Leserstimmen zu
Die Fliederinsel

Sylvia Lott

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Die gebürtige Ostfriesin Sylvia Lott siedelt ihre neuste Familiengeschichte nun hauptsächlich nach Dänemark, genauer gesagt auf die Insel Fünen. Es ist nach „ Die Inselfrauen“ (erschienen März 2016 bei Blanvalet) zwar wieder eine „Inselgeschichte“, aber eine völlig andere... und wie ich vorweg nehmen möchte, noch eindrücklichere. Warum? Nun, das hat vielleicht etwas mit dem Basisthema zu tun: es geht um den Beginn des Zweiten Weltkriegs und das Thema „Drittes Reich & die Juden“. Es geht um die letzten Momente in Deutschland, eine Flucht nach Dänemark und Schweden... und dabei auch um eine ganz persönliche Familiengeschichte, die sich von damals ins heute zieht: Die Urlauberin Celia findet im Nachlass ihrer Großmutter ein Foto mit einem reetdachgedeckten Haus inmitten von Fliederbüschen. Nach einigen Recherchen findet sie heraus, dass sich dieses Haus auf der Insel Fünen befindet und durch Zufall kann sie dort einen kleinen Urlaub buchen. Sie lernt die Vermieterin kennen, findet ein lang verschollenes Fliederbild im Ferienhaus und gibt so den Anstoß zu tagelangen Erzählungen... wir tauchen in die zweite Zeitebene ein: die der jüdischen Malerin Ruth Liebermann und ihrem Mann, dem Autor Jakob Liebermann. Wir erleben in einer sehr bildhaften, deutlichen Sprache die Geschehnisse der Reichsprogromnacht, der Flucht nach Dänemark, das scheinbare Ankommen auf der Insel Fünen, der weiteren Flucht nach Schweden mit einer extrem belastenden Familienentscheidung... und der Rückkehr ins Häuschen mit den Fliederbüschen. Dazwischen blendet die Autorin immer wieder zur Erzählerin Inger und der Urlauberin Celia zurück und im Laufe des Buches wird auch klar, warum: es gibt eine Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Die Vergangenheitsgeschichte ist ausgezeichnet recherchiert und liest sich überhaupt nicht trocken. Das mag vermutlich auch an den einzeln – passend – eingestreuten Zitaten liegen wie z.B. von Kierkegaard (S. 83): „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“. Auch Verbindungen zu dem dänischen Märchenerzähler Hans Christian Andersen finden sich immer wieder in den Reisen von Ruth und Jakob, in den Bildern und Erzählungen. Das bringt eine gewisse Frische in das an sich doch schwere Thema. Und ja, wieder mal schafft es die Autorin mit packendem, tempo- und stimmungsverändertem Schreibstil mich mitzunehmen. Es fällt mir wirklich schwer, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen und nicht nur einmal bleiben meine Gedanken danach noch lange an dem soeben Gelesenen hängen. Mal begeisterte mich der Optimismus von Ruth, mal belastet mich die Schwermut Jakobs und ich habe Tränen in den Augen bei der Entscheidung, welche die Liebermanns vor der Flucht nach Schweden treffen mussten... Sicherlich haben wir in unserer Generation schon viele (Spiel-) Filme rund um das Dritte Reich gesehen, vielleicht sogar noch Großeltern zuhören dürfen... dieses Buch arbeitet das Thema aber so interessant auf, dass einem die Schwere der Geschichte bewußt wird, man dennoch aber an das Positive und die Zukunft glaubt... meine Hochachtung dafür! Für mich ist „Die Fliederinsel“ eines der besten Romane in diesem Jahr und mit Sicherheit ein Buch, welches ich mehrmals lesen werde. Hut ab, liebe Sylvia Lott für dieses fantastische „Werk“!

