Leserstimmen zu
Leere Herzen

Juli Zeh

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Geil, geil, geiles Buch! Ich war ja eher skeptisch, nachdem ich mitbekommen habe, dass es den meisten hier nicht so gut gefallen hat. Aber: Ich fand's großartig! Nicht ganz so großartig wie Unterleuten, klar, aber dennoch wirklich gut gelungen. (Nur den "Manufactum"-Schmäh zu Beginn fand ich echt zum Augenrollen, den gab's bei Altes Land von Dörte Hansen schon gefühlt hundert Mal... Gäääähn!) Warum? Nun ja, Juli Zeh ist mit dieser Dystopie mal wieder voll auf der Höhe der Zeit. Und das Szenario, das sie entwirft hat mich das ein oder andere Mal denken lassen: "Was für eine geile Idee!" - weil die dystopischen Elemente (allem voran die Firma und von Britta und Babak) und die daraus resultierende Kritik so vielschichtig ist. So frech. So gut (gesellschafts-)kritisch. So direkt. So unverblümt. Und dabei so, so packend! „Da. So seid ihr.", lautet die Präambel und ja. Ja, ja, ja!! So sind wir!!! Hier kriegt echt jeder sein Fett ab. Lachen, innehalten, schmunzeln, gerührt sein, wütend sein, Kopf schütteln, dann wieder nicken, erleichtert sein, gespannt sein und vor allem: fasziniert sein - das alles hat Juli Zeh mit diesem Buch bei mir ausgelöst. Chapeau! (Fast) niemand sonst kann so gut den Spiegel vorhalten, finde ich. Und hier noch eine meiner Lieblingsstellen: "Vor ein paar Jahren gab es eine Umfrage", sagt Britta. „Die Leute wurden gefragt, was sie tun würden, wenn sie sich zwischen dem Wahlrecht und ihrer Waschmaschine entscheiden müssten." "Was kam raus?" "Siebenundsechzig Prozent wählten die Waschmaschine. Fünfzehn Prozent waren unentschieden."

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“Leere Herzen” ist mein erstes Buch von Juli Zeh. Schreibt sie immer so? So intensiv? So bildhaft? So verdammt realistisch? Juli Zeh war plötzlich überall. Ich habe ständig von ihr gehört oder gelesen. Mit “Unterleuten” hat sie so viel Lob und so viele Preise eingeheimst, dass ich unbedingt etwas von ihr lesen wollte. Dann war plötzlich “Leere Herzen” da. Dieses Cover! So schlicht und einfach. Sie bekam Vorschusslorbeeren und ich wusste, das Buch musst du lesen. Also habe ich mir ein Rezensionsexemplar erbeten. Es dauerte dann noch etwas, aber jetzt habe ich es gelesen und ich bin begeistert. Laut Klappentext ein provokanter, packender und brandaktueller Politthriller. Ja, das ist es und noch so viel mehr. Juli Zeh zeigt hier eine Aussicht auf die Zukunft, die so realistisch und fast logisch ist, dass es mir beim Lesen manchmal etwas Angst gemacht hat. Ist es das, worauf wir hinsteuern? Ist das unsere Zukunft? Ich möchte mit “Ja” antworten und dann auch wieder mit “Nein”. Was ist richtig? Was ist falsch? Wie viel Einfluss haben wir überhaupt noch auf diese Entscheidung? Ist vielleicht schon alles entschieden? Können wir das Ruder noch herumreißen? Den Wahnsinn stoppen? Ein Satz ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Demokratieverdrossene Nicht-Wähler gewinnen Wahlen, während engagierte Demokraten mit dem Wählen aufhören. Wie gut tut uns diese “Ich gehe nicht wählen, es ändert sich ja doch nichts”-Mentalität? Die Nichtwähler meckern später am lautesten. Haben zu allem eine Meinung und sorgen für schlechte Stimmung. Die Wähler resignieren, weil sich wirklich nichts ändert. Die Trotzwähler haben eine Macht, die zu erschreckenden Ergebnissen führt, die hinterher keiner wollte. Die Regierung trifft Entscheidungen, die für alle unlogisch sind, weil sie keiner erklärt. Alles dreht sich im Kreis. Am Ende führt es vielleicht zu einer Zukunft, die Juli Zeh hier so drastisch und bildlich beschreibt, dass es einem Schauer über den Rücken laufen lässt. Es ist nur ein Buch. Nur eine Geschichte. Aber eine, die nachdenklich macht. Machen sollte. Ich finde das Buch genial. Fantastisch geschrieben. Das Buch hat mich nachdenklich gemacht. Schlaflos, weil ich es nicht aus der Hand legen konnte. Es kommt zwar ohne erhobenen Zeigefinger, aber mehrmals musste ich mir sagen, es ist nur eine Geschichte.

