Leserstimmen zu
Nachtlichter

Amy Liptrot

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„Nachtlichter“ war mir vor einiger Zeit mal in der Buchhandlung aufgefallen, aber erst im letzten Monat habe ich es mir zugelegt (danke an Randomhouse für das Bereitstellen des Exemplars!). Der Klappentext hat mich ziemlich angesprochen, da ich großes Interesse an Schottland und seiner kargen Insellandschaft habe und ich deshalb sehr gerne Romane und Erzählungen lese, die dort handeln. Das Werk von Amy Liptrot ist in dieser Hinsicht etwas anders, denn es sind ihre Memoiren, sozusagen ihre Biografie. Ich habe mich ehrlich gesagt noch nie vorher an Literatur dieses Genres rangewagt. (Ausgenommen die Miley Cyrus-Biografie, die damals von „Bravo“ und „Popcorn“ empfohlen wurde, aber ich glaube, das zählt nicht.) Nach den ersten Seiten war ich jedoch schon SO fasziniert von Liptrots Art, mit Worten umzugehen, dass ich sämtliche Zweifel über Bord werfen und mich ganz dem Buch hingeben konnte. Im Gegensatz zu den Romanen, die ich sonst lese, habe ich für dieses Werk ziemlich lange gebraucht, weil ich oft Pausen machen musste, um über den Inhalt nachzudenken. Das soll kein Kritikpunkt sein, ganz im Gegenteil. Die Worte besitzen so viel Tiefe, dass es mir einfach nicht gelungen ist, alles beim „drüberlesen“ zu verstehen – die ganze, nackte Wahrheit über die schwere Alkoholsucht und ihre Folgen, sowohl sozial, als auch körperlich. Trotz der vielen Pausen, die ich gemacht habe, blieb es interessant und nun bin ich um wahnsinnig viel Orkney-Wissen reicher. In jedem Kapitel erfährt man so viel Interessantes, seien es die alten Sagen und Legenden der Inseln, die die Autorin erzählt, oder auch wissenschaftliche Fakten über den Weltraum und die Polarlichter. Man könnte meinen, so viele „neutrale“ Informationen über Dinge, die nicht primär mit der Alkoholabhängigkeit zu tun haben, lassen die Erzählung vielleicht träge werden, aber ich kann versichern, dass das nicht so ist. Und irgendwie sind diese wissenschaftlichen Erklärungen nicht überflüssig, denn genau mit diesen beschäftigte sich Liptrot während ihrer Genesung auf Orkney, entwickelte so eine neue Passion, die den Drang nach Alkohol kompensieren konnten. Sie kämpft jeden Tag von Neuem gegen die Sehnsucht an, sich diesem Drang hinzugeben. Doch stattdessen badet sie im eiskalten Meer, unternimmt Vogelzählungen und verbringt den Winter in einem Cottage auf der nördlichsten bewohnten Insel von Orkney. Diese karge Lebensweise ist das gegenteilige Extrem zu den Londoner Clubnächten – und so schonungslos wie ehrlich wird der Leser damit konfrontiert. Aber es ist eine inspirierende Ehrlichkeit. Es ist ein komplett neues Genre, das ich mit diesem Buch erkundet habe, und ich habe daher hohe Ansprüche an das Werk gestellt. Was soll ich sagen...diese Ansprüche wurden nicht enttäuscht. Mit jedem Kapitel habe ich eine neue Seite des Orkadischen Lebens entdeckt, das spannend und beruhigend zugleich ist. Und es macht Mut, dass auch schwere Krankheiten wie Alkoholabhängigkeit überwunden werden können.

