Leserstimmen zu
Die Springflut

Cilla Börjlind, Rolf Börjlind

Die Rönning/Stilton-Serie (1)

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Was für ein Krimi! Von der ersten Seite an war ich von den verschiedenen Erzählsträngen, Perspektiven und den Personen gefesselt. Anfangs ist man noch etwas verwirrt durch die vielen verschiedenen Handlungsstränge. So nach und nach fügen sie sich zu einem vielschichtigen, intelligenten und zu keiner Minute langweiligen Krimi zusammen. Zum Ende hin wurde ich noch einmal ganz schön überrascht, denn für mich war der Fall eigentlich gelöst. Wie falsch ich doch lag! Das Ermittlerteam hier ist mehr als interessant. So viele verschiedene, sehr spannende und sympathische Charaktere, wie z. B. die Polizeischülerin Olivia, die einen alten Mordfall aufrollen möchte, der ehemalige, früher sehr erfolgreiche Kommissar Tom Stilton, der spurlos verschwunden ist, und den Olivia aufstöbert. Er ist ganz unten angekommen und obdachlos. Und da gibt es die Kriminalkommissarin Mette Ölsäter, mit ihrem Familienclan und Abbas, der mit Messern sehr gut umgehen kann. Der Ermittler Forss fällt negativ auf, er scheint eher arbeitscheu zu sein. Die beiden Autoren haben aktuelle Themen gewählt wie etwa Gewalt gegen Obdachlose, Gewaltvideos im Netz und ein Handlungsstrang erzählt von einer Firma, bei der man munkelt, dass sie zu dubiosen Geschäftsmethoden greift. Bei diesem Unternehmen sollen Ausbeutung und Verstöße gegen das Völkerrecht Gang und Gäbe sein. Mich hat dieser sehr spannende und fesselnde Krimi, der von seinen interessanten Figuren lebt, völlig begeistert. 5/5 Sterne für diesen Debütkrimi, der im Januar als Taschenbuch erschienen ist. Er gehört zu meinen persönlichen Highlights in diesem Jahr. Ich habe den 2. Band "Die 3. Stimme" zuerst gelesen. Ich würde aber mit der Springflut beginnen und dann erst den Folgeband lesen.

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Auf der schwedischen Insel Nordkoster gab es im Sommer 1987 eine Springflut. In dieser lauen Sommernacht war eine hochschwangere Frau bei Ebbe eingegraben worden und ertrank mit steigender Flut. Der Mord konnte nie aufgeklärt werden. 23 Jahre später überprüft die angehende Polizeibeamtin Olivia Rönning im Rahmen einer Seminararbeit den Cold Case. Doch um den Fall zu bearbeiten, braucht Olivia die Hilfe von Tom Stilton, der damals in dem Fall ermittelte. Doch dieser ist unauffindbar. Zur gleichen Zeit werden in Stockholm immer wieder Obdachlose brutal zusammengeschlagen. Die Täter filmen ihre Taten und stellen sie ins Internet, allerdings kann ihre Identität nicht ermittelt werden. Zwei Fälle, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Ebenso scheinen die vielen so unterschiedlichen Handlungsstränge im Verlauf des Krimis in absolut keiner Verbindung zueinander zu stehen. Und als man sich langsam fragt, was die verschiedenen Akteure und ihre Erlebnisse denn nun mit dem Mordfall von 1987 zu tun haben, beginnen sich die losen Fäden zueinander zu fügen. Äußerst komplex, hervorragend durchdacht und sehr abwechslungsreich erzählt das Autorenpaar Cilla & Rolf Börjlind den ersten Band ihrer Krimireihe. Die so unterschiedlichen Handlungsstränge wechseln sich regelmäßig ab, sind stellenweise nur eine halbe, dann wieder mehrere Seiten lang. Durch diese geschickten Wechsel verliert man nie den Überblick bei dem atmosphärisch dicht umgesetzten Krimi aus den Augen. Die Spannung schleicht sich eher durch die Hintertür ein. Anfangs lernt man erst einmal die nicht gerade wenigen Hauptakteure des vielschichtigen Krimis kennen und dabei versteht es das Autorenpaar bereits sehr gut, viele Fragen aufzuwerfen, um so die Neugier am Ausgang der Geschichte kontinuierlich zu steigern. Und als man langsam die Zusammenhänge ahnt, zieht auch die Spannung stark an, zumal die Geschichte immer wieder äußerst überraschende Wendungen nimmt. Die Stimmung des Krimis ist zwar nicht ganz so düster, wie man es sonst meist von Skandinavischen Krimis und Thriller gewohnt ist, stellenweise aber schon ein wenig beklemmend und nachdenklich. Die Charakterzeichnungen sind Cilla & Rolf Börjlind hervorragend gelungen. Im Krimi agiert kein Mitwirkender nach Schema F. Alle sind sehr charismatisch beschrieben, agieren stellenweise unvorhersehbar und haben Ecken und Kanten. Gerade die beiden Protagonisten Olivia Rönning und Tom Stilton agieren jederzeit authentisch. Fazit: Der 1. Band benötigt ein wenig Zeit, aber dann wird man mit einem äußerst komplexen, spannenden Krimi mit lebendig beschriebenen Charakteren belohnt.

