Leserstimmen zu
Krähenmädchen

Erik Axl Sund

Die Victoria-Bergman-Trilogie (1)

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Meinung: Es wird schon ziemlich bald nach dem Beginn des Lesens klar, dass dieses Buch kein alltägliches und vor allem keine leichte Kost ist. Es geht um Kindermorde mit schweren Misshandlungs- und Missbrauchspuren. Also eh ein Thema das für viele zu speziell und zu abschreckend ist. Und dabei ist das Autorenduo auch nicht gerade zimperlich die Vorstellungskraft des Lesers voll auszureizen. Aber zumeist wirklich nur die Vorstellungskraft, denn die Beschreibungen selbst lassen zwar keine Zweifel offen, sind aber fast immer eher angedeutet, etwas distanziert und schnörkellos, so dass man nicht komplett in dem Grauen versinkt. Die Handlung an sich ist sehr komplex und besteht aus vielen verschiedenen Handlungssträngen, die mit der Zeit miteinander kombiniert werden, so dass etwas Licht ins Dunkel kommt. Zum einen ist da der Handlungsstrang rund um Kommissarin Jeanette Kihlberg, die mit den Ermittlungen zu den Kindermorden betraut wird. Dabei gibt es auch einige Einblicke in ihr belastetes Privatleben. Zum anderen gibt es noch die Psychologin Sofia Zetterlund, auch bei ihr wird dem Leser ziemlich schnell klar, dass nicht alles rosig läuft und dass ihre Persönlichkeit angeschlagen ist. Zusätzlich gibt es noch einige Einschübe aus der Sicht des unbenannten Täters und aus dem Leben von Victoria Bergmann, die schon von Kindesbeinen an von ihrem Vater vergewaltigt wurde. Durch diese vielen verschiedenen, kaum gekennzeichneten und zu Beginn schwer einordbaren Sichten muss der Leser schon konzentriert dabei bleiben um den Faden nicht zu verlieren. Für mich haben die vielen schwedischen Namen und Ortsbezeichnungen das Lesen noch zusätzlich erschwert. Und auch bei dem nüchternen Erzählstil habe ich eine Weile gebraucht um mich daran zu gewöhnen. Dennoch hat mich irgendwas an der Geschichte gefesselt. Ich wollte wissen wie es weitergeht und wie alles zusammenhängt. So war für mich die Handlung, trotz der vielen Gewalt und einiger ausschweifender und langwieriger Beschreibungen, in denen es kaum neue Erkenntnisse gab, ziemlich spannend. Die Autoren bauen ihre Geschichte geschickt auf, so dass sich mit der Zeit immer mehr erschreckende Vermutungen bilden, die sich dann auch bestätigen. Eine weitere Besonderheit in „Krähenmädchen“ ist die sehr düster gezeichnete Welt. Alles ist irgendwie negativ und wird von einer depressiven Stimmung überlagert. Egal ob Privat oder im Beruf. Sowas hatte ich bisher noch nicht, aber es passt sehr gut zum Thema und zur Umsetzung. Hierbei handelt es sich ja um den Auftaktband in eine Trilogie. Dementsprechend wird erstmal viel Zeit darauf verwendet die einzelnen Figuren ein bisschen kennenzulernen und erste Schlüsse zu ziehen. Ich finde die Charaktere eigentlich alle gut und tiefgründig erarbeitet und sie haben alle eine persönliche Note. Dabei sind sie mir zwar selten wirklich sympathisch, aber auch das passt irgendwie zu der Distanziertheit die das Autorenduo erschafft. Ärgerlich finde ich nur, dass die Handlung mitten drin endet und man schon gezwungen ist, die Fortsetzung zu lesen. Das einzig Positive daran ist, dass die Fortsetzungen in sehr kurzen Abständen und alle noch dieses Jahr erscheinen. Fazit: Ein komplexer Roman, der gleich in mehrfacher Hinsicht nichts für Jedermann ist. Es geht um brutale Kindermorde und -vergewaltigungen, es herrscht eine ausschließlich düstere Grundstimmung und man muss aktiv und konzentriert mitdenken um den Faden nicht zu verlieren und die Zusammenhänge verstehen zu können und sich darauf einstellen, dass der erste Teil mitten in der Geschichte endet. Auch der Schreibstil ist oft nicht gerade einfach zu lesen und an manchen Stellen wird die Geschichte fast ein bisschen langwierig. ABER wer sich darauf einlässt wird einige spannende und fesselnde Lesestunden, die nicht alltäglich sind. Für mich war die Geschichte trotz allem extrem lesenswert und vergebe deshalb gute 3,5 Sterne.

