Rosa Luxemburg

Ein Leben

(3)
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Rosa Luxemburg, 1871 im russischen Teil Polens geboren, gehörte vielen Minderheiten an. Sie kam aus einem jüdischen Elternhaus, perfektionierte erst während ihres Studiums in Zürich die deutsche Sprache, fand mithilfe einer Scheinehe in Deutschland ihre politische Heimat, war auf SPD-Parteitagen die einzige Frau mit einem Doktortitel und engagierte sich als rastlose Kämpferin für die europäische Arbeiterbewegung in nicht weniger als sieben verschiedenen sozialistischen Parteien.

Luxemburg war die bedeutendste marxistische Denkerin ihrer Zeit. Sie kämpfte für die Diktatur des Proletariats, aber zugleich gegen den autoritären Zentralismus Lenins, weshalb sie auch die Gründung der Kommunistischen Internationale ablehnte. Ihre Revolutionstheorie, ihr Freiheitsbegriff und ihr unbedingter Internationalismus ließen sie zur Ikone des weltweiten Protests der 1968er-Bewegung werden. Ihr berühmter Satz «Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden» wurde eine Parole der Bürgerrechtler in der untergehenden DDR. In ihrer Gedanken- und Ideenwelt ist vieles zu finden, was auch heute, in einer Zeit des wieder erwachenden Nationalismus, anregend und wichtig ist.

»In der mit Abstand besten, abwägend-unvoreingenommenen, brillant aus den Quellen geschriebenen Biografie dieser faszinierenden Figur schildert der Historiker Ernst Piper ihr Leben und ihre politische Karriere.«

Die Zeit, Alexander Cammann (24. Januar 2019)

eBook epub (epub), 42 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-641-19636-3
Erschienen am  26. November 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Rosa Lucemburg

Von: Benedikt Bögle

23.04.2019

1919 wurde Rosa Luxemburg erschossen. Welche Karriere sie in der noch jungen Weimarer Republik weiter übernommen hätte, wo sie Einfluss hätte ausüben können, welche Weichen sie gestellt hätte muss unbeantwortet bleiben. Und doch lohnt sich ein Blick in die Biographie der außergewöhnlichen Frau. "Wer miterlebte, wie diese kleine Person, die auf einen Stuhl steigen musste, um sich Gehör zu verschaffen, darum kämpfte, am Kongress der Sozialistischen Internationale als Delegierte teilnehmen zu können, dem bleib ihre Erscheinung im Gedächtnis. Luxemburg zog schon früh Emotionen der unterschiedlichsten Art auf sich, gleichgültig ließ sie kaum jemanden", schreibt Ernst Piper. Der Professor für Neuere Geschichte in Potsdam hat sich in einem umfassenden Werk mit Rosa Luxemburg auseinandergesetzt. Piper schreibt über eine starke Frau und ihren ungewöhnlichen Weg. In Polen geboren, studierte Luxemburg in der Schweiz und kam nach Deutschland, um dort an einem sozialistischen Umbruch der Gesellschaft zu arbeiten. Als Journalistin versuchte sie, sich in den Diskurs der sozialistischen Bewegung einzubringen und die richtungsweisenden Kämpfe in ihrem Sinne zu entscheiden. Lange Gefängnisaufenthalte nahm sie dafür in Kauf, immer wieder zog sie nicht nur Begeisterung, sondern auch tiefe Ablehnung auf sich. All das schildert Ernst Piper bis hin zu Luxemburgs Tod, minutiös und dennoch gut lesbar. Für den Laien werden einzelne Daten von Parteitagen oder Reisen schnell unübersichtlich - eine grobe Zeittafel wäre daher mehr als wünschenswert gewesen.