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1987 beobachtet ein kleiner Junge einen Mord an eine Frau. Diese, hochschwanger, wird im Wasser eingegraben. An diesem Tag wird es eine Springflut geben und ihr Tod ist vorprogrammiert. Die polizeilichen Ermittlungen laufen auf vollen Touren. Der Fall wird zu den Akten gelegt, da es nicht gelungen ist, die Tote zu identifizieren, noch die Mörder zu finden. Olivia Rönning ist eine Polizeianwärterin im 3. Semester. Die Studenten bekommen über die Semesterferien eine Zusammenstellung von ungelösten Fällen, von denen sie sich einem freiwillig widmen dürfen. Sie sollen die Fälle studieren und erkennen, was man aus der heutigen Sicht besser oder anders machen könnte. Olivia interessiert sich für den Ufermord von vor 23 Jahren. Seinerzeit war ihr Vater bei den Ermittlungen mit involviert, was für sie die Sache besonders reizvoll macht. Als erstes will sie versuchen, den leitenden Polizeikommissar von damals zu finden, denn Tom Stilton ist, nachdem er den Polizeidienst quittiert hatte, spurlos verschwunden. Niemand weiß, wo er ist und was er macht. Sie findet ihn durch Zufall und ist entsetzt, denn Tom ist inzwischen arbeitslos und lebt als Obdachloser auf der Straße. Von dem Tom, der die damaligen Ermittlungen leitete, ist nichts mehr übrig geblieben. Wird sie es schaffen, ihn zu motivieren, ihr bei der erneuten Recherche zum Ufermord zu helfen? ... Die Stockholmer Polizei ist mit Übergriffe auf Obdachlose beschäftigt, die nicht nur gefilmt, sondern auch noch auf eine Plattform online gestellt werden. Die Täter sind sehr brutal und nicht zu fassen. Als Olivia Rönning ihre eigenen Recherchen zu einem ungeklärten Mord von vor 23 Jahren ermittelt, stößt sie nicht nur unter Polizeibeamten auf Ablehnung. Aber als Tochter eines Polizisten hat sie gelernt, nicht aufzugeben und ermittelt weiter, auch wenn sie sich damit in unmittelbare Gefahr begibt. Es gelingt ihr, Tom Stilton, den damaligen Ermittler, zu finden und ihm einige Antworten zu entlocken. Der befindet sich selbst gerade auf einem Rachefeldzug, denn eine seiner obdachlosen Freundinnen wurden ermordet. Ganz langsam fängt Tom an, sich ein wenig mehr für seine Umwelt zu interessieren und auch Kontakt zu alten Freunden aufzunehmen. Olivia rüttelt ihn wach, wenn auch nur begrenzt, aber sie schafft es, zu ihm vorzudringen. Dieses Erstlingswerk der Drehbuchautoren Cilla und Rolf Börjlind ist ein ausgesprochen komplexes Werk. Spannung pur, von Beginn an und stetig steigend. Lange hat mich ein Krimi nicht so gefesselt wie dieser. Es wird an mehreren Fronten ermittelt. Der Mord von vor 23 Jahren, dann die Übergriffe auf die Obdachlosen, die Kinderkämpfe. Einige Dinge berühren sich und scheinen im Zusammenhang zu stehen, andere scheinen losgelöst von allem zu sein. Es sind mehrere Baustellen, die den Leser immerzu zu Fragen reizen. Wie hängen die Ereignisse zusammen, wie wird es sich auflösen? Sicher macht man sich auch seine Gedanken, über den oder die Mörder und über die Zusammenhänge. Die Auflösung stellt alle Vermutungen in den Schatten und die Karten werden neu gemischt. Ich zumindest war völlig überrascht und habe es absolut nicht kommen gesehen. Es ist ein erster Teil einer Reihe um die Polizeianwärterin Olivia Rönning und den ehemaligen Polizeikommissar Tom Stilton. Die beiden haben noch Potenzial und Entwicklungsmöglichkeiten, auf die ich mich freue. Einige Fragen sind noch offen geblieben, die ich hoffe, irgendwann beantwortet zu bekommen. Es gibt eine Reihe von interessanten Protagonisten, die ich sehr gern in den nächsten Teilen wiederfinden würde, allen voran natürlich Olivia und Tom. Ein Krimi, der nicht nur Spannung verspricht, sondern diese auch liefert. Für mich war dieser Krimi ein absolutes Highlight und ich empfehle ihn sehr gern weiter.

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