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"Leere Herzen" von Juli Zeh ist treffende Analyse einer Gesellschaft, in welcher sich jeder selbst der nächste ist und es nur noch darum geht, als Einzelner möglichst sorgenfrei durch den Alltag zu kommen. Daraus lässt sich auch aus politischer/zwischenmenschlicher Gleichgültigkeit Kapital schlagen. Juli Zeh hat dazu Ideen und es ist zu befürchten, dass irgendjemand sie so oder ähnlich umsetzen wird. Eine spannende Story, die vielleicht dem einen oder anderen klarmacht, dass Demokratie eine Errungenschaft ist, zu der man Sorge tragen sollte.

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Brücke

Von: wal.li

24.07.2018

Zusammen mit ihrem Geschäftspartner Babak erbringt Britta erfolgreich ganz besondere Dienstleistungen. In einer Art Praxis führen sie einen 12-Stufen-Plan mit Menschen durch, die selbstmordgefährdet sind. Da Britta und Babak mit ihrer Tätigkeit sehr erfolgreich sind, hat Brittas Mann die Möglichkeit sein Start-up zu lancieren. Gemeinsam mit ihrer Tochter leben sie in ihrem Familienidyll in Braunschweig. Der Politik haben sie schon längst abgeschworen. Ganz anders ist da der Lebensplan von Brittas Freundin Janine und ihrer Familie. Ihr größter Wunsch ist ein Haus auf dem Land, wo sie sich wenigstens teilweise selbst versorgen können. In einer nahen Zukunft angesiedelt ist der aktuelle Roman von Juli Zeh. Eine Zukunft, die erschreckend realistisch wirkt, in der die Menschen lieber eine Waschmaschine haben wollen als wählen zu gehen. Eigentlich eine blöde Umfrage, aber mit was für einem katastrophalen Ergebnis. Man hat die Freiheit zu wählen, wer einen regieren soll, und man nutzt sie nicht. Kein Wunder, dass das Land in dieser Zukunft von recht seltsamen Gestalten regiert wird. Es scheint als wolle das Volk einen sicheren Rahmen und ansonsten von der Politik nicht behelligt werden. Die Auswüchse in politischen Zielen, zu denen das führt, sind der Menge egal. Noch nicht einmal ein kleiner Anschlag vermag die Leute aufzurütteln. Britta und Babak sind allerdings alarmiert. Eine schauderhafte Zukunftsversion, die hier vorgestellt wird, ausgehend von den heutigen Tagen, könnte man den Eindruck gewinnen, wir stünden tatsächlich vor einem Wechsel in die Richtung, die eigentlich nur der Phantasie der Autorin entspringen sollte. Allerdings hat sich diese anscheinend eingehend mit der Lage beschäftigt und sich tiefgreifende Gedanken gemacht, wohin das führen könnte. Die schweigende Mehrheit hat geschwiegen und die anderen sind wählen gegangen. Vielleicht aber haben auch die arrivierten Politiker sich unwählbar gemacht, sich zu weit von den wirklichen Problemen des Volkes entfernt. Kann dann eine Britta, mit ihrem Hintergrund, etwas zur Änderung beitragen? Und wäre es eine Änderung zum Besseren? Wird sie alles glauben, was ihr dargelegt wird? Welche Entscheidung wird sie treffen. Was man von diesem Roman mitnehmen kann, muss jeder für sich entscheiden. Doch sollte es sich jeder normal denkende Mensch zur Aufgabe machen, sich über das Mindeste in der Welt zu informieren und sich zu überlegen, ob er die freie Wahl wirklich aufs Spiel setzen möchte.

