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Shylock Roman

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eBook (epub) ISBN: 978-3-641-18164-2

Erschienen:  11.04.2016
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Von rebellischen Töchtern und verblendeten Vätern

Der reiche Kunstsammler Simon Strulovitch aus Manchester hat Sorgen: Seine aufmüpfige Tochter Beatrice ist in die Kreise der leichtlebigen Erbin Plurabelle und ihres persönlichen Assistenten D’Anton geraten. Nicht der richtige Umgang für ein jüdisches Mädchen, klagt Strulovitch seinem Zufallsbekannten Shylock. Dieser rät zur Zurückhaltung. Doch als Beatrice sich auch noch mit dem Fußball-Beau und Unterwäsche-Modell Howsome einlässt, sieht ihr Vater rot. Er verlangt, dass der junge Mann zum Judentum konvertiert. Mit Hilfe einer kleinen Operation ließe sich heute manches arrangieren. Aber das Leben hält nicht nur für Strulovitch ein paar Lektionen bereit.

Howard Jacobson fragt in diesem tiefsinnigen, gleichzeitig amüsanten und stellenweise irrwitzigen Roman: Was macht einen Mensch zum Juden? Und was heißt es, Jude zu sein in einer säkularen Welt? – Ein höchst burlesker Umgang mit dem vermeintlichen Antisemitismus des umstrittensten Dramas von Shakespeare.

"Jacobson macht aus einer Tragödie einen heiteren Roman, in dem er danach fragt, was einen Juden zum Juden macht und was das bedeutet."

Salzburger Nachrichten, Anton Thuswaldner (23.04.2016)

Howard Jacobson (Autor)

Howard Jacobson, 1942 in Manchester geboren, lebt in London. Er hat bisher dreizehn Romane und vier Sachbücher vorgelegt und zählt zu den renommiertesten Autoren Großbritanniens. Seine Romane erscheinen in zwanzig Ländern und wurden schon vielfach ausgezeichnet, u.a. erhielt er für „Die Finkler-Frage“ 2010 den Booker-Preis, den wichtigsten Literaturpreis der englischsprachigen Welt. Nach „Liebesdienst“ (2012) und „Im Zoo“ (2014), für den er den Bollinger Everyman Wodehouse Prize for Comic Fiction erhalten hat, ist "J" Jacobsons neuester Roman. Er stand 2014 auf der Shortlist des Booker-Preises.


Werner Löcher-Lawrence (Übersetzer)

Werner Löcher-Lawrence, geb. 1956, studierte Journalismus, Literatur und Philosophie, arbeitete als wissenschaftlicher Assistent an der Universität München und als Lektor in verschiedenen Verlagen. Er ist der Übersetzer von u.a. Ethan Canin, Patricia Duncker, Michael Ignatieff, Jane Urquhart.

"Jacobson macht aus einer Tragödie einen heiteren Roman, in dem er danach fragt, was einen Juden zum Juden macht und was das bedeutet."

Salzburger Nachrichten, Anton Thuswaldner (23.04.2016)

"Die langen, oftmals witzigen, manchmal aberwitzigen, aber auch tiefgründigen Gespräche dieser beiden alten Männer sind das starke Zentrum des Romans."

F.A.Z., Tobias Döring (07.04.2016)

"Einen philosophischen und zugleich resolut fantastischen Ansatz hat der Booker-Preisträger Howard Jacobson für seine Verarbeitung eines der schwierigsten Shakespeare-Dramen gewählt."

Süddeutsche Zeitung, Alexander Menden (03.11.2016)

"Jacobson gelingt es in seinem Buch fabelhaft, den im England des Jahres 1594 uraufgeführten Stoff in die Gegenwart zu transportieren."

Berner Zeitung, Peter Henning (21.04.2016)

"Howard Jacobsons Roman ist ein konzentrierter Dialog, der Shakespeares Themen in die Gegenwart transponiert."

NDR Kultur "Neue Bücher", Jochanan Shelliem (22.04.2016)

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Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
Originaltitel: Shylock is my name
Originalverlag: Hogarth

eBook (epub)

ISBN: 978-3-641-18164-2

€ 15,99 [D] | CHF 19,00* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Knaus

Erschienen:  11.04.2016

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Väter und Töchter

Von: wal.li Datum: 02.09.2018

https://wallis-buechersichten.blogspot.de/

Der reiche Kunstsammler Strulovitch hat es nicht leicht mit seiner 16jährigen Tochter Beatrice. Ihren Jahren voraus ist sie in die Kreise älterer und etwas dekadent lebender Reicher geraten. Und nun ist sie auch noch mit einem Fußballer durchgebrannt. Das schlägt dem Faß nun wirklich den Boden aus. Strulovitch sucht Rat bei seinem Zufallsbekannten Shylock, der verwitwet ebenfalls von seiner Tochter entfremdet ist. Mehr als alles andere will Strulovitch erreichen, dass seine Tochter wieder bei ihm und ihrer kranken Mutter ist. Einfach wird das allerdings nicht, denn die junge Frau ist doch sehr gewitzt.

Zum 400. Todestag des großen Barden William Shakespeare wurde mit der Veröffentlichung einer Reihe von Romanen begonnen, mit denen bekannte Schriftsteller einige der Werke des Meisters in der heutigen Zeit nachempfunden haben. Eine wunderbare Ehrung für den einzigartigen Dichter. Howard Jacobson hat sich dabei des „Kaufmanns von Venedig“ angenommen. Mit eleganter Sprache gibt er die Gespräche zwischen Strulovitch und Shylock wieder, die an ihren Familien zweifeln und verzweifeln. Wie sollen sie Shylock, verwitwet, und Strrulovitch, dessen Frau nach einem Schlaganfall ans Bett gefesselt ist, mit ihren Töchtern umgehen. Zwischen ihnen ihre Freiheit lassen und dem sie helikopterartigen Beschützen schwanken sie, ohne ein Gleichgewicht zu finden. Wie soll ein Vater da seinen Weg finden?

