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Verlust Roman

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eBook (epub) ISBN: 978-3-641-18380-6

Erschienen: 24.08.2015
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Für »Tinkers« wurde Paul Harding mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Nun schreibt er die Geschichte der Familie Crosby, die in dem Städtchen Enon in Maine lebt, fort. Er erzählt vom Enkel George Washington Crosbys, davon, wie Charlie Crosby seine Familie verliert und fast auch seine Existenz. Grandiose Sprachbilder, intensive Naturbeobachtungen, visionäre Träume und immer wieder Erinnerungen, schmerzhaft und süß, bestimmen diesen herzzerreißenden Roman über Zeit und Sterblichkeit und den Verlust eines geliebten Menschen.

»Die meisten Männer aus meiner Familie machen ihre Frauen zu Witwen und ihre Kinder zu Waisen. Ich bin die Ausnahme. Mein einziges Kind, Kate, wurde mit dreizehn von einem Auto angefahren und getötet, als sie mit dem Fahrrad vom Strand nach Hause fuhr.« Damit beginnt die Geschichte von Charlie Crosby aus Enon, von seinem Weg durch die Hölle und, vielleicht, wieder zurück. Denn seine Trauer ist so maßlos, so allumfassend und unversöhnlich, dass sie sein Leben immer mehr zerstört. Seine Frau verlässt ihn bald nach dem Tod der Tochter, und Charlie, der sich in einem seiner Wutanfälle die Hand gebrochen hat, ernährt sich seitdem mehr oder weniger von Schmerztabletten und Alkohol und verwahrlost zusehends. Er kann sich um die Außenwelt nicht mehr kümmern, zu sehr nimmt ihn sein Innenleben gefangen: Gegenwart und Vergangenheit durchdringen sich, Erinnerungen an den verstorbenen Großvater, lange Spaziergänge und Vogelbeobachtungen in den Wäldern von Maine, die Geschichte von Enon und auch von Salem, das ganz in der Nähe liegt, und seinen Hexen in früheren Zeiten – all das bestimmt seine Gedanken und sein Sein. Vor allem aber sind da immer wieder Erlebnisse und Gespräche mit seiner über alles geliebten Tochter, Entwürfe verschiedener Leben, die er mit ihr hätte erleben wollen. Denn er kann und will ihren Tod nicht akzeptieren …

Paul Harding (Autor)

Paul Harding wurde 1967 in Wenham, Massachusetts, geboren und lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in der Nähe von Boston. Er studierte Englische Literatur, war Schlagzeuger in einer Rockband und machte den Master of Fine Arts am berühmten Iowa Writers‘ Workshop. Paul Harding hat in Harvard und an der University of Iowa unterrichtet. Für seinen ersten Roman „Tinkers“ wurde er u.a. mit dem Pulitzerpreis und dem PEN/Robert W. Bingham Prize ausgezeichnet.


Silvia Morawetz (Übersetzerin)

Silvia Morawetz, geb. 1954 in Gera, studierte Anglistik, Amerikanistik und Germanistik und ist die Übersetzerin von u.a. Janice Galloway, James Kelman, Hilary Mantel, Joyce Carol Oates und Anne Sexton. Sie erhielt Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds, des Landes Baden-Württemberg und des Landes Niedersachsen.

Aus dem Englischen von Silvia Morawetz
Originaltitel: Enon
Originalverlag: Trident

eBook (epub)

ISBN: 978-3-641-18380-6

€ 15,99 [D] | CHF 19,00* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Luchterhand Literaturverlag