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REZENSION INHALT: Die über 30 jährige Autorin Amy Liptrot nimmt den Leser mit auf eine bewegende Reise in die Alkohol - und Drogensucht und ihren verzweifeltem, aber am Ende doch teilweise erfolgreichen Kampf gegen diese heimtückische Krankheit. Aufgewachsen in der bäuerlichen Abgeschiedenheit der Orkney Inseln, mit einem manisch-depressiven Vater und einer religiösen Mutter verlässt sie als sehr junges Mädchen ihre Heimat und verlebt eine aufregende Zeit der Partys und des Chillens in London. Sie beschreibt schonungslos ihr Abdriften in diese Welt des Glamours und dann ihre Rückkehr nach zwölf Jahren und dem damit verbundenen schweren Neuanfang auf den Orkney Inseln…. MEINE MEINUNG: Gebannt habe ich die fesselnden Erzählungen aus der Londoner Zeit miterlebt und ich habe Amy bedauert und mitgelitten. Ohne Rücksicht auf sich oder den Leser , und absolut ehrlich hat sie diese im Nachhinein für sie schlimmste Zeit ihres Lebens geschildert, bis zum völligen körperlichen und seelischen Zusammenbruch. Zitat Seite 227 „ Ich will mich unbeschwerter fühlen. Mein Problem ist nicht körperlicher Natur . Und selbst wenn ich das Verlangen loswerden würde, bleibt immer noch die Frage, warum ich das Bedürfnis überhaupt entwickelt habe - und was die Leere füllen kann.“ Die Aufarbeitung dieser Frage in ihrem Buch hat meine Geduld beim Lesen ziemlich beansprucht. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm , manchmal allerdings zu oft mit sich immer wieder ähnelnden Beschreibungen von Empfindungen überfrachtet. Sie ist in ihrer Erzählung über ihr Leben auf Orkney nach der aktuellen Suchtzeit in London im Text zu oft und zu schnell, nach kurzen Sätzen, in unterschiedlichen Themen, hin und hergesprungen. Sie hat sich mit schlimmen Erinnerungen an die Londoner Zeit gemartert und hat im gleichen Atemzug ebenso exzessiv über Sternenbilder am Nachthimmel von Orkney, die*Merry Dancer* (Nachtlichter), die Geschichte der Insel , ihre Tier-Natur-Beobachtungen und dem Schwimmen und Tauchen im eiskalten Atlantik berichtet. Diese vielen Betrachtungen und Eindrücke über ihre Heimat, die Orkney Inseln, lesen sich fast wie ein attraktiver Reiseführer und nehmen einen sehr grossen Teil des Buches ein. Ich wurde den Verdacht nicht los, dass sie extreme Situationen (das Schwimmen im eiskalten Meer bis zum Erreichen der Schmerzgrenze) gerne und immer wieder sucht , um diese diffus empfundene innere Leere zu füllen und um sich selbst zu verletzen. Man hat das Gefühl, dass sie ihre Sucht gegen eine andere ( in diesem Fall ihre Kommunikations- und Internetsucht beim Austausch über Wind, Wetter, Sterne, die Insel mit gleichgesinnten Freunden) ausgetauscht hat. Zitat Seite 236 : „Hinter dem Begriff *Cross-Addiction* steht die Vorstellung , dass Alkoholiker ihr Suchtverhalten in Ermangelung von Alkohol auf etwas anderes übertragen. Gewöhnlich sind dies Dinge wie Essen, Sport, Shopping oder Glücksspiel. Bei mir sind es Coca-Cola, Rauchen, Beziehungen und das Internet.“ Mit sehr viel Interesse und Mitgefühl bin ich all diesen Ausführungen gefolgt und bedanke mich bei der Autorin und dem btb-Verlag für das Rezensionsexemplar. Die faszinierenden Beschreibungen über die Orkneyinseln haben mich begeistert und einen Inselbesuch für mich attraktiv dargestellt. Meine Bewertung: VIER **** Sterne für diese Lektüre.

