Leserstimmen zu
Unterleuten

Juli Zeh

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Von Windkraftanlagen und Kampfläufern, von “Zugezogenen” und “Eingeborenen”, vom erträumten ruhigen Leben auf dem Land und der weit weniger romantischen Dorfwirklichkeit. Juli Zehs neuer Roman ist ein gelungenes Gesellschaftsporträt und ein echter Schmöker! In kürzester Zeit war ich von der gut konstruierten Story gefesselt. Da sind auch über 600 Seiten kein Problem. Zudem ist Unterleuten aus sprachlicher Sicht keine große Herausforderung, aber bester Juli-Zeh-Stil. Unterleuten ist ein kleines Dorf in Brandenburg, welches in Zehs Roman zum Brennpunkt gesellschaftlicher, politischer und persönlicher Auseinandersetzungen wird. Es gibt auf der einen Seite die alteingesessenen Bewohner, die beharrlich den Nationalsozialismus, den DDR-Kommunismus und nun den Kapitalismus überdauern. Auf der anderen Seite stehen die neu Zugezogenen, die Stadtflüchter, die ihr Heil in ländlicher Natur suchen. Die Konflikte sind somit vorprogrammiert. Alles eskaliert, als auf der Einwohnerversammlung der Bau eines Windkraftparks angekündigt wird … “Im Spätkapitalismus gab es keine Gesellschaft mehr, sondern nur noch ein Gesellschaftsspiel, dessen Ziel darin bestand, die kläglichen Überreste von Politik möglichst gekonnt in Unterhaltungswert umzusetzen. Da die Politiker nach eigenem Verständnis ohnehin nichts mehr zu entscheiden hatten, verwandelten sie sich in Politikdarsteller, deren Hauptaufgabe in Emotionstheater, Überzeugungsinszenierung und Entscheidungssimulation bestand. In gewisser Weise war das Kunst. Es gab Empörungsarien, Schuldzuweisungssinfonien und Forderungsballaden.” Nun geht es darum, entweder dagegen oder dafür zu sein. Diejenigen, die Land besitzen, das für den Bau geeignet ist, beginnen einen erbitterten Kampf und scheuen vor keinerlei Intrigen zurück. Tatsächlich hat jeder vor allem seinen eigenen Vorteil vor Augen. Da gibt es eine Zugezogene, die “Pferdeflüsterin”, die eine heruntergekommene Villa renoviert und eine Pferdezucht aufziehen will und anhand eines Erfolgs- und Motivationsratgebers alle Register zieht. Da gibt es einen reichen Investor aus dem Westen. Und da gibt es Gombrowski, den Verwalter, der erfolgreich die ehemalige LPG in die neue Zeit geführt hat und mit den Einnahmen des Windparks den Betrieb und somit Arbeitsplätze für das Dorf erhalten will. Doch Gombrowski hat Leichen im Keller. Mit seinem Widersacher Kron führt er seit Jahrzehnten einen erbitterten Krieg, der nun aufgrund der Windparkplanung wieder auflebt. Kron, ehemals eingeschworener Genosse, hatte mit der Enteignung des Gutes von Gombrowskis Familie zu tun. Dennoch arbeiteten beide jahrelang zusammen in der LPG. Der Hass, der lange unterdrückt war, tritt nun massiv zu Tage. Dunkle Ereignisse, die lange Zeit verheimlicht wurden, lassen sich nun nicht mehr so leicht verschweigen. Selbst bislang unbescholtene Bürger fühlen sich zu Gewaltausbrüchen getrieben. Es kommt zu einem rasanten Showdown, bei dem Juli Zeh ein wenig überdreht, was aber dem Gesamteindruck des Romans nicht schadet. “Seiner Erfahrung nach wurden die schlimmsten Übel der Welt nicht durch böse Menschen bewirkt. Von denen gab es in Wahrheit erstaunlich wenige. Viel gefährlicher waren Leute, die sich im Recht glaubten. Sie waren ungeheuer zahlreich, und sie kannten keine Gnade.” Zeh bringt in diesem Roman aktuelle gesellschaftsrelevante Themen aufs Tapet. Zudem schildert sie anhand ihrer detailgenau ausgearbeiteten Figuren grandios, wie menschlich Menschen sind, wie leicht Konflikte eskalieren, wie gerne Intrigen gesponnen werden, wie schnell Menschen zu Gewalttätern werden, wenn es um Persönliches, Emotionales und um das liebe Geld geht. Auch den dörflichen Charakter weiß sie gut zu schildern – diese Mechanismen, die so ganz anders funktionieren als in einer Großstadt. Sie teilt den Roman in Kapitel auf, in denen ihre Protagonisten abwechselnd zur Sprache kommen. Somit erlebt der Leser die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln. Das ist geschickt gemacht, denn so steigt auch die Spannung und man kann sogleich seine persönlichen Sympathien und Antipathien verteilen. Mehr wird nicht verraten, denn es lohnt sich wirklich diesen Roman zu lesen!