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„…, jene notorischen Nörgler, die seit Jahrzehnten mit ihrer Missgunst und Kleinkariertheit an den Fundamenten der Demokratie graben. Die das Internet in eine Schlammschleuder verwandelt haben, die nur glücklich sind, wenn sie auf andere herabschauen können. Die sich und ihre kindischen Bedürfnisse über alles stellen. Die lieber simplen Verschwörungstheorien glauben, als sich mit der komplizierten Wahrheit auseinanderzusetzen.“ Leere HerzenIn ihrem neuesten Roman Leere Herzen beschreibt Juli Zeh beklemmend realistisch ein Szenario, das nicht so weit von unserer aktuellen Situation entfernt ist, vielmehr eine mögliche logische Konsequenz daraus darstellt. Die meisten Menschen haben sich ins Nicht-wählen zurückgezogen und die Demokratie wird ignoriert zugunsten des bequemen Einnistens in ein möglichst sorgenfreies und sauberes Privatleben. An der Regierung ist die BBB (Bewegung Besorgter Bürger) mit der Kanzlerin Regula Freyer. Angela Merkel wurde durch die zunehmenden Proteste „Merkel muss weg“ gezwungen, ihr Amt niederzulegen, es gab Neuwahlen, aus der die BBB extrem stark hervorging. Ein Szenario, das Dank des Verhaltens von Leuten wie Seehofer, Söder, Weidel (war sie oder Petry das Vorbild für Regula Freyer?) und Gauland etc. tatsächlich immer wahrscheinlicher zu werden scheint. Trump allerdings scheint in Leere Herzen immer noch amerikanischer Präsident zu sein. Ebenfalls ein Szenario, das nicht so unwahrscheinlich ist. Liegt seine Zustimmung unter den Amerikanern doch gerade bei ca. 45%, und das trotz der in Lagern festsitzenden über 2000 Kindern, um nur eine seiner unendlich vielen Grenzüberschreitungen zu nennen. Langsam aber sicher werden die Grundrechte zurück gefahren und die Demokratie abgebaut. Allerdings merken die meisten das gar nicht, weil sie mit ihren eigenen Leben, Konsum, Sport oder der Frage beschäftigt sind, ob sie ihr Kind nach den Ansätzen der Silicon Valley Pädagogik bilden oder doch lieber in einer musisch orientierten Hochleistungsschule anmelden sollen. Beziehungsweise: sie finden es sogar richtig, dass die Grundrechte zurückgefahren werden, weil sie sich in einer offenen Gesellschaft bedroht fühlen. Die Politik zielt nur noch darauf ab, die Ängste der Menschen zu schüren und dann zu beschwichtigen. Dank des Internets wurde die Wählerschaft mit ihren Ängsten zu einer relativ leicht manipulierbaren Masse. Zwangsläufig führt die Strategie in eine immer abgeschottetere Gesellschaft. Die Menschen sind nicht mehr politisch, scheint es. Niemand interessiert sich für die allgemeine Situation oder die Situation anderer, solange es ihm privat gut geht. Britta und Babak haben eine psychotherapeutische Praxis in der Innenstadt von Braunschweig, Die Brücke. Ihre Klientel sind ausschließlich Männer, die suizidgefährdet sind. Britta und Babak lassen diese „Kandidaten“ ein zwölfstufiges Programm durchlaufen, um sie von ihren Selbstmordabsichten zu heilen. Die meisten Kandidaten verlassen das Programm auch auf Stufe 5, 6 oder 8 geheilt, wollen sich das Leben nicht mehr nehmen. Die ausgesuchten wenigen allerdings, die bis zu Stufe 12 kommen und der eigentliche Grund für das Geschäft sind, die auf Stufe 12 also trotzdem noch sterben wollen, das sind jene, mit denen Britta und Babak wirklich Geld machen. Sie vermitteln sie als Selbstmordattentäter an interessierte Organisationen: radikale Tierschützer, IS-ähnliche Armeen, die PKK. Diese zynische Strategie, die beide eher pragmatisch finden, hat sie reich gemacht. Die Situation beginnt sich zuzuspitzen, als ein Anschlag am Leipziger Flughafen geschieht, der zum ersten Mal seit langer Zeit nichts mit Der Brücke zu tun hat und wenige Tage später die junge Julietta in den Räumen Der Brücke auftaucht. Leere Herzen ist, wie alle Bücher von Juli Zeh, handwerklich großartig. Sie versteht es, den Leser vom ersten Satz an an die Hand zu nehmen und bis zum letzten Punkt auch nicht mehr loszulassen. Ein wirklicher Pageturner. Trotzdem habe ich mich während der Lektüre mehrfach an dem Buch gerieben, weil es mir zu glatt und konstruiert erschien. Beides Kritikpunkte, die ich immer noch habe und im Grunde bei allen neueren Büchern von ihr hatte. Leere Herzen ist nicht die Art Buch, die ich wirklich mag und häufig lese. Dennoch bin ich ein Fan von Juli Zeh, vor allen Dingen liebe ich ihre älteren Bücher wie Adler und Engel, Schilf, DieStille ist ein Geräusch (hier meine Rezension) oder Spieltrieb. Und was ich wirklich beeindruckend finde ist, wie schnell Juli Zeh in der Lage ist, aktuellste politische Geschehnisse literarisch auf relativ hohem Niveau zu verarbeiten und umzusetzen. An manchen Stellen fand ich die Geschichte, die Charaktere etwas sehr platt, etwas sehr konstruiert. Aber letztlich schildert sie, was ist und widersteht der naheliegenden Versuchung, eine Lösung mit großem Knall anzubieten. Das, was sie dem Leser bietet, ist im Grunde viel komplizierter. Denn für mich enthält das Buch am Ende eine sehr klare Botschaft: wenn wir die Demokratie, Europa, unsere Werte retten wollen, können wir das nur, wenn wir wirklich fühlen, dass sie gerade zerstört werden, jeden Tag ein bisschen mehr, und wenn wir wirklich spüren, dass wir sie erhalten wollen. Nur dann haben wir vielleicht den Mut, die Ausdauer und Kraft, dafür einzustehen und uns nicht gemütlich in unsere Gärten und Leben zurückzuziehen. Solange es den meisten im Grunde egal ist, wird es weiter bergab gehen. „Du bist nicht leer“, sagte Julietta sanft. „Du trägst alles in dir. Du musst dir nur erlauben, auf dich selbst zu hören.“ Ein Buch, das gerade in diesem Sommer, in dem die "Merkel weg"- Rufe immer lauter werden, in dem die Nation schon in der Vorrunde der WM "gedemütigt" vom Rasen kriecht, eine wichtige Lektüre ist. Denn es beschreibt die Befindlichkeit derer, die dem Ende der Demokratie den Weg bereiten, haargenau. Also trotz meiner persönlichen Zurückhaltung empfehle ich das Buch dennoch, zum Beispiel als wunderbare Urlaubslektüre. Weil ich das Thema so unglaublich wichtig finde und es hier in einer Form verarbeitet wird, die ich als sehr zugänglich empfunden habe. Hier meine anderen Texte vom Blog, die sich mit Juli Zeh und ihren Büchern befassen. Ich danke dem Luchterhand Verlag sehr herzlich für das Rezensionsexemplar. (c) Susanne Becker