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Sie sind nicht so sehr bekannt wie die in der Nachbarschaft liegenden Shetlands, berühmt für die gleichnamige robuste Pony-Rasse. Und sicherlich stehen die Orkney-Inseln, nordöstlich von Schottland und auf dem Längengrad wie Südgrönland gelegen, nicht unbedingt auf der Liste der beliebtesten Reiseziele. Denn allzu rau ist das Klima, sind einige der rund 70 Eilande der Inselgruppe nur spärlich oder gar nicht besiedelt. Wer hier wohnt oder dorthin reist, muss mit dem Norden verwurzelt sein. Die Journalistin und Autorin Amy Liptrot ist hier aufgewachsen. In ihrem Buch „Nachtlichter“ erzählt sie von ihrer Heimat und ihrer Rückkehr nach zehn Jahren in London – vor allem aber von einer besonderen Heilung. Denn die Britin verfällt bereits in jungen Jahren dem Alkohol, der ihr ständiger Begleiter wird. Schon im Alter von 18 Jahren verschlägt es sie nach London – mit wenig Gepäck, aber mit einem Strauß an Zukunftsplänen, Hoffnungen, Wünschen und Träumen. Doch die pulsierende Metropole, ein herber Kontrast zur auf den ersten Blick einsamen Inselwelt, ist kein einfaches Pflaster. Die Mieten sind hoch, hart ist die Konkurrenz im Journalismus, den die junge Frau für sich entdeckt hat. Und es lauern viele Fallen. Liptrot gleitet ab in einen unstetigen Lebenswandel, in dem Drogen, allen voran der Alkohol, zunehmend ihren Alltag bestimmen. Der Ausstieg aus diesem Teufelskreis soll mit einer mehrmonatigen Entzugstherapie sowie anschließend mit dem kompletten Rückzug in die Heimat gelingen. Obwohl es die vertraute Heimat ist, gestaltet sich der Weg aus dem Alkoholsumpf steinig: Nicht umsonst sind die Rückfall-Quoten nach Therapien oft hoch. Allzu verlockend ist auch für Liptrot der Gedanke an ein Bier am Abend, ein Drink zum Feiern. Hinzukommen die schmerzvollen Gedanken an die psychische Erkrankung ihres Vaters, die Trennung ihrer Eltern. Und ein Schlückchen eignet sich prima, um sich zu betäuben, die dumpfen Gedanken einfach wegzuspülen. Doch Liptrot macht in der ihr bereits bekannten Welt Entdeckungen, die sie prägen, körperlich wie seelisch formen: Sie arbeitet für eine Vogelschutz-Organisation und lernt dadurch die reiche Vogelwelt der Inseln kennen. Im Winter lebt sie zurückgezogen in einem Cottage auf der Insel Papa Westray. Sie schwimmt im eiskalten Meer, beobachtet Merry Dancers, wie das Nordlicht auf der Inselgruppe genannt wird. Sie lernt, dass die einfachen und unauffälligen Dinge kostbar sind und ein Leben reich machen. Die Tage, Wochen und Monate, in denen sie trocken ist, abstinent lebt, zählt sie mit Stolz, aber auch mit einer gewissen Furcht. Sie weiß um die Nähe zum Abgrund. Dieses autobiografische Werk mit seinen kraftvollen wie leisen Tönen erstaunt in vielerlei Hinsicht: Liptrot berichtet sowohl auf drastische Weise über den fürchterlichen Abstieg und die hinterhältige Seite der Sucht, die sie fortan ein Leben lang begleiten wird, als auch voller Poesie von der zwar kargen, aber trotzdem malerischen Landschaft, von den steilen Klippen, von der Kraft des Windes und des Meeres, die gemeinsam die Inseln seit Jahrtausenden formen und die Einwohner vor Herausforderungen stellen. Dabei erinnert Liptrots Band ein wenig an „H wie Habicht“ ihrer Landsmännin Helen Macdonald. Beide Autorinnen suchen und finden in der Natur Kraft für ihre Heilung, beide sind seelisch verwundet. Macdonald infolge des überraschenden Todes ihres Vaters, Liptrot durch ihre Alkoholsucht und die problematischen Familienverhältnisse. Und beide vermitteln nicht nur ihre Gedanken und Gefühle in einer bemerkenswerten Offenheit und Ehrlichkeit, sondern auch reiches Wissen. Liptrot stellt die Besonderheiten ihrer Heimat vor, geografische wie auch jene der Flora und Fauna. Interessant sind auch ihre Ausführungen zur Geschichte sowie den Mythen und mythische Gestalten. Zudem geht die Autorin auf die aktuelle Situation auf den Inseln ein, wie sie trotz ihrer Abgelegenheit und Kargheit durch das Internet und damit den Anschluss an die große weite Welt attraktiv für neue Bewohner sein können. Das Buch „Nachtlichter“, für das die Autorin den Wainwright Prize for Best Nature and Travel Writing sowie den PEN Ackerley Prize für autobiografisches Schreiben erhielt, ist ein Buch, das berührt und ergreift wie es sogleich einen – mich eingeschlossen – dazu animieren kann, sofort eine Reise zu buchen und die Koffer zu packen. Mich würde es nicht wundern, wenn dank dem Werk der Tourismus auf den Orkneys einen kleinen Boom erlebt. Und dann gibt es noch eine weitere Hoffnung: Dass das Buch für das Thema Alkoholismus sensibilisiert. Denn allzu sehr wird das Trinken verherrlicht, die Schattenseiten des übermäßigen Alkoholgenusses belächelt, stehen die Suchtkranken in der Öffentlichkeit im Abseits, sind ihre Erfahrungen ein Tabuthema. Dabei braucht die Heilung nicht nur den Willen des Kranken und eine medizinisch-fachliche Unterstützung und Betreuung, sondern auch ein geeignetes Umfeld und Rückhalt.

