Leserstimmen zu
Unterleuten

Juli Zeh

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Wer in einem kleinen Dorf aufgewachsen ist, kann es vor sich sehen. Die kleinen und feinen Unterschiede der einzelnen Menschen. Das Lächeln bei Begegnungen und das Messer im Rücken sind allgegenwärtig. Freund oder Feind, da spielt selbst eine Verwandtschaft keine Rolle mehr. So ist es auch in Unterleuten, diesem kleinen Kaff, einst in der DDR-Zone, nun „befreit“ und doch immer noch „gefangen“. Es tummeln sich einige Leute da, von alteingesessenen bis neu hinzugezogenen. alle wollen nur das Beste -für sich, weniger für die anderen. Da kommt die Sache mit den Windrädern doch genau richtig um endlich mal all das zu regeln, was Jahrzehnte am schwelen ist und so entsteht ein Flächenbrand. Rette sich wer kann, da geht was ab! Besonders die Alten fangen an, sich endlich einmal auszuleben, mit Vorliebe durch kleine, feine Gehässigkeiten, die sich im Laufe der Geschichte immer weiter steigern. Es hat irre Spaß gemacht, zu erhören was sich da entwickelt und vor allem wie die Charaktere sich so verhalten. Die liebe, nette, junge Ehefrau und Mutter, die irgendwann anfängt richtig schwere Geschütze aufzufahren. Der alte Mann von nebenan, dessen Geheimnis zwar schon ewig in aller Munde ist aber doch nie richtig zur Sprache kam. Der Städter, der so tief ins Fettnäpfchen tritt, dass er dabei arg ins Straucheln gerät. Viele weitere mehr zeigen auf, dass, wenn es um die eigene Existenz geht, alle Mittel recht sind. Lug und Betrug, ein sich gegenseitig ausspielen, Neid und Gier. Verhöhnte Liebe, alter Hass – Unterleuten hat einige zu bieten. Die Sprecherin lässt einen teilhaben – an all den Gedanken und Emotionen. Sie führt einen durch diesen Ort, dessen Vergangenheit und die Gegenwart. Die Autorin Juli Zeh hat ein absolut geniales und erschütternd ehrliches Milieu gezeichnet. Klischees die keine sind! Wie war das – es kann der frömmste Nachbar nicht in Frieden leben, wenn? Wer Ausflüge in die psychologischen und durchaus gestörten Verhaltensweisen von unzufriedenen Menschen wagen möchte, sollte auf jeden Fall nach Unterleuten. Diesen Besuch vergisst man so schnell nicht. Herrlich wie sich diese bitterböse Geschichte entwickelt und damit einen enorme Anziehungkraft ausübt, endlich alles wissen zu wollen. © Kerstin

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Kunstvoll und spannend verkörpert in diesem Dorfroman von Juli Zeh von 2016 das fiktive brandenburgische Dorf „Unterleuten“ einen Mikrokosmos der Gesellschaft. Große Themen werden aufgeworfen und mit Witz und einer Art tiefgründiger Leichtigkeit gestreift: Systemanpassungen nach der Wende, alternative Energiequellen, Berliner Yuppies auf Großstadtflucht, Generationenkonflikte, korrupte Politiker. Spannung und Vielseitigkeit entsteht durch den ständigen Perspektivwechsel, denn jedes Kapitel ist aus der Sicht eines anderen Dorfbewohners geschrieben, nach dem es benannt ist. Juli Zeh zeigt in ihrem Roman einmal mehr, wie gut sie eine ausgefeilte psychologische Figurenzeichnung beherrscht. Wie wer sich gegenüber dem großen Investor verhält, der Parzelle um Parzelle Land zum Errichten eines großen Windparks aufkauft, das ist vergnüglich und lehrreich zugleich. Ränke und Intrigenspiel des Dorflebens erinnern an tagesaktuelle Intrigen auf dem politischen Parkett. Grüner Klimaschutz dient hier nur der Gewinnmaximierung, Aussteigen folgt eher nostalgischen Bedürfnissen als einem wirklichen Streben nach ländlicher Idylle. Dabei bleibt der Zynismus der Autorin immer menschenfreundlich und lebensbejahend.

