Leserstimmen zu
Heldenfabrik

Christian v. Ditfurth

Kommissar de Bodt ermittelt (1)

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Vorstandssitzung des Berliner Chemiekonzerns BBC: Die Türen zum Sitzungssaal öffnen sich, automatische Waffen Zielen auf alle anwesenden Vorstandsmitglieder und töten sie. Eiskalt. Die Leichen der Getöteten findet die Polizei am Spreeufer. Die Hände der Leichen sind an den Händen zusammengebunden, ihre Körper zu einem Kreis formiert schwimmen sie unterstützt durch Schwimmflügel an der Wasseroberfläche. Inmitten des Leichenkreises schwimmt ein Aktenkoffer, in dem die Ermittler ausschließlich ein Gedicht finden: Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns. (Rainer Maria Rilke) Hauptkommissar Eugen de Bodt ermittelt mit Kriminaloberkommissarin Silvia Salinger und dem Anwärter Yussuf, einem blonden Türken. Der Fall scheint unlösbar und die drei werden bei ihren Ermittlungen immer wieder erheblich behindert. Vertrauen können sie sich ausschließlich untereinander, während sie den blutigen Spuren eines brutalen Killers durchs Land folgen. Der Autor: Christian v. Ditfurth, geboren 1953, ist Historiker und lebt als freier Autor in Berlin. Zuletzt hat er neben Sachbüchern und Thrillern (Das Moskau-Spiel, 2010) Kriminalromane um den Historiker Josef Maria Stachelmann veröffentlicht, die auch in den USA, in Frankreich, Spanien und Israel veröffentlicht wurden. Zuletzt erschienen Das Dornröschen-Projekt und Tod in Kreuzberg. (Quelle: carl’s books) Reflektionen: Heldenfabrik ist ein anspruchsvoller Thriller, der mich mein Notizbuch während des Lesens vollschreiben lässt, um keine Szene zu vergessen und um viele Besonderheiten auch im Nachhinein einatmen zu können. Christian von Ditfurth hat mich schon vor vielen Jahren mit seinen Stachelmann Kriminalromanen begeistert. Darin habe ich es besonders genossen, den Historiker von Ditfurth darin erkennen zu dürfen. Heldenfabrik ist anders. Fast wie ein typisch amerikanischer Thriller, der mit äußerster Härte und Tempo bereichert einhergeht. Fast atemlos lese ich durch die Seiten und kann es kaum fassen, wie erfrischend und atemlos mich von Ditfurth durch die mehr als 400 Seiten treibt. Die Spannung reißt niemals ab und sie agiert auf einem hohen Level. Von Ditfurths Schreibstil ist literarisch anspruchsvoll, aber dennoch federleicht zu lesen. Heldenfabrik ist der erste Band einer Reihe um die Fälle des sympathischen Berliner Hauptkommissars Eugen de Bodt. An seinem ersten Arbeitstag bei der 3. Mordkommission des Berliner Landeskriminalamtes, trifft er seine neuen Kollegen erstmals am grausigen Tatort. Der junge Anwärter Yussuf, ein blonder Türke, lässt Raum zum Schmunzeln. Mit ihm und mit der attraktiven Kriminaloberkommissarin Silvia Salinger agiert de Bodt nach anfänglichem Zusammenraufen harmonisch. Dieses kleine Team gegen den Rest des Präsidiums, so scheint es. Die Figur des Hauptkommissar de Bodt ist eine selten dagewesene. Er selbst hält sich nach gescheiterter Ehe für einen Alltagsversager. Er hasst intensive Körperlichkeiten, jemanden anfassen zu müssen ist ihm ein Groll und er kann sich niemandem unterordnen, der weniger kann als er. Er ist sehr gebildet und elitär. Nach abgebrochenem Literatur- und Philosophiestudium, nur um den Gelehrten Vater zu provozieren, geht er zur Polizei. De Bodt, der jeden Morgen den Tag verflucht, an dem er beschloss Polizist zu werden, stapft emotionslos durch den Polizeialltag. Da er einer Entlassung auf Grund von Fehlverhalten oder ähnlichem gleichgültig entgegensieht, schreckt er nicht davor zurück, sich Freunde bis in die oberen Etagen der Polizeibehörde zu schaffen. Christian von Ditfurth hat nicht an Ideen gespart und setzt Tatorte und Verbrechen blutig brutal in Szene. De Bodt macht es stutzig, dass der Fall des Attentats an den Vorständen des Chemiekonzerns nicht an das BKA übergeben wurde. Er und sein Team recherchieren und stoßen auf mögliche Motive wie Korruption, Patentrecht, Marktanteil und Konkurrenz. Im Zuge der Ermittlungen folgern sie, dass die Täter Elitepolizisten oder Söldner sein müssen. Zeitgleich bildet sich eine Gruppe im Kanzleramt, bestehend aus BKA, Verfassungsschutz, BND und weiteren, die ebenfalls Recherchen eingeleitet haben, um die Attentäter zu ermitteln. Aber, sie müssen auch mit allen Mitteln verhindern, dass das wahre Motiv für das Attentat an die Öffentlichkeit gelangt. Ihr Ziel ist es, de Bodt und seinem Team Täter zu liefern, die nicht mehr aussagen können. Als man de Bodt im Präsidium nahelegt sich von seiner Biographie zu distanzieren, da seine Gegner einen dunklen Fleck auf seiner West gefunden haben, da er in jungen Jahren linksextremistisch aktiv war, ist de Bodt erst recht motiviert, die Täter zu überführen und die Öffentlichkeit über die schmutzigen Aktivitäten der Gruppe im Kanzleramt zu informieren. Die Handlung ist psychologisch verstrickt, komplex und äußerst intelligent. Immer wieder muss sich der Blick des Lesers auf Neuigkeiten in der Handlung fokussieren. Besonders dramatisch und rasant wird es, als die Perspektive eines Attentäters einen großen Raum in der Handlung einnimmt. Andre, Profilkiller und Söldner, ist einer der überlebenden Attentäter, denn Söldner-Chef Bob, der eine Spitzentruppe für dieses Attentat rekrutiert hatte, räumt gnadenlos alle Zeugen aus dem Weg. Andre versetzt sich in die Gedankenwelt Bobs und versucht ihm strategisch geschickt entgegenzutreten. Dieses Gedankenkarussell hat von Ditfurth klug geschrieben. Den Konflikt den Andre nun mit sich allein austrägt, um Bob zur Strecke zu bringen, war eine äußerst interessante und hochspannende Angelegenheit. Die komplexe Handlung, bei der ich als Leser dennoch nie den Faden verliere, ist mit zahlreichen Figuren gesegnet, die interessante Charakterzüge aufweisen. De Bodt bleibt mir als kautziger, eher ruhiger Ermittler in Erinnerung und ich freue mich schon sehr auf „Zwei Sekunden“, den zweiten Teil der Reihe, der im August 2016 bei carl’s books erscheinen wird. Fazit und Bewertung: Heldenfabrik hat mir verdammt gut gefallen und mich sehr intelligent und spannend unterhalten. Wer einen knallharten Thriller lesen mag, aber auch literarisch gut unterhalten werden möchte, der sollte zugreifen.

