Leserstimmen zu
Engelskalt

Samuel Bjørk

Ein Fall für Kommissar Munch (1)

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€ 12,99 [D] inkl. MwSt. | € 13,40 [A] | CHF 18,90* (* empf. VK-Preis)

Im Prolog wird erzählt, wie eine Frau ein Kind bekommt, am 28.8.2006. Leider war die Mutter Bluterin und starb bei der Geburt. Das neugeborene Kind verschwindet von der Säuglingsstation. 2 Wochen darauf wird ein schwedischer Krankenpfleger erhängt in seiner Wohnung aufgefunden. Es gibt einen Brief mit vier Worten: »Es tut mir leid«. Sechs Jahre später. Es kleines Mädchen wird im Wald mit einem Springseil aufgehängt gefunden. Sie trägt ein eigens genähtes Kleidchen, eine Schultasche mit Schulbüchern und ein Schild um den Hals von einer Fluggesellschaft: »Ich reise allein«. Kommissar Holger Munch bekommt den Fall und ist auf dem Weg zu Mia Krüger, seiner ehemaligen Kollegin. Sie hat sich auf die Insel Hitra zurückgezogen. Mia hat ihre eigenen Probleme. Sie nimmt viele verschiedene Tabletten und trinkt dazu Alkohol. In 12 Tagen wird sie sterben. Leider kommt hier mein erster Kritikpunkt: Das erste Kapitel mit Mia ist zeitlich 11 Tage bevor Holger Munch sich auf dem Weg zu ihr befindet. Es gibt keinen Hinweis auf diese zeitliche Differenz und ich fand das anfangs leicht verwirrend, weil es in den Kapiteln mit Mia eine Art Countdown gibt, bis dann Munch bei ihr auftaucht. Diese ersten Kapitel mit Mia dienen dazu, sie kennenzulernen. Was in der Vergangenheit passiert ist und wieso sie vorhat, Suizid zu begehen. Bald wird ein zweites Mädchen gefunden, wieder aufgehängt im Wald, alles wie beim ersten Kind. Diese Morde kommen ganz ohne Blutvergießen aus, aber Mord an Kindern geht immer unter die Haut. Wehrlose kleine Mädchen, die demnächst eingeschult werden sollten, angezogen wie Puppen und aufgehängt wie kleine Engel. Dass hier ein Psychopath am Werk ist, steht außer Zweifel. Samuel Bjørk spielt sehr mit dem psychologischen Aspekt seiner Charaktere. Mia Krüger ist in einem sehr schlechten psychischen und physischen Zustand und soll helfen diesen absolut kranken Täter zu finden. Keine leichte Aufgabe. Sie ist nicht auf der Höhe, so vollgepumpt mit Medikamenten und Alkohol, aber sie sieht was andere nicht sehen, spürt was andere nicht fühlen. Holger Munch ist im Vergleich zu ihr ein Sonnenschein, obwohl er auch seine Probleme hat. Diese beiden Protagonisten sind ein sehr interessantes Duo. Die Charakterbildung ist anfänglich sehr gut gelungen, wird aber später im Buch von der Geschichte etwas beiseitegeschoben und vernachlässigt. Es kommen immer wieder neue Charaktere ins Spiel, manche sind absolut nebensächlich, haben ein Opfer gefunden und verschwinden wieder aus der Geschichte. Andere bekommen einen eigenen Erzählstrang, der zwar spannend ist, aber eher dazu dient den Leser in die Irre zu führen. Mit fast jedem neuen Kapitel verfolgt man jemand anderes und der Fall selbst kommt nur langsam voran. Ich finde, Samuel Bjørk hätte weniger versuchen sollen, Verwirrung zu stiften, weil der Fall selbst schon spannend genug war. Ein zu viel an nebensächlichen Figuren und Handlungen lenken zu sehr von den Hauptpersonen und Ereignisse ab. Die vielen weiblichen Namen die mit »M« anfangen fand ich wenig einfallsreich: Mia, Miriam, Marion, Margrete, Marlin … und das sind nicht alle. Das setzt sich in abgemilderter Form bei den Nachnamen der männlichen Personen fort. Vielleicht ist das Teil des Verwirrspiels, das Bjørk mit dem Leser treibt. Die Geschichte ist wirklich spannend und bald glaubt man zu wissen, wer hier kleine Mädchen ermordet. Dann nimmt alles eine dramatische Wendung, das Tempo steigert sich und alles scheint verloren. Viele Themen werden aufgegriffen, auch wenn sie am Ende nicht alle mit dem Fall direkt zu tun haben: sektenähnliche Zustände, Gewalt gegen Kinder, Missbrauch, Vernachlässigung, Drogen- und Alkoholsucht und natürlich psychische Erkrankungen. Es hat mich etwas irritiert, dass nicht alles in der einen Richtung aufgeklärt wird. Vielleicht nebensächlich, trotzdem stört es mich. Wozu dann das Ganze mit einbauen, wenn Fragen unbeantwortet bleiben? Polizeischutz für gefährdete Personen gibt es nicht, das fand ich sehr unwahrscheinlich. Ein durchaus spannender, düsterer Thriller aus Norwegen. Leider etwas zu viel an Nebengeschichte um die Spannung zu erhöhen, was aber gar nicht notwendig gewesen wäre. Mehr Augenmerk auf den Hauptcharakteren hätte mir besser gefallen. Ein paar Fragen blieben unbeantwortet, was ich bei einem Thriller nicht leiden kann. Trotz meiner Kritikpunkte merke ich mir den Autor vor, weil es hier sehr viel Potenzial gibt! Das zweite Buch mit Munch und Krüger wird auf meine Wunschliste wandern. Sprecher Dietmar Wunder hat dieses Hörbuch meisterhaft gesprochen. Die vielen Figuren, männlich, weiblich und auch kindlich, kann man mit Leichtigkeit auseinanderhalten. Mit viel Leidenschaft und Emotionen lässt er die Figuren lebendig werden. Er erhöht oder verlangsamt das Tempo der Geschichte perfekt und fesselt den Hörer. Noch ein sehr empfehlenswerter Sprecher auf meiner Liste.

