Leserstimmen zu
Das geheime Leben des Monsieur Pick

David Foenkinos

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Richard Brautigan erzählte in „Die Abtreibung: Eine historische Romanze 1966“ von einer Bibliothek, die die abgelehnten Manuskripte erfolgloser Autoren beherbergte. Eine ebenso rührende wie originelle Idee. Jeder der schreibt, weiß wie tragisch es ist, wenn man für den Mülleimer produziert, weil sich niemand findet, der die eigene Leistung zu würdigen vermag. David Foenkinos verfasst in „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ eine Hommage an Brautigans geniale Idee, indem er einen seiner Protagonisten, in einem kleinen abgelegenen Dorf in der Bretagne, ebenfalls solch eine Bibliothek eröffnen lässt. Hier müssen die Autoren persönlich erscheinen und ihr Werk einreihen, quasi auf den Friedhof der Geschichte. Der Weg in das bretonische Dorf wird so zur Wallfahrt des Eingestehens des Versagens, aber auch des Loslassens und der Erneuerung. Doch was wäre wenn sich unter den zahllosen Manuskripten ein epochales Werk verbergen würde? Was, wenn einige Lektoren nicht richtig hingeschaut hätten? Was, wenn der Zeitgeist einfach gerade ein anderer war? Und was wäre, wenn der Literaturbetrieb weniger auf die Inhalte als auf das Image, die Show und die verkaufszahlen achtet? Könnten dann nicht Meisterwerke einfach so unter den Tisch fallen – bzw. in einer Bibliothek der abgelehnten Bücher landen? Genau das geschieht im geheimen Leben des Monsieur Pick. Eine junge Lektorin entdeckt in den zahllosen Manuskripten ein geniale, wie emotionale Geschichte von Liebe, Trennung und einer historischen Reminiszenz an den Todeskampf des russischen Nationaldichters Puschkin. Jeder, der das Werk liest, ist begeistert und so bahnt sich die Sensation des Jahrhunderts im Literaturbetrieb an. Ein mehrfach abgelehntes Manuskript eines unbekannten Autors, wird zum Bestseller und zum Hauptthema der Feuilletons. Wer war dieser ominöse Monsieur Pick, der diesen außergewöhnlichen Roman geschrieben hat? Das geheime Leben des Monsieur Pick ist dabei nicht nur eine wundervolle Geschichte über das Verlagswesen und die Literaturszene, es ist zugleich eine Erzählung über die Macht des geschriebenen Wortes und manchmal auch einfach nur über die Wirkung des Zufalls – oder zumindest die Veränderungen die das Leben manchmal braucht, um es zum Besseren zu wenden. Die einfach nur schöne Geschichte ist dabei durchweg spannend, ist doch bis zum Schluss nicht klar, was es nun mit Monsieur Pick und seinem Jahrhundertroman auf sich hat. David Foenkinos ist ein Meister der vermeintlichen Nebensächlichkeiten. Man muss schon aufmerksam lesen und vielleicht auch mal ein klein wenig recherchieren, um die Anspielungen und tieferen Bedeutungen zu erkennen und sie nicht einfach als schlechten Stil abzutun, wie es in mancher Rezension geschieht. Ein wundervolles Beispiel ist das Barabara-Album „La Mal de vivre“, das eine kleine aber bedeutende Rolle spielt. Foenkinos hätte jedes andere Chanson nehmen können, aber er bezieht sich auf das Lied „Göttingen“. Es ist eine wunderschöne, geradezu philanthropische Anspielung auf aktuelle Entwicklungen in Frankreich, Europa und auch weltweit. Die Liebe ist nicht nur wesentliche Triebfeder des Romans, sie ist auch wesentliche Triebfeder des Autors. Und das kann man an zahlreichen Stellen spüren, so man sich denn auf Belletristik einlassen kann. „Er tat so, als hätte ihn das überraschende Weidersehen entzückt, und ging davon, ohne sich weiter nach ihr zu erkundigen. Sie dachte sich, er hat sich nicht verändert, alles dreht sich immer nur um ihn. Sie konnte ja nicht wissen, wie weh sie ihm getan hatte.“ Es sind diese Kleinigkeiten, die natürlich nicht immer so bedeutend sind wie bei „Göttingen“, aber sie sind auch mehr als nur eine sprachlichere Spielerei, die den Roman, den Schreibstil von Foenkinos so wundervoll machen. Diese Vorliebe für Details, für die Gedanken der Protagonisten auch abseits der Haupthandlungsstränge, das Nachreichen von Erklärungen oder Zusatzinformationen für eigentlich bereits beendete Szenen, entwickeln eine Sogkraft, die einem ein permanentes Lächeln, ob der Liebe Foenkinos für seine eigene Erzählung, ins Gesicht zaubert. Dadurch sieht man beim Lesen allerdings eventuell leicht debil aus. Das sollte man bedenken, wenn man es gewohnt ist, in der Öffentlichkeit zu lesen. Auch ist dem Buch ein sehr spezifischer Humor zu eigen. Dies gilt es ebenfalls zu beachten, sollte man gerne in einem Kaffee lesen. Denn wer bei der Lektüre laut lacht, gerät natürlich schnell in den Verdacht man würde Trivialliteratur lesen. Oder noch schlimmer irgendein Buch eines geghostwriteten Comedian. Gott bewahre. Foenkinos ist Unterhaltung. Selbstverständlich. Aber Monsieur Pick ist wundervolle Unterhaltung. Unterhaltung mit fantastischen Sprachbildern und herausragenden Formulierungen. Ich neige fast dazu, dies für eine Spezialität der französischen Literatur zu halten. Sie „schminkte sich ab, schwermütig wie eine alternde Schauspielerin nach der letzten Vorstellung.“ Den Satz kann man ruhig länger auf sich wirken lassen. Wer bibliophile Romane von einem bibliomanen Philanthropen lesen mag, ist mit „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ bestens beraten. Kurzweilig, liebevoll, einfach nur schön.