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Inhalt Wie ein Paradies für Aussteiger, eine Idylle fernab vom Großstadtleben, dem geschäftigen Treiben der Menschen, liegt das kleine Dorf Unterleuten da. Und während die Mauer schon längst gefallen ist, erinnern sich die schrulligen Bewohner noch 2010 an die Zeit zurück, in der das Dorf in der DDR gelebt hat, an all die vergangenen Taten und Probleme. Als ein Windpark in die romantische Landschaft gebaut werden soll, klaffen jedoch die ganzen alten Wunden wieder auf, Streitereien nehmen den ganzen Ort in Anspruch und drohen, nicht nur Einzelschicksale zugrunde zu richten, sondern weitere, größere Tribute der Einwohner zu fordern… Meine Bewertung Wieder einmal hat es ein Buch von Juli Zeh geschafft, mich an die Seiten zu fesseln und absolut mitzureißen. “Unterleuten” war ein Rezensionsexemplar, das meine Juli Zeh-Sammlung allmählich vervollständigt, und ich freue mich sehr, dass ich es lesen durfte, dass ich wieder einmal in Charaktere eintauchen durfte, die mir persönlich nicht fremder sein könnten, und deren Schicksale mich doch so sehr mitgenommen haben, dass ich am Ende des Buches zitternd dasaß. Juli Zeh hat in meinen Augen ein besonderes Talent, mit Sprache umzugehen, nüchtern große Gefühle zu beschreiben, ihren Charakteren Leben einzuhauchen, so unterschiedlich die auch sein mögen. Gerade an “Unterleuten”, das mit zahlreichen Handlungssträngen, vielfältigen Charakteren und einem roten Faden glänzt, den man selten bei so einem komplexen Roman finden kann, hat sie wieder einmal bewiesen, dass sie in der Lage ist, den Leser in eine Welt zu entführen, die so real ist, dass man sich alles vorstellen kann. Mit großer Liebe zu Details, bis ins Kleinste ausgearbeiteten Eigenheiten der Dorfbewohner, hat dieses Buch mich in seinen Bann gezogen. Der große Konflikt dreht sich in vielerlei Hinsicht um Altlasten, Streitereien und Schicksale, die durch die Wende beeinflusst wurden. Die alteingesessenen Dorfbewohner, wie der steinharte Kommunist Kron oder die katzenvernarrte Hilde, Bürgermeister Arne und Großgrundbesitzer Gombrowski stehen einer Jugend gegenüber, die sich vom Großstadtleben entfernen will. Vogelschützer, Pferdebesitzer, Aussteiger – hier treffen so viele, unterschiedliche Temperamente aufeinander, Sichtweisen auf das Leben und die Gesellschaft, dass jeder Leser sicherlich einen Charakter haben wird, in dem er sich zumindest ansatzweise wiederfinden kann. Von Anfang an haben Juli Zehs detailreiche Schilderungen von Unterleuten und den Bewohnern es mir einfach gemacht, mich in der Story zurechtzufinden, selbst wenn man mal kurz den Überblick über die einzelnen Personen verliert. In diesem Buch steckt ein solches Ausmaß an Gesellschaftskritik, das sich durch die Thematik der Windräder, die das Dorf spalten, offenbart, dass es mir schwer fällt, alles zu verdauen. Wer an dieses Buch rangehen will, sollte schon genügend Zeit einplanen, um sein eigenes Weltbild immer wieder zu überdenken, um die Bewohner Unterleutens nachzuvollziehen und den Ernst der Lage zu erkennen, die sicherlich stellvertretend für einige deutsche Dörfer steht. Mich hat “Unterleuten” sehr nachdenklich gestimmt, gerade durch die kurzen, knappen Sätze, die in sich nicht viel Gefühl beinhalten, dabei aber wieder einmal eine drückende Schwere im Leser erwecken, die noch Tage später greift. Auf eine einzigartige Weise, für die ich jedes Mal wieder dankbar bin, hat es Juli Zeh geschafft, mich mit diesem Roman zu berühren und zum Nachdenken anzuregen. “Unterleuten” ist sicherlich nichts für zwischendurch, und auch nichts für schwache Gemüter. Es ist kein “Friede, Freude, Eierkuchen”-Buch. Man wird als Leser gefordert, erhält aber auch einen wunderbaren Roman, der so schnell nicht in Vergessenheit gerät und für einige Diskussionen gut ist.

