Leserstimmen zu
Das weiße Feld

Lenka Hornakova-Civade

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Drei Frauen, jede von ihnen mit einer ganz eigenen Lebensgeschichte, verpackt in einen Roman der Sonderklasse… In „Das weiße Feld“ begleitet der Leser drei Frauen, wie sie leben, lieben und mit Problemen in ihrer jeweiligen Zeit zu kämpfen haben. Ich bin keine Freundin davon, zu viel des Inhalts eines Romans preiszugeben, weswegen diese Inhaltsangabe zwar kurz ist, ich Euch allerdings versprechen kann, dass es das Geschehen in den 273 Seiten in sich hat. Was mich etwas aus dem Geschehen geworfen hat, war die Tatsache, dass das Buch in drei Teile gegliedert ist und jeder in der ersten Person geschildert wird. Ich hätte mir eine Verflechtung der Geschichten gewünscht, da ich so nur begrenzt in den Fluss der Geschichte hineinfinden konnte und mich durch den personalen Erzählstil erst wieder neu einfinden musste. Mit welchen Charakteren könnt Ihr Euch am besten identifizieren? Ich liebe es, von echten Menschen zu lesen. Die Fehler, die kleinen Macken – sie machen uns menschlich und in diesem Roman haben wir es mit authentischen Charakteren zu tun. Dies haucht dem Geschehen das wahre Leben ein und füllen es mit Herz. Da der Leser die Geschichte des 20. Jahrhundert verfolgen darf, wird durch die gekonnte Inszenierung der Figuren auch ein Stück Geschichte zum Leben erweckt. Hornakova-Civades Schreibstil entwickelt sich, wie es auch das Leben Magdalenas, Evas und Libusas tut. Eine solche Variabilität in die Sprache zu legen, beeindruckt den Leser nicht nur, sondern unterstützt die Entwicklung der Charaktere und verleiht ihr die nötige Glaubwürdigkeit in einem Roman, wie er nur selten geschrieben wird.

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„Literaturwerkstatt- kreativ“ stellt vor: „Das weiße Feld“ von Lenka Hornakova-Civade Lenka Horáková-Civades Roman spielt in der Tschechoslowakei, vom zweiten Weltkrieg bis heute. Es handelt sich dabei um eine über mehrere Generationen dicht erzählte Familiengeschichte. Beginnend mit Großmutter Marie, die als Krankenschwester und Hebamme in der Praxis des jüdischen Arztes Dr. Stein arbeitet. Dieser wird mit der Zeit auch ihr Liebhaber und sie hat mit Ihm eine uneheliche Tochter namens Magdalena. 1938 flieht Dr. Stein mit seiner Familie aus Wien vor den Nazis und Marie ist auf sich alleine gestellt. Doch sie ist eine Kämpferin und zieht mit ihrer Tochter, die mittlerweile 10 Jahre alt ist, aufs Land. Sie erhofft dort eine Anstellung als Hebamme und Stickerin zu bekommen; als alleinstehende Frau mit einem unehelichen Kind hat sie es jedoch nicht leicht. Sie heiratet den Witwer Alois. Doch der will mit Magdalena nichts zu tun haben und schickt sie zum Arbeiten auf dem Gutshof der Familie Feldmann. Als Magdalena den Sohn der Feldmanns kennenlernt, verliebt sie sich in ihn und wird von ihm schwanger. Aufgrund der politischen Situation müssen die Feldmanns von ihrem Hof fliehen und so kehrt Magdalena schwanger zu Marie zurück. Libuse erblickt als uneheliches Kind das Licht der Welt. Das Schicksal hat sich wiederholt und wiederholt sich Jahre später 1969 noch einmal. Libuse bringt eine unehrliche Tochter auf die Welt – Eva. Alle