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Im kleinen bretonischen Dorf Crozon will die Literaturagentin Delphine Despero mit ihrem Ehemann, seinerseits Autor, nur ein wenig Urlaub bei den Eltern machen. In der lokalen Bibliothek stoßen sie auf eine Kuriosität, die auf den früheren Leiter, einen gewissen Jean-Pierre Gourvec, zurückgeht: er sammelte Manuskripte abgelehnter Romane. Unter jeder Menge unbrauchbarem Text stoßen sie jedoch auf einen Schatz, der die Literaturlandschaft Frankreich verändern sollte: Henri Picks Roman „Die letzten Stunden einer großen Liebe“. Schnell machen sie auch den Autor ausfindig: der lokale Pizzabäcker, bereits seit zwei Jahren tot, hatte offenbar noch eine zweite, literarische Seite, die niemand kannte. Mit dem Erfolg des Romans steigt auch das Interesse am Autor bzw. seinen Hinterbliebenen, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Doch Erfolg ruft bekanntermaßen auch böse Geister auf den Plan, die mit daran verdienen wollen bzw. denen hauptsächlich daran gelegen ist, das Glück der anderen zu zerstören. David Foenkinos ist bekannt für seine leichtfüßig Wohlfühl-Romane, die geschickt eben nicht seicht, sondern einfach begeisternd sind. Auch mit seinem Monsieur Pick kann er diesem Ruf wieder gerecht werden. Dieses Mal steht jedoch nicht die liebe oder die Unmöglichkeit selbiger im Zentrum, sondern der Literaturbetreib als solcher. Der Roman, der offenbar unheimlich gut ist – worum es geht, erfahren wir leider nie – und nicht ohne Wirkung auf die Leser bleibt, aber auch auf alle, die mit der Entstehung oder Veröffentlichung selbigen befasst sind. Bemerkenswert entwickelt sich die Geschichte um den verkannten Pizzabäcker zum Selbstläufer und kann von niemandem mehr kontrolliert werden. Ein regelrechter Medienhype entsteht. An dieser Stelle ist Foenkinos nicht nur sehr glaubwürdig und authentisch, sondern geradezu von der Realität überholt worden. Sein Satz „Er würde (…) eine Gesellschaft kritisieren, in der alles auf eine gut verkäufliche Idee ankam und der eigentliche Text in den Hintergrund trat.“ (S. 189) Zwingt dem Leser den Gedanken um die italienische Autorin Elena Ferrante geradezu auf (wobei die Jagd nach der Auflösung des Pseudonyms im großen Stil nach der Veröffentlichung von Foenkinos Roman aufgenommen wurde). Man hat keine Schwierigkeiten mehr sich vorzustellen, dass das Interesse an der mysteriösen Person hinter dem Roman größer ist als der literarische Wert des Werkes selbst. Daneben spielt natürlich wieder die Liebe in all ihren positiven wie negativen Schattierungen eine Rolle. Des Autors wiederkehrendes Thema wird auch hier nicht als die rosarot verklärte Verliebtheit geschildert, sondern als komplexe Angelegenheit, die meist nicht ohne schmerzliche Erfahrungen auskommt. Alle Figuren lieben, auf ihre Weise, mal mehr, mal weniger, aber einfach ist es nie. Und doch finden sie irgendwie wieder ein bisschen Glück. Auch wenn der Roman krimihafte Aspekte – die Suche nach dem wahren Autor – hat, stehen für mich doch eher die Figuren mit ihren unterschiedlichen Empfindlichkeiten sowie natürlich die etwas überzeichnete Darstellung des Literaturbetriebs im Vordergrund als die Auflösung des Mysteriums (das leider im deutschen Titel nicht übernommen wurde). In einem Interview mit der französischen Magazin Express sagte Foenkinos, dass er zeigen wollte, dass ein Manuskript das Leben der Menschen verändern kann, egal ob sie auf Seite der Autorenschaft oder als Leser damit in Berührung kommen. Eine Hommage an die Literatur und die Liebe habe er beabsichtigt – das ist ihm sehr überzeugend und unterhaltsam gelungen.