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Erste Sätze Das Haus war über hundert Jahre alt, und die massiven Steinwände waren meterdick, was bedeutete, dass sie wahrscheinlich gar nicht zu isolieren brauchte, aber sie wollte lieber auf Nummer sicher gehen. Links vom Wohnzimmer lagen ein kleines Eckzimmer, das sie immer als kombiniertes Arbeits- und Gästezimmer benutzt hatte, die dazugehörige Toilette sowie ein kleines Ankleidezimmer. Klappentext Wie viel Schreckliches kann ein Mensch verkraften, eher er selbst zum Monster wird? Stockholm. Ein Junge wird tot in einem Park gefunden. Sein Körper zeigt Zeichen schwersten Missbrauchs. Und es bleibt nicht bei der einen Leiche ... Auf der Suche nach dem Täter bittet Kommissarin Jeanette Kihlberg die Psychologin Sofia Zetterlund um Hilfe, bei der eines der Opfer in Therapie war. Ihr Spezialgebiet sind Menschen mit multiplen Persönlichkeiten. Eine andere Patientin Sofias ist Victoria Bergman, die unter einem schweren Trauma leidet. Sofia lässt der Gedanke nicht los, bei ihr irgendetwas übersehen zu haben. Schließlich müssen sich Jeanette und Sofia fragen: Wie viel Leid kann ein Mensch verkraften, eher er selbst zum Monster wird? Meine Meinung Das Buch ist aus der Sicht eines auktorialen Erzählers geschrieben. Dabei wird sich hauptsächlich auf die Sicht von Victoria Bergman, Jeanette Kihlberg und Sofia Zetterlund konzentriert. Jeanette Kihlberg ist Polizistin und sie lebt in einer unglücklichen Ehe. Ihr Mann ist Künstler und hat bisher noch nicht wirklich Geld verdient. Sie ist überfordert mit ihrem Job und ihrem Privatleben. Sie begreift nach und nach ihre Situation und versucht etwas zu ändern, auch wenn es schwierig ist. Das finde ich mutig. Sie ist eine starke Persönlichkeit, die aber auch ihre schwachen Momente hat. Sofia Zetterlund ist Psychologin und verdient ihr Geld damit, sich in die Persönlichkeit anderer Menschen einzufühlen und ihnen zu helfen. Dabei hat sie selbst genug Probleme, die ihre Vergangenheit betreffen, aber die sie verschließt, damit sie Anderen helfen kann. Dass sie dabei immer tiefer fällt, fällt ihr erst nicht auf. Dass sie sich im Laufe des Buches einen Teil ihrer Probleme stellt und sich entwickelt, gefällt mir. Ich konnte mich in beide Charaktere gut hineinversetzen und ihre Handlungen waren nachvollziehbar. Die Geschichte ist nicht so stark geprägt von Kriminaltechnik und der Recherche, sondern vielmehr um die Hintergründe der verschiedenen Personen und deren Geschichte. Das macht das nicht schlechter, aber der Thriller ist auf jeden Fall anders als erwartet. Es gibt weniger überraschende Momente und Wendungen als erwartet, aber dennoch sind es einige. Die Geschichte ist eher ruhig und spannend – und weniger actionreich und dramatisch. Aber das ist nicht schlimm, denn er konnte mich dennoch fesseln. Ich brauchte einen Moment um in die Geschichte zu kommen und mich mit den Charakteren und Namen zurechtzufinden, aber nach einer Weile hat es mich dann doch irgendwie gepackt, auch wenn ich einige Entwicklungen etwas unsinnig fand. Bewertung Ein Buch, das anders war, als ich gedacht hatte, aber es hat mich trotz ein paar Sachen mitgerissen, daher gibt es von mir 3,5 von 5 Würmchen