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„LEERE HERZEN“ VON JULI ZEH 2. ZUM INHALT Stell dir vor, du lebst immer noch in Deutschland, aber es sind schon ein paar Jahre vergangen: Du hast die Wahl, dein Kind im Sinne der Silicon Valley Pädagogik zu erziehen oder du meldest es in einem musischen Kinderkolleg mit Klavierzwang an. Wir alle erhalten ein bedingungsloses Grundeinkommen. Dies sind Konzepte der neuen Welt, in der du lebst. Angela Merkel ist zurückgetreten. Was geschieht mit Menschen, die in diesem Lebensmodell keinen Platz haben möchten? Juli Zeh erschafft in ihrem Buch „Leere Herzen“ ein beklemmendes Szenario. Die Demokratie hat sich selbst abgeschafft. Die Menschen kennen die Welt, die sie umgibt, sie stellen sie nicht in Frage, sondern stellen nur die Frage: Cui Bono? Wem nützt es? Sie richten es sich behaglich in ihrem Habitat nein und machen es, zu ihrer Wohlfühlzone. Es gibt keinen öffentlichen Diskurs mehr. Wir passen uns an. Juli Zeh warnt uns! Die politisch passive Haltung des Einzelnen birgt Gefahren. “Deutschland war das glücklichste Land der Welt, ohne das auch nur im Ansatz selbst zu merken.” Leere Herzen „Die Bewegung besorgter Bürger“, die man keineswegs demokratisch nennen kann, regiert Deutschland. Rutschen wir immer weiter nach rechts? Juli Zeh stellt uns in diesem Buch ein Geschäftsmodell vor, das so zynisch, unethisch und dennoch letztendlich genial ist. Es ist ein Geschäft mit dem Tod und dem Terrorismus. Anscheinend macht es den Terrorismus berechenbarer. Es gibt weniger Kollateralschaden. Im Buch spielen Kinder mit Mega-Super-Figuren gewaltsame Szenarien durch und schreien erfreut auf, sobald K o l l a t e r a l s c h a d e n entsteht. Diese Figuren sind ein Verkaufsschlager. Wir alle wollen eine Welt, die berechenbar ist! Aber doch nicht durch solche oder ähnliche Geschäftsmodelle. Wenn man sich die Logik dahinter durchdenkt, fragt man sich: Gibt es solche Modelle schon in unserer Welt und wir wissen es nicht? 5/5 Punkten 3. PROTAGONISTEN Britta ist eine Geschäftsfrau, die ihr angenehmes luxuriöses Leben liebt. Dennoch gefällt ihr auch der Kitzel des Gefährlichen und Unmoralischen. Sie geht für ihr Geschäft weit über ihre Grenzen. Für Britta ist es auch wichtig, dass sie der Motor des Geschehens ist. Sie finanziert Familie und wenn es nötig ist, auch mal Freunde. Ein Kontrahent bedroht nicht nur Babaks und Brittas Unternehmen, sondern auch deren Leben. Britta zerbricht fast an dieser Ausnahmesituation. 5/5 Punkten 4. SPRACHLICHE GESTALTUNG Juli Zeh nimmt den Leser gleich mit ins Geschehen. Ein wenig Sarkasmus, gewürzt mit zynischen Worten schaffen schnell die richtige Atmosphäre für diese beängstigende Vision. Die Kapitellänge ist lesefreundlich. 5/5 Punkten 5. COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUNG „Leere Herzen“ von Juli Zeh hat 320 Seiten, einen festen Einband und ist am 13.11.2017 unter der ISBN 9783630875231 bei Luchterhand im Genre Romane erschienen. 5/5 Punkten 6. LINKS ZUM BUCH Juli Zeh spricht mit Denis Scheck über ihren Roman “Leere Herzen”ARD / “Druckfrisch” (30.10.17) Beitrag zum Buch und Gespräch mit Juli Zeh in der SendungZDF / “aspekte” (10.11.17) Beitrag zum Buch und Interview mit der AutorinNDR / “Kulturjournal” (13.11.17) Buchpräsentation von “Leere Herzen” in Berlin im Großen Sendesaal des rbbmeinbrandenburg.tv (14.11.17) Lesungen Termine 7.FAZIT Das Buch hat mich hervorragend unterhalten. Es bleibt bis zur letzten Seite spannend. Juli Zeh hat die Schwachstellen unseres Menschseins hervorgelockt. Wir gewöhnen uns an alles. Und wir nutzen alles für unsere Zwecke. Ist der Mensch unserer Zeit tatsächlich jenseits von Gut und Böse? Liegt es daran, dass der Mensch über seine Welt die Kontrolle haben will? Wo sind unsere Werte? Was ist mit unserer Ethik? Ein lukratives Geschäft mit dem Tod? Klingt das wirklich so abwegig? Das macht die Waffenindustrie seit Jahrzehnten. Warum sollte es dieses fiktive Modell nicht schon in der Realität geben? Ein verstörender Gedanke! L E S E E M P F E H L U N G gegen Politikverdrossenheit @Luchterhand Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar! Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten. Connie’s Schreibblogg https://schreibblogg.de