Eine tolle Idee, die einen veranlasst, sich zunächst noch einmal etwas mit der originalen Geschichte zu beschäftigen, um sich der Interpretation des Autors zuwenden zu können. Man versucht sich in die Denkweise von Strulovitch und Shylock hineinzuversetzen, sich am Witz der Geschichte zu erfreuen und die gelungene Übertragung der Story in die heutige Zeit zu würdigen.
Zwar wird es jeder heutige Autor schwer haben, es mit Shakespeares Original aufzunehmen, aber dennoch gibt der vorliegende Roman viel und erinnert auf wunderbare Weise an den großen Meister, dessen Werke es jederzeit verdienen wieder gelesen zu werden.

3,5 Sterne

Verläuft sich zwischen Epik und Drama

Von: Mikka Gottstein  aus Hilter aTW Datum: 01.09.2018

wordpress.mikkaliest.de

Durch die Aufteilung in Akte erinnert das Buch an Shakespeares Drama, auch die dialog- und monologlastige Sprache lässt das Theater anklingen. Dieser Klang hat für mich jedoch deutliche Misstöne – die Sprache fühlt sich unnatürlich an für die modernen, zum Teil jugendlichen Charaktere.

Viele dieser Charaktere sind meines Erachtens ohnehin zu provokant überzogen, zu wenig differenziert und authentisch für einen Roman.

In einem Theaterstück hat jeder Charakter nur eine begrenzte Zeit, um dem Zuschauer sein Wesen und seine Motive zu vermitteln, deswegen ist dort eine gewisse Vereinfachung und Übersteigerung unumgänglich, aber in einem Roman fällt diese Notwendigkeit weg. Wird dennoch vereinfacht und übersteigert, werden aus Charakteren schnell Parodien oder Klischees, und genau das passiert hier meiner Meinung nach.

Der Kunstsammler Simon Strulovitch nimmt die Rolle des Shylock ein, seine frühreife Tochter Beatrice die Rolle von Shylocks Tochter Jessica. Das verwöhnte reiche Social-Media-Sternchen Anna Livia Plurabella Cleopatra Eine-Schönheit-ist-eine-ewige-Freude-weiser-als-Salomon Christine (der Name ist Programm) gibt die Portia, während ihr Bekannter D’Anton das moderne Äquivalent des Kaufmanns Antonio darstellt.

Die beiden Frauengestalten in “Shylock” fand ich sehr fragwürdig: sie gehen extrem (!) jung sexuelle Beziehungen ein und haben beide einen Vaterkomplex mit inzestuösem Unterton. Strulovitch denkt beängstigend oft darüber nach, wie verführerisch seine Tochter ist.

Interessanterweise tritt Shakespeares Shylock selber in der Geschichte auf.

Am Anfang hielt ich ihn für reines Gedankenspiel des bekennenden Shakepeare-Liebhabers Strulovitchs. Aber im Laufe des Buches interagieren auch andere Charaktere mit Shylock, er ist also ein Mensch aus Fleisch und Blut – gleichzeitig ist er ebender Shylock aus dem Venedig des 16. Jahrhunderts.

Wie das möglich ist, bleibt unerklärt, und Strulovitch hinterfragt es kaum.
Sei’s drum, denn die Dialoge zwischen Shylock und Strulovitch – scharfsinnig, manchmal humorvoll, immer zum Nachdenken anregend – sind für mich das Highlight und Herzstück des Buches.

Aber so sehr ich die Dialoge zwischen Shylock und Strulovtich auch genoss, stellte sich doch irgendwann Überdruss ein.

Ihre Gespräche drehen sich immer wieder um dasselbe Thema, aus demselben Blickwinkel.

Es geht um das Judentum, das traditionelle sowie das moderne, und das jüdische Selbstverständnis in einer nicht-jüdischen Gesellschaft. An sich ein hochinteressantes Thema, aber es dreht sich zu sehr um sich selbst und verliert dadurch an Substanz. Strulovitch, der antisemitische Vorurteile beklagt, unterteilt die Menschen rigoros in “die Christen” und “die Juden”, ohne sich einer Doppelmoral bewusst zu sein.

Shylock vertritt den Standpunkt des traditionellen Judentums, während Strulovitch sich als moderner Jude über die Religion erhaben fühlt. Doch als seine Tochter einen Christen heiraten will, nimmt Strulovitch auf einmal antiquierte Vorstellungen an.

Und hier wird die Geschichte absurd.

Aus dem Drama wird eine Posse: die meisten nicht-jüdischen Charaktere zeigen sich auf einmal plump antisemitisch – Plurabelle und D’Anton lachen hysterisch über Schmähbegriffe wie “Hakennase”, Beatrices Liebhaber Graham zeigt den Hitlergruß –, und Strulovitch ist fest entschlossen, besagtem Liebhaber die Vorhaut zu rauben und ihn dadurch quasi zum Juden zu machen.

Durch konstruierte Ereignisse ergibt es sich, dass D’Anton für die Sache einstehen muss.

Die Vorhaut stellt also das Pfund Fleisch dar, das Shylock im Originaldrama von seiner Nemesis Antonio fordert, aber das ergibt absolut keinen Sinn: welchen Sinn macht es für Strulovitch, die Vorhaut eines anderen Mannes als Ersatz zu akzeptieren? Dadurch wird der Liebhaber seiner Tochter jedenfalls nicht zum Christen – wobei die Vorstellung, dass man einen Mann durch Beschneidung zum Christen machen kann, natürlich von vorneherein absurd ist.

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