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„In jedem von uns schlummert eben ein kleiner Pick.“ Heute erscheint „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ und ich durfte vor Erscheinen Lesen! „Monsieur Pick“ (kürzen wir es der Einfachheit halber mal ab) handelt von einer Bibliothek, in der abgelehnte Manuskripte aufbewahrt werden. Abgegeben werden müssen sie persönlich, dies gilt als symbolischer Akt des Loslassens und Vergessens und aus ganz Frankreich pilgern gescheiterte Schriftsteller dorthin, um ihre Werke abzugeben. Auftritt Magali: Sie soll in der Bibliothek zur Hand gehen, hat aber mit Büchern nichts am Hut. Als dann auch noch Gourvec, der Besitzer, stirbt, ist sie komplett überfordert. Nebenher erfahren wir vom Leben der Delphine, Junglektorin und immer auf der Suche nach dem neuesten Bestseller. Sie lernt über sein Buch den Schriftsteller Frédéric kennen und gemeinsam entdecken sie bei einem Besuch in der Bibliothek der abgelehnten Manuskripte einen kleinen Schatz: den Roman von Henri Pick. Diesen gilt es nun zu veröffentlichen, aber zuvor muss noch die Familie des verstorbenen Pizzeria-Inhabers ausfindig gemacht werden. "Delphine fürchtete, die Nachricht könnte einen Schock auslösen. Madeleine hatte deutlich gesagt, dass ihr Mann nie gelesen hatte. Aber vielleicht stimmte ja Frédérics Vermutung. Man würde ihr schließlich nicht eröffnen, dass es in seinem Leben eine andere Frau gegeben hatte, sondern nur einen Roman. (Für manche mag das dasselbe sein.)" Madeleine und Josephiné, Frau und Tochter des mysteriösen Monsieur Pick, können es gar nicht glauben, hat Henri doch allerhöchstens mal die Einkaufsliste geschrieben! Und schon beginnt auch schon der Hype um das Buch, jeder möchte wissen, wer Henri Pick war, womit er seine Brötchen verdient hat und was für Einflüsse er hatte. Familie Pick versinkt in einem Strudel aus Wahnsinn und 5-Minuten-Ruhm, und die Geschichten aller Charaktere beginnen sich zu verflechten… Mein Fazit: „Monsieur Pick“ ist ein kurzweiliges Buch über die Liebe zur Literatur, für alle Bibliophilen unter uns, das mit einer wahnsinnig leichten (typisch französischen?) Sprache die Geschichte von einigen sehr liebenswerten Charakteren erzählt. Teilweise waren mir die literarischen Querverweise „zu hoch“ und mit den französischen Autoren kenne ich mich auch nicht so gut aus, es war fast wie „Ready Player One“ im Literaturareal vom Name-Dropping her. 😀 "Die Geschichte des Buches, das sich unter den abgelehnten Manuskripten befunden hatte, traf einen Nerv, ein ganzes Volk dürstete nach Publikum." Foenkinos hat es geschafft, viele Charaktere einzuführen, ohne dass man verwirrt ist oder nochmal zurückblättern muss, um nachzuschauen, wer wer ist – dass das so gut klappt, kenne ich bisher nur von Martin Suter. Ein großes Plus! Außerdem hat mir der Sprachstil sehr gut gefallen, es ist dieses typisch leichte, das man vielleicht von anderen französischen Büchern kennt und das trotz Übersetzung immer erhalten bleibt. Auch wenn die Wendungen im Buch etwas vorhersehbar waren, war es doch ein Genuss, ins Leben der Charaktere einzutauchen, in die Welt, die sich aufgrund eines Buches so komplett verändert hat.