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ROSA LUXEMBURG. EIN LEBEN (REZENSION)

Von: Karl Adam

07.02.2019

Eine Geschichte Rosa Luxemburgs ist immer auch Teil der Geschichte der SPD. Und es ist ein schmerzhafter Teil. Das Festhalten am links-revolutionären Kurs in der Revisionismusdebatte, die Agitation gegen „Kriegskredite“ und „Burgfrieden“ im Ersten Weltkrieg und schließlich die Ermordung durch Freikorps-Soldaten am 15. Januar 1919, für die letztlich der Reichsinnenminister Gustav Noske (SPD) zumindest die politische Verantwortung trug – all das gemahnt an den Konflikt zwischen Reform und Revolution, welcher der Sozialdemokratie bis heute eingeschrieben ist. Politisch missbraucht, verklärt, geheiligt und verdammt wurde Rosa Luxemburg von vielen Seiten. Bis heute fungiert sie als Symbol für einen Sozialismus, den es nie gegeben hat; für ein Festhalten an einem Traum, der sich nicht erfüllt hat. Eine gewaltsame Revolution von oben, Zentralismus und Parteidiktatur lehnte die 1871 in Polen geborene Sozialistin ab, was sie keineswegs zur Liberalen, sondern zu einer Art „sozialistischen Pluralistin“ machte, falls es so etwas geben kann. Jedenfalls brachte ihr Kurs sie schon früh in Konflikt mit Lenin. Der oft zitierte Spruch „Die Revolution ist großartig, alles andere ist Quark“, bezog sich noch auf die russische Revolution von 1905, die in einer Parlamentarisierung des Zarenreichs mündete. Für Stalin war ihr Denken jedenfalls eine „Syphilis der Arbeiterbewegung“. Dass noch heute alljährlich die Nachfahren der SED und zahlreiche Altkommunisten zur Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde pilgern, um Luxemburg und des ebenfalls ermordeten Karl Liebknechts zu gedenken, und dort immer wieder die Konterfeis von Lenin und Stalin gezeigt werden, ist ein weiterer Missbrauch. Gerade in der DDR durften ihre Schriften ja erst 1971 erscheinen. Das oft zitierte „Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden“ galt ja weiß Gott nicht im „Arbeiter- und Bauernstaat“ und avancierte in den 1980er Jahren vielmehr zur Dissidentenparole. Gleichwohl attestierte ihr der Verfassungsschutz bis vor kurzem einen „hohen Symbolwert für den Linksextremismus“. Der Historiker Heinrich-August Winkler urteilt, dass sie und Liebknecht „im hohem Maße die Verantwortung für das Blut, das in den Januarkämpfen (1919) vergossen wurde (…) trugen.“ Und sein Kollege Eckhard Jesse geht davon aus, dass, wäre sie nicht ermordet wurden, „wohl kaum jene geradezu panegyrische Verehrung eingesetzt (…) hätte.“ Ohne Frage: Rosa Luxemburg polarisiert. Das zeigt sich auch an den zahlreichen Besprechungen der neuen Biografie, die der Historiker und Verleger Ernst Piper jetzt vorgelegt hat. Eine vorbehaltslose Beurteilung der Vita einer Frau, nach der auch noch die Parteistiftung der Linken benannt ist, scheint kaum möglich. Egal, ob die Rezensentin der FAZ ihr die „charismatische Wirkung“ abspricht und dem Autor attestiert, letztlich doch ein eher „rosiges“ Bild zu zeichnen, oder sich der Rezensent in der WELT vorsorglich distanziert („Man kann Rosa Luxemburg als Mensch faszinierend und tragisch finden und muss deswegen noch lange nicht die Diktatur des Proletariats gutheißen“) – Person und Wirkung bei einer „so eindeutig von linker bis linksdoktrinärer Biografik gekaperte(n) Persönlichkeit zu trennen“, muss ein Kraftakt gewesen sein, der Ernst Piper allerdings mit diesem Mammutwerk geglückt ist. Es ist ja an diesem Leben, das dann doch immer wieder auf das Ende und das Nachleben reduziert wird, so vieles interessant und berichtenswert: Das Wirken der polnischen Jüdin zunächst in der polnisch-litauischen und später der deutschen Sozialdemokratie, das vielseitige Studium in Zürich, wo Männer und Frauen einzig im deutschen Sprachraum gleichberechtigt studieren konnten, ihre Rolle als Wortführerin des linken Parteiflügels, ihre berührende Stilistik als Briefschreiberin, insbesondere während der Gefangenschaft im Ersten Weltkrieg, ihre rege publizistische Tätigkeit sowie auch ihre Kinderlosigkeit – all diesen Aspekten geht Piper in seiner quellengesättigten Biografie, die lange Zeit maßgeblich bleiben wird, nach. Und auch zur Aktualität Luxemburgs hat Piper Überzeugendes zu bieten: „Sie sagt: Wir müssen das Zeitalter der Nationalstaaten überwinden, wir wollen ja eine proletarische Weltrevolution. Wir wollen nicht Nationalstaaten restituieren, wo dann wieder die Bourgeoisie an der Macht ist, sondern wir wollen die Arbeiterklasse emanzipieren. Und das ist natürlich gerade in der heutigen Zeit aktueller denn je: Es gibt keine Alternative dazu, sich internationaler zu organisieren. Der Kapitalismus tut das sowieso. Dieser Globalisierungsprozess hat ja längst stattgefunden. Und wenn man dem etwas entgegensetzen will, dann geht das natürlich nicht, wenn einzelne Nationalstaaten agieren.“

