Leserstimmen zu
Revival

Stephen King

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Revival

Von: Maggy

28.03.2015

Glaube. Unheil. Abkehr. Sucht. Wissbegier. Besessneheit. Tod. Jenseits. *Klappentext* Über den kleinen Jamie liegt sich ein Schatten, den er sein Leben lang nicht loswerden soll.Er wird immer mehr in die dämonischesn Vesuche eines vom Glauben abgefallenen Predigers verstrickt. Und dann steht das finale Experiment an. *Inhalt* Der kleine Jamie spielt vor dem Haus mit seinen Plastiksoldaten, da schiebt sich ein dunkler Schatten über ihn, ein Schatten, den er sein Leben lang nicht loswerden wird. Er blickt auf und sieht Charles Jacobs über sich, den jungen Methodistenprediger, der in der neuenglischen Gemeinde gerade sein Amt antritt. Im Nu gewinnt der charismatische Jacobs die Herzen der gottesfürchtigen Einwohner. Den Kindern haben es vor allem die elektrischen Spielereien angetan, mit denen er Bibelgeschichten veranschaulicht. Das alles endet, als ihn ein entsetzlicher Unfall vom Glauben abfallen lässt und er eine letzte Predigt hält, die in einer rasenden Gottverfluchung gipfelt. Von der Gemeinde verstoßen, tingelt er fortan über die Jahrmärkte, wo er elektrische Experimente vorführt, die zunehmend spektakulärer werden. Und immer schrecklichere Folgen nach sich ziehen. Über die Jahre trifft Jamie, inzwischen drogenabhängiger Musiker, wiederholt auf Jacobs, der ihn jedes Mal tiefer in seine dämonische Welt zieht. Als Jamie sich dessen klar wird, gibt es kein Zurück mehr. Das finale Experiment steht bevor. *Meine Meinung* Dies ist wieder mal ein super spannender Roman von Stephen King. Besonders gut finde ich die Beschreibung der ersten Begegnung zwischen Jamie und Charlie Jacobs: "Ich ließ meine Männer vorwärts maschieren [...] als ein Schatten auf das Schlachtfeld fiel. Ich blickte auf und sah einen Mann vor mir stehen. Weil sich die Nachmittagssonne hinter ihm befand, war er eine von goldenem Licht umgebene Silhouette - eine menschliche Sonnenfinsternis. [...] Es war also einiges los, doch in diesem Augenblick schien alles zu verstummen." (Seite 16). Diese Darstellung blieb mir während des Lesens deutlich im Gedächtnis. Das "Licht" zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Der Leser begleitet Jamie fast 60 Jahre lang durch sein Leben. Die Spannung ist ein Wechsel zwischen kleineren Höhepunkten und längeren Phasen auf niedrigerem, dennoch stetig wachsendem Niveau. Auf den letzten 100 Seiten wird sie Spannung fast unerträglich und entläd sich dann blitzartig in einem großartigen Ende (ich liebe Wortspiele), mit einem bisschen Horror, den ich von Stephen King zwar gewohnt, aber in diesem Buch ein wenig vermisst habe. Daher vergebe ich für dieses grandiose Buch 4 von 5 Punkte.

