Leserstimmen zu
Schwarzblende

Zoë Beck

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Kameramann Niall ist eher mit kleineren Aufträgen beschäftigt, bei denen es mehr oder weniger um Landschaftsaufnahmen geht. Während er gerade einen künftigen Drehort inspiziert, laufen 2 Männer mit Macheten an ihm vorbei. Er hält diese für Attrappen, denn wer würde schon mitten in London mit Macheten durch die Gegend laufen? Neugierig geworden, geht er trotzdem hinter den beiden Männern hinterher und rechnet jeden Augenblick damit, dass noch mehr Menschen zusammenkommen, da er es für einen Treffen von Rollenspielern hält. In dem Moment, wo er den Rückweg antreten will, hört er Schreie und geht wieder zurück. Er sieht, wie die beiden mit ihren Macheten auf einen jungen Mann einschlagen. Niall beginnt diesen Vorfall zu filmen und muss recht schnell erkennen, dass er einen äußerst brutalen Mord filmt. Die beiden Mörder freut es, dass er es aufnimmt und fordern ihn auf, es auf Youtube zu veröffentlichen. Der Beginn eines Albtraums ... Nachdem die Polizei endlich eingetroffen war, bekam Niall keine Gelegenheit dazu, ihnen zu sagen, dass er nicht zu den beiden Männern gehört, er wird genau wie sie in Gewahrsam genommen und übelst behandelt. Nachdem sich geklärt hatte, dass er mit ihnen nichts zu tun hat, bekommt er vom Fernsehen das Angebot, eine Reportage über die beiden Männer zu machen, die behaupteten, ein Palästinenser und ein Türke zu sein. Er soll den Werdegang der beiden recherchieren, wie sie zu dem wurden, was sie waren, Mörder im Auftrag von Allah. Nachdem Niall anfangs zögerte, den Auftrag zu übernehmen, da sein Vater an dem Auftrag mit involviert war, sagt er letztendlich doch zu und geht Dingen auf den Grund, die eine enorme Reichweite haben. Die Autorin Zoë Beck hat ihren Roman wieder in London spielen lassen. Basierend auf ein Ereignis von vor 2 Jahren, wo zwei Islamisten auf offener Straße in London einen Soldaten töteten, hat sie dieses ebenfalls als Ausgangssituation angesetzt. Für Niall ist es die Chance, aus dem Bereich der Landschaftsreportagen herauszutreten und sich einen Namen zu machen. Das Thema ist brisant und gefährlich. Er bekommt ein Team zur Seite gestellt, allen voran Beth und Laura, um Recherchen betreiben zu können und die Reportage voranzubringen. Niall führt viele Interviews, mit den Familien des Opfers und auch der Mörder. Dank seiner eigenen guten Beziehungen auch in der Politik können sie einen allumfassenden Eindruck erhalten, wie es dazu kommen kann, dass Menschen sich von der Gesellschaft abwenden und ihre "eigenen" Wege gehen, Wege, bei denen sie angeheuert und regelrecht rekrutiert wurden. Ausbildungen in Trainingslagern und Gehirnwäsche tun ihr übriges, um aus ihnen gefährliche Waffen zu machen, die auch vor einem Selbstmordkommando nicht zurückschrecken. Waffenlieferungen in islamische Länder tun ihr übriges und können eines Tages gegen sie selbst gewandt werden. Die eine Seite sind die Islamisten, die im Namen Allahs alles und jeden töten wollen, die nicht ihrem Gott huldigen, auf der anderen Seite stehen Menschen, die daran verdienen und völlig skrupellos sind. Aber diese agieren im geheimen und verborgenen. Bis Niall in der Lage ist, alle kausalen Zusammenhänge zu erfassen, muss er durch einen tiefen Sumpf waten und holt dabei Dinge aus der Versenkung, die ihn bis ins Innerste erschüttern. Zoë Becks Roman ist kein Krimi und schon gar kein Roman, mit dem man sich unterhaltsam die Zeit totschlagen kann. Sie schreibt gesellschaftskritische und politische Romane, die beängstigend sind, da sie so real sind. All das passiert heute in dieser Welt und kann morgen in meiner Stadt passieren. Wann hört der Wahnsinn auf? Solange es noch jemanden gibt, der daran verdienen kann, wahrscheinlich nie. Ein Buch, das wachrüttelt und nachdenklich macht. Ein Buch, das ich sehr gern weiterempfehle.