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Horner Buchhandlung

Von: Meike Blanke aus Bremen

16.03.2016

Der Gesellschaftsroman aus der Provinz liest sich spannend wie ein Thriller und enthält eigentlich alles, was uns zeitgeschichtlich umtreibt. Mein Frühjahrsfavorit!

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Großartig

BUch im Süden

Von: Waltraud Dawood aus Stuttgart

14.03.2016

Schon immer, ihr “ganzes schriftstellerisches Leben lang”, wollte Juli Zeh einen Gesellschaftsroman schreiben. Es ist ihr mit dem Roman Unterleuten (oder heißt das Buch “Unter Leuten”?) mehr als gelungen. Sie wirft einen Blick auf Unterleuten, ein Dorf im ehemaligen Osten Deutschlands. In diesem Dorf kommt es zur Krise, als Windräder gebaut werden sollen. Bei Einwohnern, Alteingesessenen und auch bei den Neuen, die sich im Paradies wähnten, brechen Konflikte und alte Gräben auf. Es passieren sonderbare Dinge, Feindschaften spitzen sich zu. Ein Buch, in dem die Protagonisten durch die Krise nicht geläutert werden und auch nicht ihre Schattenseiten und Konflikte überwinden. Im Gegenteil: Irgendwann eskaliert der Streit, alle haben Recht und haben genauso nicht Recht. Spannend geschrieben, überzeugende Figuren, die ganz verschieden sind. Am Ende bleibt die Frage, wer denn nun zu den Guten gehört, unbeantwortet. Gehaltvoll, sprachlich gelungen, grandios erzählt.

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Juli Zeh – ich hatte schon immer vor, einmal eines ihrer Bücher zu lesen … „Unter Leuten“ ist nun das erste Werk aus ihrer Feder, welches ich mir zu Gemüte geführt habe … Ich möchte berichten, wie es mir gefallen hat … Daten zum Buch: ============ • Gebundene Ausgabe: 640 Seiten • Verlag: Luchterhand Literaturverlag (8. März 2016) • Sprache: Deutsch • ISBN-10: 3630874878 • ISBN-13: 978-3630874876 • Größe und/oder Gewicht: 14,9 x 5 x 22,2 cm PREIS: 24,99 Euro Inhalt: ==== Die Geschichte spielt in Brandenburg – in einem kleinen Dörfchen vor den Toren Berlins. In Unterleuten gibt es zahlreiche Originale, unberührte Natur und seltene Flora und Fauna – was kann schöner sein ??? Aber … Es gibt bald Streit – hinter der idyllischen Fassade entwickelt sich aus Bösem etwas ganz Schreckliches. Ein Windpark soll gebaut werden. Eigentlich wollen Menschen aus der Großstadt hier idyllisch leben – fernab vom Stress und doch scheitern sie irgendwann, können ihre Träume nicht verwirklichen. Provinz und Großstadt treffen aufeinander – kann das gut gehen. Die Städter kaufen sich die alten Villen und wollen hier fernab des Stresses der großen Stadt idyllisch und ruhig leben. Eigenes Interesse trifft auf Moral – gibt es Moral überhaupt noch? Werden die eigenen Interessen allem voran gestellt? Dann bricht die Hölle los in Unterleuten … Zahlreiche Verwicklungen zurück in die DDR-Zeit sind es, die u.a. das Buch so spannend werden lassen, aber es ist auch die Art und Weise, wie die Autorin ihre Idee zu Papier bringt. Unsere Gesellschaft ist praktisch der authentische Aufhänger zu dieser spannend reizvollen und brisanten Geschichte. Da kann man viel draus machen – und das hat Juli Zeh gemacht – zu 100 Prozent. Ich bin vollkommen überzeugt von der Geschichte – noch immer in ihrem Bann und könnte mir sehr gut eine Verfilmung vorstellen. Die Figuren konnte ich mir schon beim Lesen sehr gut vor dem geistigen Auge vorstellen und die Handlung ist sehr bildhaft beschrieben – Charaktere und Szenen sind nicht bruchstückhaft, sondern detailliert dargestellt. Die Autorin geht überhaupt sehr in die Tiefe, ohne langatmig zu erscheinen, sondern sie baut ständig neue Spannung auf und hat mich damit vollkommen an das Buch gefesselt. Man nimmt Juli Zeh das Geschriebene ab, so könnte es passiert sein – irgendwo in Brandenburg – vor den Toren Berlins oder anderswo. Keine Angst vor den mehr als 600 Seiten – die lesen sich flüssig und absolut angenehm – kurzweilig und spannend von Beginn bis Schluss.