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An einem Samstag im Oktober 1962 bereitet der sechsjährige Jamie Morton im Vorgarten eine große Schlacht mit seinen Spielzeugsoldaten vor, die er von seiner Schwester Claire zum Geburtstag bekommen hat, macht er die Bekanntschaft mit dem neuen Pfarrer der neuenglischen Gemeinde in Harlow, Charles Jacobs. Der Methodistenprediger gewinnt nicht nur sofort Jamies Herz, sondern auch der Kirchgänger. Vor allem die Jugendlichen sind begeistert, wenn Jacobs in seinen Bibelstunden die vorgetragenen Geschichten mit elektrischen Spielereien eindrucksvoll veranschaulicht. Dass hinter diesen Aufsehen erregenden Vorführungen mehr steckt, erfahren die Mortons, als Jamies Bruder Conrad seine Stimme verliert und Dr. Renault mit seinem Arztlatein am Ende ist. Dem experimentierfreudigen Prediger gelingt es nämlich, Conrad mit seiner Versuchsanleitung wieder die Stimme zurückzugeben. Doch bevor Jacobs in der Gemeinde weitere Wunder wirken kann, werden seine Frau und sein Sohn bei einem Autounfall getötet. Jacobs hält eine letzte flammende wie gotteslästernde Predigt und verlässt die Stadt für immer. Doch die Wege von Jamie und Jacobs sollen sich über die Jahrzehnte immer wieder kreuzen. Jamie legt eine Karriere als drogenabhängiger Musiker hin und trifft Jacobs auf einem Jahrmarkt, wo er das Publikum mit seinen Portraits in Blitzen fasziniert. Durch eine Freundin erfährt Jamie, dass Jacobs immer wieder mal Wunderheilungen durchgeführt hat, dass dabei aber auch unerwartete Nebenwirkungen mit manchmal tödlichem Ausgang aufgetreten sind. Zwar wird auch Jamie von seiner Abhängigkeit geheilt, doch selbst nach fast fünfzig Jahren beschleicht ihn noch immer ein schauriges Gefühl, wenn er sich in der Nähe des Mannes befindet, der hinter der geheimen Elektrizität offenbar ein größeres Geheimnis zu entdecken hofft … „Ich war ihm dankbar, doch da ich mich an die Schrecken der Heroinabhängigkeit nicht mehr richtig erinnern konnte (wahrscheinlich so ähnlich, wie eine Frau sich nach der Niederkunft nicht mehr an die Schmerzen bei der Geburt erinnern konnte), war ich nicht so dankbar, wie man meinen konnte. Außerdem machte er mir Angst. Das galt auch für seine geheime Elektrizität. Die bedachte er immer mit extravaganten Begriffen – so sprach er vom Geheimnis des Universums und vom Pfad zum höchsten Wissen -, aber eine Vorstellung davon, worum es sich dabei wirklich handelte, hatte er offenkundig genauso wenig, wie ein Kleinkind, das im Kleiderschrank seines Daddys einen Revolver fand, wirklich wusste, was es da in den Händen hielt.“ (S. 219) Dass der „King of Horror“ seinen neuen Roman den Großen seiner Zunft gewidmet hat – von „Frankenstein“-Schöpferin Mary Shelley, „Dracula“-Autor Bram Stoker über H.P. Lovecraft, Arthur Machen, Fritz Leiber und Robert Bloch bis zu seinem Freund Peter Straub, mit dem er u.a. „Der Talisman“ zusammen geschrieben hat – verwundert nicht, denn der Geist, den die Wegbereiter der Horror-Literatur geschaffen haben, strömt mit unheimlich fluoreszierender Wucht durch die Seiten, die die Jahrzehnte eines außergewöhnlichen Männerlebens beschreiben, das von unheilbaren Krankheiten und Tod, von Drogenmissbrauch und religiösem Eifer, wissenschaftlicher Neugierde bis zur Grenze des Wahnsinns und vermeintlichen Wunderheilungen geprägt ist. Vor allem zum eindrucksvollen Finale hin nimmt „Revival“ zunehmend Frankensteinsche Züge an, die sich mit Lovecrafts kosmischen Schrecken unheilvoll verbinden. Zwar weist der Roman wie gewöhnlich bei King auch mal Längen auf, aber der Bestseller-Autor bleibt einfach ein glänzender Erzähler, der sich auf die gut nachvollziehbare Zeichnung seiner Figuren versteht, die wie auch diesmal schicksalhaft miteinander verknüpft sind. Und mehr noch als die angerissenen Themen des religiösen Fanatismus und wahnhaftem wissenschaftlichen Treiben ist es die unnachahmliche Art, wie King seine so unterschiedlichen Protagonisten miteinander agieren lässt, die „Revival“ zu einem spannenden Lesevergnügen macht.

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Der kleine Jamie wächst in einem Vorort in den USA auf und wird religiös erzogen. Durch Reverend Jacobs lernt er die Macht der Elektrizität kennen und bekommt somit mehr und mehr Einblick in diese. Doch durch einen tragischen Unfall verliert Jacobs den Glauben an Gott und zieht von da an durch das Land und führt auf Jahrmärkten seine elektrischen Experimente vor. Jamie landet in einer Rockband und verfällt dem Drogenkonsum und nur Jacobs kann ihn da wieder rausholen. Im Laufe seines Lebens kreuzen sich immer wieder die Wege der beiden und führen zu einem unerwarteten Ende wie man es von Stephen King kennt. Zu Anfang baut King eine Geschichte mit Spannung auf, leider lässt er diese gegen Mitte des Buches wieder abklingen, aber weiterlesen lohnt sich. Zum Ende hin konnte ich das Buch dann doch nicht mehr aus der Hand legen.