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Terroristen unter uns

Von: leseratte1310

24.05.2015

Der Kameramann Niall Stuart träumt eigentlich von einem großen und interessanten Auftrag, schlägt sich aber mit kleinen Reportagen durch. Dann sieht er zwei Männer mit Machete mitten in London. Er folgt ihnen und filmt mit seinem Handy. Im Park bringen sie einen jungen Mann um und verlangen von Niall, dass er weiterfilmt während sie verkünden, dass sie zum „Islamischen Staat“ gehören. Dann soll er den Film auch noch im Internet hochladen. Niall macht das alles ohne groß nachzudenken. Kurz darauf wird er von der Polizei verhaftet und muss eine Nacht im Gefängnis verbringen. Man geht nicht gerade zimperlich mit ihm um. Am nächsten Tag bietet man ihm an, eine Dokumentation über die Täter und ihre Beweggründe zu erstellen. Ein Team wird ihm zur Seite gestellt. Dieses Buch wird als Kriminalroman angeboten, aber es ist viel mehr als ein Krimi. Das Thema ist aktuell wie nie, zudem Gesellschaftskritisch und politisch. Wie kommen junge Männer aus gut bürgerlichem Haus dazu, sich zu radikalisieren und zu Terroristen zu werden? Eine Frage, auf die viele Menschen vermeintlich Antworten haben und dennoch weiß keiner wirklich, wie das Problem zu lösen ist. Auch Niall weiß eigentlich nicht, die er an die Geschichte herangehen soll. Ziemlich naiv und unvorbereitet geht er in die ersten Interviews. Er ist nicht wirklich zufrieden mit der Vorgehensweise, wird aber von allen möglichen Seiten beeinflusst und gelenkt. Bedenkenlos wird die Kamera auch dann noch draufgehalten, wenn man in emotionalen Momenten dem Gegenüber versichert hat, dass sie ausgeschaltet ist. Bereits bei der Situation im Park war es für mich sehr grenzwertig, zu filmen während ein Mensch sterben muss. Wieviel Voyeur steckt in jedem von uns? Während Niall versucht sein Dokumentation zu Ende zu bringen, kommt es immer wieder zu bedrohlichen und auch gefährlichen Situationen. Weder Niall noch dem Leser wird klar, wer da die Fäden zieht und wer sich Hass und Gewalt zunutze macht. Als man es am Schluss dann erfährt, ist man schockiert, dass jemand die Gewalt schürte aus finanziellen und machtgierigen Motiven. Die Geschichte ist brandaktuell, sie ist verstörend und komplex. Man wird über das Lesen hinaus im Thema festgehalten und kann gar nicht anders, als sich intensiver damit auseinander zu setzen. Aktuell, spannend, absolut lesenswert.

