Richard Wagner

Die Inszenierung eines Lebens

(1)
eBook epub
29,99 [D] inkl. MwSt.
CHF 35,00 * (* empf. VK-Preis)

Bestellen Sie mit einem Klick:

Oder kaufen Sie direkt vor Ort bei Ihrem Buchhändler

Ein epochales Werk, das unseren Blick auf Richard Wagner verändern wird.

Nach heutigen Maßstäben hätte Wagner spätestens 1855 mit den Erfolgen von Rienzi und Lohengrin finanziell ausgesorgt haben müssen. Statt dessen musste er Bettelbriefe schreiben und Mäzene suchen, wegen seiner Sucht nach Luxus, aber auch, weil das frühe 19. Jahrhundert ernsthafte Komponisten schlechter entlohnte als spektakuläre Virtuosen. Wagner gelang es, um sich und sein Schaffen einen Mythos zu kreieren, der ihm neue finanzielle – und künstlerische – Möglichkeiten eröffnete.

Zu diesem Mythos gehörte, dass Richard Wagner als deutscher Künstler von der jüdischen Presse ungerecht behandelt, von dem jüdischen Komponisten Meyerbeer getäuscht und von dem jüdischen Musikverleger Schlesinger ausgebeutet wurde – faustdicke Lügen, wie Drüner aus den Quellen zeigt. So wie Luxus, Seide und Parfüms, weibliche Zuneigung, tiefe Freundschaften (Nietzsche, Liszt) brauchte Wagner zum Komponieren sehr lange diesen antisemitischen Impuls. Zu seiner Selbstinszenierung gehörte auch das Rezitieren und Deklamieren seiner Dichtung im engsten Kreise, woraus er die Sprachmelodie und die Inspiration gewann. Diese Biografie zeigt, wie Wagner nicht nur als Komponist, Regisseur und Dirigent wegweisend wirkte, sondern auch das Berufsbild des sich immer wieder neu erfindenden Intellektuellen in Deutschland maßgebend prägte.

"Der Meister als Produkt fortwährender Selbstinszenierung – dieses großartige Buch macht selbst Kenner klüger."

Wolfram Goertz, Die Zeit (24. November 2016)

eBook epub (epub), 120 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-641-17927-4
Erschienen am  24. Mai 2016
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Beeindruckend in Breite und Tiefe der Darstellung