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Ich habe schon vor einiger Zeit den Thriller Engelskalt von Samuel Bjork gelesen. Das ist das erste Buch in dieser Richtung von dem norwegischen Autor. In Engelskalt geht es um Holger Munch, er ist ein Ermittler der an einem sehr suspekten Fall dran ist. Im Wald wird ein totes Mädchen gefunden. Dieses Mädchen ist schon fast puppenhaft im Schulmädchen gekleidet aufgefunden. Holger Munch steht vor einem großen Rätsel das er nicht alleine lösen kann. Er hatte schon einmal mit einer anderen Ermittlerin namens Mia Krüger zusammengearbeitet, die eine Begabung hatte Dinge zu sehen, die die Ermittler meistens übersehen. Das bleibt aber nicht der einzige Handlungsstrang in diesem grandiosen Buch. Es kommen noch weitere Szenarien wie eine seltsame Kirchengruppe im Wald die einer Sekte ähnelt oder einigen Geheimnissen die nicht länger geheim bleiben. Engelskalt ist am 20. April 2015 im Goldmann Verlag erschienen und kostet 12,99€ Zum Buch: http://www.randomhouse.de/Paperback/Engelskalt-Thriller/Samuel-Bjork/e458840.rhd Zum Verlag: http://www.randomhouse.de/goldmann/ Das Buch ist auf jeden Fall Spannung pur. Das Buch ist einfach so gelungen! Es hat so viele Handlungsstränge die so schnell wechseln, das es schon fast komplex scheint aber so einfach zu lesen ist wie ein Kinderbuch. Dieser einzigartige Schreibstil bindet einen so fest an den Sessel (oder wo auch immer man das Buch liest ;D ) es ist unglaublich spannend und man hat die ganze Zeit nur den Drang herauszufinden was “dahinter” steckt. Man hat dieses Kribbeln in den Fingern und denkt sich zahlreiche Vermutungen aus wie es denn letztendlich sein könnte, doch es kommt alles anders. Ihr merkt wohl schon wie überzeugt ich von dem Buch bin und wie einzigartig ich es fand. Zum positiven: Das Buch bietet alles was einen guten Thriller ausmacht, Spannende Szenarien, ernste Dialoge und tiefe, faszinierende Charaktere und so viel mehr! Zum negativen: Es gibt schlicht und einfach nichts was ich dem Buch vorwerfen könnte, es hatte keine Längen, keine viel zu komplexe Handlung, es war einfach toll. Fazit: Das Buch hat von mir 5 von 5 Sternen bekommen. Es kostet vielleicht ein bisschen Überwindung es anzufangen auf Grund dem Gedanken das es viel zu komplex sei, was es aber wirklich nicht ist. Fangt es auf jeden Fall an – Es lohnt sich!