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Eine brutale Hinrichtung eines britischen Staatbürgers (eines Angehörigen der Armee, wie sich herausstellt) durch Mitglieder des IS - kaum ein Roman erfaßt so brandaktuell die derzeitige Bedrohung der westlichen Lebensweise durch eine islamistische Gruppierung, deren Wirken nur schwer erfaßt werden kann. Die unmittelbaren gesellschaftlichen Auswirkungen sind sofort zu beobachten und verlangen der Autorin nur wenig an Kreativität ab: In Fernseh-Diskussionen fordert die Innenministerin eine strengere Überwachung und eine härtere Law-and-Order-Politik, während andere für eine Verbesserung der Integration werben und Experten die Mechanismen der Radikalisierung erklären. Übergriffe auf muslimische Einrichtungen beinhalten von verbal bis physisch alle Nuancen der eskalierenden Gewalt. Die ohnmächtige Wut wird von der Autorin präzise als Ausdruck einer "Angst, vor dem, was uns fremd ist", enttarnt. Was aber, wenn das Fremde nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, was, wenn die Attentäter Reisepässe unseres eigenen Heimatlandes besitzen? Und was, wenn der Staat nicht in der Lage ist, uns zu beschützen, was, wenn ein rechtschaffener Bürger unschuldig in die Mühlen des Gesetzes gerät? Wie bereits aus dem - thematisch nicht verbundenen - Vorgängerroman "Brixton Hill" bekannt, setzt die Autorin auf einen rasanten Stil, in dem Actionszenen und Gespräche dominieren. Die Beschreibung von Örtlichkeiten und Situationen ist auf das Notwendigste beschränkt, die Handlung entwickelt sich vorwiegend in den Dialogen. Die Figuren werden dabei vor allem durch ihren Idiolekt, den ganz persönlichen Sprachgebrauch definiert. Der Austausch von Belanglosigkeiten wirkt dabei als verbaler Fugenkitt und taucht die Dialoge in das Licht des Alltäglichen. Am Beginn wirkt der zum Islam konvertierte Brite Frank Holeywell, der sich selbst Farooq nennt, noch wie ein stereotypes Abziehbild eines fanatischen Terroristen, der mangelnde intellektuelle Kapazität mit der Wiederholung hohle Phrasen kompensiert und sich in Widersprüche verstrickt. Je mehr die Hauptfigur Niall jedoch im weiteren Verlauf dessen Biographie durchleuchtet, desto konturierter wird diese. Mit einem britischen Vater und einer palästinensischen Christin als Mutter ist Farooq von Geburt an ein Kind zweier Welten, das sich unausweichlich auf die Suche nach seiner religiösen Identität begeben muß. Aufgrund der dunklen Haare und den schwarzen Augen wird er bereits in der Schule von weißen Kindern gehänselt und von muslimischen gemieden. Sein Wunsch nach Zugehörigkeit bleibt unerfüllt, er wird zum leichten Opfer für ideologische Verführer. Frank bricht den Kontakt zu seinen Eltern ab, entkoppelt sich von seiner angestammten Umgebung, um zehn Jahre später als verblendeter Mörder mit einem fremden Namen selbstbewußt Haßbotschaften in eine Kamera zu sprechen. Keineswegs soll Nialls Gespräch mit Franks Mutter Rana eine Rechtfertigung für seinen Wandel sein. Ohne Partei zu ergreifen, läßt die Autorin seine Wegbegleiter zu Wort kommen. "Wir sind nicht hier, um über Sie zu urteilen. Wir wollen wissen, was Frank für ein Mensch war", erklärt Niall. Nüchtern und weitgehend frei von wertenden Kommentaren bleibt auch der Erzählstil. Was auf den ersten Blick sträflich oberflächlich scheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als sprachliche Abbildung jenes Dokumentarfilmes, den Niall über die beiden Verbrecher produziert. Gezeigt werden Bilder, Eindrücke, Gespräche, Erinnerungen, eine Beurteilung wird dem Leser überlassen. Es gelingt der Autorin, deskriptiv zu bleiben, was zwar einerseits von vornherein nur wenig Emotion aufkommen läßt, andererseits gerade einen objektivierteren Blick auf das Geschehen ermöglicht, indem der Leser auf Distanz gehalten wird. Die titelgebende Schwarzblende bezeichnet einen Filmschnitt, einen Szenenwechsel durch eine kurze Verdunkelung des Bildes. Eine solche Zäsur stellt auch die Ermordung des jungen Briten dar, deren unfreiwilliger Zeuge der Protagonist Niall wird. Der Handlungsfaden seines Lebens wird durchschnitten um gleich darauf wieder weitergesponnen zu werden. Was bleibt, ist eine nachhaltige Veränderung. Auch, wenn sich Niall um Neutralität bemüht, ist er doch ab diesem Zeitpunkt zum Teil des Geschehens geworden. Immer wieder schimmert daher zwischen den Zeilen die Frage, wie objektiv ein Objektiv tatsächlich sein kann ... Fazit Actionreich, gefährlich, glühend aktuell: Zoe Beck widmet sich in rasanter Erzählweise einem Thema, das derzeit die Nachrichten beherrscht und dreht einen Dokumentarfilm für das Kopfkino. Der dialoglastige Stil fordert die Aufmerksamkeit des Lesers ein, entlohnt jedoch durch besondere Authentizität.