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Die Orkneys, eine Inselgruppe ganz oben im schottischen Nordwesten. Wasser, Wind, Gras und Steine. Kaum Perspektiven für die Zukunft. Kein Wunder, dass es die jungen Inselbewohner auf das Festland zieht. Nach Süden, dorthin, wo das Leben pulsiert. In die Metropolen. Nach Edinburgh oder London. So auch Amy Liptrot, die als Achtzehnjährige den Sprung in die Großstadt wagt. Voller Vorfreude auf diesen neuen Lebensabschnitt. Ein Elternhaus hinter sich lassend, in dem eine zutiefst religiöse Mutter und ein manisch-depressiver Vater zurückbleiben. Dann die Metropole mit ihren Verlockungen an jeder Straßenecke. Partytime. Drogen, der Alkohol fließt in Strömen. Aber die Einsamkeit tief drinnen bleibt. Noch mehr Party, noch mehr Alkohol, bis alle Freunde das Weite gesucht haben und auch der Job weg ist – Absturz. Amy Liptrot ist ganz, ganz unten angekommen. Aber sie rappelt sich auf und sucht Hilfe. Macht einen Entzug, eine Therapie. Doch sie weiß auch um die Fallstricke, die auf diesem schweren Weg lauern. Sie braucht Abstand von ihrem bisherigen Leben, damit der Therapieerfolg nicht gefährdet wird, damit sie der Versuchung nicht nachgibt und rückfällig wird. Zurück zu den Wurzeln, zu den Orten ihrer Kindheit und Jugend, nach zehn Jahren zurück auf die Orkney Inseln. Im Angesicht der rauen Elemente, fernab des städtischen Komforts, ohne Ablenkungen, zurückgeworfen auch sich selbst, und so findet sie jeden Tag ein bisschen mehr zu sich zurück. Erstmals setzt sich Liptrot mit ihrer Heimat intensiv auseinander. Studiert die Geschichte, beobachtet das Meer, setzt Steinmauern, hilft beim Lammen und wird zur Wachtelkönig-Beauftragten der örtlichen Vogelschutz-Stiftung. Und sie findet eine neue Droge – das tägliche Schwimmen in der eiskalten See zu jeder Jahreszeit. Aber auch das Schreiben, die Reflexionen ihrer Vergangenheit und Gegenwart, helfen der Autorin bei der Verarbeitung ihrer Sucht. Und so ist „Nachtlichter“ entstanden, ein Bestseller in Großbritannien, der sowohl mit dem „Wainwright Prize for Best Nature and Travel Writing“ als auch mit dem „PEN Ackerly Prize“, der für gelungene Autobiographien vergeben wird, ausgezeichnet wurde. Eine höchst beeindruckende Lektüre, zum einen wegen der schonungslosen Offenheit, mit der die Autorin ihre Sucht beschreibt, zum anderen wegen der beeindruckenden Schilderung dieser rauen Inselgruppe im hohen Norden. Lesen!