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Spannung, mehrere Verbrechen und ein guter Ausgang!

Von: Nicole Klein aus Rheinstetten

28.08.2015

Ein Spaziergänger findet ein kleines Mädchen, das an einem Baum aufgehängt wurde. Der Ermittler Holger Munch soll mit seiner Kollegin Mia Krüger zurück nach Oslo kommen, um den Fall aufzuklären. Mia hat sich aber auf eine Insel zurückgezogen und möchte in ein paar Tagen Selbstmord begehen. Als Holger sie findet und ihr die Fotos zeigt, entdeckt sie einen kleinen Hinweis, der bisher übersehen wurde. Aber zurück kommen möchte sie nicht ... Ich habe mir vor einiger Zeit gesagt, ich werde kein skandinavisches Buch mehr lesen, weil mir die Schreibweise einfach nicht liegt. Aber dieses Buch ist klasse. Ich war von Anfang an gefesselt und wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Das Buch ist unterteilt in 7 Abschnitte. Teil 1 betrifft Mia, die eine erfolgreiche Ermittlerin war und durch ein Erlebnis aus der Bahn geworfen wurde: Sie hat den Mann erschossen, der ihre Schwester drogenabhängig gemacht hatte. Danach hat sie sich auf eine einsame Insel zurückgezogen und wollte an einem bestimmten Tag Selbstmord begehen. Vor 10 Jahren ist an diesem Tag ihre Zwillingsschwester gestorben. Sie durchlebt die Tage bis dahin nur mit Tabletten und Alkohol. Als Holger sie aufspürt ist er erschüttert, kann ihr aber nicht helfen. Aber dann fällt ihr kurz vor Mitternacht zum Datum noch etwas zu dem Fall ein und sie beschließt, den Suizid bis nach der Aufklärung zu verschieben. Teil 2 handelt von der Ermittlungsgruppe und dem Jungen, der das zweite erhängte Mädchen gefunden hat. In Teil 3 geht es um eine Sekte und um den Täter. Bei Teil 4 wird es persönlich: der Fall scheint ein Racheakt an Munch zu sein. Während Teil 5 erfährt der Leser mehr über die Methusalemgemeinde und Pastor Simon, aber auch über das Ermittlerteam. Teil 6 befasst sich mit der tatsächlichen Täterin und ihrer Vergangenheit, zu der auch Mia gehörte. Und dann kam alles ganz schnell zum Ende. In kurzen Teil 7 wurde um Mias Leben gebangt. Ein wundervolles Buch mit einem schönen Ende! Ich war von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Alles ist positiv ausgegangen. Ich gebe dem Buch die vollen Sterne und hoffe, dass der Autor weiterhin Thriller schreibt.

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Mit “Engelskalt” legt Samuel Bjørk einen unheimlich spannenden, temporeichen und atemraubenden Thriller vor. Der Täter ist in seiner Gedankenwelt so verdreht, die Täterlogik ist für mich als Leser so unfassbar, so abartig. Gekonnt gelingt es den Autor mit verschiedenen Handlungssträngen den Thriller mit Leben zu füllen, man kann das Buch schwer weglegen, man muss als Leser einfach wissen, wie alles zusammenhängt. Lange wird man auf eine falsche Fährte geführt und vermutet nicht die Zusammenhänge. Schon mit dem Prolog, schafft der Autor einen gelungen Spannungsbogen. Im Prolog wird von einer Wochenstation ein verwaistes Mädchen entführt, was soll dieser Fall mit dem aktuellen Fall zu tun haben? Mit Holger Munch und Mia Krüger hat der Autor ein für mich genial zusammenspielendes Ermittlerduo geschaffen, die sich perfekt ergänzen und durch ihre Freundschaft wissen, was sie am anderen haben und sich auf den Partner bedingungslos verlassen können. Beide sind in ihren Denkweisen genial und ich hoffe es geht mit beiden weiter!? Der Goldmann-Verlag hat das Buch aufwendig gestaltet, im Inneren sieht man die typischen nordischen Holzhäuser und der Klappteil enthält für die beiden Ermittler Munch und Krüger eine Art Steckbrief. Ein Highlight ist auch, dass der Titel “Engelskalt” erhaben ist, als wäre er aufgestickt. Für diesen Norwegen-Thriller spreche ich eine Leseempfehlung aus, 5 von 5 Sternen, mein bisheriges Lesehighlight im Jahr 2015. Vielen Dank an den Goldmann-Verlag für das Rezi-Exemplar.