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Inhalt: Niall Stuart ist Kameramann und beschäftigt sich unter anderem mit Landschaftsaufnahmen. Er wird Zeuge eines brutalen Mordes von einem Soldaten der von zwei jungen Männern öffentlich erstochen wird. Sie sagen sie haben diesen Mord für Allah begangen. Niall filmt alles mit der Kamera und wird erst verhaftet, aber dann zu einer Art Helden. Er bekommt den Auftrag eine Dokumentation zu dem Vorfall zu drehen und wird immer tiefer rein gezogen in diesen Sumpf aus Politik und Wahnsinn... Meine Meinung: Nach Brixton Hill, wollte ich auch gerne den nächsten Roman von Zoë Beck lesen. Schwarzblende spielt wieder in London. Die Autorin hat ein Thema gewählt, das aktueller kaum sein könnte. Die Kämpfe und Hinrichtungen der IS. Szenen die man sich bildlich vorstellen kann weil man Videos dazu in den Nachrichten sah´. Sachen die nicht nur reine Fiktion sind sondern auch an Attentate wie die in Paris denken lassen. Dies gepaart mit einer fiktiven Geschichte, die so perfekt passt das man sich hier und da fragt ob das wirklich alles ausgedacht ist. Von Spannung mag ich gar nicht reden. Denn die ist hier von Beginn an vorhanden und das in hohem Maße. Sie hält sich durchweg aufrecht. Jeder der die Nachrichten verfolgt und den das Thema IS interessiert wird auch dieses Buch mögen. Die Figuren sind alle keine abgehobenen Personen. Niall ist eher ein kleiner Kameramann, sein Team Mitarbeiter eines Produktionsteams. Man kann sich mit jedem identifizieren und fragt sich wie man in den Situationen handeln würde. Bestimmt nicht immer so wie Niall oder Beth es tun, denn diese beiden Personen sind sehr mutig und couragiert. Wer würde zwei Attentäter am Reden halten bis die Polizei kommt? Wer würde eventuelle Attentäter verfolgen? Kaum jemand würde sich solcher Gefahren aussetzen, doch Niall und auch Beth tun diese mehrfach und gerade Niall wird tiefer rein gezogen als er es gerne hätte. Es gibt auch die Mächtigen und Unnahbaren, die zu denen man aufsieht, oder auch nicht. Deren Meinungen heiß diskutiert werden. Das ist auch hier so und das macht dieses Buch aus. Es bleibt nahe an der Realität. Und doch kann man es am Ende zuklappen und weiß es war viele Fiktion, aber es macht nachdenklich. Kann das alles nicht auch genauso sein oder passieren. Wie sicher sind wir? Stimmt das alles so was Politik und TV uns propagieren. Das kann keiner so genau sagen, aber ich persönlich hoffe einfach das die ganzen Verschwörungstheorien auch hier null und nichtig sind. Das Ende hat mich hier und da noch überraschen können und hat mich mit einem nachdenklichen Gefühl zurück gelassen. Ein Roman zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Spannend wie ein Thriller und so nah an der Realität, das man meint man würde eine Dokumentation lesen.