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Bewertung Neugierig wie eine Große schnappte ich es mir auch gleich, weil ich unbedingt wissen wollte wie dieser Schweden-Thriller ist, denn einen Schweden-Thriller hatte ich bis dato noch nicht gelesen. Der Klappentext befand ich als interessant, also blieb nur noch die Neugierde zu stillen. Tja und damit fing das Problem an. Ich tue mich immer schwer damit Bücher eine schlechtere Bewertung zu geben, aber bei diesem Buch kann ich einfach nicht anders. Der Schreibstil ist ok und ich war auch nicht gewillt das Buch zur Seite zu lesen, daher habe ich das Buch auch durchgelesen, doch wie das Buch aufgebaut ist, hat mich schlichtweg fertig gemacht. Es wird wahnsinnig weit ausgeholt. Es wird eine Kinderleiche gefunden und plötzlich ist eine Psychiaterin im Mittelpunkt und kurz danach die Patientin, dann kommt noch ein Vater dazu, der seine Tochter missbraucht hatte. Dann kommen die ganzen schwedischen Namen und Orte und ich fand es nicht so einfach, mir die ganzen Namen und Orte zu merken, dennoch ging es irgendwann im Laufe des Buches. Was mir weiter bei diesem Buch fehlt, dass die Charaktere ein wenig beschrieben werden, aber am Ende des Buchs hat man nicht das Gefühl, dass man diese auch irgendwie kennen gelernt hat. Ein weiterer Punkt der mir nicht gefiel, dass diese Story irgendwie keine Spannung hat und irgendwie auch keine Struktur bzw. ein roter Pfaden, wie man so schön sagt. Ich hab eher das Gefühl bekommen, es wurde irgendwie geschrieben und Hauptsache man findet irgendwie den Weg zum Ende. Ich kann euch das gar nicht richtig beschreiben, aber der ganze Aufbau, das ganze Geschriebene war irgendwie nichts halbes und nichts ganzes. Fazit Ich war schwer am überlegen wie ich denn dieses Buch bewerte. Ich habe es zu Ende gelesen, was schon einmal ein Stern aus macht. Der Schreibstil ist in Ordnung, man konnte dem Buch dann auch folgen, was für mich einen zweiten Stern aus macht. Doch damit war es das schon wieder. Vielleicht sind Schweden-Thrillers nichts für mich, kann ja auch sein und andere empfinden das Buch und die Geschichte anders. Ich für meinen Teil werde die anderen beiden teile nicht mehr lesen 2 Sterne, mehr geht in dem Fall nicht.

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Abwechslungsreicher und sehr spannender Psychothriller