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Das Cover, gefällt mir sehr gut es hat etwas Düsteres und zeigt dem Leser gleich, dass ihn hier viel Spannung erwartet. Auch die gestanzte Schrift macht das Cover sehr einladend, wenn man richtig merkt wie der Faden genäht wurde. Der Schreibstil ist sehr angenehm und locker, die Charaktere sind ausführlich beschrieben und besonders Mia Krüger und Holger Munch erhalten viel Tiefe. Die Protagonisten waren mir auf merkwürdige Art und Weise sofort sympathisch obwohl beide ziemliche Probleme haben. Das Buch ist in 7 Teile aufgeteilt, die von der Länge her variieren, was gerade beim 2. Abschnitt sehr anstrengend war, denn dort kamen vielen neue Gesichter zur Geschichte dazu und man hatte fast das Gefühl der Teil des Buches geht nie zu Ende. Ab dem 3. Teil nimmt das Buch richtig Fahrt auf und jeder Leser kommt auf seine Kosten. Denn es fehlt nicht an Spannung. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Sichtweise sich ändert, sodass man nicht nur den Blickwinkel eines Protagonisten erfährt sondern viele verschieden, dadurch ist das Buch abgerundeter und man kommt voll und ganz auf seinen Lesegenuss. Ich habe mit Mia und Holger mit gelitten, sie sind mir wirklich ans Herz gewachsen und ich hoffe das es nicht der letzte Fall für das Ermittlerduo war, dass wäre wirklich zu schade. Fazit: Ein grandioser Thriller, der einen wirklich packt, lediglich in der ersten Hälfte ist das Buch teilweise sehr langatmig und es fällt schwer die Zusammenhänge zu verstehen, dieser Umstand ist aber ganz schnell vergessen denn die zweite Hälfte des Buches ist Spannung pur!

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Kritik: Es ist lange her, als ich das letzte Mal einen Thriller gelesen habe. Nun war es an der Zeit, wieder mit Ermittlern auf die Suche nach dem Täter zu gehen und Ermittlungen zu verfolgen. Die Worte "Ich reise alleine" haben bei mir eine Gänsehaut ausgelöst und ich war gespannt, was mich erwarten wird. Die Grundidee war 1A und darum wünschte ich mir, dass mich der Debütautor nicht enttäuscht. Genau das hat er nicht. Im Gegenteil: er konnte mich packen und ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Ständig wurde ich mit Neuem überrascht bzw. konfrontiert, so dass es nie langweilig wurde. Anfangs passiert sehr viel und man glaubt, nicht mehr hinterher zu kommen, doch zum Ende hin ergibt alles einen Sinn und es ergeben sich Zusammenhänge zwischen den Handlungen und den Geschehnissen. Aufgrund der vielen Personen, die mich gestört haben, muss ich leider ein Herz abziehen, denn ich verlor den Überblick. Die Charaktere waren authentisch und realistisch. Abgesehen von Mia Krüger, die eine tablettenabhängige, begabte Ermittlerin war und kleinste Details wahrnahm, die die Polizei übersah, besaß keiner eine ungewöhnliche Eigenschaft. Das habe ich nicht erwartet, denn so kam der Fall und nicht die Charaktere in den Vordergrund. Wir lernen den Kommissar Holger Munch kennen, der seine Arbeit ernst nahm, aber früh aufgegeben hatte. Das Cover sagt nichts über das Buch aus. Daher hätte ich mir ein Cover gewünscht, welches das Interesse des Leser mehr weckt. Da sieht das originale Cover angsteinflößend aus. Fazit: Das Buch ist von der ersten Seite spannungsgeladen und langweilt den Leser mit der hohen Seitenanzahl gar nicht. Abgesehen von den vielen Protagonisten kann ich das Buch auch an keine Thriller-Fans weiter empfehlen!

