Leserstimmen zu
Astrid Lindgren. Ihr Leben

Jens Andersen

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Neues Jahr, neues Buch. Heute möchte ich Euch mal einen weiteren SPIEGEL Bestseller vorstellen: Astrid Lindgren. Ihr Leben. Eine Biografie von Jens Andersen. Ich muss gestehen, dass ich bislang noch nie so eine beeindruckende Biografie gelesen habe. Anhand vieler Zeitungsartikel, Briefe, Tagebücher und Interviews ist es dem Autor gelungen eine sehr authentische Biografie über Astrid Lindgren zu schreiben, die einen sehr berührt. Wer kennt schon die Frau hinter den vielen erfolgreichen Kinderbüchern? Was hat sie bewegt? Lindgren war sehr weltoffen, hat vieles erlebt. Der zweite Weltkrieg und vieles mehr beeinflussten Ihr Leben. Hier kommt meine Rezension. Ich musste auch feststellen: Astrid Lindgren und ich haben vieles gemeinsam. :-) Astrid Lindgren, Lektorin, Schriftstellerin, Biografie, Stockholm, Ihr Leben, DAV, Jens Andersen, Blog, Skandinavien, Schweden, Pippi Langstrumpf, Kinder Bullerbü, Michel, Kinderbuch-Autorin, Vimmerby, Über den Autor: Jens Andersen, Jahrgang 1955, lebt in Kopenhagen und hat in Nordistik promoviert. Er arbeitete als Literaturkritiker für dänischen Zeitungen bevor er selbst zum Autor wurde. 1990 begann er Biografien über skandinavische Persönlichkeiten zu verfassen. Mehrfach ausgezeichnet wurde er für seine Biografie über Hans Christian Andersen. Aber auch "Astrid Lindgren. Ihre Leben" bescherte ihm einen Preis: Er gewann 2015 den dänischen Politikens Literaturpris und in Schweden wurde die Biografie über die schwedische Ausnahme-Autorin zum Bestseller. Über das Buch: Wie viel Zeit muss Andersen damit verbracht haben, all die Informationen über Astrid Lindgren zusammenzusammeln? Wie oft war er in schwedischen Archiven und hat die Dokumente der Vergangenheit gelesen? Das Ergebnis ist auf jeden Fall eine sehr beeindruckende Biografie über die Kinderbuch-Autorin vieler weltweit erfolgreicher Meisterwerke, wie Pippi Langstrumpf, Bullerbü, Karlsson vom Dach, Die Brüder Löwenherz, Ronja Räubertochter und so weiter. Insgesamt soll sich die Auflage Ihrer Bücher auf 145 Millionen Exemplare belaufen. Ich möchte in dieser Rezension nun nicht Ihr Leben nachzeichnen ,denn dem könnte ich nicht gerecht werden. Dafür gibt es ja die Biografie. Viel mehr möchte ich versuchen zu beschreiben, wie Anderen Astrid Lindgren dargestellt wird. Natürlich beruht eine Biografie immer auf Fakten. Es gibt zahlreiche Zitate in dem Buch aus Briefen, Zeitungsartikeln und Tagebüchern. Doch vieles steht auch zwischen den Zeilen. Und Andersen, der selbst in Dänemark lebt, hat vielleicht noch einen direkteren Bezug zu der Autorin, die oft zwischen Kopenhagen und Stockholm pendelte, als wir Leser. Astrid Lindgren war eine einzigartige, außergewöhnliche und vielleicht auch nicht immer umgängliche Frau. Aber sie war oft ihrer Zeit weit voraus. Sie besaß den berühmten "Blick über den Tellerrand" und das auch in einer Zeit voller Ängste und Unruhen. Lindgren begann Ihre Karriere bei einer Lokal-Zeitung im schwedischen Vimmerby als Volontärin. Es war damals ungewöhnlich, dass eine Frau journalistisch arbeiten wollte. Mit 18 Jahren wurde sie zum ersten Mal schwanger vom Chefredakteur der Lokalzeitung und brachte Ihren Sohn heimlich in Kopenhagen zur Welt. Dort lebte er lange bei einer Pflegefamilie. Wie schrecklich muss das für eine Mutter sein, wenn man sein eigenes Kind abgibt und nicht täglich sieht? Und damals konnte man nicht mal eben von Stockholm nach Kopenhagen fliegen. Die Fahrt musste mit dem Nachtzug gemacht werden, der sehr teuer war. Sehr