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Celia verbringt ihren Urlaub ohne ihre Familie auf der dänischen Insel Fünen, nachdem sie ein Haus aufgrund einer alten Kindheitserinnerung recherchiert hatte. Zu ihrem Glück ist das Haus immer noch zu mieten. Auf der Veranda des Ferienhauses entdeckt sie ein Gemälde, das lange verschollen galt. Es zeigt einen Strauß Flieder, wie er für die Gegend typisch ist. Um mehr über dieses Bild zu erfahren, fragt Celia ihre Vermieterin Inger nach dessen Herkunft. Daraufhin wird ihr nach und nach die Geschichte von Ingers Eltern erzählt. Sylvia Lott hat ein weiteres Mal eine berührende Familiengeschichte auf zwei Zeitebenen als Grundlage für ihren Roman genommen. Sie führt die junge Frau Celia ein, die nun den Anstoß für den Rückblick nach 1938 bis Kriegsende gibt. Während dieser Zeit ist die junge Malerin Ruth frisch verheiratet mit dem Schriftsteller Jakob Liebermann. Das Paar mit jüdischen Wurzeln bekommt in Nazi-Deutschland die Ablehnung zu spüren und flüchtet nach Dänemark. Jakob wünscht sich zwar eine Auswanderung in die USA, was aber von den Behörden abgelehnt wird. Da Ruth ein Haus – Celias Ferienhaus – auf Fünen geerbt hat, klingt es nur vernünftig, dass beide dorthin ziehen. Ruth schafft es, mit ihren Bildern so viel Geld zu verdienen, dass es zum Überleben reicht. Als die gemeinsame Tochter Ingrid geboren wird, scheint das Familienglück perfekt zu sein. Doch dann sickert durch, dass die Deutschen alle Juden in Dänemark in der Nacht des jüdischen Neujahrsfestes in ihren Wohnungen festnehmen und in Konzentrationslager bringen wollen. Ruth und Jakob müssen ihre schwerste, eine folgenschwere Entscheidung treffen. Die tragische Geschichte wird in Rückblicken aus Ingers Sicht erzählt. Es wird nicht nur die Familiengeschichte erzählt, sondern auf eine wichtige historische Entscheidung aufmerksam gemacht. Obwohl Dänemark unter der deutschen Besetzung litt, konnten nahezu alle Juden durch die Flucht nach Schweden gerettet werden. Dieser nationale Zusammenhalt beschreibt die Gesellschaft auf sympathische Weise. Es zeigt auf, wie trotz der grausamen Zeiten die Menschlichkeit siegte. Man ist als Leser sehr nah an den Figuren in diesem Handlungsstrang, um mit ihnen mitfühlen zu können, ihre Sorgen und Entbehrungen werden greifbar und vor allem die psychische Belastung. Dass das so ist, ist natürlich auch die schriftstellerische Leistung von Sylvia Lott. Das berührende Thema wird dennoch mit einem außergewöhnlich leichten Erzählstil vorgetragen. Fiktive Personen treffen dabei auf Persönlichkeiten wie Berthold Brecht oder Karin Michaelis, die ebenfalls auf Fünen lebten. Das Buch fesselt vor allem mit dem historischen Teil. Es ist keine leichte Kost für zwischendurch, sondern hallt gerade wegen der bedrückenden Umstände nach. Manchmal wäre ich gerne früher zu Celia und Inger zurückgekehrt, um einfach eine Verschnaufpause zu haben. Aber dann hätte Ruths Geschichte an Intensität verloren. Sie verdient diese Bühne auf alle Fälle, die vom Flieder und dem idyllischen Fünen eingerahmt wird. Der Roman bekommt von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Inhaltsangabe: Celia macht alleine Urlaub auf der dänischen Insel Fünen und entdeckt dort in ihrem Ferienhäuschen ein wundervolles Fliedergemälde. Neugierig geworden zeigt sie es ihrer Vermieterin. Die ist zunächst sprachlos, handelt