Von: Michael Lehmann-Pape

09.06.2016

„Die vorausgegangenen Jahre…..hatten gezeigt, dass ihm, dem großen Wagner, eine wirkliche Sinngebung seines Lebens allein nicht gelingen konnte“. Schon mit diesem Satz setzt Drüner ein Ausrufezeichen seiner umfassenden Biographie Wagners, denn die Bedeutung der Gattin, Cosima, kann in seinen Augen gar nicht deutlich und klar genug herausgestellt werden. Wie im Lauf der Zeit eine Symbiose entstand, wie Cosima Wagner am „Image“ ihres Gatten mit allen Kräften mitgewirkt hat, wie sie auch seine Gedanken, seine Haltungen (unter anderem die widerlich zu lesenden antisemitischen) publizierte, das zeigt, wie kongenial die innere Ergänzung dieser Ehe war und wie existenziell wichtig diese Person für Wagner selbst im Raume stand. Und doch war diese Ehe nicht „einfach so“ gegeben, weit davon entfernt. „Er lief in Gefahr, die einzige Frau zu verlieren, die seinem Leben einen Zusammenhang und eine Richtung geben konnte“. Denn unstet war Wagner, zumindest in den frühen Jahren, überaus. Innerlich zumindest. Wie ja schon der Beginn dieser „Lebensbeziehung“ dramatisch in den äußeren Ereignissen verlief, dramatisch aber auch in der zur Schau getragenen Haltung beider. „Dramatisiert“, könnte man sagen und findet damit ein weiteres Stichwort, das wie ein roter Faden die Lebensgestaltung Richard Wagners kennzeichnet. Aus dem Eigenen je ein Drama konstruieren, in die höchsten Höhen sich selbst erheben (und sich eben auch so darstellen und darstellen lassen), Öffentliche Person, privaten Person und Werk verschmelzen so zu einem tatsächlichen Mythos. Eine Entwicklung, die Drüner überzeugend darstellt und die er immer wieder differenziert für den Leser auseinander zu legen versteht. Denn was ist nicht nur „subjektiv wahr“, wie in den vielfachen Dokumenten der „Wagners“ nimmermüde gestreut, sondern was ist objektiv wahr oder zumindest „wirklich“? Eine schwierige Frage, der sich Drüner stellt und erfolgreich stellt. Wobei es ob der Kleinteiligkeit der Darstellung mancher Episoden und mancher Abschnitte im Leben Wagners in diesem Buch auch Konzentration und die Bereitschaft zum abstrakten Mitdenken bedarf. Drüner fordert den Leser durchaus, ohne „abzuheben“ oder zu starken Längen zu neigen. Methodisch folgt Drüner dabei Wagner selbst. Wie dieser in der „Götterdämmerung“ Götter weder zerstört noch verherrlicht, sondern menschlich fassbar werden lässt, so geht auch Drüner den Weg der „Öffnung“ einer bis dato teilweisen „undurchdringlichen Hülle“ um die private Person Wagner herum. Und dazu gehört eben auch (was lange vermieden wurde), die tiefe Bedeutung der antisemitischen Haltung Wagners für seine Kunst zu entdecken und herauszuarbeiten. So geht Drüner nicht nur den Weg, die Person Wagner fassbarer zu gestalten, sondern legt zugleich Interpretationen des Werks zumindest nahe, wenn die ideologischen Kernpunkte klar benannt werden und damit auch Fragen nachgegangen wird, wo denn diese „privaten Überzeugungen“ auch zu Trägern der Botschaft der Werke geworden sind. Ein anregender, sehr spannender Weg, den Drüner sehr fundiert und sehr überzeugend in seiner Interpretation und Argumentation einschlägt. Der aufzeigt, wie Wagner, besser „die Wagners“ mit zunächst dem König, dann dem Führer und (bis heute) dann mit der Demokratie jeweils auch ideologische Volten geschlagen haben, Bündnisse eingingen oder lösten. Haltungen, je eigene „Mythen“ erschufen (passend zur umgebenden Zeit), die ihren Niederschlag immer auch in der Rezeption des Werkes zu jeweiligen Zeiten fand und so ist es gut, dass Drüner ebenfalls hohen Wert auf die Rezeptionsgeschichte legt, um die einzelnen Schichten und Phasen Wagners zu durchdringen und gegeneinander abzugrenzen. Herauskommt ein chronologisch geordnetes Werk, das tief hinter die „künstlichen“ Fassaden von „Kunst und Werk“ und „Verklärung“ Wagners schaut, aber eben nicht ins Gegenteil verfällt und ausschließlich verurteilt, sondern die tatsächlich vielgestaltige Person bestens ausleuchtet. Bis dahin, in bedachter Ruhe nachzuweisen, „dass der Umgang mit einer gefährlichen Ideologie in der Kunst eben doch zu höchster philosophischer, bis ins Religiöse reichender Aussage führen kann“, wie Drüner am Ende des Buches am „Meistersinger“ überzeugend ausführt. Eine umfassende, fundierte, mit weitgehend unvoreingenommenem Blick die breite Quellenlage auswertend, Sicht auf Richard Wagner, die in nächster Zeit sicherlich den Standard der biographischen Werke über Wagner mitbestimmen wird.

Lesen Sie weiter
Alle anzeigen

Vita

Ulrich Drüner, 1943 in Frankreich geboren, hat 1963 bis 1969 Musik und Musikwissenschaft studiert und 1987 über Richard Wagner promoviert. Er war Bratschist im Stuttgarter Kammerorchester und im Orchester der Staatsoper Stuttgart, wo er bei zahlreichen hochrangigen Wagner-Aufführungen mitwirkte. 1983 hat er ein Musikantiquariat gegründet. Ulrich Drüner hat mehrfach an Rundfunk- und Fernsehproduktionen über Wagner mitgewirkt und eine Reihe von Büchern verfasst. Zuletzt erschienen Mozarts Große Reise 1777-1779 (2006) und Musik und Drittes Reich (2012).

Zur AUTORENSEITE

Zitate

"Das BUCH DES JAHRES verfasste Ulrich Drüner mit seiner auf teils unbekannten Quellen fußenden Studie Richard Wagner - Inszenierung eines Lebens."

Opernwelt - Jahrbuch 2016: Sowohl die 50 Musikkritiker als auch die Leser wählten "Richard Wagner" zum "Buch des Jahres" (29. September 2016)

"Kann man denn über Richard Wagners Leben und Werk noch Neues sagen? Ulrich Drüners großartige Biographie führt vor, wie das geht, und räumt dabei mit einigen Traditionen auf."