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Ja, aber....

Von: Devona

25.07.2015

Meine Rezension bezieht sich auf die Hörbuchfassung. Sprecher: Dietmar Wunder holt das Maximum an Hörvergnügen aus diesem Hörbuch heraus, er schafft es, die einzelnen Charaktere unverwechselbar zu machen, der Geschichte Lebendigkeit zu geben. Wer Dietmar Wunder kennt, weiß, daß er ein Garant für gute Hörbücher ist. Dementsprechend war für mich im Vorfeld klar, daß ich hörtechnisch keine bösen Überraschungen erleben werde. Inhalt: Ich war sehr neugierig und aufgrund des mir bekannten Sprechers auch voller entspannter Vorfreude auf dieses Hörbuch. Samuel Bjørk ist kein Schreibneuling, nur ein Newcomer im Thriller-Genre. Grob zusammengefaßt muss ich sagen, daß „Engelskalt“ ein Buch mit viel verschenktem Potential und vor Allem überflüssigem Ballast ist. Man hat das Gefühl, als wäre der Autor dem eigenen Anspruch nicht gerecht geworden. Man kann erahnen, was er will, nur hinkt die Umsetzung hinterher. Das ist schade, weil schon alleine die Grundidee keine Schlechte ist. Von mir sehr positiv zur Kenntnis genommen: Samuel Bjørk verzichtet auf Gewalt- und Blutorgien, nicht nur en Detail, sondern auch generell. Mit einem gelungenen Anfang schafft er es auch ohne diese Stilmittel, zunächst (!) Spannung zu erzeugen, das „thriller-feeling“ stellt sich ein. Leider kann diese Spannung über die gesamte Dauer des Hörbuches nicht gehalten werden. Das liegt m.E. nicht an der Story selber, sondern am permanenten switchen zwischen Haupt- und Nebensträngen. Die eigentliche Handlung flacht dadurch leider schnell ab. Achtung Spoiler! Keiner, aber auch wirklich KEINER dieser Nebenstränge ist für das schlüssige Auflösen der Haupt-Geschichte nötig. Sie sind schlichtweg nur angelegt, um die Spannung zu erhalten und den Hörer gedanklich in Richtungen zu lenken, die teilweise am Ende sogar lieblos „in der Luft“ hängen bleiben. Stichworte: Lukas-Pfarrer, Tobias-Raquel, Täter-Pressekontakt Spoiler Ende In diesen Nebensträngen werden brisante Themen wie Kindesmissbrauch, psychische Abhängigkeit, seltsame Sektenaktivitäten bunt miteinander gemixt, teilweise auch nur angedeutet, es drängt sich wirklich der Gedanke auf, daß Samuel Bjørk Vieles einbeziehen wollte, was letztendlich auf der Strecke bleibt. Hier wäre weniger mehr gewesen und hätte bei einer etwas anderen Grundstruktur von „Engelskalt“sicher schlüssig und effektvoll in die Hauptstory eingebunden werden können. Bei den Protagonisten habe ich am Anfang die Hoffnung gehabt, daß sich Gabriel -weil er relativ ausführlich ins Team eingeführt wurde- zu einem führenden Charakter entwickeln würde. Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. Er agiert mit fortschreitendem Geschehen nur noch als nerdiger background von Mia und Holger Munch, der Rest des Teams bildet ebenfalls (die sicher notwendige) Staffage, die nicht näher vorgestellt wird. Mag sein, daß ich zu anspruchsvoll bin, was die Charaktere anbelangt. Ich würde mir einfach mal nur einen „stinknormalen“ Kripobeamten wünschen, der einfach mal „nur“ seinen Job macht. Ich würde gerne mehr über diesen Job erfahren, in Ermittlungen eintauchen, mitfiebern, statt mich neben eines Falles her permanent mit den Befindlichkeiten und seltsamen Marotten von Hauptfiguren herum zu schlagen, die die Geschichte nicht wirklich bereichern und die diese Hauptfiguren schnell ins Klischeehafte abgleiten lassen. Der Missbrauch von legalen und verschreibungspflichtigen Suchtmitteln ( Nikotin – Holger Munch, Alkohol+Psychopharmaka – Mia) grenzt hier schon fast an Dauerwerbung. Einer stinknormalen Profilerin/Ermittlerin traue ich durchaus zu, beim intensiven und konzentrierten ersten Sichten der Unterlagen zum ersten Todesfall ein winzig kleines Detail zu finden, welches die Brisanz dieses Falles wahnsinnig erhöht ( „es wird noch mehr Tote geben“). Einer von seit Wochen mit wahllos eingeworfenen und mit harten Alkoholika herunter gespülten Psychopharmaka völlig bedröhnten und