drei Frauen – Magdalena, Libuse und Eva – werden als Bastarde geboren, denn auf ihren Geburtsurkunden steht nicht der Name des Vaters, – dort befindet sich ein weißes Feld. Fazit: Lenka Horáková-Civades hat sowohl einen Roman geschrieben, der in der damaligen Tschechoslowakei spielt, uns Leser aber auch gleichzeitig einen kleinen Geschichtsdiskurs dieses Landes präsentiert. Die Autorin hat eine interessante Familiengeschichte gesponnen, mit einer sehr starken Frau – sozusagen – an der Spitze, Marie. Mutter von Magdalena, Großmutter von Libuse und Urgroßmutter von Eva. Sie ist für mich der rote Faden des Buches und diejenige, die alles mit ihrem eisernen Willen zusammenhält und den Frauen immer wieder sagt: „Es ist nichts wichtiger, als die eigene Freiheit.“ Sie ist auch diejenige, die allen Frauen das Sticken beibringt. Jetzt könnte man meinen, das Buch würde aus ihrer Sicht erzählt, aber weit gefehlt. Die Autorin hat das Buch in 3 Kapitel unterteilt. 1. Magdalena 2. Libuse 3. Eva Die drei Frauen erzählen ihre Geschichte jeweils aus der eigenen Perspektive und trotzdem ist Marie bei allen drei Frauen sehr präsent. Die Autorin schreibt sehr bildhaft und fesselt, hält den Spannungsbogen hoch. Sie schafft es auch zum Ende hin die Fäden gut zusammenlaufen zu lassen. Wobei mir persönlich die Geschichte von Eva etwas zu kurz kam. Auch die Problematik, das sie Linkshänderin ist, wurde zwar angerissen, aber mit wenig Tiefgang beschrieben. Da hätte ich mir ein wenig mehr gewünscht. Aber diese Einwände sind wirklich nur marginal, zudem was Lenka Horáková-Civades in ihrem warmherzigen Roman ansonsten zu Papier brachte. Ein Buch das ich Euch gerne ans Herz legen möchte !!! Besten Dank an den Blessing Verlag für das Rezensionsexemplar.

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„Schau dir zum Beispiel der Sterne an, sie sind weit genug weg, damit wir von ihnen träumen, und nah genug, damit wir sie sehen können.“ (Zitat Seite 165) Ihre ersten Lebensjahre verbringt Magdalena in Wien, wo ihre Mutter Marie in der Praxis des Arztes Dr. Stein als Krankenschwester und Geburtshelferin arbeitet. Auch die Wiener Wohnung, in der Marie mit ihrer Tochter Magdalena lebt, wird von Dr. Stein bezahlt. Doch 1938 verlässt der Jude Dr. Stein über Nacht Wien und Marie kehrt mit der beinahe 10-jährigen Magdalena zurück nach Brünn, wo sie auf Hilfe von Verwandten hofft. Diese wollen mit einer ledigen Mutter nichts zu tun haben und so zieht sich Marie mit ihrer Tochter in ein entlegenes mährisches Dorf zurück, wo niemand sie kennt. Im Dorf verdient Marie Geld mit Nähen, Sticken und als Hebamme. Magdalena träumt davon, in Wien zu studieren, um Ärztin zu werden, während sie sich auf dem Gutshof der Familie Feldmann um die Tiere kümmert und in der Küche hilft. Sie verliebt sich in den Sohn des Gutsbesitzers. Als ihre Tochter Libuše auf die Welt kommt, ist Magdalena 20 Jahre alt. Ausgerechnet an dem Tag, als sie Josef seine kleine Tochter zeigen will, von der er noch nichts weiß, muss die Familie Feldmann als Vertriebene das Land verlassen. Im diesem Februar 1948 hat die Kommunistische Partei die Macht in der Tschechoslowakei übernommen und die Auswirkungen haben auch das kleine Dorf in Mähren