es sich bei dem Gemälde doch um ein Bild ihrer Mutter, das schon ewig als verschollen galt. Da erzählt sie Celia die traurige und bewegende Geschichte ihrer Mutter Ruth, einer jüdischen Malerin. Meine Meinung: Ich habe schon viele Geschichten über die Judenverfolgung und den Krieg gelesen und jedes dieser Bücher beschäftigt mich nachhaltig. So wie auch "Die Fliederinsel" von Sylvia Lott. Ich habe so mit Ruth und Jakob mitgebangt, ob sie die Flucht auf die Insel Fünen schaffen. Es gelingt und die beiden finden Zuflucht im ehemaligen Sommerhaus von Ruths Familie. Auch hier haben sie es zunächst nicht leicht, verbringen dort aber viele glückliche Jahre. Ruth geht so richtig in ihrer Malerei auf und mit ihren wunderschönen Fliedergemälden kann sie sogar die Familie ernähren. Doch dann bricht der Krieg aus und die beiden müssen erneut fliehen. Doch diesmal müssen sie auf ihr Liebstes verzichten und wissen nicht, ob diese Entscheidung richtig war. Sylvia Lott hat einen schönen flüssigen, einfühlsamen und sehr bildhaften Schreibstil. Ich konnte die Fliederinsel richtig vor mir sehen und hatte den berauschenden Duft in der Nase. Aber auch die Ängste der beiden konnte ich gut nachvollziehen und muß sagen, ich weiß selber nicht, wie ich in dieser schwierigen Situation reagiert hätte und vor allem, was hier das Beste gewesen wäre. Die Autorin beschönigt nichts und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Ruth, auch als der Krieg vorbei war, noch lange nicht glücklich werden konnte. Ich habe das Buch dieses Pfingstwochenende verschlungen und konnte es nicht mehr weglegen, weil man natürlich wissen will, wie alles ausgeht. Mir wird das Buch noch lange in Erinnerung bleiben und vor allem werde ich immer daran denken, wenn ich im Garten unseren Flieder betrachte. Von mir gibt es 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung.

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Die Fliederinsel Rezension Diane Jordan Malen mit Licht :-), als Fotografin versuche ich das schon jahrelang . Da es, meines Erachtens, mit dem Pinsel noch viel, viel schwerer ist, mit dem selbst Geschaffenen zufrieden zu sein. Faszinierend allemal und diesen kreativ Schaffern gilt meine volle Bewunderung. Kunstwerke einiger Porträts und Landschaftsmaler habe ich erst letztens, mit meinem lieben Mann Karsten, in der Künstlerkolonie Worpswede angesehen und war von der Stimmung dort schwer beeindruckt. Ein außergewöhnlicher Ort mit vielen Werken von tollen Malern, Grafikern und Designern. Und nicht nur so namhafte Künstler, wie Paula Modersohn-Becker und das nahgelegene Teufelsmoor verlocken zum erneuten Besuch. Gerne lese ich aber auch Romane über Familiengeschichten und „so könnte es gewesen sein“. Deshalb habe ich mich besonders gefreut, als ich jetzt das Taschenbuch „Die Fliederinsel“ von Sylvia Lott entdeckt habe. Das Cover ist ein Traum. Der üppig arrangierte Flieder, der in den verschiedenen Lilatönen, überwältigend ist. Ich habe mir zwischendurch eingebildet ihn zu riechen und die salzige Meerluft der dänischen Insel Fünen zu riechen, denn dort spielt sich alles ab. Die Sonne auf der Haut und mit dem Buch im Liegestuhl im heimischen Gärtchen, himmlisch sage ich euch. Die Geschichte ist sehr gut geschrieben und hat mich schnell in den Bann gezogen, aber stellenweise auch frösteln lassen, obwohl es kein Krimi war. Die Protagonisten