Von: Nadine B. aus Schaumburg

10.03.2015

inneren Auge hält. In diesem Psychothriller wird am Anfang ein Haus beschrieben, dass bis dato eine unbekannte Person bewohnt, die wiederum einen ganz bestimmten Raum in dem Haus verändert. Es stellt sich heraus, dass diese Person eine „sie“ ist. Sie trägt einen Jungen in den neugestalteten Raum aus Styropor, Holzleisten, Stromkabel und einem Bücherregal vor dem Raum, so dass man den Raum erst gar nicht vermutet, dass er existiert. Kurz darauf wird ein toter Junge in der Nähe der Pädagogischen Hochschule in Stockholm in einem Gebüsch gefunden. Die Kriminalkommissarin Jeanette Kihlberg und ihr Kollege Jens Hurtig werden zu dem Fundort gerufen. Es bleibt nicht bei dem einen toten Jungen, sondern es müssen noch weitere Jungen sterben, und an verschiedenen Orten aufgefunden. Merkwürdig ist bei den Jungen, das man nicht weiß, wer sie sind, und woher sie kommen. Die beiden Autoren schufen einen facettenreichen Psychothriller, der teilweise an die Grenze der Unvorstellbarkeit gelangt. In dieser Geschichte wurden auf der einen Seite das Ermittlerteam und der polizeiliche sowie juristische Apparat um Jeanette Kihlberg geschaffen, und auf der anderen Seite die bösen Figuren, die hauptsächlich Männer sind in den Rollen der Missbrauchsväter, Pädophilen, Vergewaltiger und Mörder. Opfer werden zu Tätern und Täter werden zu Opfern könnte man manchen Figuren zuordnen. Mit diesen komplexen Figuren entwickelten die Autoren eine spannende und abwechslungsreiche Geschichte, die einem beim Lesen das Herz höher schlagen lässt, und man möchte nicht wieder aufhören zu lesen. Aber man braucht auch Lesepausen, um diesen Stoff verdauen zu können. Dieser Psychothriller hat mich im Nachhinein so überrascht, dass ich ihn als den besten meiner bisher gelesenen Psychothriller bezeichnen kann. Wer nicht vor bildhaftem Skrupel, Gewalt und psychologischer Raffinesse zurückschreckt, kann ich diesen ersten Band der Trilogie empfehlen. Das Kopfkino bleibt nicht aus. Der erste Band „Krähenmädchen“ hat ein offenes Ereignis, so dass man den zweiten Band „Narbenkind“ lesen muss.

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Bei "Krähenmädchen" habe ich lange überlegt, ob ich das Buch lesen soll oder nicht, da bereits der Klappentext verrät, dass der Inhalt nicht gerade zimperlich mit dem Leser umgeht. Aufgrund der zahlreichen, positiven Bewertungen habe ich mich dann doch dazu entschlossen es zu wagen und ich bereue es keinesfalls. "Krähenmädchen" ist der erste Teil der Victoria- Bergman- Trilogie und sicher nichts für Leser mit schwachen Nerven, denn es gilt herauszufinden wie viel Leid ein Mensch verkraften kann, bevor er selbst zum Monster wird. Das Geschehen wird aus den unterschiedlichsten Perspektiven geschildert. Mal begleiten wir die taffe Polizistin Jeanette Kihlberg, die zwar im Beruf alles im Griff hat, privat dafür umso weniger, mal den ominösen Täter oder die Psychologin Sofia Zetterlund, die hauptsächlich Patienten mit multiplen Persönlichkeiten betreut wie z.B. Victoria Bergman. Die dargestellten Charaktere sind selten Personen, mit denen man befreundet sein will oder die man sympathisch findet, denn sie sind alle sehr speziell mit ihren sonderbaren Problemen. Mir selbst hat es vor allem die Polizistin Jeanette angetan, die mich in allem irgendwie an Kommissarin Lund aus dem TV erinnert hat. Schnelle Szenenwechsel und verstreute Handlungsstränge, deren Fäden erst im Verlauf des Geschehens zueinander finden, sorgen für atemlose Spannung. Würde ich näher auf den eigentlichen Inhalt dieses Psychothrillers eingehen, würde ich bereits zu viel verraten, daher nur eins: Lesen! Fazit: Ein Psychothriller, der mir das Fürchten gelehrt hat, Spannung der Extraklasse. Empfehlenswert! Ich kann kaum das Erscheinen von Band 2 ("Narbenkind") erwarten…