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Stephen King - Revival

Von: Kerstin Junglen aus Flörsheim/Main

19.03.2015

Meinung: Jamie Morton und Charles Jacobs begegnen sich zum ersten Mal im Jahre 1962, Jamie ist gerade 6 Jahre alt und Charles tritt als 25-jähriger seine Predigerstelle in der kleinen Gemeinde Harlow an. Ihre Wege kreuzen sich von da ab immer wieder, auch als Charles längst nicht mehr in Harlow predigt. Durch den dramatischen Verlust seiner Frau und seines kleinen Sohnes verliert er den Glauben in Gott und verabschiedet sich mit einer lästerlichen Predigt aus Harlow. Jamie wird Musiker und schwer drogenabhängig. Zu dieser Zeit trifft er Charles wieder, der immer noch mit seinem Steckenpferd, der Elektrizität, herumexperimentiert und Jamie dadurch heilen kann. Auch viele andere Personen werden dank Charles von ihren Leiden befreit, doch zu welchem Preis, stellt sich erst am Ende heraus. Revival liest sich fast durchgängig als rückblickende Lebenserinnerung von Jamie Morton. Erst zum Schluss hin kommt der eigentliche Horror ins Spiel, den Meister King immer noch gnadenlos gut beherrscht. Der Erzählstil von Stephen King ist wie gewohnt sehr detailreich, manches Mal aber auch leider etwas zu langatmig geraten. Der Leser begleitet Jamie Morton von seinem 6. Lebensjahr, als er das erste Mal auf Reverend Jacobs trifft, bis in seine Fünfziger Jahre, in denen er Jacobs das letzte Mal begegnet und dies verhängnisvolle Folgen hat. Jamie wächst dem Leser ans Herz, denn man begleitet ihn und auch seine Familie die ganzen Jahre über, verfolgt, wie er Gitarre spielen lernt, seine erste große Liebe trifft und später in die Drogenabhängigkeit rutscht. Charles Jacobs ist am Anfang des Buches ein junger Mann voller Tatendrang und der Elektrizität als Steckenpferd. Er ist glücklich mit Patsy verheiratet und Vater eines kleinen Jungen, Morrie. Als diese beiden durch tragische Umstände verunglücken, fällt Charles vom Glauben ab und tingelt die nächsten Jahre in Vergnügungsparks durch die Lande, wo er die Besucher mit seinen Elektrizitäts-Tricks für sich begeistern kann. Doch diese Affinität soll ihm und auch vielen anderen zum Verhängnis werden. Mich konnte Revival eigentlich durchweg begeistern, auch wenn die Spannung oder die Horrorelemente erst recht spät zur Sprache kommen. Doch alleine Stephen Kings wunderbar bildhafter und detailreicher Erzählstil kann wieder sehr fesseln und so kann man über eine sich etwas in die Länge ziehende Mittelpassage durchaus hinwegsehen. Für mich ist Revival zwar nicht einer seiner besten Romane, doch auf jeden Fall für Fans und Leser, die seine Bücher kennenlernen wollen, empfehlenswert. Fazit: Mit Revival ist Stephen King eine spannende und dramatische Lebensgeschichte gelungen, die leider erst am Ende die erhofften Horrorelemente auspackt. Trotzdem bleibt es ein empfehlenswerter Roman, der viele kritische Themen, wie z.B. Drogenkonsum, religiösen Fanatismus und Wunderheilung anspricht.

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Es ist die Geschichte von Jamie, dem Rockgitarristen, die uns Stephen King hier erzählt. Jamie begegnet dem Methodistenprediger Charles Jacobs als kleiner Junge. Er trifft den Prediger immer mal wieder im Laufe seines Lebens. Charles Jacobs hat nie diesselbe Rolle oder denselben Beruf bei diesen Begegnungen und diese Treffen haben jedesmal Auswirkungen auf Jamie. Der Meister bleibt mit "Revival" seinem wunderbaren, detaillierten Erzählstil treu. Er veteilt wie immer Seitenhiebe, diesmal hat er den Glauben im Auge. Auch mit "Revival" schafft er es, uns Leser zu fesseln, obwohl die Geschichte um den Rockgitarristen Jamie nicht so spannend ist. Was King sehr gut kann, ist die Figuren Jamie, seine Familie, seine erste Liebe, den charismatischen Prediger und Erfinder Charles, sowie alle Nebenfiguren zum Leben zu erwecken. Jamie erzählt sein Leben im Rückblick und wird dabei sehr nostalgisch. Was mich etwas gestört hat, ist die Werbung für das Buch, die in mich eine Lovecraftsche Horrorstory erwarten ließ. Diese Geschichte hat diese Elemente. Leider begegnen die uns erst in den letzten 50 Seiten und das hat mich dann doch etwas enttäuscht. Unter der Erwartungshaltung hätten der Geschichte 250 Seiten weniger gut getan. Richtigen Horror und Grusel wie bei "Es" kann man hier nicht erwarten. Auf den letzten 50 Seiten wird die Story sehr spannend und mysteriös. Der Meister ist zahm geworden. Für eingefleischte King-Fans, die nicht unbedingt den Horror erwarten, sondern ein Buch wie "Joyland", ist "Revival" ein Muß.