erreicht, wodurch sich das Leben jedes einzelnen Dorfbewohners massiv verändert. Was wird aus Magdalenas Träumen? Der Roman ist gleichzeitig die Geschichte der Tschechoslowakei, beginnend mit dem Ende des 1. Weltkriegs, mit Schwerpunkt auf die Zeit der Beneš Dekrete 1945, den Kommunismus nach dem Umsturz im Februar 1948, den Prager Frühling 1968 und endet mit der erneut einsetzenden Liberalisierung des politischen Regimes 1984. Die Autorin gliedert ihre Erzählung in drei Teile, Buch I Magdalena, Buch II Libuše, Buch III Eva, wobei die erzählende Ich-Form verwendet wird, jedoch mit den drei wechselnden erzählenden Hauptprotagonistinnen. Verdichtet wird die Handlung im Laufe der Geschichte durch Rückblicke, welche sich durchaus auch auf das Leben der Mutter oder Großmutter der gerade erzählenden Frau beziehen. Insgesamt ist es die Geschichte einer Familie, welche aus Frauen besteht, die jeweils ihr erstes Kind, immer eine Tochter, sehr jung und ledig bekommen. Die gesamte Handlung ist ähnlich einer Biographie aufgebaut und erzählt das Schicksal der einzelnen Menschen, ohne jedoch zusätzlich Spannung aufbauen zu wollen. Die Hauptcharaktere sind insgesamt vier Frauen: Marie, Magdalena, Libuše und Eva. Jede der Frauen hat einen eigenen Lebenstraum, sie treffen jedoch, gezwungen durch die Umstände einer Politik- und Männerdominierten Zeit, Entscheidungen, die ihr gesamtes Leben und auch das ihrer Töchter nachhaltig beeinflussen. Die Sprache ist zu Beginn des Buches ziemlich einfach und geradlinig, den Gedanken der zehnjährigen Magdalena angepasst. Im Laufe des Romans entwickelt sich auch die Sprache, wird flüssiger, beschreibender, spielt mit Wortbildern. Ich konnte zu keiner der Hauptprotagonistinnen wirklich Zugang finden, denn die Entscheidungen, die sie plötzlich treffen, stehen für mich im Widerspruch zu ihrem Wunsch nach Unabhängigkeit und zu ihren Träumen. Dadurch scheint sich für mich durch das ganze Buch eine gewisse stagnierende Resignation zu ziehen, welche sicher sehr gut das tatsächliche Befinden der Menschen in der Tschechoslowakei 1968, nach dem Scheitern des Prager Frühlings und Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes, beschreibt, mir aber insgesamt zu negativ ist. Sehr gut beschrieben ist das Leben der einfachen Menschen, die sich dem Druck der politischen Mächte beugen müssen und mit den Gegebenheiten weiterleben. Ein Buch für Leser, die sich für Zeitgeschichte und Erzählungen in diesem Rahmen interessieren, wobei hier insbesondere Leben und Alltag der einfachen Menschen im sich ständig wechselnden politischen Umfeld beschrieben werden, mit Schwerpunkt auf das damals geltende Frauenbild.

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Ein Buch, in das man sich schnell eingelesen hat. Man will es gar nicht mehr aus der Hand legen. Die unterschiedlichen Figuren mit unterschiedlichsten Charakteren so gut beschrieben, dass man sie förmlich spürt und "miterlebt". Eine Familiensaga die einen mitreisst und die vergangenen Epochen unserer Zeit deutlich spüren lässt. Es liest sich flüssig und "ehrlich". Die beschriebenen Personen sind fast schon greifbar. Aber auch ein Buch, dass einen nachdenken lässt - über Mütter und Töchter sowie Väter.