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„Eine kleine Insel für sich allein zu haben, gibt einem das seltsame Gefühl, frei und gefangen zugleich zu sein. Ich pinkle am Rand einer Klippe, schaue dabei in Richtung Norwegen und komme mir vor wie ein nordischer Eroberer. Vor einem Jahr war ich in einer Entzugseinrichtung in London. Und jetzt liege ich, alle viere von mir gestreckt, auf einer unbewohnten Insel…“ Kurz vor dem Ende des Jahres habe ich noch ein paar sehr schöne Bücher auf meinem Regal liegen und ich habe mir vorgenommen, Euch einige davon noch vorzustellen, bevor das neue Jahr beginnt. Ein Buch, das mir nur durch den wunderbaren Blog literaturleuchtet von Marina Büttner ins Bewusstsein gerufen wurde, begleitet mich schon seit einigen Tagen. Ich habe es immer in der Tasche und lese darin bei jeder Gelegenheit, häufig in der Berliner U-Bahn, aber auch, während ich darauf warte, dass das Nudelwasser anfängt zu kochen. Es heißt Nachtlichter und ist von der Autorin Amy Liptrot. Der Einband ist wunderbar blau und violett wie der Himmel und das Meer, weiß, wie die Möwen, die in dieser Landschaft fliegen. Sehr schön ausgewählt für ein Buch, in dem das Meer eine so wichtige Rolle spielt. Der autobiografische Text handelt davon, wie die Autorin die Orkney-Inseln als junge Frau verlässt, um als Journalistin in London zu leben, wie sie vom Alkohol abhängig wird und nach einer Entziehungskur in dem verzweifelten Versuch, nicht rückfällig zu werden, zurück in ihre Heimat kehrt, die Geborgenheit in einer stürmischen und eher rauen Form bietet. Wir erfahren, dass ihre Kindheit nicht einfach war. Denn der Vater war psychisch labil und wurde beispielsweise an dem Tag, an dem ihre Mutter mit ihr als Säugling aus dem Krankenhaus zurück kehrte, in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Ihre Wege kreuzten sich auf dem kleinen Flughafen der Hauptinsel. Allein die Vorstellung, dass Amys junge Mutter mit einem Säugling alleine auf einer einsamen Insel hockte, geht einem nahe. Hinzu kam, dass die Mutter sehr religiös war. Die Welten der Eltern knallten mit ihren Extremen immer wieder aufeinander. Das ganze Buch ist rau und zart zugleich, brutal und liebevoll. Es ist auch der Versuch, schreibend die Leere zu füllen, die durch das Ende des Alkoholismus in Amy Liptrots Leben sich auftat. Der Kampf gegen die Sucht, der Versuch zu heilen, finden in ihrer Schonungslosigkeit einen Spiegel in der rauen Landschaft dieser nördlich von Schottland liegenden Inselgruppe. Hier findet sie auch Beschäftigungen, um die Leere nicht ununterbrochen spüren zu müssen. Zum Beispiel arbeitet sie einen Sommer lang als Wachtelkönigbeobachterin für eine Umweltorganisation. Wachtelkönige sind sehr selten und vom Aussterben bedroht. Gut kennt sich Amy Liptrot mit den Tieren und der Vegetation aus, so dass das Buch nicht nur ihre eigene innere Landschaft schildert, die Leere, die Angst davor, der Versuch, ihr nicht auszuweichen, sondern auch das Leben der Tiere und Pflanzen in einer Region, in der diesem Planeten das Leben fast abgetrotzt werden muss. Viele der Inseln sind nicht mehr bewohnt oder waren es auch nie, da das Klima zu rau ist. Man spürt es auf jeder Seite, dass auch die Autorin möglicherweise unbewohnt bleiben könnte, wenn sie es nicht schafft, dem rauen Klima in sich zu trotzen. Es geht ums Überleben, das Überleben einzelner, von der Ausrottung bedrohter Tierarten wie der Wachtelkönige, aber auch das der Autorin. Wir erleben beim Lesen mit, wie sie dank der Natur, dank der Abgelegenheit, dank ihrer unglaublichen Courage schwankend im Wind auf den Klippen ihrer Inseln, den Abgrund vor Augen, langsam doch wieder Boden unter die Füße bekommt, wie die Leere sich mit Sinn und Sinnhaftem füllt. Eine zutiefst befriedigende Lektüre, mit dem zumindest für mich kleinen Seiteneffekt, dass ich jetzt unbedingt sobald wie möglich Schottland und die nördlich davon gelegenen Orkney Inseln besuchen möchte. Ich danke dem btb Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars. Hier ist noch der Link zu einem Interview mit der Autorin aus der Sendung Aspekte. (c) Susanne Becker