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Wäre King nicht so ein großartiger Erzähler, wäre das Buch vielleicht ein Flop geworden. So ist es ein ruhiger Roman über Verlust und Glauben, über Besessenheit und Sucht und über ein eigentlich ziemlich normales Leben mit Höhen und Tiefen. Und es ist eine Hommage an die Musik. Was aber fast komplett fehlt, ist der angekündigte Horror. Es dauert über 400 Seiten, bis ein wenig „Grusel“ in die Geschichte kommt und erst 30 Seiten vor Schluss gibt es eine Szene, die einem Horrorroman gerecht wird. Dennoch kam für mich keine Langeweile auf. Es war interessant, die Entwicklung Jamies und seiner Familie zu verfolgen, zu erleben, wie er durch die Hölle geht und doch wieder auf die Füße kommt. Spannung kommt jedes Mal auf, wenn sich die Wege von Jamie und Jacobs, dem Prediger, kreuzen. Es ist klar, dass dessen Besessenheit von der Elektrizität über kurz oder lang zur Katastrophe führen muss, aber der Weg dahin ist verschlungen. Wahrscheinlich hätte es dem Leser mehr Grauen beschert, wenn King die Geschichte aus Sicht des Predigers und seines kranken Hirns erzählt hätte. Es wäre sicher interessant gewesen, die Erlebnisse des Wunderheilers aus dessen eigener Sicht zu erfahren. Aber auch so ist genug Raum geblieben, um Kings Meinung über die Kirche, Religion und fehlgeleiteten Glauben widerzuspiegeln. Jamie erzählt rückblickend die Geschichte seines Lebens und seines Schicksals, das ihn mit Charles Jacobs verband. Er erzählt von seinen Fehlern – ohne Jammern und Beschönigung, sondern klar und sachlich. Er breitet sein Leben vor dem Leser aus und gibt ihm die Chance, sich eine Meinung zu bilden. Er hadert nicht mit seinem Schicksal und ergeht sich nicht in „was wäre gewesen, wenn“. Und so steuert der Roman langsam aber unaufhaltsam auf den Höhepunkt zu. Und genau das macht ihn dann halt doch wieder zu einem Pageturner, denn man will wissen, wohin das wohl alles führen mag. Neben den für King üblichen Verweisen auf andere seiner Geschichten finden sich diesmal so einige Reminiszenzen an andere Größen des Genres – von Mary Shelley, die nicht nur Idee, sondern auch Namen besteuern durfte, bis hin zu H.P. Lovecraft. Mit der Bewertung tue ich mich ein bisschen schwer. Der angekündigte Horrorroman ist es nicht – also erfüllt er die Erwartungen auch nicht. Aber es ist eine gut erzählte Geschichte, die mich gepackt hat. Und so einige ich mich mit mir selbst auf 3,5 Sterne. Fazit: Eine sehr gut erzählte Geschichte eines fast normalen Lebens mit einem nicht ganz so normalen Ende – wer nicht mit falschen Erwartungen an die Geschichte herangeht, wird gut unterhalten und am Ende auch noch mit ein bisschen Grusel belohnt.

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Stephen King twitterte zu Revival "REVIVAL ist schlicht und einfach ein Horrorroman. Wer die Anschaffung erwägt, sollte schon mal seine Nerven stärken". Na, wenn das nicht vielversprechend klingt. In Revival geht es um Jamie Morton, der im Alter von 6 Jahren das erste Mal auf den Prediger Charles "Charlie" Jacobs trifft. Die beiden freunden sich schnell an und Charlie wird für den kleinen Jamie schnell zu einer Person, der er vertraut. Von da an führt das Schicksal die beiden immer wieder zusammen. Man erlebt die Geschichte aus Jamies Sicht, erlebt, wie er aufwächst, eine Musikerkarriere startet, im Drogensumpf zu ertrinken droht, bis er von Charlie gerettet wird. Gleichzeitig erfährt man, wie Charlie, der freundliche Prediger, sich verändert. Er verliert seinen Glauben, verändert sich. Es ist erstaunlich, wie Stephen King es schafft, das Heranreifen des Jungen in einen Horror-Roman zu verwandeln. Zwischenzeitlich könnte man fast glauben, man lese ein Drama über einen gescheiterten Musiker und weiß nicht, worauf die Geschichte hinausläuft. Und dann passiert wieder etwas, das einen ganz deutlich daran erinnert, dass man einen Stephen King vor sich hat. Der Plot ist wie immer sehr in die Länge gezogen, alles wird sehr detailliert beschrieben und der große Showdown - das dritte Aufeinandertreffen - zieht sich für einen Geschmack etwas zu lange heraus. Dadurch verpufft ein Teil der Spannung, des Schauers. Gleichzeitig gefällt mir aber, wie viele Elemtente aus dem täglichen Leben in diesen Roman verwoben worden, was ihn auf eine ganz andere Ebene des Schreckens hebt. Es geht um (Drogen-)Sucht, um Fanatismus, um Religion, um die große Frage nach dem "Danach?", um die Angst vor der eigenen Vergänglichkeit. Auf dieser Eben ist Revival packender als viele andere Kings. Obwohl ich mir immer wieder die Spannung aus den "alten" Kings wie Shining zurückwünsche, konnte mich Revival überzeugen. Die Geschichte hat einfach etwas an sich, das man gefesselt hat, obwohl die erste Hälfte nicht übermäßig spannend ist.

