wenige Jahre nach dem ersten Weltkrieg, der für viel noch ein Trauma bedeutet, den beginnenden Aufstieg der Nazis in Deutschland ein. Den Versuch der "British Union of Fascists" mit Hilfe einflussreicher Wirtschaftsbosse vom Kontinent die Gewalt über die britischen Medien - auch der bei den Hörern ständig beliebter werdenden BBC - zu übernehmen, um damit die öffentliche Meinung zu manipulieren, wird vor allem durch das inzwischen bis zur Leidenschaft gewachsene Engagement der Maisie Musgrave für den Journalismus vereitelt. Freigeister und Autoren wie T. S. Elliott, H. G. Wells, Virginia Woolf, Vita Sackville-West und viele andere zeitgenössische Künstler, die die (echte) Hilda Matheson kannte und zur BBC für Vorträge und Buchbesprechungen holte, spielen auch in "Radio Girls" eine Rolle. Das Buch ist eine Biografie der BBC, beleuchtet einen kurzen Ausschnitt des kurzen Lebens der Hilda Matheson, beschreibt die Anfänge des britischen Radios und stellt insgesamt eine Hommage an die Frauen dar, die halfen, die BBC zu dem zu machen, was sie heute noch ist. Das Coverbild ist vom Stil an die Zeit angelehnt, wirkt als Blickfang, hat aber mit dem Thema nur soviel zu tun, als ein kirschroter Schmollmund über einem Vintage-Mikrofon abgebildet ist. Mich erinnerte der im Pinup-Stil gehaltene Frauenkopf eher an die Andrew-Sisters als an eine Radio-Sprecherin, die er wohl darstellen soll.

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Die Anfänge des Radios – geschichtlich spannend verpackt

Von: Daniela Anders

24.07.2020

Es ist wirklich super interessant, einen Einblick in die Anfänge der BBC zu erhalten. Ich mag Bücher, die auf echten Personen beruhen. Hilda Metheson z.B. war die erste Gesprächsleiterin und Hörfunkproduzentin bei der BBC und eine sehr interessante Frau. Die politische Verschwörung, die Hilda und Maisie aufdecken ist spannend (Stichwort: Siemens und Nestlé). Das Frauenbild damals war schon sehr „speziell“ und daher war es sicher auch etwas Herausragendes, dass Hilda so erfolgreich war in ihrem Job. Und nicht verwunderlich, dass sie mit ihren wirtschaftlichen und politischen Radiogesprächen nicht immer auf Verständnis (vor allem in der männerdominierten Welt) stieß. Schön ist es auch, Maisie in ihrer Entwicklung vom verhuschten, grauen Mäuschen zu einer politisch engagierten, selbstbewussten Frau zu begleiten. Diese „Verwandlung“ ist der Autorin sehr gut geglückt – nicht übertrieben und unrealistisch, sondern nachvollziehbar. Ich mag Maisies Humor und ihre Schlagfertigkeit und ihr Mut beeindruckt. Das Buch hatte für mich persönlich ein paar Längen und war – trotz der insgesamt spannenden und interessanten Themen – nicht richtig fesselnd (wobei ich nicht genau sagen kann, warum ich das so empfand), weswegen ich nicht die vollen 5 Punkte vergebe. Dennoch für alle, die Bücher mit geschichtlichem Hintergrund mögen oder sich auch einfach für Radio/Rundfunk oder starke Frauen auf dem Weg zur Emanzipation interessieren, sehr zu empfehlen.

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Vita

Sarah-Jane Stratford

Sarah-Jane Stratford ist Autorin und Essayistin und schreibt unter anderem für den Guardian, den Boston Globe, die Los Angeles Review of Books, Slate, Salon und Guernica. Sie ist darüber hinaus Mitglied von WAM! - Women, Action and the Media.

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