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The Hate U Give

Ab 14 Jahren

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€ 13,99 [D] inkl. MwSt.
CHF 17,00*
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eBook (epub) ISBN: 978-3-641-20014-5

Erschienen:  24.07.2017
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»Umwerfend und brillant, ein Klassiker!« Bestsellerautor John Green

Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen...

»Bis das Buch 2018 in die Kinos kommt, sollten Sie wirklich nicht warten.«

Bild am Sonntag (23.07.2017)

Angie Thomas (Autorin)

Angie Thomas ist in Jackson, Mississippi, aufgewachsen und lebt auch heute noch dort. Als Teenager tat sie sich als Rapperin hervor; ihr ganzer Stolz war ein Artikel im Right-On! Magazine. Thomas hat einen Bachelor-Abschluss im Fach Kreatives Schreiben an der Belhaven Universität. Ihr preisgekröntes Debüt The Hate U Give erntete ein überschwängliches Presse- und Leserecho und schaffte es auf Anhieb auf Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste. Der Roman wurde 2018 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und mit Hunger-Games-Darstellerin Amandla Stenberg in der Hauptrolle verfilmt.

www.angiethomas.com

»Bis das Buch 2018 in die Kinos kommt, sollten Sie wirklich nicht warten.«

Bild am Sonntag (23.07.2017)

»Buch der Stunde.«

emotion 8/2017 (05.07.2017)

»Realistisch und eindringlich erzählt. Das lässt einen lange nicht mehr los.«

Freundin (09.08.2017)

»Der Überraschungserfolg dieses Jahres.«

DIE ZEIT (12.10.2017)

»Nicht nur ein Sozialthriller, sondern auch ein aktuelles Bild des schwarzen Amerika.«

Süddeutsche Zeitung (10.10.2017)

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Aus dem Amerikanischen von Henriette Zeltner
Originaltitel: The Hate U Give
Originalverlag: Harper Collins, US

eBook (epub), ca. 512 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-641-20014-5

€ 13,99 [D] | CHF 17,00* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: cbj Jugendbücher

Erschienen:  24.07.2017

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Das wohl wichtigste Buch der letzten Jahre

Von: Friederike (Buch & Gewitter) Datum: 12.08.2018

buchundgewitter.de/

Darum geht es:
Starr Carter wird zur Zeugin der Erschießung ihres ältesten Freundes Khalil. Genau wie sie war ihr Freund schwarz und unbewaffnet und sie beide wurden von einem weißen Polizisten bedroht. Gefangen zwischen zwei Welten muss Starr entscheiden, ob sie für Gerechtigkeit kämpfen wird, wissend, dass Drohungen gegen sie und ihre Familie dann sehr schnell zu Gewalt werden können.

Meine Meinung:
Da der Kinofilm bald anläuft, wollte ich endlich meine Meinung zu diesem Buch formulieren, weil ich finde, das immer noch nicht genug darüber geredet wird. Denn selbst, wenn das hier nur ein fiktionales Werk ist, ist es doch für viele Menschen in dieser Welt bittere Realität und ehe wir – die Mehrheit, die Weißen, die Privilegierten – nicht verstehen, was schief läuft, können wir auch nichts dagegen tun. Und genau deswegen ist The Hate U Give auch so ein wichtiges Buch. Wie schon so viele Blogger, Influencer und Autoren vor mir, bin auch ich der Meinung, dass dieses Buch in jede Bibliothek, jedes Klassenzimmer und jeden Lehrplan gehört, weil es einfach SO WICHTIG ist.

Zuallererst möchte ich das Buch als solches betrachten: Ein Buch. Ganz kurz möchte ich unabhängig vom Inhalt über Aufbau, Schreibstil und Spannungsbogen schreiben können, damit mein Zwiespalt zum Ausdruck kommt. Denn dieses Buch ist gut und wichtig, aber gerade auf Deutsch hat es ein paar Schwächen.

Es wird in insgesamt 5 Abschnitten erzählt, die jeweils markieren, wie viel Zeit bereits seit dem Abend, an dem Khalil starb, vergangen ist. Das ist richtig wichtig zu sehen, da Prozesse oft sehr lange dauern und man die Langzeitwirkung sonst nicht versteht, die ein solches Ereignis mit sich bringt. Allerdings ist ein Spannungsbogen so ebenfalls schwer auszumachen, die Handlung zieht sich etwas und oftmals fiel es mir schwer das Buch wieder aufzuschlagen. Während des Lesens war ich dennoch nicht geneigt zu unterbrechen, da Angie Thomas mit einer Eindringlichkeit erzählt, die fesselnd ist. Der Schreibstil hingegen ist sehr normal. Der Spruch „Show, don’t tell“ hätte wohl im Lektorat häufiger fallen können, denn Vieles wird in diesem Buch einfach erzählt. Es wird dem Leser vorgesetzt und es braucht wenig Gedankenschmalz, um die Botschaft des Buches zu verstehen.