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Ein toter Junge wird schwer misshandelt im Park gefunden. Niemand vermisst ihn. Die Kommissarin Jeanette Kihlberg wird mit dem Fall beauftragt. Lange Zeit läuft sie bei ihren Ermittlungen ins Leere. Es tauchen weitere tote Jungen auf, alle genauso misshandelt wie der erste, ohne Genitalien. Es scheint sich um einen Serienmörder zu handeln. Wie sich herausstellt, wurde einer der Jungen psychologisch behandelt und Jeanette bittet die Psychotherapeutin Sofia Zetterlund um Mithilfe, deren Patient er gewesen ist. Diese steht ihr natürlich zur Seite, hat aber selbst noch eine Patientin, Victoria Bergman, die ihre volle Aufmerksamkeit braucht... Sofort mit Beginn des Buches taucht man in das Geschehen ein. Als Leser ist man dabei zu erleben, wie die Vorbereitungen getroffen werden, um ein ganz spezielles Zimmer zu erschaffen. Es ist das Zimmer, in dem die späteren toten Jungen sich aufhalten und ihre Leiden erdulden werden. Die Geschichte enthält mehrere Erzählstränge, die in der Ich-Form von der jeweiligen Person erzählt wird. So erfährt der Leser die Ermittlungen aus der Sicht von Jeanette Kihlberg, die Therapiestunden mit ihren Patienten aus der Sicht der Psychotherapeutin Sofia Zetterlund, aus dem Leben der Patientin Victoria Bergman und einigen anderen mehr sowohl in der Gegenwart wie auch in Rückblenden von der Vergangenheit. Auch wenn sie anfangs für sich allein stehen, so bildet sich ein komplettes Ganzes gegen Ende. Die Kapitel sind recht kurz gehalten und lassen sich gut lesen. Das Hauptthema des Buches ist Kindesmisshandlung. Nicht jedermanns Sache, denn es ist ein übles Thema. Positiv erwähnen möchte ich dabei die Tatsache, dass diese Taten nicht blutrünstig erzählt werden, so dass diesem Delikt während des Lesens ein klein wenig die Spitze genommen wird. Wer es allerdings hart und blutig möchte, für den ist dieses Buch ganz bestimmt nicht. Die polizeilichen Ermittlungen geraten dadurch ein wenig ins Hintertreffen. Die Autoren lassen die Leser aber auch nicht im Unklaren über private Dinge der Protagonisten. So erfährt man z.B. von dem arbeitslosen Mann von Jeanette und deren Geldprobleme. Das Buch ist spannend erzählt und endet mit einem ausgesprochen fiesen Cliffhanger, der sich hoffentlich in Teil 2 auflöst. Dieser Band ist der 1. einer Trilogie, die auch kurz nacheinander erscheinen werden, so dass in diesem Fall die Wartezeit nicht zu lange dauert. Viele Fragen zum Ende des Buches noch offen, die keine Antwort erhalten haben. Die Neugierde wird damit schon mal auf den kommenden Teil geschürt in der Hoffnung, diese beantwortet zu bekommen. Dieser Psychothriller will gelesen werden mit all seinen Abgründen in die menschliche Psyche und seinen Grausamkeiten. Ich empfehle ihn gern weiter.