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Bücher in den Schloßpassagen

Von: Sylvia Horn aus Grünwald

09.03.2016

Morgens 9 Uhr im Nachthemd angefangen, abends im Nachthemd fertig geworden - eine tolle Geschichte, Spannung pur - und so echt! Dazu immer eine Prise kluge Zeitanalyse = mein Liebling 2016!

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Sehr empfehlenswert

Von: Nathalie Schaffer

08.03.2016

Als ich von diesem Buch erfuhr, war mir sofort klar, dass ich dieses lesen muss. Ich brauchte beim Lesen zwar eine Weile bis ich in das Buch „hineinfand“, doch plötzlich wollte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Ich bin fasziniert, wie die Autorin die Geschehnisse des Dorfes aus den verschiedenen Sichtweisen der alteingesessenen und neu zugezogenen Dorfbewohner erzählt. Beim Lesen konnte ich mich dadurch gut in die unterschiedlichen Charaktere hineinversetzen, versuchte mir aus der Sicht des einen Gedanken über den anderen zu machen und stellte mir vor, wie ich selbst reagieren würde. In Juli Zehs Roman steckt sehr viel Wahrheit über die heutige Gesellschaft. Es ist erschreckend zu sehen, wie schnell ein Mensch in Verruf geraten kann, weil jemand glaubt die Wahrheit über den anderen zu kennen und wie einfach Menschen in ihrem Denken und Handeln beeinflussbar sind. Einige behaupten, das Beste für alle zu wollen und verfolgen letztendlich doch nur ihre eigenen Interessen. Zusammengefasst: Ein spannendes, erschreckend gutes Buch!

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Die Vorlage für ihren neuen Roman “Unterleuten” fand Juli Zeh, wie sie selbst schreibt, auf der Panorama-Seite von Spiegel-Online. Viele der beschriebenen Personen und Orte gibt es wirklich, wenn auch nicht alle unter ihrem richtigen Namen. In ihrer Story geht es um Berliner Aussteiger, die von der großen Stadt die Nase voll haben und jetzt das scheinbar idyllische Landleben genießen wollen. Und die in ihrer Selbstgerechtigkeit wenig sensibel mit den Alteingesessenen umgehen und kaum einen Fettnapf auslassen. Doch Zehs Blick hinter die Kulissen der Dorfidylle zeigt, dass es hier – oh Wunder – ebenso ums Networking und den kleinen persönlichen Vorteil geht, wie in der großen Metropole. Wer kungelt mit wem und wer will wem schaden? Wer war schon zu DDR-Zeiten systemtreu und wer ist bis heute Wende-Gewinner oder -Verlierer? Wem geht es um das vermeintliche Gemeinwohl, wer agiert aus puren Eigennutz? Minutiös beschreibt Julie Zeh in ihrem gelungenen Gesellschaftsroman, wie in Unterleuten die üblichen nachbarschaftlichen Grabenkämpfe toben, während die Ex-Städter erst nach und nach die Macht der örtlichen Seilschaften erkennen lernen. Und wo es ersteren um Bio, Umwelt und Naturschutz geht, denken die Eingesessenen über wirtschaftliches Wachstum und den eigenen Gewinn nach. Juli Zeh zeigt aber auch, wie lang die Konfliktlinien zwischen alten DDR-Konformisten (oder auch überzeugten Anhängern) und denjenigen sein können, die es schon immer eher mit der Privatwirtschaft hatten. In knappen Kapiteln erzählt sie ihren Roman aus der Sicht ihrer verschiedenen Figuren und entwickelt in der kurzen Zeitspanne ihrer Geschichte eine überzeugende Story über lebensverändernde Erfahrungen, die sich sich wie ein Thriller liest. Eine ebenso turbulente wie authentische Geschichte aus der tiefen Provinz, mitten aus dem Leben und voller spannender Augenblicke.

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