Aber mittlerweile denke ich, dass diese Geradlinigkeit und klare Darstellung der Tatsachen das ist, was wir brauchen. Zwischen den Zeilen von Ungerechtigkeit und Rassismus lesen bringt wenig, wenn dann die Botschaft nicht ankommt; manchmal muss man dem Gegenüber ins Gesicht schreien, was falsch läuft. Und das macht Angie Thomas. Schonungslos, ehrlich und beklemmend genau erzählt sie vom Alltag eines schwarzen Mädchens in einer weißen Schule, dem Alltag einer normalen Familie in einem Viertel voller Gewalt und Banden, den alltäglichen Vorurteilen, denen Schwarze heute noch ausgesetzt sind. Denn wie im Buch ganz richtig gesagt wird, muss man nicht Rassist sein, um etwas rassistisches zu sagen.

Dennoch geht der Charme des Buches und seine Eindringlichkeit mit der Übersetzung ins Deutsche verloren. Da ich das Buch sowohl auf Englisch, als auch auf Deutsch gelesen habe, habe ich einige Unterschiede bemerkt, die mir nicht gefallen haben. Das Besondere an diesem Buch ist eigentlich, dass Slang gesprochen wird. Im Original trägt der Slang dazu bei, den Unterschied von Starrs Welten zu verdeutlichen. Auf Deutsch funktioniert das weniger. Abgesehen von sehr häufigem Fluchen (Richtig oft, selbst mich hat das am Anfang geschockt), dass auf Deutsch gravierender und schlimmer klingt, als auf Englisch, kann man den Slang nicht übersetzen. Trotzdem hat der Verlag sich bemüht die Unterschiede irgendwo zu zeigen und so wurden Wörter wie boyfriend, girlfriend, swaggen, Spring Break, yes und no einfach nicht übersetzt. Das hat mich gestört. Tierisch. Klar, die Bedeutung wird gerade bei Boyfriend/Girlfriend so deutlich klarer, aber trotzdem klingt es irgendwie falsch und gewollt. Und irgendwie ein wenig dumm. Und dass die Figuren nun dumm, anstatt authentisch klingen passt mir gar nicht. Denn der Slang lässt sie im Original nicht weniger intelligent wirken, nur weil mal eine Silbe verschluckt wird oder ein Wort anders betont. Ich hatte dabei eher das Gefühl, dass die Wörter dadurch eine stärkere Bedeutung bekommen, wichtiger für Starr und ihre Gemeinschaft wurden. Mein Rat an dieser Stelle: Lest es auf Englisch.

Die Botschaft des Buches funktioniert zum Glück unabhängig von Schreibstil und Übersetzung und (allein) deswegen ist es so wichtig. Starr wird in ihrem jungen Leben mit einigen heftigen Dingen konfrontiert, schon einmal hat sie eine Freundin an ihr Viertel verloren und mit Khalils Tod kommen alte Erinnerungen hoch. Abgesehen davon, dass die Polizei sich nicht für die seelischen Schäden Starrs interessiert (Was bei einer weißen Zeugin sicherlich der Fall gewesen wäre) wird versucht, den Vorfall unter den Tisch zu kehren und der Polizist selber, der geschossen hat, tritt im Buch kein weiteres Mal auf. Als Leser bekommt man also weder Gerechtigkeit noch Genugtuung, stattdessen erlebt man wie Starr und ihre Familie eingeschüchtert werden, Machtkämpfe über Khalil und seiner Geschichte ausgetragen werden und Rassismus den Alltag dieser normalen Familie mehr bestimmt, als man glauben möchte.

Zudem muss Starr sich in zwei Welten bewegen: Der ihres Viertels, Garden Heights, dass schwarz ist und der ihrer Schule, Williamson, die hauptsächlich von weißen Kindern besucht wird. Aufgrund schlechter Erfahrungen trennt Starr diese beiden Welten strickt und passt auch ihr Verhalten an, damit ihr niemand etwas Böses nachsagen kann.