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Kunstvoll un spannend

Von: Keith Surridge aus Frankfurt

13.02.2018

Kunstvoll und spannend verkörpert in diesem Dorfroman von Juli Zeh von 2016 das fiktive brandenburgische Dorf „Unterleuten“ einen Mikrokosmos der Gesellschaft. Große Themen werden aufgeworfen und mit Witz und einer Art tiefgründiger Leichtigkeit gestreift: Systemanpassungen nach der Wende, alternative Energiequellen, Berliner Yuppies auf Großstadtflucht, Generationenkonflikte, korrupte Politiker. Spannung und Vielseitigkeit entsteht durch den ständigen Perspektivwechsel, denn jedes Kapitel ist aus der Sicht eines anderen Dorfbewohners geschrieben, nach dem es benannt ist. Juli Zeh zeigt in ihrem Roman einmal mehr, wie gut sie eine ausgefeilte psychologische Figurenzeichnung beherrscht. Wie wer sich gegenüber dem großen Investor verhält, der Parzelle um Parzelle Land zum Errichten eines großen Windparks aufkauft, das ist vergnüglich und lehrreich zugleich. Ränke und Intrigenspiel des Dorflebens erinnern an tagesaktuelle Intrigen auf dem politischen Parkett. Grüner Klimaschutz dient hier nur der Gewinnmaximierung, Aussteigen folgt eher nostalgischen Bedürfnissen als einem wirklichen Streben nach ländlicher Idylle. Dabei bleibt der Zynismus der Autorin immer menschenfreundlich und lebensbejahend.

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Unter Leuten - kein gutes Buch

Von: kwilli aus Dresden

01.02.2018

Ich habe das Buch zuende gelesen, ausgeborgt. Kaufen würde ich es mir keinesfalls. - etwa die Hälfte der handelnden Personen hat nach meiner Meinung einen an der Waffel und ist weder früher, noch heute typisch für die Dorfbevölkerung. - Es ist in vielen Passagen zu langatmig geschrieben, was auch andere schon gemerkt und bemängelt habe. Eingedampft auf die Hälfte - bei Streichung alles unnötigen Beiwerkes- hätte es auch getan. Warum zum Beispiel muss man einen Autotyp genau benannt oder einen anderen Gegenstand genau beschrieben bekommen? Alles nutzloses Beiwerk. - Manche Episode dürfte auch mit dem Nichtwissen der Autorin über die DDR zu erklären sein, z.B. dass einem, nur damit er in eine LPG eintritt, ein Feuer gelegt worden ist. Hat die Autorin nicht erfahren können, dass manche Bauern ihre Hunde auf die Agitatoren aus der Stadt gehetzt haben? Ich selber habe in den 60er Jahren auch auf dem Dorf gelebt und bemerkt, dass es 3 bis 4 Jahre nach der Vollgenossenschaflichkeit auf dem Land eher die Grundstimmung gab: "Diese Genossenschaft hätten wir schon früher gründen sollen" - Auch die vielen Unglücks- und Todesfälle in wenigen Jahrzehnten sind unglaubhaft. Da hat sich Frau Zeh wohl zu sehr von Wunschträumen leiten lassen. Wenn Frau Zeh einmal sehen möchte, wie gute Literatur aussehen kann, dann sollte sie sich mal ein Werk von Landolf Scherzer durchlesen. Auch alles spannend, aber real und nicht abgehoben und ohne Spinnereien.

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Wieder mal ein mit Sprache jonglierendes Buch, was viele Charaktere und Gedankengänge aufzeigt und damit die vielen verschiedenen Sichtweisen und Probleme der Menschen und ihrem Bezug zueinander und der Natur. Danke, nach den ersten 60 Seiten war ich schon glücklich darüber, dass man mit seiner Beobachtung über Menschen, Gedanken und Umwelt nicht alleine steht. Trotzdem ist es ein Buch, das einen durch Wochen begleitet, weil es einen nicht übermäßig einnimmt oder die Konzentration dermaßen fordert,dass man es an einem Stück lesen muss.