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Hintergründig wie eine Weltspiegel-Reportage, spannend wie ein Krimi. Zoë Beck gelingt der Spagat zwischen Information und Aktion.

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Das zweite (von mir gelesene) Buch von Zoë Beck hat mich mehr begeistert als ihr Debütbuch. Obwohl das Thema nicht unbedingt zu meinen Favoriten zählt, habe ich das Buch in wenigen Tagen gelesen. Es hat alles, was einen guten Kriminalroman (ich würde es eher Thriller nennen) ausmacht. Ein interessantes Thema, Spannung, die bis zum Schluss hält, ein überraschendes Ende und gut ausgearbeitete Charaktere mit Ecken und Kanten. Zoë Beck wagt sich an ein aktuelles und brisantes Thema – Islamischer Staat und Selbstmordattentäter. Sie packt die Themen in eine spannende Geschichte, die teilweise sehr brutal und deutlich die Vorgehensweisen der Attentäter aufzeigen. Schon auf den ersten Seiten wird der Leser mit der Realität und dem Blut konfrontiert. Es fließt viel Blut, es wird vertuscht, verdeckt und gelogen und es rollen immer wieder Gewaltwellen über die Geschichte. So manches Mal musste ich schlucken und das Buch erst mal weglegen und durchatmen. Menschen mit einem zarten Gemüt sollten das Buch nicht vor dem Schlafengehen lesen. Die Verwicklungen der einzelnen Handlungen, die Widersprüche der Aussagen, die Angst der Opfer, der Hass der Täter und die Sensationsgier der Medien werden hier zu einer gut durchdachten Geschichte verarbeitet und halten den Leser bis zum Schluss am Buch fest. Zoë Beck hat ein hohes Tempo in die Geschichte gebracht, die Stunden der Charaktere sind voll mit Terminen, Handlungen und durchkreuzten Plänen. Der Schreibstil ist sehr gut und flüssig und zieht den Leser in seinem Fluss mit. Ein Thriller/Kriminalroman, der wenig Zeit zum Verschnaufen lässt und am Ende den Leser doch nicht alle Fragen beantwortet.

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Spannendes, aktuelles und verstörendes Thema!

Von: Daniela U. aus Allgäu

06.04.2015

Niall Stuart ist Kameramann. Meist wird er mit eher kleinen, unscheinbaren Aufträgen bedacht, der große Durchbruch ist nicht in Sicht. Doch dann bemerkt er eines Tages zwei Männer, die mit Macheten bewaffnet mitten durch die Londoner City laufen. Ohne sich wirklich bewusst zu sein, warum er das tut, folgt er ihnen und filmt sie mit seiner Handykamera. Als sie in einen Park gehen und dort auf einen jungen Mann, der offensichtlich Soldat in zivil ist, treffen, eskaliert die Situation, die beiden Männer bringen den dritten um. Niall hält immer weiter mit der Kamera drauf und anscheinend ist es genau das, was die Täter wollen. Sie fordern ihn anschließend sogar auf, den Film im Internet hochzuladen, sie wollen Öffentlichkeit! Niall tut, was sie von ihm verlangen. Als die Polizei eintrifft, wird er ebenfalls verhaftet und verbringt eine Nacht als Terrorverdächtiger – ohne Rechte und der Willkür der Beamten und Wachen ausgesetzt! Als er wieder freikommt, erhält er den Auftrag, eine Dokumentation über die beiden Täter zu drehen. Ihm wird ein Team an die Seite gestellt und auf einmal hat er das Sagen. Doch wie soll er vorgehen? Wie soll er dokumentieren, was Menschen zu so einer Tat bringt? Niall tastet sich langsam voran, wirkt dabei oft hilflos und unvorbereitet. Sein Team, insbesondere die tatkräftige Beth, treibt ihn immer wieder an und auch von anderer Seite wird er geschoben und gelenkt. Dass Niall gute Kontakte in alle möglichen Bereiche hat, erweist sich nach und nach sowohl als Segen als auch als Fluch. Die Autorin schildert in diesem Roman, der viel mehr ist als nur ein Krimi, wie junge Menschen radikalisiert werden, wie unsere Gesellschaft dafür sorgt, dass aus völlig normalen und unauffälligen jungen Menschen Terroristen werden können. Mithilfe von Interviews tastet sich Niall an die Geschichte der Attentäter heran, deckt Hintergründe auf und zeigt ihre Entwicklung, aber auch ihr Umfeld sowie dessen Reaktionen. Ein spannendes, aktuelles und verstörendes Thema!