Die Williamson-Starr hält den Mund, wenn Leute ihr blöd kommen, damit keiner sie für ein „Angry Black Girl“ hält.“ – S. 85

Das traurige und schockierende an diesem Buch ist, dass Starr genau wie jeder andere Mensch ist. Sie könnte meine Freundin, deine Freundin, das Mädchen von nebenan sein. Sie ist keine Bedrohung. Und doch sorgen Vorurteile, Druck und Angst nach wie vor dafür, dass all das nicht mehr zählt, als ein Polizist die Waffe auf sie richtet.

Starrs Welt funktioniert nicht mehr, als Unruhen nach Khalils Tod aufkommen; und ihre getrennten Welten plötzlich einer Verbindung bekommen. Immer öfter fragt sie sich, ob sie ihre Rasse verrät, wenn sie den Mist ihrer Mitschüler unkommentiert lässt und sich in einen weißen Jungen verliebt. Diese Identitäskrise sollte es eigentlich nicht geben. Nicht aufgrund der Hautfarbe. Sie fühlt sich, als hätte sie an ihrem Freund versagt. Starr muss entscheiden, ob sie in Sicherheit leben will oder dafür sorgen, dass Khalil nicht zu einem Instrument der Medien und Machthaber wird.

Aber auch wenn die Unruhen auf mein Konto gehen, klingt es in den Nachrichten im Grunde so, als sei Khalil an seinem Tod selbst schuld. – S. 163

Mal ganz abgesehen davon, dass Starr hier für ihren Freund und Ungerechtigkeiten gegenüber der schwarzen Bevölkerung kämpfen muss, hat mich besonders schockiert, dass Starr und ihre Geschwister gelernt haben, der Polizei zu misstrauen. Sie haben gelernt, den Justizkräften des Staates nicht zu vertrauen, mit zwölf haben sie und ihr großer Bruder von ihrem Vater ein paar Verhaltensregeln eingeschärft bekommen, damit sie nicht irgendwann erschossen im Straßengraben enden.

Halt deine Hände so, dass man sie sieht. Mach keine plötzlichen Bewegungen. Red nur, wenn du was gefragt wirst. – S. 29

Und das ist traurig und schlimm. Wenn der Staat das Sicherheitsgefühl seiner Bürger, völlig unabhängig von Herkunft, Ethnie und Umständen nicht gewährleisten kann, dann haben wir als Menschen versagt. Und wenn Kinder sich in Gegenwart anderer nicht so benehmen können, wie sie sind, dann noch viel mehr.

Im Laufe des Buches wird man als Leser auf die Probe gestellt, denn Starr lässt sich nicht länger alles bieten und spricht endlich auch ihre engen Schulfreunde auf falsches und feindliches Verhalten an. Und ich als Zuschauer musste realisieren, das ich vielleicht ebenfalls nicht ganz vorurteilsfrei bin.

Toleranz muss man sich antrainieren, „offen sein“ ist kein Charakterzug, den man in die Wiege gelegt bekommt. Es ist eine Entscheidung und solange wir noch nicht für uns selbst entschieden haben, dass Hautfarbe und Herkunft keine Rolle für uns spielen, solange wird es solche Ungerechtigkeiten weiter geben.

The Hate U Give ist kein perfektes Buch. Aber das muss es auch nicht sein, um Bewusstsein zu fördern. Lest es, gebt es weiter. Es ist so einfach. Und so unglaublich wichtig.

Ein letztes Zitat möchte ich euch noch mit auf den Weg geben.

Abschiede schmerzen am meisten, wenn der andere nicht mehr da ist. – S. 80

Ein wichtiges Thema, das aber zu einseitig beleuchtet wird

Von: paperlove Datum: 29.07.2018

https://mrspaperlove.blogspot.ch/

-- Achtung enthält Spoiler --

„The Hate U Give“ ist DAS Buch, über das 2017 überall gesprochen wurde und dessen Hype wohl an keinem Leser, der in irgendeiner Lesecommunity unterwegs ist, entgangen ist. Das Buch hat zahlreiche Literaturpreise abgeräumt und wurde schliesslich Ende Jahr zum Debütroman des Jahres auf Goodreads gewählt. Spätestens seit dieser Masseneuphorie ist das Buch auch auf meiner Wunschliste gelandet und ich wollte unbedingt wissen, worum es denn in dem Buch mit dem schlichten Cover geht, über das alle reden. Dank dem cbt Verlag bin ich nun endlich dazu gekommen, diesen Wunsch zu erfüllen.