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Alter Schwede, kann ich nur sagen. Da schickt sich ein schwedisches Autorenduo unter dem Pseudonym Erik Axl Sund an, die Thrillerwelt auf den Kopf zu stellen und sich gleich mit einer Trilogie in unsere Psyche zu schreiben. Zwei Jungs, die aussehen, als wären sie ihrem eigenen Psychothriller entsprungen, versuchen ab dem 21. Juli 2014 nach Skandinavien nun auch den deutschen Buchmarkt zu erobern. Jerker Eriksson und Håkan Axlander Sundquist – diese eingängigen Namen sollte man sich merken, muss man aber nicht, denn sie machen es uns leicht, indem sie zu einer Person verschmelzen und fortan unter dem Namen Erik Axl Sund in die Regale unseres persönlichen Schreckens einziehen. Mit “Krähenmädchen“ legen sie los und lassen dem fulminanten Auftakt ihrer “Victoria-Bergman-Trilogie” die Fortsetzungen “Narbenkind” und “Schattenschrei” im Goldmann Verlag folgen. Und dabei garantieren sie uns schon vor dem Lesen der ersten Zeilen, dass wir die üblichen langen Wartezeiten nicht erleiden müssen, die Trilogien so mit sich bringen. Ihre Cliffhanger sind darauf angelegt, dass wir in diesem Jahr beenden können, was wir in den lauschigen Sommermonaten unseres Lesens beginnen. Die grandiose Trilogie-Taktung Juli, September und November entspricht den geheimen Wünschen wahrer Fans dieses Genres in mehreren Aufzügen. Aber seid gewarnt. Diese Thriller-Trilogie ist nichts für Leser mit zarten Nerven. Ihr müsst wirklich über ein stählernes Nervenkostüm verfügen, denn die beiden Schweden haben es sich zum Ziel gesetzt, auf jeder Faser dieses Kostüms herumzutrampeln und wirklich jede Saite eures verborgenen Thriller-Gens in dauerhafte Schwingungen zu versetzen. Ihr glaubt mir nicht? Dann lasst uns einfach einen Blick ins “Krähenmädchen” werfen: Herzlich willkommen in Stockholm. Dieses Willkommen gilt natürlich nur denjenigen unter uns, die dort hingehören, also schwedischen Bürgern und vielleicht noch Touristen. Sollte man nicht zu diesen beiden Gruppen gehören, dann könnte es schon eng werden. Und sollte man dann auch noch männlich und jung sein, na dann gute Nacht, Schweden. Denn genau diese Zielgruppe scheint in das Raster eines Serientäters zu passen. Und die Fälle häufen sich. Das Muster scheint anfänglich vergleichbar und die Ermittler kommen schnell zu dem Entschluss, dass es sich bei den aufgefunden Jungenleichen um Opfer eines einzigen Täters zu handeln scheint. Im Tod vereint sie ein immer gleiches Muster, das mit ihrer Herkunft beginnt und die immer gleichen Fragen aufwirft: Es handelt sich um illegale Flüchtlingskinder, die nun wirklich niemand vermisst. Nicht in Schweden! Die ersten Kinderleichen, die in der Stadt gefunden werden, werfen auch für äußerst abgebrühte Rechtsmediziner nicht die Frage auf, woran die Opfer gestorben sind, sondern eher, wie sie es geschafft haben, so lange am Leben zu bleiben, bis der Tod eingetreten ist. Die Gemeinsamkeiten sind allzu erschütternd. Die Opfer sind grässlich verstümmelt, die Körper weisen unfassbar viele Einstichstellen von Kanülen auf, die Zähne fehlen und das grausamste Detail: jedem der toten Jungen wurden die Genitalien bei lebendigem Leib abgeschnitten. Wie grausam muss der Täter (wenn es denn ein Mann ist) vorgegangen sein. Was ist das für eine Welt? Kommissarin Jeanette Kihlberg steht der mehr als brutalen Vorgehensweise des unbekannten Täters ebenso fassungslos gegenüber, wie ihr ganzes Team. Routiniert werden sofort alle denkbaren Täterprofile erstellt und es beginnt eine Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen von Stockholm. Aber alle Routine hilft nicht aus der Sackgasse hinaus, die sich den Ermittlern gnadenlos verschließt. Außer Indizien lassen sich weder Spuren noch Motive finden, die zielführend sein könnten. Nur eines steht schon schnell fest: Es scheint sich in letzter Konsequenz um eine Art von Bestrafung am männlichen Geschlecht zu handeln, nur das “Warum” ist nicht greifbar. Erst als es gelingt, die Identität eines Opfers