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Jede von uns war/ist eine Tochter - hatte/hat eine Mutter - hatte/hat zwei Großmütter und dann kommen evtl. noch Enkeltöchter dazu. Vier Generationen Weiblichkeit. Die Beziehung zur Mutter kann für die Lebensgestaltung eines Kindes prägend sein - auf jeden Fall ist sie sehr stark aber auch zart und zerbrechlich. Lenka Horñáková-Civade beschreibt in ihrem Debüt-Roman auf sehr spannende Art eine berührende, wirklich raffinierte Familiensaga. Mutter Marie ist die zentrale Person. Ihr Lebensweg verbindet die drei Generationen: Magdalena, ihre Tochter Libuše und deren Tochter Eva. So ist der Roman in drei Bücher unterteilt, in denen jeweils eine ihre Geschichte erzählt – als Ich-Erzählerin. Was die drei verbindet: Keine weiß, wer ihr leiblicher Vater ist. Auf ihrer Geburtsurkunde, wo normalerweise der Name des Vaters eingetragen wird, bleibt ein „weißes“ Feld. Schon deshalb sind sie Außenseiter und tragen den Makel als „Bastarde“ bezeichnet zu werden. Trotz allem lassen sie sich nicht beirren und wachsen zu starken Persönlichkeiten heran. Mutter Marie hält die Familie zusammen, und das nicht nur durch das gemeinsame Talent zum Sticken. Dem politischen Zeitgeschehen können die Frauen nicht entgehen und so machen sie das Beste daraus. Jede entwickelt sich auf ihre Art mit einem unbändigen Freiheitswillen. Das Buch ist sehr spannend geschrieben und lädt immer wieder zum Weiterlesen ein. Auch wenn mich manchmal das Gefühl beschlichen hat, den Überblick zu verlieren. Ich wollte immer wissen, wie alles zusammenhängt und wie es weiter geht mit Oma, Mutter, Tochter und Enkelin. Am Ende schließt sich der Kreis, auch wenn aus Evas Sicht noch Fragen offen sind und neugierig machen. Stellenweise projizierte ich die Handlung auf mich und fragte mich beim Lesen dieses Buches, wie wir unsere Erfahrungen und unser weibliches Wissen an die nächste Generation weitergeben und gleichzeitig unsere Mütter und Großmütter achten können?

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Drei Frauen einer Familie, die allesamt unehelich geboren wurden und sich jede auf ihre Art durchs Leben schlagen. Von der Großstadt aufs mährische Dorf verschlug es die Großmutter. Von Apparatschiks, Rebellen, politischen Umwälzungen in der Zeit zwischen Erstem Weltkrieg und dem Fall der Mauer handelt dieser Roman ebenso wie von den Vorurteilen der Nachbarn und Gesellschaft. Es gibt mehrere Erzählstränge. Sie sind so miteinander verflochten, dass manchmal der eine in den anderen über zu gehen scheint. Dabei leicht anspruchsvoll geschrieben und in Atem haltend. Ich wollte immer wissen, wie es weitergeht und wie alles miteinander zusammenhängt. Oma, Mutter und Tochter bzw. Enkelin - sie alle handeln klug, oft vorausschauend und immer mit dem Quentchen Impulsivität, welches der Handlung Würze verleiht. Dazu kommt das Geschehen jener Jahre, die auch eine ländliche Region wie Mähren nicht unbeachtet ließ. Ein faszinierend verfasster Roman, der in Frankreich einen Literaturpreis gewann. Unbedingt lesen - geht gut an einem einzigen Tag!