Erschienen: 24.08.2015

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Verlust des eigenen Kindes

Von: jiolki.palki Datum: 17.03.2016

Susan und Charlie Crosby leben mit ihrer 12jährigen Tochter Kate in der (erfundenen) Stadt Enon ein beschauliches, normales Leben, als eines Tages das Kind beim Fahrradfahren am Strand von einem Auto angefahren wird und tödlich verunglückt. Dieses Ereignis wühlt das Ehepaar auf, Susan flüchtet zu ihren Eltern und Schwestern, Charlie in die Alkoholsucht.
In seinem zweiten Roman "Verlust" schreibt Paul Harding nicht nur über den Verlust eines Kindes und damit den schlimmsten Verlust, den ein Mensch erleiden kann, sondern auch den Verlust der Ehe und ganz allgemein den Verlust eines sehr geliebten Menschen. Es ist eine ruhige, sehr emotionale Geschichte, die unter die Haut geht. Viele Gefühle kommen einem bekannt vor, jeder hat einen Menschen, den er verloren hat. Das Gefühl, nach einem kurzen Schlaf aufzuwachen und erst nach wenigen Sekunden zu realisieren, dass der geliebte Mensch fort ist und nicht mehr wiederkommt. Angereichert ist die Geschichte mit Alltags- und Lebenssequenzen eines Vaters, die das Buch sehr lesenswert machen. Sehr zu empfehlen!

Im Schmerz gefangen

Von: Claudia Marina Datum: 13.10.2015

www.buecher-mond-und-sterne.de


Ich muss gestehen, dass ich ein wenig Angst vor diesem Buch hatte. Nicht, weil ich fürchterliches erwartet hätte. Oder weil ich befürchtet hätte, es könnte schlecht sein. Nein. Weil Paul Hardings erstes Buch Tinkers zu meinen Lesehighlights gehört. In diese Geschichte bin ich mit jeder Faser meines Leserlebens eingetaucht, dieses Buch habe erlebt wie kaum ein anderes. Ich war sogar bei einer Lesung und jetzt steht es signiert in meinem Bücherregal. Das war 2011.

2015 erscheint nun Paul Hardings zweiter Roman und ich bin skeptisch. Werde ich hier genauso eintauchen und versinken können wie in Tinkers?

Die ersten Seiten sind zugegebenermaßen ein wenig holprig. Ist das wirklich der Stil in den ich mich bei Tinkers so verliebt habe? Sind meine Erwartungen zu hoch? Was erwarte ich überhaupt von diesem Buch?

Paul Harding schreibt in Verlust die Familiengeschichte der Crosbys nicht unbedingt weiter, vielmehr fügt er ihr ein völlig neues Kapitel hinzu. Im Mittelpunkt steht Charlie Crosby, Enkel von George Washington Crosby - wobei das auch eher eine Randnotiz sein sollte.

Bei einem Unfall stirbt Charlies und Susans einzige Tochter Kate. Susan zieht aus und Charlie verwahrlost zusehends. Er betäubt sich mit Alkohol und Tabletten, duscht nicht und irrt umher wie ein Geist. Sein Schmerz über den Verlust seiner Tochter scheint ihn um den Verstand zu bringen und die wenigen wachen Stunden verbringt er damit, sich mit Erinnerungen an die Zeit mit Kate noch mehr Schmerzen zuzufügen. Die er dann wiederum mit Alkohol und Tabletten betäubt. Ein Teufelskreis aus dem Charlie scheinbar nicht mehr entkommen kann.

Paul Harding gelingt es, Charlies Schmerz physisch präsent zu machen, er wabert im Raum umher, ständig anwesend, ständig spürbar für mich. Ich pendele zwischen Mitleid - Der Mann hat sein einziges Kind verloren, seine Frau ist weg, er ist ganz alleine - und stetig wachsender Genervtheit - Komm endlich wieder auf die Beine, dein Kind wird nicht mehr lebendig, auch wenn du dich noch so gehen lässt - hin und her. Das Unverständnis wächst, der Ekel, die Resignation im gleichen Maße. Und doch kann ich nicht wegsehen und Charlie allein lassen. Wen hat er denn sonst noch?

Begleitet wird dieses Szenario von Paul Hardings wunderbaren und detaillierten Naturbeschreibungen, die in krassem Kontrast zu Charlies Verfall stehen und über weite Strecken das einzig Schöne sind, gleichzeitig aber auch immer wieder an Kate erinnern. So bleibt sie im gesamten Roman präsent, auch wenn sie tot ist.

Ob und wie Charlie sich aus seinem Teufelskreis befreien kann, will ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Als Fazit kann ich nur sagen, dass mich Verlust sehr berührt hat. Es ist nicht wie Tinkers, es ist ganz anders und dennoch nicht weniger wertvoll und lesenswert. Meine Angst war völlig unbegründet.


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