Die Story wird aus dem Blickwinkel von Starr erzählt, deren bester Freund zu Beginn der Geschichte auf tragische Weise von einem weissen Polizisten erschossen wird. Damit greift die Autorin eine wichtige Thematik auf, die in den vergangenen Jahren immer wieder aufgrund dramatischer Vorfälle in die Medien gelangt ist: Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern in den USA. Nicht selten kommt es vor, dass afroamerikanische, unbewaffnete Jugendliche scheinbar grundlos von (weissen) US-Polizisten erschossen oder auf andere Weise getötet werden. Es gibt zu dem Thema auch viele Dokumentationen, die ich in der vergangenen Zeit auf Netflix gesehen habe. Die Dokus haben mich nicht nur sehr berührt, sondern auch nachdenklich gestimmt. Obwohl auch Rassismus ein gegenwärtiges Thema in Europa ist, ist die Geschichte um Starr und ihren verstorbenen Freund eher etwas, das eine spezifische Problematik in den USA anspricht – und das ist neben der unnötigen Polizeigewalt sicher das zu lasche Waffengesetz, das sich sehr von den Gesetzen in Europa unterscheidet. In den USA, insbesondere in den meisten Südstaaten, rennt jeder Otto-Normalverbraucher mit einer Waffe herum, selbst wenn er nur kurz in den Walmart zum Einkaufen fährt. Dieser Umstand wird von Seiten der Waffenlobby mit einem verstärkten Gefühl von Sicherheit gerechtfertigt, führt aber letztendlich nur dazu, dass man jederzeit damit rechnen muss, von irgendwem grundlos abgeknallt zu werden, wenn man nur eine falsche Bewegung macht. Aufgrund von Vorurteilen und ja, auch rassistischen Gründen, sind die Opfer dieses Szenarios leider oftmals Afroamerikaner. Und genau das war auch hier der Fall, denn Khalil – Starrs bester Freund – hat sich zu keinem Zeitpunkt unkooperativ oder gefährlich gezeigt, weshalb es nicht nur für Starr, sondern auch für mich als Leserin unverständlich war, wieso der Polizist ihn erschossen hat.

Im weiteren Verlauf macht Khalils Tod natürlich in der (hauptsächlich von afroamerikanisch-dominierten) Nachbarschaft die Runde und löst viel Ärger und Unverständnis aus. Zurecht, wie ich finde, denn einmal mehr wurde ein unschuldiger Jugendlicher umgebracht, ohne dass jemand dafür zu Rechenschaft gezogen wird. Starr hadert am Anfang, ob sie genau aus diesem Grund vor Gericht aussagen und als Zeugin im Fall Khalil auftreten soll. Einerseits will sie Gerechtigkeit für ihren besten Freund, auf der anderen Seite läuft sie damit auch Gefahr, in den Fokus der Öffentlichkeit zu geraten. Doch durch einen Rat von einer aussenstehenden Person, entschliesst sie sich schliesslich dafür: Wenn sie etwas verändern will, dann muss sie ihre Stimme dafür nutzen.

Neben diesem Hauptplot lernen wir Starr und ihre Familie etwas besser kennen. Die Autorin gibt dem Leser dadurch einen Einblick in das Leben einer afroamerikanischen Familie, das nicht nur durch Rassismus und Vorurteile, sondern auch durch Gangkriminalität geprägt ist. Starrs Vater ist selbst Aussteiger einer solchen Gang und hat einige Jahre im Knast abgesessen, bis er zu seiner Familie zurückgekehrt ist. Obwohl die Gangrivalitäten und die daraus resultierenden Gefahren immer wieder nebenbei erwähnt wurden (u.a. dadurch, dass auch Khalil aufgrund Druck einer Gang Drogen verkaufen musste), kam mir die kritische Auseinandersetzung mit Gangs etwas zu kurz. Es wird zwar gezeigt, wie gefährlich die Nachbarschaft ist, aber in Zusammenhang mit der (Über-)Reaktion des Polizisten, der Khalil erschossen hat, wird das Ganze nicht gebracht. Während sich jeder über den Tod von Khalil aufregt, wird es scheinbar von den meisten einfach so hingenommen, dass hin und wieder ein Afroamerikaner durch irgendwelche Gangs auf offener Strasse erschossen wird. (Und das kommt laut dem Buch nicht sehr selten vor). Es ist aber davon auszugehen, dass es sich gerade dadurch um eine sehr gefährliche Gegend handelt und dieser Umstand vermutlich massgeblich an der Reaktion des Polizisten beteiligt war. Damit will ich aber nicht sagen, dass seine Tat gerechtfertigt war oder er keine Strafe verdient hätte – im Gegenteil! Aber die Beweggründe des Polizisten werden im Buch gänzlich weggelassen, so dass eine sehr einseitige Perspektive gezeigt wird, die meiner Meinung nach nur bedingt dazu führt, dass das Problem mit den Waffen und der Polizeigewalt in naher Zukunft gelöst werden kann.