emotional wird das Erlebte Ihrer ersten Schwangerschaft und die regelmäßigen Besuche des Sohnes in einem Briefwechsel zwischen Lindgren und der Pflegemutter beschrieben. All die Sorgen und der Schmerz, die eine alleinerziehende Mutter hat. Astrid Lindgren, Lektorin, Schriftstellerin, Biografie, Stockholm, Ihr Leben, DAV, Jens Andersen, Blog, Skandinavien, Schweden, Pippi Langstrumpf, Kinder Bullerbü, Michel, Kinderbuch-Autorin, Vimmerby, 1939 begann Lindgren mit Ihren Kriegstagebüchern. Sie verarbeitete scheinbar darin Ihre Bedenken. Durch Ihre Tätigkeit beim schwedischen Nachrichtendienst hatte sie viele Briefe lesen müssen, die aus dem Ausland nach Schweden kamen. Sie konnte so das "big picture" erkennen. Sie wusste, wann und wo wieder neue Kämpfe stattfanden. Es ist interessant zu lesen, wie Lindgren über diese Zeit dachte. - 1941 erfand Astrid Lindgren die wohl bekannteste Kinderfigur "Pippi Langstrumpf". Ursprünglich sollte die Geschichte nur für Ihre Tochter sein. Doch schließlich fand das Manuskript, nach einigen Umwegen, seinen Weg zu einem Verlag und das Ergebnis kennen wir alle. Astrid schrieb gerne Ihre Manuskripte im Bett. Sie beherrschte die Stenografie und konnte so schnell Ihre Ideen aufs Papier bringen. (Auch ich blogge gerne im Bett. Dort ist es ruhig, gemütlich und man ist allein.) Auch Astrid Lindgren genoss regelmäßig die Ruhe und das Alleine sein. Lindgren besuchte nach dem Krieg Deutschland und schaute sich Ost-Berlin an. Sie war erschüttert. Sie wurde von einer Freundin begleitet, die auf Frauen stand und Lindgren vergeblich den Hof machte. Astrid Lindgren war zu dieser Zeit schon mit Ihrem zweiten Mann, Sture Lindgren, verheiratet. Doch, in Bezug auf die damalige Zeit, war Astrid Lindgren auch hier sehr tolerant und nahm die gleichgeschlechtige Neigung der Freundin als natürlich hin. Sehr beeindruckend. In dem Buch wird auch deutlich, dass Astrid Lindgren eine treue Seele war, wenn es um Freundschaften und Bekanntschaften ging. Sie hielt über viele Jahre den Briefkontakt und traf sich auch im hohen Alter regelmäßig mit einer Bekannten in einem Stockholmer Park. - Interessant sind in dem Buch auch die Informationen über das Marketing zu Ihren Büchern. Ich hätte nicht gedacht, dass damals schon so perfekte Vermarktungsstrategien für Kinderbücher existierten. Nach Ihrer erfolgreichen Zeit als Schriftstellerin engagierte sich Lindgren erfolgreich für den Tierschutz und die Politik. Doch eigentlich mochte Sie nicht den Trubel um Ihre Person. Besonders an Geburtstagen. (Auch hier haben Astrid Lindgren und ich etwas gemeinsam.) Es ist sehr beeindruckend, wie sie damals Ihr Leben gemeistert hat. Es ist unvorstellbar, wie sie so viele Bücher geschrieben hat. Heutzutage hauen wir auf die Tasten des Computers und können schnell Content generieren. "Astrid Lindgren. Ihr Leben", gebunden, ist mit der ISBN 978-3-421-04703-8 beim DVA-Verlag für 26,99 Euro erschienen. NordicWannabe-Fazit: Mit der Biografie "Astrid Lindgren. Ihr Leben" lässt Jens Andersen sehr eindrucksvoll das Leben der beeindruckenden Kinderbuch-Autorin Revue passieren. Er gewährt uns einen Blick hinter die Fassade der Frau, die so einiges in Leben erlebt und bewegt hat. Wer kennt schon Astrid Lindgren? Was hat sie inspiriert? Wie war das Leben in Schweden während des Zweiten Weltkrieges? - Lindgren wird oft nur nur in Verbindung mit Pippi Langstrumpf genannt. Aber hinter diesem Namen verbirgt sich so viel mehr. Die Biografie ist ein Must-have für Alle, die die Helden aus Lindgrens Bücher lieben und mehr über die bekannteste Kinderbuch-Schriftstellerin der Welt erfahren wollen.