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Halleluja, dieses Buch hatte es wirklich in sich! Mit dem Cover passend im Stil zu Juli Zehs Vorgängers, Unterleuten, stand auch dieser Roman hier verführerisch in meinem Bücherregal. Jedoch brauchte ich wirklich eine riesige Überwindung, um letztendlich wirklich zu dem Buch zu greifen, denn wir wissen ja, dass die Autorin nicht gerade dafür bekannt ist, vor sich hin plätschernde, harmonische Bücher zu schreiben. Oh nein! Und doch war es eine richtige Erfahrung und ein wahres Leseerlebnis mal wieder ein Buch von Juli Zeh zur Hand zu nehmen. "Wir haben keine Ahnung, wer wird sind. Sein wollen. Oder sollen." (Seite 47) Da sich jetzt der ein oder andere wahrscheinlich fragen wird, warum denn plötzlich eine Rezension zu einem so ernsten Buch auf einem Blog online kommt, der sich eigentlich nur größtenteils mit Liebes- oder Fantasyromanen beschäftigt, dann schaut euch unbedingt das Video an, das ich unten verlinkt habe! Juli Zeh ist für mich eine unglaublich inspirierende, kluge und fortschrittliche Frau, von deren Eigenschaften man sich wirklich eine Scheibe abschneiden kann. Nachdem ich vor längerer Zeit Corpus Delicti von ihr gelesen habe, und außerdem absolut begeistert davon war, habe ich mir neulich vorgenommen, unbedingt mehr von ihr lesen zu wollen oder sogar zu müssen, da ihre Bücher wirklich den Horizont erweitern. Als ich nun zu ihrem neusten Buch griff, war ich überrascht, in welche Richtung dieses Buch geht. Auch dieser Roman geht in eine dystopische und gesellschaftskritische Richtung. Wir haben es hier nämlich mit einer Zukunft zu tun, in der Politik für den normalen Bürger eigentlich keine Rolle mehr spielt. Es wird sich nicht mehr darüber unterhalten, denn was gemacht wird, wird ja sowieso falsch gemacht und wenn man in irgendeinem Thema anderer Meinung ist als der "Mainstream", soll man doch auch gleich leise sein. Daher kann man doch auch gleich aufgeben, oder etwa nicht? Ein absolut spannender Ansatz, der in meinen Augen gar nicht allzu weit hergeholt ist, wenn man sich die reale Gegenwart mal anschaut. Dieser Meinung war wohl auch die Autorin, was sie in ihrer Welt dadurch kennzeichnet, dass unsere Protagonistin Britta immer wieder auf Ereignisse der Vergangenheit zurückblickt, die für den Leser noch gar nicht allzu weit zurückliegen. Darunter zählen zum Beispiel der Brexit, Trumps Aufstieg oder auch allein Angela Merkel, die wir noch immer als Kanzlerin und Oberhaupt Deutschlands über uns haben. All dies wurde von der Autorin clever verwoben und weiter-, wenn auch dreimal um die Ecke, gedacht. Diesbezüglich fungieren diese politischen, wirtschaftlichen oder auch kulturellen Ereignisse unserer heutigen Zeit in Juli Zehs Roman als Grundstein für das System und deren Gesellschaft. "Wie lange verzichtet sie schon auf das Schöne, nur, weil es ihr selbstverständlich erscheint?" (Seite 241) Hier lässt sich schnell feststellen, dass die Autorin ihre Leser mal wieder ganz typisch auf ihre eigene Art und Weise zum Nachdenken anregt. In dieser Hinsicht bringt sie so interessante und kluge Gedankengänge ein, die fast schon in eine philosophische Richtung gehen, dass mir der Mund oft mal offen stehen geblieben ist. Betonen sollte man auch, dass ich keineswegs das Gefühl hatte, dass der Leser hierbei in irgendeine