der Realität entrückten Mia kann ich das nicht abnehmen, körperlich und mental ist diese Frau dazu überhaupt nicht in der Lage. Ich habe bis zum Schluss auch nicht begriffen, warum sie so drauf ist. Und irgendwann nerven die ständigen Wiederholungen. Man muss den Hörer nicht permanent erneut darauf hinweisen, daß Mia jetzt gerne ein Bier trinken würde, dann aber doch lieber Wasser bestellt. Und das Bier danach. Plus Schnaps. Ich weiß nicht, warum diese Ermittler solche Freaks sein müssen…weil der Autor vllt. davon ablenken möchte, keinen Plan zu haben oder nicht genügend recherchiert zu haben, wie ein Profiler arbeitet? Mia schreibt -beflügelt durch Alkohol- die Wirrnis ihrer Gedanken in abgehackten, zusammenhanglosen Stichwörtern auf diverse Zettel, schlussfolgert daraus etwas, schreibt weitere Stichwörter und hat irgendwann (nach noch mehr Alkohol: „Einen Ratzeputz bitte!“) einen Geistesblitz (dem dann nachgejagt wird). Das ist ihre Art zu ermitteln. Hm. Schlüssige Assoziationsketten oder strukturierte Ermittlungsarbeit werden nicht geboten. Dafür hängt Entwicklung und Lösung des Falles zu einem Prozentsatz von absoluten Zufälligkeiten ab, der mir zu hoch ist. Natürlich gibt es immer Zufälle, aber so viele? Entscheidende? Achtung, Spoiler » Wie bekommt der Täter heraus, wo sich Munchs Tochter und Enkelin befinden, die sich unter sämtlichen polizeilichen Sicherheitsvorkehrungen an wechselnden, geheimen Orten aufhalten und wie umgeht er die vor der Tür postierte Polizeiwache, um das Kind in seine Gewalt zu bekommen? Er schickt eine gefakte sms (Absenderkennung??), klingelt an der Tür und schwupps ist das Kind weg und die Mutter betäubt. Da kommt man sich schon veralbert vor. Wie wäre die Story eigentlich weiter gegangen, wenn der ALLES ENTSCHEIDENDE Hinweis zum Fall, der Holger Munch in einer rein privaten Rätselaufgabe verpackt präsentiert wird (er hat Internetbekannte, mit denen er per Email in seiner Freizeit knifflige Rätsel löst) und die er Gabriel zum „gelegentlichen Entschlüsseln“ überläßt, von diesem erstmal als „Privatkram“ ignoriert worden wäre: purer Zufall, daß er sich nebenher an die Aufgabe macht. Die Frau mit dem vor 2 Jahren weggeworfenem USB-Stick ihres toten Exmannes, bringt das Filmchen auf selbigem Stick mit dem aktuellen Fall der ermordeten Mädchen in Verbindung. Der Film hatte eine völlig andere Thematik. Wow. Wieso? Und, und, und….alle diese Dinge sind von zentraler Bedeutung. Und werden nicht erklärt. Spoiler Ende Das Fazit ist für mich bei „Engelskalt“ schwierig. Einerseits hört sich dieses Hörbuch -nicht zuletzt durch Dietmar Wunder!- recht spannend, andererseits sind da zu viel Ungereimtheiten und zu viele offene Enden. Wer sich davon nicht abschrecken läßt, dem kann man das Buch sicher empfehlen, der bekommt dann auch den spektakulären und für mich um 2 Nummern zu großen showdown ( jaja, ich weiß, das brauchts in einem Thriller ) mit einem Täter, der die ganze Sache sehr rational, sehr kalkuliert, sehr detailgenau geplant und durchgeführt hat…. Achtung, Spoiler » …wozu leider absolut nicht paßt, daß er ein emotional durchgeknallter und irrationaler Irrer ist. Die komplette Umsetzung der Tat(en) mit allen Details über einen extrem großen Zeitraum erfordert umfangreiches Wissen und spezielle Fähigkeiten in so vielen Bereichen, daß es unwahrscheinlich ist, daß EIN Täter diese Bandbreite abdeckt und schon gar nicht DIESER Täter. Spoiler Ende Ich empfehle „Engelskalt“ Leuten, denen Unterhaltung wichtiger ist als ein intelligent durchgeplantes Szenario mit schlüssigem Ende. Anspruchsvolle Thriller-Hörer werden nicht zu 100% auf ihre Kosten kommen. 3 Sterne für das Buch, 4,5 für Dietmar Wunder. Falls, wie ich vermute, Samuel Bjørk mit den Ermittlern Krüger/Munch ein neues skandinavisches Serien-Duo ins Rennen schickt, würde ich einem zweiten Teil schon noch eine Chance geben. Mitunter wächst ja der Autor auch mit seinen Büchern und mitunter reichen auch ein paar kleine Korrekturen an den Protagonisten.