Neben dieser Einseitigkeit, wird auch das Thema Rassismus in Alltagssituationen immer wieder aufgegriffen. Im Zentrum steht dabei vor allem Starrs beste Freundin, die sich auf Tumblr von ihr abgewendet hat, was Starr gleich als rassistischen Zug wertet. (Das fand ich ehrlich gesagt ein bisschen übertrieben…) Die Freundin macht ein paar unbedachte (und ja, u.a. rassistische) Kommentare, die im Schlussteil dazu führen, dass Starr mit ihr in eine Schlägerei anfängt. Was normalerweise zu einer Strafe von ihren Eltern geführt hätte, wird aber in diesem Fall fast schon gefeiert. Dieses Ereignis ist mir sauer aufgestossen, denn ich fand es schade, dass es hier Gewalt als legitimes Mittel gegen Rassismus präsentiert wird, wo doch genau das eigentlich kritisiert werden soll. Noch einmal: Damit will ich nicht sagen, dass rassistische Aussagen oder Handlungen aller Art berechtigt sind – im Gegenteil! Ich finde es aber auch nicht sinnvoll, auf Rassismus mit Gewalt und Vandalismus zu reagieren, um etwas zu erreichen.
Genau das passiert leider am Schluss des Buches. Der Polizist wird – wie erwartet – nicht angeklagt und die afroamerikanische Gemeinschaft geht auf die Strasse um ihrem Ärger über das Urteil Ausdruck zu verleihen. Die Emotionen und das Unverständnis konnte ich sehr gut nachvollziehen, aber die Art und Weise wie dies geäussert wurde, fand ich nicht sehr förderlich, um die Situation zu entschärfen: Die Leute gehen auf die Strasse, randalieren und zünden Häuser und Geschäfte an und bringen sich selbst damit in Gefahr. Ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen ist wichtig, aber diese Aktion fand ich echt ungünstig dafür. Das hätte man sicher auch auf eine zweckdienlichere Art machen können.

Ansonsten bleibt noch zu sagen, dass das Buch sehr umgangssprachlich und in einer Art „Slang“ geschrieben ist, der vermutlich gebräuchlich unter afroamerikanischen Jugendlichen ist und für mehr Authentizität sorgen soll. Ich fand das Lesen aber gerade dadurch oftmals sehr anstrengend, habe aber auch erst am Schluss (des Ebooks) gesehen, dass es ein Glossar gegeben hätte, das einige Wörter, die immer wieder genutzt werden, erklärt. Trotzdem hat mich z.B. dieses „Das ist mein boyfriend“, nach einer Weile derartig genervt, dass ich die Beziehung zu Chris, den Starr als ihren „Boyfriend“ betitelt, gar nicht mehr richtig ernst nehmen konnte.
Ein weiterer Kritikpunkt waren die vielen Zeitsprünge, die meiner Meinung nach immer dann eingesetzt wurden, wenn es richtig spannend geworden wäre. Es wird beispielsweise die komplette Verhandlung mit dem Polizisten weggelassen, bei der wir vielleicht mehr über die Hinter- und Beweggründe des Täters erfahren hätten. Nicht, dass damit seine Tat gerechtfertigt worden wäre, aber es hätte zumindest einen anderen Blickwinkel auf die Geschehnisse verschafft, so dass der Leser sich selbst seine eigene Meinung hätte bilden können, die nicht durch eine einseitige Perspektive aufgedrängt wird.

Fazit:
Das Buch beinhaltet ein wichtiges Thema, das aber meiner Meinung nach nicht so gut umgesetzt wurde, wie ich es erwartet hätte. Ich habe zwar einen Einblick in die afroamerikanische Gemeinschaft gekriegt und auch, welchen Einfluss die Polizeigewalt in den USA auf sie ausübt, aber für meinen Geschmack wurde die Thematik zu einseitig beleuchtet. Die Hintergründe des Mörders von Khalil bleiben bis zuletzt unbekannt, ebenso wie mögliche Zusammenhänge mit der Gangkriminalität oder anderen Einflussfaktoren, die einen weiteren Blickwinkel auf die Ereignisse ermöglich hätten. Den Hype verdankt das Buch wahrscheinlich der Thematik. Meiner Meinung nach wird die Umsetzung aber der Begeisterung nicht ganz gerecht.

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