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Unterleuten, ein kleines Dorf in Brandenburg, scheint eine bezaubernde Idylle zu sein. Nicht nur aus diesem Grund zieht es immer mehr Menschen aus dem Westen hierher. Einerseits wollen sie den Stress der Großstadt loswerden, andererseits scheinen sie aber nicht zu wissen, dass ein Dorf eine Gemeinschaft ist, der man sich anschließen muss. Dieses Dorf hat wie viele andere auch Familien, die seit mehreren Generationen dort wohnen. Bekannt ist ebenfalls, dass es eine tiefe Kluft, wenn nicht einen Krieg zwischen zwei Männern gibt, die dieses Dorf prägen. Der Roman von Juli Zeh spiel im Sommer 2010, in diesem Sommer wird von einer großen Investmentfirma geplant, einen Windpark in dieser Idylle aufzustellen. Genehmigt ist schon alles, nur der Bauplatz steht noch nicht fest. Mindestens 10 ha werden gebraucht und es gibt verschiedene Möglichkeiten. Jetzt zeigen sich die inneren schon lange schwelenden Konflikte der Dorfbewohner, die schon seit Ewigkeiten hier wohnen, zusätzlich kommen die der Zugezogenen, die nur die Hälfte von dem begreifen, was hier eigentlich abläuft. Letztendlich scheint es nur ums Geld zu gehen. Ich denke, nur die beiden Alten, die schon lange verfeindet sind, haben irgendwann den Durchblick. In Unterleuten liegt vieles in den Köpfen der Menschen verborgen und bricht aus, jeder fühlt sich im Recht und manch einer nimmt es sich - mit den falschen Mitteln. Familien brechen auseinander. Dieser Gesellschaftsroman gerät zum Drama und endet meines Erachtens auflösend. Juli Zeh hat den Roman über das soziale Gefüge dieses Brandenburgischen Dorfes in sechs Teile geteilt, die jeweils in bis zu 13 Kapitel eingeteilt sind und den Namen einer Figur tragen, aus deren Perspektive das Geschehen geschildert wird. "Unterleuten" lässt sich gut lesen, war allerdings stellenweise etwas zäh.

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Juli Zeh beschreibt in ihrem 640 seitigen Roman den Wandel eines brandenburgischen Dorfes namens „Unterleuten“ seit der Wende, wobei vorhergehende Ereignisse ihre Schatten bis in die Gegenwart werfen. Anhand von Erlebnissen Alteingesessener und nach der Wende Zugezogener erlebt der Leser den Wandel von der Plan-, über die Unterleutener Tausch- zu der um sich greifenden Marktwirtschaft samt dem großen Ausverkauf, bei dem nahezu jeder das Beste für sich herausholen will. Schon seit jeher scheint Unterleuten ein Dorf gewesen zu sein, das nicht mit Behörden zusammengearbeitet hat und stolz darauf war, alles selber zu regeln; da fallen eigene Rachefeldzüge, kriminelle Aktionen und Selbstjustiz, Tratsch und Verleumdung gar nicht wirklich auf, sondern gehören zum ganz normalen Alltag dieses Dorfes. Soziale Verstrickungen und Abhängigkeiten beeinflussen das Taktieren seit jeher und nun, während der Planung eines Windparks, stellen sie die Gegenspieler zu skrupellosen Investoren dar, beim Wettlauf um die eigenen Vorteile, bei denen auch Zugezogene alles geben. Die Bewohner Unterleutens werden eher klischeehaft dargestellt; im Laufe des Romans lernt man sie ein wenig kennen, erfährt von ihren Schicksalschlägen, Beweggründen, Überzeugungen, von Situationen, die sie sprachlos oder gedemütigt zurückließen und veränderten, von Treue und Verrat und von Familienfehden, die sich über Jahrzehnte erstrecken. Trotz der Einblicke in ihr Leben hinterläßt keiner von ihnen einen wirklich bleibenden Eindruck bei mir. Das ist vielleicht auch gar nicht nötig, um über ihre und die eigene Moral nachzudenken und sich zum Schluß mit ihnen gemeinsam zu fragen: Hat es sich dafür gelohnt? Insgesamt wurde der Roman spannend und facettenreich erzählt; dennoch fand ich einiges schon deutlich zu langatmig und überzeichnet.