bestimmte politische Stellung gelenkt wird, da jeder Ansatz von vielen, ich würde schon fast sagen, allen möglichen Seiten beleuchtet wird. Wo dies aber so großzügig durchdacht und ausgebaut wurde, da ist hin und wieder beim konkreten Worldbuilding einiges ausgelassen wurden, was ich sehr schade fand. Ich hätte gern gewollt, dass die Autorin zumindest essentielle Bausteine ihrer Welt ausführlicher erklärt und diese nicht nur anreißt. Hier sind definitiv einige Fragen offen geblieben, die für mich auch nicht unter den Grundsatz fallen, den Leser selbst weiterdenken lassen zu wollen. Das, was einem nämlich hingeworfen wurde, zum Beispiel die "Sport ist öffentlich"-Bewegung, wurde gar nicht weiter erläutert. Ich weiß im Nachhinein lediglich, dass es meist mehrere Menschen sind, die bestimmte Klamotten tragen und zusammen Sport treiben. Tja. Aber was steckte denn dahinter? Wie kam es denn dazu? Welche Ziele verfolgt diese? Wird diese direkt vom Staat gefördert? Fragen über Fragen und das war nur ein einziges Beispiel. Durch diese Stellen kam es durchaus zu diffusen Stellen. "Heutzutage weiß doch keiner mehr, wofür oder wogegen er sein soll." (Seite 31) Auch die Protagonisten waren hier mal wieder sehr ... speziell. Vor allem Britta selbst hat mich wirklich an Mia aus Corpus Delicti erinnert, was positive und auch negative Seiten hat. Zum einen sind diese weiblichen Hauptprotagonisten außergewöhnlich charakterstark, durchdacht und haben, auf gut Deutsch, Arsch in der Hose. Zum Anderen habe ich aber auch das Gefühl, dass diese immer ein kleines soziales Defizit haben. Es sind einfach keine Charaktere, mit denen man sich Eins-zu-Eins identifizieren kann, weil sie manchmal so komischen Handlungssträngen oder Dialogen folgen, auf die ich nie im Leben kommen würde. Aber ist es nicht genau das, was diese Geschichte so interessant macht? Andere zentrale Personen wie Babak, Janina oder Julietta waren abwechslungsreich, individuell und einfach interessant. Man hat sie einfach gern auf ihrem Weg begleitet. Eine weitere faszinierende Besonderheit bringt Juli Zehs Schreibstil mit sich, der zwar sehr kalt war und eine düstere Atmosphäre heraufbeschwor, aber die Geschichte durch und durch antrieb. Er passte wie die Faust aufs Auge auf den Roman, gerade weil er so symbolisch war. Gleichzeitig trieb er den Leser in den passenden Momenten durch die Seiten, während man die Zeilen an anderen Stellen immer und immer wieder lesen wollte, um sie sich möglichst gut einzuprägen und in den richtigen Momenten herauskramen zu können. Insgesamt ist die Geschichte einfach großartig inszeniert und unglaublich ausgeklügelt. Die Grundidee des Geschäfts von Tabak und Britta ist so abstoßend, dass es schon wieder genial ist. Aber hey, liegen Genie und Wahnsinn nicht immer nah beieinander? Verknüpft mit einem kleinen Mystery-Aspekt wird der Roman spannend wie ein Thriller und ein absoluter Pageturner. Mehr zur Geschichte an sich möchte ich eigentlich ungern verraten, das sollt ihr mal schön selbst lesen! Fazit: Ein toller und gleichzeitig beängstigender Gesellschaftsroman aus Juli Zehs Feder. Spannend, erschreckend und vor allem hält es einem den Spiegel vor - oder viel mehr schlägt es einem den Spiegel mit vollem Schwung gegen den Kopf. Ich konnte unglaublich viel aus dem Roman mitnehmen! 4 von 5 Sternen ★★★★