Eleonore Büning, Frankfurter Allgemeine Zeitung (20. Juli 2016)

"Neues Standardwerk: Ulrich Drüners Wagner-Biografie. … Das alles präsentiert Drüner mit Akribie, immensem Wissen, gesundem Menschenverstand und bisweilen trockenem Witz."

"Von der Selbstinszenierung eines Genies bis zum erschreckenden Antisemitismus eines Verblendeten: Ulrich Drüner gelingt das schier Unmögliche – eine gerechte Biografie Richard Wagners."

»Ulrich Drüner hat mit einer 800-Seiten-Studie viel Aufsehen erregt.«

Mirko Weber, Stuttgarter Zeitung (03. Januar 2017)

"Ulrich Drüner zieht die Bilanz einer jahrzehntelangen kritischen Auseinandersetzung mit Wagner – klar, vielschichtig, jargonfrei."

Götz Thieme, Opernwelt (01. September 2016)

"Drüners Wagner-Biographie ... spannt eine Brücke über die Gräben, die die Debatten der Vergangenheit aufgerissen haben."

»Ulrich Drüner bringt ... die Dreifaltigkeit Wagners - Privatperson, Künstler, politisch Denkender - souverän unter einen Hut. Künftige Wagner-Forschung wird auf diesen Band gewiss immer wieder zurückkommen.«

Christoph Vratz, nmz neue musikzeitung (04. Februar 2017)

"Drüner hat ein gut lesbares Standardwerk geschrieben - Pflichtlektüre für alle, die sich der Musik und Faszination Wagners nähern wollen."

Christian Schwandt, Lübecker Nachrichten (01. September 2016)

"In seiner Biografie Richard Wagner ... entdeckt man tatsächlich neue Facetten, die das gängige Wagner-Bild verändern."

Heilbronner Stimme (09. Juli 2016)

»Drüner hat einen Meilenstein der Wagner-Biographik vorgelegt, dessen facettenreiche, Leben wie Werk würdigende Textur zukünftiger Forschung den Weg weisen wird.«

Gerhard Altmann, Das historisch-politische Buch (31. Dezember 2016)

»Die neue Biographie von Ulrich Drüner kann man… in jedem Fall zu den Meisterwerken der Gattung rechnen… Drüner [ist] ein begnadeter Erzähler.«

»Das Buch ist ein wirklicher Wurf, das mit Abstand Beste, was über Wagner in den vergangenen Jahrzehnten geschrieben wurde (wenn nicht überhaupt, denn die ältere Literatur war ja nicht besser, eher im Gegenteil). Natürlich werden die gläubigen Wagnerianer nicht begeistert sein, denn das Problem der Wagnerforschung ist ja, dass die beteiligten Wissenschaftler zumeist tief im Herzen auch Wagner-Gläubige sind. Drüner zeigt jedoch, dass Bewunderung und Kritik sich ausgesprochen gut vereinbaren lassen. Immer wieder gelingt es ihm, Tendenziöses nicht einfach ad acta zu legen, sondern sorgfältiger als andere - auch gegen den Strich - zu lesen und somit zu verstehen. Besonders beeindruckt, wie gerade die Problemzonen in Wagners Vita als Impulsgeber für sein Schaffen kenntlich gemacht werden.

Immer wieder erregt es staunende Bewunderung, wie tief Drüner durch kritische Lektüre in die schier unübersehbare Sekundärliteratur über Wagner, aber auch über seine Zeitgenossen und über seine Zeit eingedrungen ist und wie souverän er über sie verfügt. Dieses Wissen wird dem Leser nicht als Ballast vermittelt, sondern als hilfreiches Gepäck, das ihn bei seiner Lektüre begleitet. Hervorzuheben wären etwa die aufschlussreichen Schilderungen von Wagners Paris-Aufenthalten, die interessante Schlüsse erlauben, z. B. dass der Pariser "Tannhäuser"-Skandal Wagner letztlich nicht geschadet, sondern genützt hat. Hervorzuheben ist auch die Darstellung des Verhältnisses Meyerbeer-Wagner, das hier in einer ganz anderen „Wahrheit“ als der Wagnerschen erscheint. Nicht zuletzt sei angemerkt, dass das Buch durchgehend vorzüglich geschrieben ist, gerade so, wie alle Publikationen sein sollten: verständlich, aber nicht anbiederisch, eben einfach gut.

Prof. Dr. Sieghart Döhring







«