Leserstimmen zu
Die Oleanderfrauen

Teresa Simon

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Meine Meinung: Zur Autorin: Theresa Simon versteht es immer wieder, den Leser mit ihrer Erzählkunst so zu fesseln, dass man förmlich an den Seiten klebt. Ihr Schreibstil ist sehr flüssig, bildhaft und sehr mitreißend. Es gelingt ihr erfolgreich, die dramaturgische Spannung von der ersten bis zur letzten Seite aufrechtzuerhalten. Alles ist so authentisch und real geschildert, selbst das kleine Café von Jule, man roch und schmeckte den Kaffee und die Törtchen. Auch das Leben von Sophie Terhoven wird so lebendig geschildert. Die Geschehnisse der Machtergreifung Hitlers und den Zweiten Weltkrieg mit all seinen Auswirkungen erlebte man mit. Die Autorin hat es verstanden, ihren einzelnen Figuren Leben einzuhauchen, auch deren Charaktere sind hervorragend herausgearbeitet. Man konnte direkt in manche Seele blicken, an ihren Emotionen, Gefühlen, ihrer Trauer, Wut und ihren Hoffnungen teilhaben. Sehr schön sind die zwei Erzählstränge und Zeitebenen miteinander verwoben. Was ich ganz toll fand: Die Rezepte am Ende des Buches und das historische Nachwort runden alles ab, sodass keine Fragen offen bleiben. Ein Buch voller dunkler und aufregender Familiengeheimnisse. Zum Inhalt: Alles fängt eigentlich 2016 in Jules kleinem Café, das sie in Hamburg betreibt, an. Jule, die ihr Studium abgebrochen hat, Jule ohne Plan, wie ihre Mutter behauptet. Jedenfalls sind die Leute begeistert von Jules wunderbarem Kaffee und Kuchen. Sie hat sich nebenher ein zweites Standbein aufgebaut, sie forscht für ihren Kunden in deren Familienvergangenheit, "Ich schreib dir dein Leben", so nennt sie es und hat Erfolg damit. Eines Tages taucht die passionierte Johanna bei ihr auf, die beim Verkauf des Hauses ihrer verstorbenen Mutter auf dem Dachboden auf einen alten Koffer mit geheimnisvollem Inhalt gestoßen ist, darunter das besagte Tagebuch. Dieses Tagebuch wird noch so manches dunkle Geheimnis ans Licht bringen. Johanna bittet Jule um Hilfe. Es war spannend, mit den beiden beim Lesen darin abzutauchen und die junge Sophie Terhoven und ihre Familie kennenzulernen. Sophie ist über beide Ohren in Hannes, den Sohn der Köchin, verliebt. Ihr heimliches Stelldichein findet im Gewächshaus mit den dufteten Oleanderbäumen statt. Eine Liebe, die nicht ohne Folgen bleibt, sie wird schwanger von ihm. Um Hannes zu schützen, gibt sie Malte, den homosexuellen Bruder ihrer Freundin, an. Malte hat es schwer, denn er wird von den Nazis schikaniert, eine besonders dunkle Rolle spielt dabei der SS-Mann Moers, ein Freund ihres Vater, der Malte und seinen Freund im Visier hat. Die arme schwangere Sophie schickt man nach Föhr, um jeden Skandal zu vermeiden. Bei ihrer Rückkehr kann sie nicht länger mehr mit ihrer Lüge Leben und gesteht, dass Hannes der Vater ist. Damit tritt sie eine ungeahnte Lawine los, Vater und Mutter offenbaren ihre dunklen Geheimnisse. Der Vater schmeißt Jule aus dem Haus, ihre einzige Stütze ist Tante Fee und die Mutter von Hannes. Dann bricht der Zweite Weltkrieg aus und das ganze Drama beginnt und wir tauchen ab in eine Geschichte, die traurig und schön zugleich ist. Am Ende des Tagebuchs und der Recherche nehmen die Dinge eine ungeahnte Wendung, mit deren Ausgang man nicht gerechnet hat.