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Zusammenfassung Die Geschichte eines Landes vom zweiten Weltkrieg bis heute. Die Geschichte von vier Generationen von Frauen, eine Familie von Bastarden, von starken, vaterlosen Frauen. Geschrieben von der in Mähren geborenen Lenka Horňáková-Civade, Tschechin von Geburt, Französin aus Wahl. Dieses Buch ist keine Autobiografie, aber erzählt auch von ihr, wie von allen tschechischen Frauen. Persönlicher Eindruck Getrieben vom Klappentext hab ich dieses Buch vom Bloggerportal angefragt. Erstens mag ich Familiensagen und zweitens ist mein Opa im Sudetenland geboren worden, es war also ein sehr persönlicher Grund, mich auf diese Geschichte einzulassen. Eingeteilt ist das Buch in drei Teile. Jeweils in Ich-Form erzählen Magdalena, Libuše und Eva. Zusammengehalten wird die Familie von der großen Marie, der Mama, Oma, Uroma. Die Autorin verknüpft das persönliche Schicksal der Frauen mit dem des Landes. Alle Erzählerinnen wachsen als Bastarde auf, der Name des Vaters auf der Geburtsurkunde nur ein weißer Fleck. Das ist eine unfreiwillige Familientradition, derer sie sich dennoch nicht schämen, genauso wie das Sticken oder die Liebe zu Kühen. Ich passe nicht in diese vorgegebene Form, ich habe einen Geburtsmakel, eine leere Zeile seit Generationen. ... Ich glaube, dass mir das zusagt, der Lehrerin und dem Rest der Welt zum Trotz. [S. 236] Von Marie erfahren wir nur durch die Erzählungen ihrer Familie. Ihre Eltern waren gestorben und sie selbst arbeitete bei einem Arzt in Wien, von dem sie die Geburtshilfe erlernte - und eine Tochter bekam. Besonders im Gedächtnis bleibt mir die Aussage, das "früher, im Kaiserreich [...] die Grenzen viel durchlässiger als nach dem Ersten Weltkrieg [waren]" [S. 66]. Marie wechselt noch selbstverständlich zwischen Brno und Wien hin und her, ihre Tochter kann dann die Tschechoslowakei nicht mehr verlassen, während die Urenkelin erneut reisen kann und nach Paris aufbricht. Magdalena verliert ihren Geliebten an die kommunistische Revolution, als Großgrundbesitzer werden er und seine Familie vertrieben. Der erhoffte Heiratsantrag kommt nicht von ihm, sondern von einem anderen. "Im Ernst, auf wie viele Heiratsanträge kann ich hoffen? Der von Jan ist nicht nur der erste, sondern alle Wahrscheinlichkeit nach auch der letzte. Reicht das, um ihn anzunehmen?" [S. 81] Auch Libuše und Eva suchen ihr persönliches Glück in den Möglichkeiten, die ihnen ihre Zeit aufzeigt. Hier werde ich mich besonders an die schöne und furchtbare Nacht erinnern und an den Französischunterrricht. Das Buch berührt tief, es gab einige Stellen, wo mir tatsächlich die Tränen kamen. Eine sehr melancholische, stille Traurigkeit. An anderen Stellen war mir genauso kämpferisch zumute wie den Frauen der Familie, mit ihrem unerschütterlichen Überlebenswillen. Der Fokus liegt konsequent auf einem weiblichen Blick. Die historischen Ereignisse sind etwas, denen sich diese Frauen nicht entgegenstellen können; sie leben damit und machen das Beste daraus, weben ihr Leben drumherum. Die Liebe zwischen den Müttern und ihren Töchtern ist prägend. Ich möchte, dass auch meine Tochter ihre Wahl treffen kann, dass man ihr nicht den Willen der anderen aufzwingt. [S. 109] Sprache und Stil sind atmosphärisch, manchmal lyrisch, nie plump, mit vielen zitierwürdigen Stellen. Wir wussten nicht, wie uns geschah, aber wir wussten, dass ein Zauber wirkte. Die Zeit war nur angehalten, es war keine tote Zeit, sondern eine verlangsamte Zeit, so verlangsamt, dass sie vergaß, weiter zu vergehen. [S. 127] Besonders interessant ist, dass wir die Ich-Erzählerin eines Kapitels, etwa Magdalena, als Mutter und Oma durch die Augen ihrer Tochter und Enkeltochter wiedersehen. Alles in allem ein Buch, das dazu einlädt, erneut gelesen und genossen zu werden. Lesen oder nicht? Diese Familiensaga richtet den Blick auf die weiblichen Stärken. Ein Buch, das tief berührt und das man sowohl wegen der Handlung, als auch den Charakteren und der Sprache gerne liest. Ich vergebe keine Punkte aus Prinzip, aber wenn, dann würde dieses Buch die Höchstpunktzahl bekommen.