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Handlung: Amy's Vater wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, da er manisch-depressiv ist, da ist das Mädchen gerade auf die Welt gekommen, zuvor haben die Eltern alles aufgegeben, um auf die Orkney Islands zu kommen und eine Schafzucht zu betreiben. Amy bleibt mit ihrem Bruder und ihrer Mutter zurück, sie verlebt trotzdem eine relativ harmonische Kindheit, obwohl die Mutter fast fanatisch religiös und auch der Vater mit seiner psychischen Erkrankung alles andere als einfach ist. Amy geht nach London, weil sie diesem Leben entfliehen will und die Dinge nehmen ihren Lauf. Da es eine Autobiografie ist, schildert Amy Liprot die Erlebnisse aus ihrer Sicht, wobei der erste Teil die Londoner Zeit wiedergibt und der Rest die Rückkehr auf die Orkney-Inseln erzählt. Schreibstil: Der Schreibstil hat mich mitgerissen, weil er sehr detailliert und bildgewaltig, ich wurde förmlich in ihre Erlebnisse hereingezogen wurde. Ich habe mich immer so gefühlt, als hätte ich das alles miterlebt, was beileibe nicht immer einfach war, ganz im Gegenteil. Oft musste ich tief durchatmen und kurz innehalten, aber dann musste ich unbedingt weiterlesen. Besonders gut gefallen haben mir die Erlebnisse auf den Orkneys, weil ich die Natur vor Augen hatte und die Meeresluft riechen konnte. Fazit: Die Autorin hat völlig zu Recht auf den Bestsellerlisten gestanden und ihre Preise gwonnen, denn so traurig die Geschichte war, so sehr habe ich die Offenheit der Autorin bewundert und die schottische Natur sehr gemocht. Das Buch hat mich so begeistert, dass ich hier nur zu gerne 5 Sterne vergebe.

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In Aspekte wurde kürzlich Amy Liptrots Roman so anziehend vorgestellt, dass ich um diese Lektüre nicht umhinkonnte. Im Beitrag erzählt Liptrot von ihrer Alkoholsucht und von der Überwindung dieser, die sie ohne die Natur nicht geschafft hätte. Die Autorin lebte die ganze Kindheit und Jugend auf den Orkneyinseln. Die Bilder dieser Naturfülle im Aspekte-Beitrag sind wunderschön und Liptrot gelingt es diese Schönheit in ihrem Buch klingen zu lassen. „Das Rütteln an den Grundfesten meines Lebens durch die psychische Erkrankung meines Vaters, wurde verstärkt durch die extreme Religiosität meiner Mutter und durch die Landschaft, in die ich hineingeboren worden war, …“ Als Jugendliche werden ihr die Insel und der elterliche Hof langweilig. Sie sehnt sich nach London. Dort angekommen gerät sie immer tiefer ins Partyleben, lebt exzessiv und verfällt nach und nach dem Alkohol. Durch diese Sucht verliert sie mehrmals ihre Jobs und Wohnungen und letztlich ist sie auch Ausschlag für das Ende einer Beziehung. Mehrmalige eigene Versuche des Entzugs scheitern. An einem bestimmten Punkt entscheidet sich Amy für den 12-Schritte-Entzug, der hart ist, sie aber letztlich erkennen lässt, das es der einzig richtige Schritt war. Sie hält durch. Um Abstand zu gewinnen, fährt sie zurück auf die Orkneys, und bleibt. Sie bekommt einen Job als Vogelwartin und lernt aus der Natur ihre Stärke zu ziehen, sich einzulassen auf ihre Gefühle. Und sie bleibt trocken, auch wenn es immer wieder diese Momente gibt: Sie weiß nun, sie kann sie auch anders füllen, diese Leere. „Ich lerne Freiheiten zu erkennen und zu schätzen: räumliche Ungebundenheit, frei zu sein von schädlichen Zwängen. Ich fülle die Leere mit neuem Wissen und mit Momenten der Schönheit.“ Sie beschäftigt sich mit der Geschichte der Inseln, spürt den mythischen Sagenwelten der Inselgruppe nach, gewinnt aus dem Gehen und Wandern bei jedem Wetter Kraft und Ruhe, schließt sich der Eisbär-Schwimmgruppe an, die sich zu jeder Jahreszeit gemeinsam ins Meer stürzt. Sie lernt Schnorcheln und liest sich in die faszinierenden Welten von Astronomie und Nautik ein. „Ich spüre keiner geheimnisvollen oder gefährdeten Art nach: Ich erkunde mich selbst in einer Art semi-wissenschaftlichen Untersuchung, einer Tiefseestudie der Seele.“ Am Ende des Buches ist Amy seit zwei Jahren trocken und der Leser beeindruckt und auch schlauer: Ich weiß nun, wie selten ein Wachtelkönig ist und wie er aussieht … Liptrot ist eine ganz wunderbare Erzählerin und es ist ein Roman, bei dem sich Autobiographisches aufs Feinste in Literatur verwandelt. Sie hat ein großes Talent Bilder zu erschaffen, die alles lebendig werden lassen. So, als wäre ich selbst am Strand im Wind mit dabei … Ein Leuchten! Fröhliche Tänzer – wie dort oben die Nordlichter genannt werden.