haben mich sehr berührt und taten mir sehr, sehr leid. Am liebsten wäre ich in den Roman gehüpft und hätte geholfen, das Leid zu lindern. Seufz … Aber lest bitte selber es lohnt sich! By the way: Ich habe jetzt selber zwei Fliederbüsche in den Garten gepflanzt. Ratet mal in welcher Farbe J?? Inhalt: Sie mussten fliehen, um ihr Leben zu retten. Doch das Kostbarste ließen sie zurück … In ihrem Ferienhäuschen auf der idyllischen dänischen Insel Fünen entdeckt die Urlauberin Celia ein wunderschönes Fliedergemälde, das seit Jahrzehnten als verschollen galt. Ihre Vermieterin ist beim Anblick des Bildes tief bewegt und erzählt Celia die Geschichte ihrer Mutter, der jüdischen Malerin Ruth Liebermann. Im Jahr 1938: Das frisch verheiratete Paar Ruth und Jakob Liebermann muss aus Berlin fliehen, auf Fünen finden die beiden im ehemaligen Sommerhaus von Ruths Familie Zuflucht. Trotz der schwierigen Situation erleben sie glückliche Jahre, Ruth kann mit ihrer Passion, dem Malen, sogar die Familie ernähren. Als sie erneut zur Flucht gezwungen sind, müssen Ruth und Jakob die folgenschwerste Entscheidung ihres Lebens treffen … Autorin: Die freie Journalistin und Autorin Sylvia Lott ist gebürtige Ostfriesin. Sie schreibt für verschiedene Frauen-, Lifestyle- und Reisemagazine. und veröffentlichte bei Blanvalet bereits die Romane »Die Rose von Darjeeling«, »Die Glücksbäckerin von Long Island«, »Die Lilie von Bela Vista« und »Die Inselfrauen«. Mehr Lesestoff: »Die Rose von Darjeeling«, »Die Glücksbäckerin von Long Island«, »Die Lilie von Bela Vista« und »Die Inselfrauen«. Fazit: 5 Sterne***** für diesen tollen Roman mit den wirklich bewegenden Bildern und der beeindruckenden Handlung. „Die Fliederinsel“ ist im Blanvalet Verlag erschienen. Das Taschenbuch hat 544 Seiten und kostet 9,99 Euro.

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Ich weiß nicht recht wo ich anfangen soll. 1. Es ist definitv ein Jahreshighlight für mich! 2. Diese Geschichte regt so sehr zum Nachdenken. Ich liebe generell Bücher in denen es um Kunst und Geschichte geht. Ich glaube eine bessere Mischung gibt es gar nicht. Auch das Cover finde ich wunderschön und man bekommt sofort ein Sommergefühl.

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Inhalt In ihrem Ferienhäuschen auf der idyllischen dänischen Insel Fünen entdeckt die Urlauberin Celia ein wunderschönes Fliedergemälde, das seit Jahrzehnten als verschollen galt. Ihre Vermieterin ist beim Anblick des Bildes tief bewegt und erzählt Celia die Geschichte ihrer Mutter, der jüdischen Malerin Ruth Liebermann. Im Jahr 1938: Das frisch verheiratete Paar Ruth und Jakob Liebermann muss aus Berlin fliehen, auf Fünen finden die beiden im ehemaligen Sommerhaus von Ruths Familie Zuflucht. Trotz der schwierigen Situation erleben sie glückliche Jahre, Ruth kann mit ihrer Passion, dem Malen, sogar die Familie ernähren. Als sie erneut zur Flucht gezwungen sind, müssen Ruth und Jakob die folgenschwerste Entscheidung ihres Lebens treffen … (Quelle: Bloggerportal ) Meine Meinung Zuerst möchte ich mich beim Bloggerportal und dem Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken. Celia hat ein Bild von einem Ferienhaus aus Fünen in den Erinnerungen ihrer Familie gefunden und möchte dort gerne hin. Sie recherchiert und findet schließlich exakt das Haus – ihr Mann und ihr Sohn möchten sie nicht begleiten, weswegen