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Zwei junge Männer ziehen mit Macheten durch London, vorbei am Kameramann Niall Stuart, der gerade für eine Dokumentation recherchiert. Ein kurzer Blickaustausch lässt Niall unruhig werden. Soll er die Polizei anrufen? Ist alles nur Karneval? Er folgt den beiden bis in einen Park, wo sie stehen bleiben, sich entspannt unterhalten. Niall ist froh, nicht gleich Alarm geschlagen zu haben, dreht sich um, geht weg – und hört Schreie. Als er wieder zurückkehrt, sieht er die beiden Männer, wie sie auf einen dritten jungen Mann losgehen, mit den Macheten auf ihn einschlagen, ihm schliesslich den Kopf abschlagen. Niall filmt alles mit. Danach hissen die beiden die Fahne des Islamischen Staates. Sie fordern Niall auf, weiter zu filmen, geben ihm ein Interview. Die Polizei kommt, einer der Täter wird dabei lebensbedrohlich verletzt, Niall verhaftet und sehr unsanft behandelt. Er landet im Gefängnis, Verdacht auf Mithilfe bei einem Terrorakt. Der Irrtum klärt sich zum Glück auf. Niall macht sich auf die Suche nach den Hintergründen dieses Attentats, auf die Suche nach den Hintergründen solcher Taten überhaupt. Er will den Terror verstehen, will herausfinden, wem diese Taten wirklich nützen, wer dahinter stecken kann. Zoë Beck greift – wie schon in früheren Romanen – ein brennendes Thema auf: der IS und seine Gewalt, seine Bedrohung. Sie lässt Niall den Vorfall und seine Motive erforschen und präsentiert dem Leser auf diese Weise Verstrickungen, politische Muster und Vorgänge. Der Ursprungsfall selber hat eine reale Vorlage im Mord am jungen Soldaten Lee Rigby aus dem Jahr 2013. Die Erklärungen und der erarbeitete Kontext, die Zusammenhänge mit dem Nahen Osten sowie die Thematik der Immigration mit ihren Problemen von Ehre, Macht und Sinnsuche im neuen Land fallen teilweise etwas klischeehaft aus, erscheinen ab und an etwas gesucht verstrickt. Da wir es hier aber mit einem Roman und nicht mit einem Geschichtsbuch zu tun haben, kann man das als literarische Freiheit erachten, zudem stört es den Lesefluss nicht, im Gegenteil, das Buch ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Niall bleibt als Hauptfigur seltsam kühl und wenig emotional involviert in die ganze Geschichte, er nimmt hin, was auf ihn kommt, und macht, wohin der Plot ihn führt. Zudem stimmen ein paar Details in Bezug auf die beiden Täter nicht. Dies alles sind aber Kleinigkeiten, Zoë Becks Roman hat eine spannende Geschichte, der Plot ist stimmig und packend aufgebaut, die Sprache ist flüssig und lesbar, die Schauplätze plastisch und realistisch. Ein Krimi, wie man ihn sich wünscht! Fazit: Schwarzblende – ein Krimi, bei dem der Autor sein Handwerk beherrschte, Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Absolut empfehlenswert.

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