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Henri Pick ist tot. Und das schon länger. Friede seiner Seele und, vor allem, ein weiterhin und nun, nach der Trauerphase, gutes Leben seiner Witwe Madeleine. Könnte man sagen. Wenn Pick, Pizzabäcker von Beruf, großer Schweiger (salopp würden manche sagen: „Maulfaul“) nicht plötzlich wieder (eigentlich zum ersten Mal) in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Literaturwelt geraten würde. Jean Pierre Courvec liebte Bücher und ließ sich durch ein Vorbild auf eine eher abwegige Idee bringen. In seinem Laden in Crozon, Bretagne, Finistére baute er Regale, um dort Manuskripte abgelehnter Bücher aufzubewahren für die Nachwelt. Einzige Regel: Der Autor musste sein abgelehntes Werk selber zu ihm bringen, Auch das ist länger her. Das Regal verstaubt, die Idee längst begraben, die Nachfolgerin im Laden nicht motiviert, daran was zu ändern und Madeleine, die Witwe Henri Picks wieder auf einem guten Weg. Und sie ist sich gar nicht sicher, ob es ihr guttun wird, dass nun die Person ihres verstorbenen Mannes wieder in ihr Leben tritt. Denn sie hat sich eingerichtet als Witwe, fühlt sich wohl, steht dem Leben positiv gegenüber. Und aufgrund der Vorkommnisse der letzten Zeit ist es unabdingbar, gibt sie ihre Zustimmung, dass ihr Mann mehr wieder ins Leben treten würde, als zu Lebzeiten. Denn eine junge, ehrgeizige, literaturliebende Lektorin ist mit ihrem Verlobten, einem eher erfolglosen Romancier, dessen erstes Werk zwar gedruckt, das aber nun wirklich so gut wie niemand kennt, Auf Verwandtenbesuch. Und wie es der Zufall will (oder wie im Märchen, was dieser Roman nun auch in Teilen ist) hört sie von der Sammlung abgelehnter Werke, fährt hin, entdeckt ein Manuskript eben jenes Henri Pick und spürt (worin ihr umgehend der Verlagschef zustimmen wird), dass hier ein literarischer Meilenstein in ihren Händen liegt. Und umgehend nimmt die Bestseller-Industrie ihren Betrieb auf. Wobei der Leser zum einen viel über die inneren Abläufe des Literaturbetriebes erfährt, sich mit der Lektorin fragt, wie dieses Manuskript je abgelehnt werden konnte, sich dann mit der Familie fragt, ob Pick es je eingereicht hatte und zudem eine ganze Reihe weiterer Geheimnisse der Personen kennenlernen wird. Die Tochter, die unglücklich ihren Dessousladen als „Schutzmantel“ benutzt, die Witwe, die eine Affäre hatte zu Zeiten, der Autor, der zwar gedruckt aber nicht von sich überzeugt ist (zu Recht) und als roter Faden die Frage, wie gut man jene wirklich kennt, die einen im Leben begleiten. Das sind mit die stärksten Szenen im Buch, wenn Erinnerungen kommen, wenn eine Person, obwohl bereits länger verstorben, noch einmal neu entdeckt wird und ebenjene sich erinnernden Personen sich selbst dabei neu finden. Wobei der Roman auch Längen aufzuweisen hat, hier und da manche Ereignisse kaum als realistisch einzustufen sind, durchaus aber auch wieder Spannung in der Frage erzeugt, was wirklich hinter dem Manuskript steckt. Denn wo wie manche der Personen im Buch fällt es auch dem Leser schwer, je mehr er Pick kennenlernt, zu glauben, dass dieser Mann, diese Person wirklich überhaupt die Neigung hatte, etwas zu schrieben. Eine anregende, leichte Lektüre mit viel „allzu Menschlichem“, mit einigen Längen, mit durchaus tiefergehenden Erkenntnissen über das Leben und das Innere von Personen, aber auch mit weniger überzeugenden Figuren (wie jener „Autor ohne Ruhm“. Der wohl nur als Sinnbild für all jene gedruckten, aber weitgehend ungelesenen Werke der Weltgeschichte herhalten muss).

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Athesia Buch GmbH

Von: Barbara Pernter aus Bozen/Bolzano

13.12.2016

Ein wunderschönes kleines Buch nicht nur für alle, die Bücher und Lesen lieben.

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