zu klären, ergeben sich wie aus dem Nichts weitere Optionen für die kämpferische Kommissarin. Ein toter Junge befand sich bis zu dem Zeitpunkt seines Verschwindens in psychologischer Betreuung und nichts liegt näher, als nun die Psychologin Sofia Zetterlund zu befragen. Und so führen die Morde an unschuldigen Jungen zwei besondere Frauen zueinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch so viel gemeinsam haben. Jeanette Kihlberg und Sofia Zetterlund spüren, dass sie nur zusammen den Weg zum Täter finden können – und nicht nur das… Wenn “Krähenmädchen” bis zu diesem Zeitpunkt schon ein berauschendes Tempo an den Tag gelegt hat, dann geben die beiden schwedischen Autoren mit dem Auftreten der Psychologin endgültig Vollgas. Die Suche nach dem Serientäter wird zu einem Ritt durch die Leben der Menschen, die mit der Aufklärung der grausamen Morde befasst sind. Erik Axl Sund machen es sich nicht leicht mit ihrem Thriller, sie folgen keinen bekannten Mustern und sie führen ihre Leser nicht sinnlos in die Irre. Bei jedem Schritt der Ermittlungen wissen wir genau soviel, wie die Profis selbst und wir lassen uns nicht auf ungezielte Spekulationen ein. Wir folgen der Kommissarin Jeanette Kihlberg nicht nur in ihr Büro, sondern tauchen tief in ihr Privatleben ein, das unter den Belastungen des Berufs zu zerbrechen droht. Ihre Beziehung gleicht einem Scherbenhaufen. Und ebenso tief blicken wir hinter die Kulissen der Psychologin Sofia Zetterlund, deren Leben am Scheideweg steht. Auch sie steht vor den Trümmern einer großen Liebe. Männer kann man in der Pfeife rauchen – dieser Spruch könnte für ihre momentane Situation stehen! Da wundert es nicht, dass sich die Frauen mehr als sympathisch sind und jede für sich in der Anderen eine Fluchtmöglichkeit aus dem Beziehungsalltag sieht. Es verkettet sich, was sich verketten muss. Lebenswege und Motivationen, den Täter zu jagen. Die Psychologie übernimmt die Kontrolle und es ist kein Zufall, dass sich Sofia Zetterlund auf Patienten mit multiplen Persönlichkeiten spezialisiert hat. Und einer ihrer Fälle zieht nicht nur ihre Aufmerksamkeit auf sich: Die schwer traumatisierte Victoria Bergmann, die schon lange von Sofia betreut wird – und dies immer mit dem Gefühl, irgendetwas übersehen zu haben! Ein Detail… nur ein kleines vielleicht…. Diese Trilogie ist kein Kinderspiel! Die Beschreibungen der misshandelten Jungs sind extrem und drastisch. Traumatisierungen verdienen in diesem Roman ihren Namen und auch aus der Perspektive des Täters heraus ist die Schilderung des Grauens nichts für schwache Nerven. Das muss man schon ganz genau wissen, wenn man sich auf das “Krähenmädchen” einlässt. Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt! Wer aber wirklich hart genug ist für diesen Thriller, der wird vieles finden, was ihn zum Maßstab und Meilenstein in diesem Genre machen wird. Die Tiefenzeichnung der Charaktere ist beeindruckend und bietet Stoff genug für drei eigenständige Bücher. Erik Axl Sund begeben sich nicht auf Nebenkriegsschauplätze, die keinen Sinn machen. Ihre laut geäußerte Gesellschaftskritik schreit vor Wut, Dynamik und Wucht, ihre polizeilichen Ermittlungskenntnisse sind profund und ihnen unterläuft kein Fehler in der Plausibilität ihres Romans. Wir wissen schnell, wer dieses “Krähenmädchen” ist und wir werden auch hier Teil eines harten Lebensweges. Wir fragen uns, wie viel man selbst erleiden kann und was die eigenen Verletzungen aus dem späteren Leben machen. Wir ahnen viel, vermuten und denken uns auf der richtigen Spur. Schließlich sollte man nie vergessen, warum das gesamte Werk den Namen “Victoria-Bergmann-Trilogie” trägt…! Und das ist kein Spoiler!

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Nur für starke Nerven

Buchhandlung Lamer

Von: Buchhandlung Lamer

17.09.2014

Insgesamt ist dieses Buch selbst für einen Psychotriller recht grausaum geschrieben. Meiner Meinung nach nur für starke nerven beim Lesen geeignet.

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