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Auch die Kinder meiner Schwester haben gerade unsere Astrid Lindgren Reihe, die nun schon in dritter Generation in der Familie ist (meine Mutter bekam sie im Alter von 12 zu Weihnachten). Und was haben meine Schwester und ich sie geliebt - und auch mein Neffe und meine Nichte lassen sich jeden Abend fleißig daraus vorlesen und die Filme können sie längst auswendig mitsprechen. Für mich ist das super spannend, weil man als Erwachsener natürlich einen völlig anderen Blick auf die Filme und Bücher hat - neulich habe ich mit den beiden Kids die Pippi Filme geschaut. Und dabei stellt man sich wohl immer die fröhliche Märchentante vor. Doch wenn man auf die Feinheiten achtet, weiß man, welch vielschichtige Persönlichkeit hinter diesen Büchern steckt. Die Biografie beschäftigt sich sehr umfangreich mit allen öffentlichen Quellen zum Leben der Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels. Und in Verbindung damit wird auch der mögliche EInfluss auf ihre Figuren untersucht. Dass Astrid Lindgren persönlich sehr unkonventionell gelebt hat, konnte man sich gut vorstellen, aber etwa wie ausführlich sie sich mit dem Krieg beschäftigt hat und dass sie so früh einen Sohn bekam, der ihr dann auch noch weggenommen wurde, weil sie alleinstehend mit 18 für zu jung gehalten wurde, sind für mich wirklich interessante Aspekte.

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Inhalt: Wer kennt Astrid Lindgren nicht? Mit ihren tollen Kindergeschichten, wie Michel aus Lönneberga oder Pippi Langstrumpf fasziniert und begeistert sie viele Kinder. In der Biografie über sie, geschrieben von Jens Andersen erfährt man viel über Astrid Lindgrens Leben. Meine Meinung: Ich will euch erstmal erzählen wie ich auf das Buch aufmerksam geworden bin. Ich habe das Buch beim Stöbern entdeckt und es relativ schnell wieder vergessen. Mein langjähriger Klavierlehrer hatte vor einigen Wochen seine letzte Stunde mit mir und wir haben uns am Ende noch etwas unterhalten und sind auf Astrid Lindgrens Biografie gekommen. Er hat mir ein paar Sachen über sie erzählt und mich neugierig gemacht, sodass ich es unbedingt lesen wollte. Ich habe es rasch gelesen und will erstmal auf das Cover eingehen. Ich finde es wirklich sehr schön gestaltet, vor allem wenn man das Buch in den Händen hält. Es hat eine sehr hochwertige Aufmachung mit ganz tollen Bildern. Das Buch ist sehr abwechslungsreich, es ist nicht mit Text überladen, sondern wird immer wieder mit einem Bild geschmückt oder mit einem persönlichen Eintrag von Astrid Lindgren. So lässt sich das Buch flüssig lesen. Ich war sehr schnell beeindruckt von Astrid Lindgren, die sich nicht unterkriegen hat lassen und eine sehr starke Frau war mit vielen Facetten. Es war keinesfalls langweilig, Astrid Lindgrens Leben ist sehr interessant und spannend und das konnte das Buch sehr gut vermitteln. Ich hatte das Gefühl, dass ich sie mit jedem Kapitel besser kennen lerne und sie mehr und mehr verstehe. Ihre Lebensgeschichte hat mich bewegt, berührt und zum Lächeln gebracht. Der Autor hat ihre positiven und negativen Erfahrungen Gefühlvoll beschrieben und jetzt weiß ich auch wer die Person hinter den Kinderbuchklassikern ist, die meine Kindheit stark geprägt haben. Fazit: Eine Biografie, die wenn man Astrid Lindgrens Bücher mag, sich nicht entgehen lassen sollte. Eine Lebensgeschichte, die einen beeindruckt, berührt und zum Lächeln bringt. Man lernt die Person hinter den vielen Büchern kennen. Die Bilder sind toll ausgewählt und machen viel Freude beim Angucken.