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Bücher zum Ende der österreichischen k.& k. Monarchie, zum Zweiten Weltkrieg, der Nachkriegszeit und dem Aufstieg und Fall des Kommunismus gibt es wie Sand am Meer (glaubt mir, als Österreicherin weiß man das), jedoch kaum eines wie Das weiße Feld von Lenka Hornakova-Civade. Das Buch ist Mitte September beim Blessing Verlag erschienen und aus dem Französischen übersetzt, da die Autorin gebürtig aus der ehemaligen Provinz Mähren ist und erst mit 20 nach Frankreich ausgewandert ist. Das Buch erzählt die Geschichte von drei Generationen einer Familie: Magdalena, ihre Tochter Libusa und deren Tochter Eva. Das besondere an diesen Frauen ist, dass sie alle dasselbe Schicksal teilen, denn alle drei wachsen in diesen schwierigen Zeiten ohne Vater auf. Für die Sünden ihrer Mütter werden alle drei als Bastarde gebrandmarkt, wobei sie das nicht davon abhält, ihr Leben mit einem unbändigen Freiheitswillen zu bestreiten. Sie stehen ein für ihre Entscheidungen und die ihrer Mütter, sie lassen sich nicht unterkriegen und halten immer den Kopf hoch. Eine absolut faszinierende Geschichte über unfassbar starke Frauen, die ihren Weg mit einer beeindruckenden Unbeirrtheit beschreiten. Das Buch ist dabei in drei Abschnitte gegliedert, einer für jede der Frauen. Interessant sind hierbei sowohl die Parallelen in den Geschichten als auch die frappierenden Unterschiede. Gemeinsam haben alle Generationen dieser Familie einen unbändigen Überlebenswillen, der sie auch die härtesten Schläge einstecken lässt. Und glaubt mir, die Geschichte hat heftige Stolpersteine parat und das erhoffte Happy End bleibt, wie könnte es anders sein, offen, wenn nicht sogar aus. Vor allem im ersten Teil, also in Magdalenas Geschichte, hat mich die Erzählung und das Thema sehr an Franz Innerhofers Schöne Tage erinnert, wobei diese Ähnlichkeit sich im Verlauf dann verliert. Ich habe etwas gebraucht um in die Geschichte reinzufinden, was aber auch daran liegen mag, dass ich nicht genug Zeit hatte, um mich wirklich hinzusetzen und mehr als ein nur paar Seiten auf einmal zu lesen. Als ich dann jedoch meinen Rhythmus gefunden hatte, kam ich wesentlich schneller voran und konnte das Buch am Ende gar nicht mehr aus der Hand legen. Was die Geschichte unheimlich lebendig macht, ist der ich-Erzähler, wodurch einem gewisse Szenen noch mehr unter die Haut gehen, als sie es bei einer neutraleren Erzählperspektive ohnehin schon tun würden. Diese Erzählperspektive macht die Geschichte aber auch persönlicher und herzzerreißender, denn man fühlt mit den Frauen. Wobei ich sagen muss, dass zumindest ein grundsätzliches Wissen der damaligen Zustände auf jeden Fall hilfreich ist, da man Entscheidungen und Geschehnisse dadurch besser versteht. Vieles wird zwar erklärt, doch manche Aussagen werden auch einfach im Raum stehen gelassen, was ihnen natürlich eine besondere Wirkung verleiht, wenn man denn die Hintergründe kennt. Das weiße Feld erzählt eine einzigartige Geschichte, die einem die tragischen Zustände der Vergangenheit nur allzu deutlich aufzeigt und einen gleichzeitig die Gegenwart mehr schätzen lässt. Sicher, das non plus ultra haben wir auch heute noch nicht erreicht, doch der Fortschritt lässt sich nicht leugnen und muss, wie dieses Buch in gewisser Weise demonstriert, auf jeden Fall erhalten werden. Das weiße Feld bietet starke Frauen, harte Umstände und ein ernüchterndes Bild der damaligen Zeit. Und auch wenn es teilweise einen richtigen Kloß im Hals verursacht, kann ich nur eine riesige Leseempfehlung aussprechen.

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