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Engelskalt Samuel Bjork Thriller Originaltitel: Det henger en engel alene i skogen Originalverlag: Vigmostad & Bjørke Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs Deutsche Erstausgabe Paperback, Klappenbroschur, 544 Seiten, 13,5 x 20,6 cm ISBN: 978-3-442-48225-2 € 12,99 [D] | € 13,40 [A] | CHF 17,90 * (* empf. VK-Preis) Verlag: Goldmann Erscheinungstermin: 20. April 2015 Zum Inhalt: Ein Spaziergänger findet im norwegischen Wald ein totes Mädchen, das mit einem Springseil an einem Baum aufgehängt wurde und ein Schild um den Hals trägt: „Ich reise allein.“ Kommissar Holger Munch beschließt, sich der Hilfe seiner Kollegin Mia Krüger zu versichern, deren Spürsinn unschlagbar ist. Er reist auf die Insel Hitra, um sie abzuholen. Was Munch nicht weiß: Mia hat sich dorthin zurückgezogen, um sich umzubringen. Doch als sie die Bilder des toten Mädchens sieht, entdeckt sie ein Detail, das bisher übersehen wurde – und das darauf schließen lässt, dass es nicht bei dem einen Opfer bleiben wird ... Meine Meinung: Da ich sehr gerne skandinavische Thriller lese und mich die Story und das Cover auch angesprochen hatte, musste ich dieses Buch unbedingt lesen, auch wenn es nicht gerade wenige Seiten hat. Die Charaktere, die Ermittler und die Nebencharaktere haben mir sehr gut gefallen, ich bin auch schnell in die Geschichte hereingekommen, aber ich habe mich trotzdem schwer getan, in meinem üblichen Tempo durch das Buch hindurchzukommen. Es hat wesentlich länger gedauert als üblich, da ich mit dem Schreibstil doch so meine Schwierigkeiten hatte. Meiner Meinung hatte das Buch an einigen Stellen Längen, wodurch es mich insoweit doch etwas enttäuscht hat. Zum Schluss hin wurde es dann aber wieder richtig spannend. Ich fand das Ermittlerduo Holger Munch/Mia Krüger äußerst interessant gestaltet. Ich würde gerne mehr von dem Duo lesen. Alles in allem hat mir das Buch so mittelmäßig gefallen, die Geschichte und die Charaktere haben mir wie gesagt gut gefallen, aber mir hat einfach das gewisse Etwas gefallen. Etwas verbessert wurde meine Meinung dann doch noch durch die Aufklärung, die ich sehr interessant fand mit einigen Wow-Effekten, so dass ich im Endeffekt doch 4 Sterne vergeben kann.

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