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Inhalt: Unterleuten, ein kleines, fiktives Dorf in Brandenburg, Sommer 2010. Die Vento Direct will einen kleinen Windpark in Unterleuten bauen. Je nach Grundbesitz und sonstigen Eigeninteressen sind die Dorfbewohner dafür oder dagegen. Es wird paktiert und gemauschelt, alte Rechnungen kommen auf den Tisch. Kann das idyllisch gelegene Dorf die Querelen überstehen? Meine Meinung: Mit „Unterleuten“ ist Juli Zeh ein großartiger Gesellschaftsroman gelungen. Trotz der hohen Seitenzahl ist das Buch gut zu lesen, da es in „mundgerechte Häppchen“ eingeteilt ist. Sechs große Teile sind untergliedert in kürzere Kapitel, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden. So lernt man die wichtigsten Einwohner Unterleutens kennen. Durch den Perspektivwechsel wird auch meist sofort klar, dass das Bild, das jeder vom anderen hat, nicht der Realität entspricht. Man lebt schon lange unter falschen Voraussetzungen zusammen, bekriegt sich, obwohl nicht immer ein Grund dafür vorliegt, nur aufgrund eines Gerüchts oder einer falschen Annahme. Vor allem die erst kürzlich Zugezogenen tun sich schwer, die Strukturen der Dorfgemeinschaft zu durchschauen. Teils wollen sie sich anpassen und schlagen sich auf eine Seite, ohne die Folgen abschätzen zu können. Teils verfolgen sie eigene Interessen und bringen damit alles aus dem labilen Gleichgewicht. Juli Zeh hat die unterschiedlichsten Charaktere „erfunden“, und doch wirken sie sehr authentisch. Das kleine Dorf erwacht vor dem inneren Auge des Lesers zum Leben, und wer auf dem Dorf großgeworden ist, weiß, dass es dort genau so zugehen kann, wie die Autorin es beschreibt. Jeder kennt jeden, oft besser als sich selbst, auch wenn die Hälfte davon erfunden ist. Gerade bei der Entwicklung ihrer Figuren beweist Juli Zeh sehr viel Feingefühl. Die verschiedenen Eigenschaften, die Interaktionen, die sozialen Abhängigkeiten werden extrem detailliert unter die Lupe genommen. Vor allem wie man sein Gegenüber manipulieren kann, ist ein wiederkehrendes Thema. Durch eine der Protagonist*innen, die als Pferdeflüsterin arbeitet, wird immer wieder aufgezeigt, was Handlungen bewirken. Sie nimmt ihr Wissen aus dem Ratgeber „Dein Erfolg“ eines gewissen Manfred Gortz. Diesen Ratgeber gibt es auch tatsächlich, geschrieben von Juli Zeh unter dem Pseudonym Manfred Gortz. Auch eine Homepage von Unterleuten gibt es sowie eine Seite des Unterleutner Vogelschutzbundes, der im Roman eine Rolle spielt. So verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Fazit: „Unterleuten“ ist ein intelligenter Gesellschaftsroman, großartig konstruiert und fesselnd erzählt. Die Handlung ist logisch durchdacht und vielschichtig. Dabei kann man kaum vorhersehen, wie sich alles entwickelt. Ich habe mich köstlich amüsiert und war von Anfang bis Ende mit Spannung dabei.

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