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Gerade neu als Berliner Hauptkommissar eingesetzt, wartet gleich der erste Fall auf Eugen de Bodt: bis auf zwei Mitglieder wurde der Vorstand des Berliner Chemiekonzerns BBC während einer Sitzung ermordet, die Leichen zusammengebunden und auf derSpree treiben gelassen. Als wäre das noch nicht ausreichend, hinterließen die Täter eine Botschaft, die blanker Hohn zu sein scheint: Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns. (Rainer Maria Rilke) Was wollen die Täter damit sagen? Ist die Nachricht als Warnung gedacht? Kennzeichnet sie den Beginn neuer Serienmorde? Oder wurden die Morde im Auftrag von jemandem ausgeführt und die Botschaft ist für die Auftraggeber bestimmt? Für de Bodt und sein Team - Silvia Salinger und Ali Yussuf - beginnt die schwierige Suche nach Spuren, wer hinter den Morden steckt. Doch während sie versuchen, den Fall zu lösen, scheinen nicht nur de Bodts Vorgesetzte genau das verhindern zu wollen und legen ihm immer wieder Steine in den Weg ... Kernstück dieser Geschichte ist mehr als nur die Handlung selbst, sondern auch klar ausgearbeitete Charaktere, die alle irgendwo ihre Eigenarten haben und die gerade deswegen so liebenswert sind. Angefangen bei Eugen de Bodt, der eigentlich gar kein Polizist sein will und gerne mal ein Zitat zum Besten gibt, über Silvia Salinger, die gern eine Beziehung hätte, aber glaubt, dass das sowieso wieder nicht funktioniert, bis hin zu Ali Yussuf, dem Zappelphilipp mit großen Potenzial. Die drei und eine ganze Reihe weiterer Charaktere tragen eine Geschichte, die schon nach kurzer Zeit eine ganz eigene Dynamik entwickelt und dadurch nie langweilig wird. Lediglich zum Ende hin auf den letzten Seiten ist die Erzählweise etwas hastig und es scheint, als sollte auf möglichst wenigen Seiten ein Abschluss gefunden werden. Da die Geschichte allerdings abgesehen davon flüssig und in einem angemessenen Tempo erzählt wird, lässt sich darüber hinwegsehen. Die gesamte Handlung ist rasant erzählt - voller Verstrickungen, Intrigen und Wendungen, die dieses Buch zu einem wahren Leseabenteuer machen. Dachte man eben noch, man hätte eine Idee, wie es weitergehen und enden könnte, muss man die schon im nächsten Moment wieder verwerfen. Dabei ist "Heldenfabrik" nicht nur ein Buch über die Suche nach Mördern. Christian v. Ditfurth versteht es, komplexe politische Strukturen aufzuzeigen und so in die Geschichte einzuflechten, dass diese Verwicklungen am Ende tatsächlich als Realität eingestuft werden können. So zeigt er beispielsweise, wie im indirekten Auftrag der Regierung aus einer nach den Jahren längst unbedeutend gewordenen "Jugendsünde" der Grund für eine Zwangsversetzung wird, die die gesamte Aufklärung des Falles in Frage stellt. Fazit Spannendes, temporeiches Lesevergnügen mit einer Portion Humor. Ich freue mich bereits auf Kommissar de Bodts nächsten Fall!

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