sie den Weg allein antritt. Sie fühlt sich dort in Dänemark sehr wohl und schließt ihre Vermieterin, Inger, ins Herz. Als sie durch einen Zufall ein Bild entdeckt und es zu Inger bringt, ist diese zuerst sprachlos und erzählt dann ihre Geschichte. Die Geschichte zu dem Fliederbild und die Geschichte ihrer Familie…die sie auch mit einem Familienmitglied wieder versöhnt. Celia scheint ein unglaublich netter und einfühlsamer Mensch zu sein, der sehr an der Geschichte der eignen Familie und die ihrer Mutter interessiert zu sein scheint. Das gibt es heute wirklich selten. Inger ist eine wirklich gute Erzählerin und da bleibt Celia auch nichts anderes übrig, als gespannt zu lauschen. Leider fand ich es etwas schade, das Celias Geschichte sehr in den Hintergrund gedrängt wurde, da Ruths Geschichte so umfangreich behandelt wurde. Man erfährt zwar was über Celia, aber sie blieb schon etwas farblos im Gegensatz zu Inger, Ruth und den anderen Charakteren. Ruth ist mit dem älteren Autor Jakob liiert, beide haben jüdische Wurzeln und fühlen sich in Deutschland nicht mehr wohl. Jakob möchte das Land nicht verlassen, weil er es als seine Heimat ansieht, und eine Auswanderung würde nur in die USA in Frage kommen. Ruth dagegen drängt auf einen Länderwechsel und schlägt Dänemark vor – dort hat sie Verwandte und die beiden hätten gute Startbedingungen, da Ruth ein kleines Häuschen auf Fünen gehört. Als es schließlich immer schlimmer wird, fiehen sie 1938 nach Fünen und dort entdeckt Ruth ihre Leidenschaft zur Malerei, der Flieder hat es ihr angetan und sie hat schnell Erfolg. Als Töchterchen Ingrid auf die Welt kommt, ist das Familienglück perfekt, doch 1943 erreicht die Judendeportation auch Dänemark und das Ehepaar muss wieder fliehen – neues Ziel wird Schweden. Ingrid lassen sich bei Svea und ihrem verlobten Erik und die beiden lieben das Mädchen wie eine eigene Tochter. Aus Ingrid wird Inger und sie wird eine waschechte Dänin, und als die Eltern 24 Monate später zurückkommen, erkennt Inger sie nicht mehr…. Ich habe mit Ruth gelitten – sie möchte nur das Beste und wird immer wieder von Jakob sabotiert. Er will sich nicht ihren Plänen fügen und geht immer gegen an. Ruth verdient lange alleine den Unterhalt und er dankt es ihr mit keinem Wort. Ich freue mich aber sehr, das sie am Ende doch noch glücklich geworden ist. Der Schreibstil ist schlicht und einfach gehalten, sodass man die Geschichte ohne Verständnisprobleme lesen kann. Erzählt wird aus der Sicht von Celia und Ruth, was einen guten Einblick in die jeweilige Gefühls- und Gedankenwelt gibt. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen, was ich liebe – man lernt zwei Frauen kennen, die unterschiedlicher nicht sein können. Zwei Generationen, die eine ungeahnte Verbindung haben… Im letzten Jahr habe ich „Die Inselfrauen“ gelesen und habe dort die fehlende Spannung bemängelt – hier ist Spannung vorhanden von Seite 1 bis zum Ende. Ich konnte das Buch nicht aus den Händen legen und habe es in einem Zug durchgelesen. Die Thematik ist sehr gut recherchiert und ich finde dieses Buch bringt einem das Thema Nationalsozialismus und Judendeportation viel näher als jeder Geschichtsunterricht. Man hat das Gefühl mitten in der Geschichte zu sein und mit Ruth den schweren Weg zu gehen. „Die Fliederinsel“ ist eines meiner Lieblingsbücher geworden und ich werde die Geschichte nie vergessen können. Vielen Dank für dieses überragende Buch, Sylvia Lott. Von mir gibt´s eine Lese- und Kaufempfehlung. 🌟🌟🌟🌟🌟 Sterne