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Pippi Langstrumpf, die Kinder aus Bullerbü, Michel aus Lönneberga, Karlsson vom Dach, Ronja Räubertochter, Kalle Blomquist, die weltweit bedeutenden Figuren, die Astrid Lindgren schuf und die überall Kindern, aber auch Erwachsenen (zumindest den vorlesenden) einen ganzen Kosmos an Freiheit eröffnet haben, in diesen ist und wird Astrid Lindgren unsterblich bleiben. Unumstritten als Autorin ist aber natürlich, hinter den Figuren (und in den Figuren) auch die Schöpferin derselben zu entdecken. Eine Erfahrungswelt und Lebensgeschichte, eine wichtige Aufgabe im zweiten Weltkrieg im neutralen Schweden (im Verlaufe derer die ersten Texte entstanden mitsamt der wichtigsten Figur der Autorin, Pippi Langstrumpf), ein Einfluss auch auf die reale Welt und die reale Politik und, vor allem, eine persönliche Prägung und Entfaltung, die es zu entdecken gilt. Und für diese Entdeckung bietet die Biographie von Jens Andersen wunderbare Gelegenheit in Wort und Bild. Einer Frau, die schon in jungen Jahren nicht unbedingt konventionell lebte, die früh liebte (mit Folgen), die so tatkräftig ihren Weg ging, aber nicht unbedingt den Normen der Zeit entsprach in ihrem Lebensstil. Ereignisse wie die Geburt ihres Sohnes in frühen Jahren, als junges Mädchen unter komplizierten Folgen in den ersten Lebensjahren des Jungen, die einer der Antriebe, ein gewichtiges Puzzlestück der späteren Autorin darstellt. „Ich wusste, was ich wollte und was ich nicht wollte. Das Kind wollte ich, nicht aber den Vater des Kindes“. Aber es dauerte vier Jahre, bis Lindgren den Sohn zu sich nehmen konnte, Jahre, die Spuren hinterlassen hatten. In ihr und für den dann abbrechenden „ersten Lebensweg“. Auch, was das Verhalten des „Erzeugers“ anging, der die junge Astrid wohl als „auf dem Markt der Lüste genießbar“ betrachtete, ohne für die notwendige Sicherheit der jungen Frau dann zu sorgen. Durchaus lassen sich hier jene einschneidenden Prägungen und Erlebnisse finden, die später zu einem Werk ganz auf Seiten der Kinder, einer Zeichnung von Figuren mit großer innerer Freiheit. Mit einem klaren Impetus für Kinder, die sich „sich selbst gemäß“ entfalten dürfen. Eine Tendenz, die sich verstärkte zu Kriegszeiten („Die Menschheit hat den Verstand verloren“) und die in ein umfassendes Lebenswerk mit klaren Überzeugungen und einer klaren Linie einmündete, auch wenn sie selbst durchaus „behütet“ durch die Kriegsjahre ging. Die gesellschaftlichen Strömungen der Zeit mit ihren Normen und Werten einerseits, das Zerbrechen der Zeit andererseits, die eigene Lebensgeschichte, all das nimmt Jens Andersen sorgfältig und breit in seiner Biographie auf und zeichnet damit ein umfassendes Bild der Person Astrid Lindgren und der vielfältigen, sie prägenden Einflüsse. Inklusive eines auch interpretierenden und erläuternden Blickes auf das Werk der Autorin und eine Vielzahl bildlicher Dokumente, die allein schon die Lektüre des Buches wert sind, so augenscheinlich transportieren viele der Bilder auch Botschaften der Zeit. Das alles zudem in einer sehr flüssigen, verständlichen Sprache, die immer wieder Werk und Person innerlich miteinander verbindet und den Leser am Ende hochgradig informiert und der Autorin nahe gekommen zurücklässt.