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Ein schönes, in warmen Farben gestaltetes Cover spricht den Leser sofort an. Die Protagonistin des Romans, Sophie Terhoven, wächst mit ihrem Bruder Lennie in einem wohlhabenden Elternhaus auf, die Familie handelt seit Jahrzehnten mit Kaffee. Der Roman erzählt in zwei unterschiedlichen Erzählsträngen und der Erzählstrang der Vergangenheit beginnt in den 30iger Jahren in Hamburg, als sich Sophie als Teenager in Hannes, den Sohn der Köchin ihres Elternhauses, verliebt. Sophie wird schwanger und ihre Eltern verbannen sie auf die Insel Föhr, um dort in Abgeschiedenheit ihr Kind zur Welt zu bringen. Sophie verleugnet Hannes und gibt Malte, ihren homosexuellen Freund, als Vater des Kindes an. Malte hat es schwer, denn nachdem die Nationalsozialisten an die Macht kommen, werden Homosexuelle verfolgt und schikaniert. Irgendwann kann Sophie ihre Lüge nicht mehr leben und sagt ihren Eltern die Wahrheit, dass Hannes der Vater ihres Kindes ist. Ihr Vater ist außer sich und bricht mit seiner einzigen Tochter, verweist sie des Hauses und dann muss auch noch Hannes in den Krieg… Im Erzählstrang der Gegenwart ist Jule die Protagonistin, die in Hamburg ein kleines Cafe eröffnet hat, ihren Traum lebt und so nebenbei als Geschichtenschreiberin Biografien schreibt und mit dem Angebot „Ich schreibe Dir Dein Leben“ eine Marktnische entdeckt hat, um sich für den Fall der Fälle ein weiteres Standbein aufzubauen. So lernt sie über einen kauzigen Gast, Nils, dessen Tante Johanna kennen, die beim Aufräumen ihres Elternhauses ein sehr altes Tagebuch findet sowie ein Medaillon, womit sie nichts anzufangen weiß. Jule bietet an, Johanna bei den Recherchen zu helfen und zusammen begeben sie sich auf die Suche, um herauszufinden, was es mit der Verfasserin des Tagebuches auf sich hat und auch mit dem Medaillon…. Teresa Simon hat wieder einen wunderbar flüssig geschriebenen, emotional berührenden und zugleich sehr spannenden Roman geschrieben, der den Leser schon vom Prolog an in seinen Bann zieht, ihn mitfiebern lässt. Gelungen ist die Unterscheidung beider Erzählstränge in unterschiedlichen Schriftbildern. Von Beginn an wird ein Spannungsbogen aufgebaut, der den Leser vereinnahmt und ihn den Roman fast nicht mehr aus der Hand legen lässt. Die Charaktere der handelnden Personen sind sehr authentisch und jeder Charakter hat seine individuellen Eigenheiten. Beide Protagonistinnen sind sehr sympathische Charaktere, beide sind jedoch sehr verschieden. Während Sophie eine recht starke und toughe Frau ist, verkörpert Jule die eher etwas unsichere Frau. Beiden jedoch ist eins gemeinsam: Sie meistern ihre Leben auf unterschiedliche Art und Weise. Durch die Verknüpfung der unterschiedlichen Schicksale gewinnt dieser Roman noch zusätzlich an Spannung, einfach fantastisch geschrieben und ein wunderbarer Lesegenuss. Ich habe von Teresa Simon auch die anderen Romane gelesen, „Die Holunderschwestern“ und „Die Frauen der Rosenvilla“, die mich beide schon begeistert haben. „Die Oleanderfrauen“ haben dem noch eins draufgesetzt, dieser Roman ist ein klares Lese-Highlight und bekommt von mir eine Leseempfehlung mit fünf Sternen – besser geht nicht.

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