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Hinter diesem lieblichen Buchtitel verbirgt sich ein packender Roman rund um ein jüdisches Paar auf der Flucht vor den Nazis. Ruth und Jakob Liebermann sind frisch verheiratet und leben in Berlin, sie arbeitet als Modezeichnerin, er feiert erste Erfolge als Autor von Theaterstücken. Doch die Herrschaft der Nationalsozialisten bringt sie immer mehr in Bedrängnis und nach der Reichskristallnacht bittet Ruth Jakob inständig, mit ihr nach Dänemark zu flüchten, denn auf der dänischen Ostseeinsel Fünen hat Ruths Familie ein kleines Sommerhaus. Jakob gibt Ruths Drängen nur zögerlich nach, zu sehr hängt er an dem Leben in der Großstadt. Doch schließlich verlassen beide Deutschland in Richtung Dänemark. Auf Fünen, wo Ruth die Sommer ihrer Kindheit verbracht hat, werden die beiden herzlich aufgenommen und erfahren viel Hilfsbereitschaft, vor allem durch ihre Nachbarsfamilie Larsson. Nach und nach gelingt es Ruth, das Sommerhaus in ein Heim zu verwandeln. Die herrliche Fliederblüte, für die Fünen bekannt ist, inspiriert sie zu wundervollen Bildern und so macht sie sich allmählich einen Namen als Malerin und kann mit ihren Gemälden schließlich sogar den Lebensunterhalt für ihre kleine Familie bestreiten. Auf Fünen wird nämlich aus dem Ehepaar Liebermann die Familie Liebermann, denn hier kommt Tochter Ingrid zur Welt, ausgerechnet an dem Tag, als der Zweite Weltkrieg ausbricht. Zunächst hat dieser allerdings nur wenig Auswirkungen auf das friedliche Inselleben. Doch der Widerstand der Dänen gegen die Nazis wächst, immer mehr Juden suchen hier Zuflucht und so gibt es schließlich immer mehr Aufstände und Protestaktionen im „Musterprotektorat“. 1943 kommt es zu einer groß angelegten, nächtlichen Aktion der Nazis, bei der alle Juden in Dänemark „festgesetzt“ werden sollen. In letzter Minute gelingt Ruth und Jakob die Flucht nach Schweden, doch ihre Tochter Ingrid müssen sie schweren Herzens bei den Larssons zurücklassen. Erst nach Kriegsende ist die Familie wieder vereint, aber das Wiedersehen verläuft alles andere als erhofft. Dieses Zitat aus dem Buch beschreibt die Situation meiner Meinung nach sehr gut: „Ich hab immer nur bis zum Ende des Krieges gedacht“, sagte Ruth unvermittelt. „Irgendwie hab ich geglaubt, wenn der Krieg vorbei ist und die Nazis besiegt sind, dann wird auf einen Schlag alles gut, wunderbar und herrlich. Wir werden wieder eine glückliche Familie sein und überhaupt… Ich hab durchgehalten. Aber jetzt sind meine Reserven verbraucht. Mir fehlt die Kraft.“ Jahrzehnte später mietet die Deutsche Celia das Sommerhaus, nachdem sie sich auf einem Foto in das schmucke Gebäude verliebt hat. Vor Ort findet sie nicht nur ein verschollen geglaubtes Fliederbild von Ruth Liebermann, sondern kommt auch einem Geheimnis aus ihrer eigenen Vergangenheit auf die Spur. Mich hat dieser Roman von der ersten Seite an gefesselt. Durch die wechselnden Perspektiven und die zwei Zeitebenen verliert die Geschichte nie an Spannung, im Gegenteil: So manches Kapitel endet mit einem Cliffhanger, der es absolut unmöglich macht, das Buch aus der Hand zu legen. Ich habe mit Ruth gemeinsam gebangt, gelitten, geweint und gelacht. Ich vermeinte, den Duft des Flieders zu