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n Aspekte wurde kürzlich Amy Liptrots Roman so anziehend vorgestellt, dass ich um diese Lektüre nicht umhinkonnte. Im Beitrag erzählt Liptrot von ihrer Alkoholsucht und von der Überwindung dieser, die sie ohne die Natur nicht geschafft hätte. Die Autorin lebte die ganze Kindheit und Jugend auf den Orkneyinseln. Die Bilder dieser Naturfülle im Aspekte-Beitrag sind wunderschön und Liptrot gelingt es diese Schönheit in ihrem Buch klingen zu lassen. „Das Rütteln an den Grundfesten meines Lebens durch die psychische Erkrankung meines Vaters, wurde verstärkt durch die extreme Religiosität meiner Mutter und durch die Landschaft, in die ich hineingeboren worden war, …“ Als Jugendliche werden ihr die Insel und der elterliche Hof langweilig. Sie sehnt sich nach London. Dort angekommen gerät sie immer tiefer ins Partyleben, lebt exzessiv und verfällt nach und nach dem Alkohol. Durch diese Sucht verliert sie mehrmals ihre Jobs und Wohnungen und letztlich ist sie auch Ausschlag für das Ende einer Beziehung. Mehrmalige eigene Versuche des Entzugs scheitern. An einem bestimmten Punkt entscheidet sich Amy für den 12-Schritte-Entzug, der hart ist, sie aber letztlich erkennen lässt, das es der einzig richtige Schritt war. Sie hält durch. Um Abstand zu gewinnen, fährt sie zurück auf die Orkneys, und bleibt. Sie bekommt einen Job als Vogelwartin und lernt aus der Natur ihre Stärke zu ziehen, sich einzulassen auf ihre Gefühle. Und sie bleibt trocken, auch wenn es immer wieder diese Momente gibt: Sie weiß nun, sie kann sie auch anders füllen, diese Leere. „Ich lerne Freiheiten zu erkennen und zu schätzen: räumliche Ungebundenheit, frei zu sein von schädlichen Zwängen. Ich fülle die Leere mit neuem Wissen und mit Momenten der Schönheit.“ Sie beschäftigt sich mit der Geschichte der Inseln, spürt den mythischen Sagenwelten der Inselgruppe nach, gewinnt aus dem Gehen und Wandern bei jedem Wetter Kraft und Ruhe, schließt sich der Eisbär-Schwimmgruppe an, die sich zu jeder Jahreszeit gemeinsam ins Meer stürzt. Sie lernt Schnorcheln und liest sich in die faszinierenden Welten von Astronomie und Nautik ein. „Ich spüre keiner geheimnisvollen oder gefährdeten Art nach: Ich erkunde mich selbst in einer Art semi-wissenschaftlichen Untersuchung, einer Tiefseestudie der Seele.“ Am Ende des Buches ist Amy seit zwei Jahren trocken und der Leser beeindruckt und auch schlauer: Ich weiß nun, wie selten ein Wachtelkönig ist und wie er aussieht … Liptrot ist eine ganz wunderbare Erzählerin und es ist ein Roman, bei dem sich Autobiographisches aufs Feinste in Literatur verwandelt. Sie hat ein großes Talent Bilder zu erschaffen, die alles lebendig werden lassen. So, als wäre ich selbst am Strand im Wind mit dabei … Ein Leuchten! Fröhliche Tänzer – wie dort oben die Nordlichter genannt werden.

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