Und Nietzsche weinte

Roman

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Eine Ménage à trois zwischen Lou Andreas Salomé, Nietzsche und der Psychoanalyse

Das Wien des Fin de siècle: Die selbstbewusste junge Russin Lou Andreas Salomé drängt den angesehenen Arzt Josef Breuer, dem suizidgefährdeten Friedrich Nietzsche zu helfen und ihn von seiner zerstörerischen Obsession für sie zu kurieren. Breuer willigt ein und unterzieht Nietzsche einer neuartigen Heilungsmethode, deren Ausgang jedoch für beide unerwartet ist.


Aus dem Amerikanischen von Uda Strätling
Originaltitel: When Nietzsche Wept
Originalverlag: Basic Books
eBook epub (epub)
sechs s/w-Fotos
ISBN: 978-3-641-15737-1
Erschienen am  27. November 2014
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Psychoanalytisch und philosophisch zugleich

Von: Miss Cooper

27.09.2018

Würde man mich nach meinem absoluten Lieblingsbuch fragen, müsste ich lange nachdenken und könnte mich dennoch nicht festlegen. Ich bin in so viele wundervolle Bücher abgetaucht, die mich von der ersten bis hin zur letzten Seite fesselten, begeisterten und berührten. Bei denen ich das Ende herbeisehnte und doch am liebsten nie die letzte Seite aufschlagen wollte. Bücher die mich noch lange Zeit, nachdem ich sie zurück ins Regal gestellt habe, beschäftigten und die mir, immer wenn ich an sie dachte einen wohligen Schauer bereiteten. Für mich gibt es also nicht dieses eine, für mich gibt es einige mehr. Und jedes einzelne ist etwas besonderes, hat mir eine unvergessliche und einmalige Zeit bereitet. Den Gegensatz bildet meine bessere Hälfte, würde man ihn nach seinem Lieblingsbuch fragen, käme kurzerhand die Antwort… „Und Nietzsche weinte“ von Irvin D. Yalom. Warum frage ich ihn, warum ausgerechnet dieses Buch? Und seine Antwort fällt bestechend logisch, wie einfach aus. Weil, als er es zum ersten mal mit Mitte zwanzig las es ihm eine neue Sichtweise auf das Leben aufzeigte und ihn über Themen Nachdenken ließ, über die er nie zuvor nachgedacht hätte. Mittlerweile hat er es an die Dutzend mal gelesen und noch immer hat es nichts von seiner Einmaligkeit eingebüßt. Na gut, dachte ich mir, wer wäre ich denn es nicht auch mal wenigstens aufzuschlagen um mir mein eigenes Bild zu machen. Ich suchte mir also das am wenigsten zerschlissene Exemplar heraus - denn er hat es nicht nur zigmal zur Hand genommen, sondern auch in vierfacher Ausführung - und beginne die ersten Worte zu lesen. Um eine Sache schon mal vorwegzunehmen, die agierenden Personen in dem Roman sind, bis auf zwei Ausnahmen alle reellen Ursprungs und die skizzierten Lebensumstände beruhen auf Tatsachen, die lediglich neu verknüpft wurden. Es erzählt die Geschichte zweier Männer, die im wahren leben vermutlich nie aufeinander getroffen sind. Doch wären sie es, hätten sie womöglich eine menge voneinander lernen können. „Einsamkeit existiert nur in der Einsamkeit; sobald sie geteilt wird, löst sie sich auf.“ 1882, der renommierte Wiener Hausarzt, Internist, Physiologe und Philosoph Dr. Joseph Breuer befindet sich zusammen mit seiner Frau Mathilde auf Urlaubsreise in Venedig. Dort erreicht ihn ein kurzer Brief von einer gewissen Lou Salomè, die auf ein treffen mit ihm drängt, um eine bedeutende Angelegenheit zu besprechen. Ihre Unverfrorenheit, ihm nicht einmal die Möglichkeit zur Absage zu geben stößt ihm sauer auf, doch seine gute Manieren lassen ihn zu dem Treffen erscheinen. Als er die junge wunderschöne Russin das erste mal erblickt ist der Zorn wie verflogen und er hört sich ihr Anliegen an. Sie berichtet von ihrem Bekannten, Friedrich Nietzsche, einem unbekannten Philosophen, den eine Vielzahl an Leiden plagt. Schmerzen die ihn an die grenzen seiner Körperlichen Belastbarkeit bringen. Allerdings möchte sie nicht das Dr. Breuer sich seinen offensichtlichen Symptome annimmt, sondern er soll seinen Geist reinigen und die Verzweiflung die Nietzsche befallen hat kurieren. Denn schon einmal ist es Breuer gelungen eine Frau von Hysterie und anderen Gebrechen zu heilen, nur indem er eine sogenannte „Redekur“ bei ihr anwandte. Ein weiterer Punkt besteht darin, dass Dr. Breuers zukünftiger Patient nichts von alledem erfahren darf, nicht das seine Verzweiflung der eigentliche Anlass sei und schon gar nicht das Lou Salomè diesen Plan geschmiedet hat, denn sie ist der Grund warum sich Nietzsche mit Suizidgedanken auseinandersetzt. Einige Zeit zuvor wies diese ihn als potenziellen Ehemann ab und verriet ihre Freundschaft. Breuer ist sich nicht sicher warum er überhaupt in ein solches Unternehmen eingewilligt