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Als Kind hatte ich einige Bücher, an die ich mich heute noch genau erinnere. „Lotta aus der Krachmacherstraße“ gehört dazu. „Die Kinder aus Bullerbü“ und „Madita“. Natürlich auch die „Wawuschels“, „Die unendliche Geschichte“, „Oh wie schön ist Panama“ und „Konrad aus der Konservendose“. Am liebsten mochte ich aber Lotta, die Rad fahren lernt – mit dem Fahrrad von Tante Berg. Als ich die Biografie von Astrid Lindgren sah, dachte ich deshalb sofort: Die möchte ich lesen. Michel aus Lönneberga, Karlsson und Lillebror, Ronja Räubertochter und Bork Borkasohn, Tjorven und Bootsmann von Saltkrokan, die Brüder Löwenherz und natürlich Kalle Blomquist und Pipi Langstrumpf. Kennen wir alle, oder? Aber Astrid Lindgren selbst? Mit 18 Jahren wird sie ungewollt schwanger. Sie bekommt das Kind in einer dänischen Klinik, in der sie nicht den Namen des Vaters angeben muss. Später heiratet sie Sture Lindgren und bekommt noch eine Tochter. Sie beginnt zu schreiben – erst Märchen, mehr schlecht als recht, dann Pippi Langstrumpf. Der erste Verlag lehnt das Werk ab: zu progressiv – ein ungezogenes Mädchen, das tun und lassen kann, was es will, wo gibt’s denn sowas. Doch dann findet Astrid einen Verlag, und das Buch geht sofort durch die Decke. Jens Andersen erzählt das Leben der Schriftstellerin – ein langes Leben: Astrid Lindgren ist 94 Jahre alt, als sie 2002 in Stockholm stirbt. Pippi Langstrumpf war tatsächlich ihr erstes, wirkliches Werk für Kinder – Ronja Räubertochter (1981) das letzte. Dazwischen liegen viel persönliche Entwicklung, Zeitgeschichte und unterschiedliche gesellschaftliche Strömungen. Ich habe die Biographie sehr gerne gelesen, auch wenn sie im hinteren Drittel ein paar Längen hat. Aber das bleibt bei 94 Jahren, die zu erzählen sind, nicht aus. Interessant fand ich vor allem die persönliche Ebene: das ungeplante Kind, die Ehe, ihre Haltung zu Kindern und zur Kindererziehung und den Mut, sich gegen den konservativen Mainstream zu stellen. Aber auch die Hintergründe zu Pipi Langstrumpf sind erhellend: Astrid hat die Geschichte während des Zweiten Weltkrieges geschrieben, und sie enthält zahlreiche Anspielungen. Manchmal allerdings wirkt Andersens Erzählstil etwas zu lobhudelnd: Da hätte ich mir mehr Neutralität vom Autor gewünscht. Sehr gerne angeschaut habe ich übrigens die Bilder: Das Buch enthält zahlreiche Fotos aus Lindgrens Leben.