riechen und für mich steht nun fest, dass ich unbedingt selbst mal nach Fünen reisen muss. Darüber hinaus habe ich aber auch jede Menge gelernt. Denn ich muss gestehen, dass ich vorher absolut keine Ahnung von der Rolle Dänemarks im Zweiten Weltkrieg hatte. Noch viel weniger wusste ich von der beispiellosen Rettungsaktion, in der viele Dänen ihre jüdischen Mitmenschen vor dem Zugriff der Nazis gerettet haben. Wie ich dem Nachwort der Autorin entnehmen konnte, ist diese Aktion in Skandinavien hingegen nicht nur allgemein bekannt, sondern nahezu legendär und identitätsstiftend. Immerhin haben 99 Prozent der Juden in Dänemark diese schreckliche Zeit überlebt und das nicht zuletzt auch dank der großen (aber nicht immer selbstlosen) Unterstützung durch die dänische Bevölkerung. Allerdings teilten viele der damaligen Flüchtlinge das Schicksal von Ruth und Jakob, ihre Kinder bei Verwandten oder Freunden zurück lassen zu müssen. Welche Auswirkungen das auch noch auf nachfolgende Generationen hatte, wird in dem Roman ausgesprochen einfühlsam geschildert. Auf die Autorin Sylvia Lott wurde ich vor gut zwei Jahren aufmerksam, als ich ihren Roman „Die Glücksbäckerin von Long Island“ gelesen habe. Schon dieses Buch hatte mich begeistert, so dass ich mit Spannung auf „Die Fliederinsel“ gewartet habe. Und ich wurde nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil! Ich kann dieses Buch all jenen von Herzen empfehlen, die einen gut recherchierten, spannend geschriebenen Familienroman in historischem Kontext zu schätzen wissen. Und ganz nebenbei: Ist dieses Buchcover nicht einfach nur zum Verlieben?

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Was nach einem locker-luftigen Strandroman ausschaut, entpuppt sich als historischer Roman mit Tiefgang. In zwei Erzählsträngen - einer heute, einer zwischen 1933 und 1945 handelnd - beschreibt Sylvia Lott wie jüdische Familien aus Deutschland in Dänemark aufgenommen; und wie sie innerhalb einer Nacht größtenteils außer Landes ins neutrale Schweden gebracht wurde. Dies gelang, weil die Dänen zusammenhielten, mit der Denkart der Nazis nichts gemein hatten und sich als ein Volk ansahen. Die Erzählstränge Diese Haltung und wie es zu dieser Nacht kam, beschreibt die Autorin anhand eines Ehepaares, das im Laufe der Zeit zur kleinen Familien wächst. Die Flucht aus Berlin ebenso wie das Leben auf der dänischen Insel Fünen als auch das Überleben macht den zweiten Erzählstrang aus. Ich fand sowohl die Geschichte Dänemarks im Umgang mit den Emigranten als auch die Haltung der dänischen Bevölkerung hochspannend, habe bereits viel zu dieser Zeit gelesen und mir war vieles völlig unbekannt. Der erste Erzählstrang bewegt sich in der Gegenwart und lässt ahnen, dass es sich auch noch um eine Familiengeschichte handelt. Die jüngere Akteurin stellt die für die heutige Generation "richtigen" Fragen während eine ältere Dame erzählt und ihre Rolle im zweiten Strang später ebenfalls sehr interessant wird. Denn es wird ein weiteres Phänomen jener Zeit beschrieben, dass noch heute Auswirkungen auf deren Nachkommen hat. Sehr spannend und teilweise auch noch mit vergnügtem Unterton. Hut ab vor der Autorin! Cover und Titel sind übrigens gut gewählt: die Insel Fünen, auf der die Handlungen größtenteils angesiedelt sind, ist für ihre Fliederhecken bekannt.

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