hat, liegt es an dem einnehmenden Wesen Lou Salomès, seinem Eid den er als Arzt geleistet hat, jedem der Hilfe benötigt auch Hilfe zukommen zu lassen, oder einfach an dem zu erwartenden Ruhm und der Reputation, sollte es ihm gelingen nur mit Hilfe einer „Redekur“ Körperliches und Seelisches Leiden zu lindern. Lou Salomè gelingt es jedenfalls Friedrich Nietzsche an Dr. Breuer als Arzt zu verweisen. Dieser weiß sich zunächst allerdings keinen Rat, Nietzsche der minutiös seine Symptome beschreibt, ist, was persönliche Fragen angeht verschlossen wie eine Auster. Jeder Frage die auf seinen Gemütszustand anspielt weicht er geschickt aus und lenkt diese auf sein Körperliches befinden. Schließlich erkennt Breuer das Nietzsche ihm charakterlich gar nich so unähnlich ist, beide sind sie von ihrer Arbeit und der Anerkennung von Kollegen besessen. Breuer setzt nunmehr auf eine neue Taktik. Er bittet Nietzsche sich seiner Verzweiflung anzunehmen und ihn von seinem Leid zu erlösen. Im Gegenzug will sich Breuer seiner Krankheit annehmen, allem voran der heftigen Migräne. Nietzsche willigt in diesen ungewöhnlichen Handel ein und lässt sich in einer Klinik aufnehmen in der Breuer ihn Täglich besucht. Immer mehr verwächst Breuer mit der Rolle des Patienten, hat er anfangs noch versucht Nietzsche mit seiner eigenen Offenheit zu animieren selbst etwas über sich preiszugeben, verliert er dieses Ziel zunehmend aus den Augen. Was Breuer jetzt will, ist das Nietzsche ihm hilft einen Sinn in seinem Leben zu finden und ihn von seiner eigenen Obsession einer anderen Frau gegenüber zu kurieren. „Seinen Lebensweg nicht bestimmen zu wollen hieße, sein Dasein zum grausamen Zufall werden zu lassen.“ Philosophie - die Welt der reinen Ideen. Genau das ist die Grundlage dieses Buches. Es ist nicht die Geschichte drumherum, diese ist nur ein Bindemittel um dem eigentlichen Sinn Stabilität zu geben. Es sind die hitzigen philosophischen Debatten, die Zwiegespräche und leisen Andeutungen, die inneren Monologe bei denen sich die Protagonisten selbst reflektieren, die den Kern des Romans bilden. Einerseits werden Fragen über alltägliche Dinge wie Moral, Religion, oder Wissenschaft aufgeworfen. Es folgen aber auch Gedankenaustausche über medizinische Neuerungen, oder bedeutenderen Themen wie den Wert der Wahrheit, dem Verlust Entscheidungen bewusst und frei treffen zu können und die Totalität des Lebens. Dabei versteht es Irvin D. Yalom gekonnt keine persönliche Stellung einzunehmen, sondern einzig einen Denkanstoß zu liefern, indem er von zwei Warten aus berichtet und es somit mir als Leserin überlässt mir meine eigenen Gedanken zu der jeweiligen Problematik zu machen. Irvin David Yalom selbst Psychoanalytiker lässt sein Wissen und seine Leidenschaft in dieses Werk einfließen und schafft dadurch einen Roman mit wirklich außergewöhnlichem Charakter. Bei dem selbst die mit unter doch sehr geschwollene Schreibweise nicht ins Gewicht fällt, ganz im Gegenteil sie passt sogar sehr gut in den Kontext. Nachdem ich dieses einmalige Buch gelesen habe kann ich nachvollziehen warum mein Mann es zu seinem Lieblingsbuch auserkoren hat. „Solange wir nicht anerkennen, daß wir allein sind, benutzen wir den anderen nur als Schutzschild gegen die Einsamkeit. Nur wer herzhaft leben kann wie der Adler - dem kein Zeuge zuschaut -, kann sich einem anderen in Liebe zuwenden: Nur der ist fähig, die Erhöhung des anderen Daseins, das Wachstum zu wünschen. Also ist eine Ehe, die man nicht aufgeben kann, zum Scheitern verurteilt.“

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Berührend!

Von: Bernhard Zemke aus Berlin

05.12.2013

zunächst halte ich ein wirkliches Taschenbuch in den Händen. Es fühlt sich gut an, sieht gut aus und hat ein Lesebändchen. Es ist mein dritter Yalom. Und wieder profitiere ich - ohne mich groß anstrengen zu müssen. Ich erlebe die Anfänge der Psychoanalyse, das Ringen um neue Ufer, werde in die Gedankenwelt und die fiktionale Gefühlswelt von Nietzsche eingeführt - und es macht was mit mir, ich denke und sinne ...

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Vita

Irvin D. Yalom wurde 1931 als Sohn russischer Einwanderer in Washington, D.C. geboren. Er gilt als einer der einflussreichsten Psychoanalytiker in den USA und ist vielfach ausgezeichnet. Seine Fachbücher gelten als Klassiker. Seine Romane wurden international zu Bestsellern und zeigen, dass die Psychoanalyse Stoff für die schönsten und aufregendsten Geschichten bietet, wenn man sie nur zu erzählen weiß.

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