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Diese Biographie ist etwas Besonders, denn sie hebt Astrid Lindgren nicht als herausragende Schriftstellerin heraus. Sondern zeigt sie so, wie sie sich selbst sah, wie Bekannte, Freunde, Familienmitglieder und andere sie wahrnahmen. Vor allem reduziert Jens Andersen sie nicht auf Michel, Kalle Blomquist oder gar Pippi Langstrumpf. Er recherchierte sehr sorgfältig und zeigte die mir größtenteils unbekannten Hintergründe bekannter Romanfiguren und Geschichten auf. Dies betrifft unter anderem Pippi als Gegenpart zum Hitlerdeutschland und der Art, wie Hitler in der schwedischen Wochenschau sich selbst darstellte. Lindgrens Widerwillen drückte sich in einigen Episoden des starken Mädchens aus. Dies betrifft vor allem das hierzulande als schönes Märchen angesehene "Mio, mein Mio" und warum so viel Trauer, Tod und Dunkles in ihm vereint ist. Es besteht ja fast nur aus Schwärze bis kurz vor dem Ende. Von ihren Nachbarn und näheren Bekannten wurde als die kluge Alte des Nordens angesehen, einer Frau, der man sich gerne anvertraute und bei man sich Rat holte. Auch sonst scheint sie sehr verschmitzt, lebensnah gewesen zu sein. Ihr Schreibstil bezirzt Kinder wie Erwachsene gleichermaßen und man erfährt immer wieder, warum das so ist und wie es dazu kommen konnte. Der Text ist anspruchsvoll, anregend zu lesen. Er wird von zahlreichen Fotos und Bildern unterfüttert. Sowohl ein gutes Inhaltsverzeichnis als auch ein ausführliches Personenregister erleichtern Leser das (Wieder-) Finden. Zur weiterführenden Literaturangaben fehlt auch ein umfangreiches Quellenverzeichnis nicht. Sehr empfehlenswert - auch oder gerade dann, wenn man sich mit der Person Astrid Lindgren schon eingehender beschäftigt hat. P.S.: Die Neue Zürcher Zeitung hat einen übersichtlichen, guten Artikel über dieses Buch verfasst.

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Meine Begeisterung für Bücher nahm ihren Anfang mit „Wir Kinder aus Bullerbü“ von Astrid Lindgren. Sie brachte mich nicht nur dazu, nahezu alle Bücher von ihr zu verschlingen, sondern auch selbst zu schreiben. Umso mehr interessierte mich diese Biografie von Jens Andersen. Geschickt wählt der Autor die umfangreiche Fanpost als Einstieg in ihre Lebensgeschichte und bringt Astrid Lindgren dem Leser nicht als abgehobene Bestsellerautorin, sondern als „Klok gumma“, die „kluge Alte des Nordens“, näher, eine Frau aus der Nachbarschaft, der man sich anvertraute und die man um Rat bat. Nach und nach verstand ich, warum Lindgrens Bücher mich und Millionen andere Leser derart berührt haben. Die Bedürfnisse und Gefühle der Kinder zu verstehen und zu vermitteln war ihr eine Herzensangelegenheit. Sie selbst verbrachte eine glückliche Kindheit in Vimmerby. Als Mutter beobachtete sie sowohl ihre eigenen Kinder und Spielkameraden als auch fremde Kinder auf der Straße genau. Der Vasapark in Stockholm war für sie ein psychologisches Labor, in dem sie regelmäßig das menschliche Verhalten, verschiedene Charaktertypen, die Spiele und den Umgang der Eltern mit den Kindern analysierte und in ihre Geschichten einfließen ließ. Es finden sich sehr amüsante Episoden in ihrem Leben, zum Beispiel wie Lindgren die Entwicklung ihres Sohnes Lasse in den hinteren Seiten des „Praktischen Kassenbuchs der Hausfrau“ minuziös festhält. Sie selbst nahm eine Doppelposition ein, war gleichzeitig Elternteil und Kind und kletterte bei einem öffentlichen Event mit 70 auf einen Baum als sei sie Pippi Langstrumpf höchstpersönlich. Jens Andersen zeichnet ein sehr vielschichtiges Porträt der weltberühmten Schriftstellerin. Öffentlich zeigte sie sich als einflussreiche Lektorin, professionelle Geschäftsfrau, schlagfertige Rundfunkmoderatorin und politische Aktivistin. Privat war sie eine leidende Mutter, die ihren Sohn für einige Jahre in eine Pflegefamilie geben musste, und die immer wieder von Melancholie, Depressionen und der Einsamkeit heimgesucht wurde. All diese Facetten hat der Autor zu einer sehr beeindruckenden Biografie verwoben und schildert die Schattenseiten ihres Lebens mit sehr viel Mitgefühl.

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