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Leere Herzen

Von: Mona Roza

19.05.2018

Leere Herzen Ein Szenario, das unter die Haut geht. Es ist die nahe Zukunft, 2025.. nicht mehr lange hin. Ist es dann immer noch hoffentlich nur eine Dystopie oder schon grausame Realität. “Leere Herzen” spielt wie alle Juli Zeh Romane in Deutschland. In diesem Deutschland jedoch tritt Angela Merkel zurück und überlässt der BBB (Bersorgte Bürger Bewegung) die Regierung.. wobei die BBB stark an die besorgten Bürger der Afd erinnert. Naja es gibt aber bedingungslose Grundeinkommen, Europa gibts auch bald nicht mehr und auch nicht mehr viele Grundrechte. Ich liebe die Romane von Juli Zeh, sie ist klug und hat einfach einen tollen Schreibstil. Vor allem gefällt mir ihre kritische Art, Gesellschaften zu hinterfragen. Sie hatte von kindesbeinen an mit Politik zu tun und das merkt man ihr an. Sie schreibt mit Leidenschaft. Der Roman war so realistisch geschrieben, das ich manchmal eine Gänsehaut bekam, weil eine solche Zukunft vielleicht gar nicht mehr so fern ist, wie wir glauben wollen. In “Leere Herzen” führen Britta und ihr Geschäftspartner Babak eine psychotherapeutische Praxis in der sie suizidgefährdeten Menschen helfen wollen. Algorithmen bestimmen die Anwärter. Und jetzt kommt der Knüller. Diese Menschen durchlaufen ein Programm in dem geprüft wird, ob sie so suizidial sein könnten, dass man sie an Organisationen weitervermitteln kann, die Selbstmordattentäter brauchen. Dadurch haben die Klienten das Gefühl, für eine gute Sache gestorben zu sein. Damit verdienen Britta und Babak ein Vermögen. Wer dieses sog. Program nicht durchstehen sollte, gilt als geheilt und ist so glücklich darüber, dass er ihnen noch mehr Geld zukommen lässt.. spendet. Ein unglaublich spannender und beängstigender Roman..  Das Lesegefühl ist sehr gut und der Schreibstil flüssig zu lesen.   Ich kann das Buch nur weiterempfehlen!

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