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Vita

Ernst Piper, 1952 in München geboren, lebt heute in Berlin. Er ist apl. Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam und hat zahlreiche Bücher zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts publiziert, zuletzt Nacht über Europa. Kulturgeschichte des Ersten Weltkriegs (2014). Bei Blessing erschien seine Biografie Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe (2005).

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Events

21. Nov. 2019

Vortrag mit Ernst Piper

Schaffhausen | Lesungen
Ernst Piper
Rosa Luxemburg

Pressestimmen

»Man kann Rosa Luxemburgs Biografie, wie Piper sie exzellent erzählt und dokumentiert, auch als ein entscheidendes Stück Geschichte der SPD lesen.«

Süddeutsche Zeitung (14. Januar 2019)

»Souverän.«

Der Spiegel (05. Januar 2019)

»Rosa Luxemburgs Leben und Wirken hat der Historiker Ernst Piper jetzt so ideologiefrei wie kein Biograf vor ihm aufgeschrieben.«

Die Welt (12. Januar 2019)

»Objektiv brillant: Ernst Pipers Biografie von Rosa Luxemburg«

Die Zeit, Alexander Cammann (24. Januar 2019)

»Die neue, ultimative Rosa-Luxemburg-Biografie.«

Der Standard (15. Januar 2019)

»Zu Rosa Luxemburgs 100. Todestag legt der Historiker Ernst Piper eine exzellent erzählte und dokumentierte Biografie vor.«

Süddeutsche Zeitung (14. Januar 2019)

»So druckfrisch, wie umfänglich.«

Deutschlandfunk Kultur (13. Januar 2019)

»Detailgetreu und gleichzeitig lebensnah.«

rbb, Inforadio (13. Januar 2019)

»Ausführlich, sanft und sachlich.«

BR Kultur (12. Januar 2019)

»Pipers Lebensbild von Rosa Luxemburg hat viele Quellen erstmals erschlossen, ist gründlich recherchiert (mit 2456 Fußnoten belegt) und abwägend aufgeschrieben.«

Die Welt (12. Januar 2019)

»Ernst Piper hat das Musterbeispiel einer Biografie vorgelegt.«

BR Kultur (12. Januar 2019)

»Eine wunderbare neue Biografie.«

Süddeutsche Zeitung online (11. Januar 2019)

»Ernst Piper hat nun mit seiner Biografie ein detail- und faktenreiches Werk über diese so brillante Intellektuelle vorgelegt.«

Der Freitag (10. Januar 2019)