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Die erste Begegnung von Jamie und Reverend Jacobs ist ebenso unspektakulär wie schicksalhaft. Nichts deutet darauf hin, dass die Geschichte des kleinen Jungen und des Predigers ab diesem ersten Moment fest miteinander verbunden sein wird. Von den Tagen in der kleinen Gemeinde in Neuengland bis zur späteren Wiederbegegnung durchleben beide Charaktere viele Schicksalsschläge. Sie verlieren sich dabei von Zeit zu Zeit aus den Augen, kommen aber immer wieder in Verbindung. Prallen regelrecht aufeinander. „Revival“ beginnt schon fast zu nett und freundlich. Der Beginn der Handlung, die Abschnitte aus Jamies Kinderzeit mit Reverend Jacobs, wirkte so friedlich und idyllisch, dass ich fast Angst bekam weiterzulesen. Wer King kennt, weiß: so nett wird es vermutlich nicht bleiben. Die ruhige Atmosphäre und die nette Einführung in die Geschichte steigern aber durch diese unglaubliche Erwartungshaltung die Anspannung schon einmal ungemein. Wenn dann langsam das Unheil Einzug hält in „Revival“ wird der Sog der Geschichte unglaublich stark und man muss einfach wissen, wohin sich das noch alles entwickeln wird. Dieser unglaublich perfekte Spannungsaufbau ist für mich eine DER großen Qualitäten die ein King Buch ausmachen und hat auch hier einfach wieder voll zugeschlagen. Völlig ungewohnt war für mich diesmal die Thematik dieses Buches. Die Geschichte dreht sich um Religion und Glauben, um Wahn und Wissenschaft und schlägt dabei zum Teil auch recht ernste Töne an. Die Entwicklung die Reverend Jacobs innerhalb der Geschichte durchmacht ist zwar in Teilen nicht neu, zeichnet aber ein spannendes Bild der amerikanischen Religionseuphorie. Gerade diese kritischen Töne von Stephen King sind es, die die Geschichte so authentisch und düster wirken lassen. Natürlich ist Glaube und Religion eine sehr individuelle Angelegenheit, aber die gezeigten (Fehl)Entwicklungen können auch leicht als Metapher verstanden werden. Wie immer hat es Stephen King außerdem geschafft, mich quasi durch seine Geschichte zu jagen. Ich mochte Jamie als Erzähler der Geschichte und die Perspektive seiner Darstellungen von der ersten Seite an. Dadurch, dass man ihn von den frühesten Kindertagen begleitet und viele Höhen und Tiefen mit ihm durchlebt, ist mir der Charakter ungemein ans Herz gewachsen. Atemlos habe ich seine Erlebnisse verfolgt. Zusätzlich gibt es diesmal ungewohnt viele musikalische Anspielungen und Verweise zu diversen Songs, wer sich diese parallel zur Lektüre anhört, kann noch direkter und näher in der Geschichte absteigen. Ein toller Trick und ein echter Gewinn für die Atmosphäre! Trotzdem wird „Revival“ für mich kein Lieblings-King-Buch werden, denn trotz aller Begeisterung gibt es einen kleinen Wermutstropfen. Ich muss nämlich zugeben, dass ich durch den wirklich starken, bedrohlich-friedlichen Beginn der Geschichte und meine hohen Vorerwartungen vom Ende der Handlung etwas ernüchtert war. Zwar schlägt der „King of Horror“ voll zu und seine alptraumhaften Bilder haben mir wieder ungemein Spaß gemacht, ein echter „Schock“ war die Auflösung der Handlung für mich trotzdem nicht.

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