Leserstimmen zu
Der Tod so kalt

Luca D'Andrea

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Der Protagonist Jeremiah Salinger ist ein amerikanischer Drehbuchautor, der zusammen mit dem Regisseur Mike mit einer Doku-Serie sehr große Erfolge gefeiert hat. Leider gibt die bisherige TV Serie keinen weiteren Stoff mehr her. Beide fühlen sich etwas ausgelaugt und wollen sich neu orientieren. Salinger reist dazu mit seiner Frau Annelise und Tochter Clara für ein paar Monate in Annelises alte Heimat: Das kleine Bergdorf Siebenhoch in Südtirol. Zunächst fühlt er sich sehr wohl und kommt auf die Idee eine Dokumentation über die Bergrettung in den Dolomiten in Südtirol zu machen. Zunächst scheint alles prächtig zu laufen, bis es eines Tages zu einem tragischen Unglück kommt. Danach ist Salinger nicht mehr der Selbe, leidet unter Depressionen und ist nicht in der Lage, an der Doku weiterzuarbeiten. Just in dem Moment, als seine Tochter Clara es geschafft hat, ihn wieder ins Leben zurück zu holen, erfährt er von einem äußerst bestialischen, aber nie aufgeklärten Mordfall, der sich vor 30 Jahren ereignet hatte. Trotz seines Versprechens gegenüber seiner Frau, die Arbeit für ein Jahr ruhen zu lassen, stürzt er sich mit einer nie dagewesenen Besessenheit in die Recherchen, die nicht nur ihn, sondern auch seine Familie in Gefahr bringen… Bei „Der Tod so Kalt“ handelt es sich um den Debütroman von Luca D’Andrea und damit hat er meiner Meinung nach einen Volltreffer gelandet! Ich fand es erfreulich, dass es sich bei „Der Tod so Kalt“ mal zur Abwechslung um einen Roman handelt, der aus der Ich Perspektive aus der Sicht des Protagonisten Salinger erzählt wird. Anfänglich war das Buch etwas Gewöhnungsbedürftig, da auf den ersten 100 – 150 Seiten nur sehr wenig passiert, aber anschließend hat mich der Autor in seinen Bann gezogen. Sein Schreibstil ist sehr bildhaft und flüssig zu lesen und mit Salinger hat der Autor einen sehr sympathischen Protagonisten geschaffen, mit dem ich jede Sekunde mitgefiebert habe. Mit den Ereignissen, die Salinger aufzudecken versucht, Geschehnissen aus der Vergangenheit und der Gegenwart, sowie hin und wieder humorvollen Einlagen gelingt es dem Autor sehr gut eine richtig schöne Atmosphäre und einen mitreißenden Spannungsbogen aufzubauen. Die Story ist sehr bildhaft und durchgehend spannend. Am Ende erwartet einen sogar noch ein kleiner Showdown, mit dem ich definitiv nicht gerechnet hatte. Meiner Meinung nach handelt es sich bei dem Roman um einen erstklassigen und lesenswerten Thriller und ich kann ihn wärmstens empfehlen!

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„Verschwinde, zischte die Bestie. Verschwinde“ (S. 140) Es war weniger die Geschichte in diesem Buch die mich so faszinierte, sondern die Sprache und der Ausdruck. Es war das Zischen und das Knistern des Eises, das Flüstern der Bergmasse, das Grollen in der Bergschlucht. All dass war die Stimme der Bestie und sie sprach die ganze Zeit mit mir und flüsterte all die Geheimnisse heraus, die sich versteckt hielten, manche seit 30 Jahren, manche erst seit kurzer Zeit und manche so uralt. Siebenhoch, ein Ort in Südtirol, an den es Jeremiah Salinger verschlagen hat, lebt mit und in seinen Erinnerungen. Die Einwohner sind naturverbunden und einer hilft dem anderen, nur Fremden gegenüber offenbaren sie sehr schnell ihr wahres Gesicht. Festgefahren in ihren Bräuchen und Sitten können sie nichts anderes akzeptieren und obwohl seine Frau Annelise eine von ihnen ist, gehört Salinger doch nicht dazu. Als ein tragischer Unfall geschieht, ist es nur Salinger der überlebt und dass kann weder er, noch die Bewohner verzeihen. „Denn ich hatte die schwerste Schuld überhaupt auf mich geladen. Ich hatte überlebt“ (S. 46) Der Einstieg in das Buch ist wie eine beginnende Dokumentation – Salingers Leben in den USA, seine Arbeit, seine Erfolge und Misserfolge und warum es ihn überhaupt nach Siebenhoch zieht. Stellenweise etwas langatmig, so viele Details, bei denen ich nicht sicher war ob ich all das wissen muss und will. Immer wieder kommt es in der Geschichte zu diesen „Entgleisungen“ – Schilderungen zu Personen, Orten und Begebenheiten – und doch hat es mich alles irgendwie gefesselt. Salinger, der alles aus seiner Sicht erzählt und damit sehr viel Raum einnimmt. Ein smpathischer Charakter, der leidet aber nicht in Selbstmitleid zerfließt. Depressionen die ihn über Wochen und Monate verfolgen, bis er eine Aufgabe bekommt – fast so als hätte sie darauf gewartet dass er kommt – zu recherchieren und nachzuforschen, was damals geschehen ist, in der Bletterbach-Schlucht. Dieser Mord an drei jungen Menschen, grausame Dinge die geschehen sind vor 30 Jahren und damit seinen Ehrgeiz wecken und ihn zu einem Bessesenen machen. Seine Familie leidet unter dieser Bessenheit und nur seine kleine Tochter Clara kann ihn immer wiederzurückholen. Sie braucht nicht viel dazu, nur ein paar Buchstaben – ein Spiel das beide immer spielen und in dem Buch fast schon zelebriert wird. 4 Buchstaben – PAPA 5 Buchstaben – CLARA „Wahnsinn lagert sich ab, und dann frisst sich der Hass in die Seele und gebiert Blutdurst.“ (S. 456) Böse – sehr böse wird es. Denn Salinger ist nicht der einzige Besessene in dieser Geschichte. Es gilt hinabzusteigen in dieses dunkle Gewirr aus Schuld und Unschuld. Wer weiß was? Wer tut nur so? Und wer verschweigt mit die wichtigsten Dinge, die sich zugetragen haben? Salinger folgt allen erdenklichen Spuren, kommt mehr als einmal vom Weg ab und strauchelt, fällt auf die Schnauze und rappelt sich doch wieder auf. Es war diese Bessenheit die mich am Buch hielt und weil ich es unbedingt wissen wollte – alles – über den Mord in der Bletterbach-Schlucht, die Sagen und Legenden um die Höhlen und die Menschen. Salinger ist als Journalist und Dokumentarfilmer ein Geschichtenerzähler. Genau das hat er großartig gemacht (oder besser gesagt der Autor), eine Geschichte erzählt, haarsträubend, spannend und manchmal etwas wirr. Ein tolles Settimg in den Bergen und in der Schlucht. Eine Wanderung durch Naturschauspiele, mit allen damit verbundenen Gefahren. Die Bestie, was ist es oder wer ist es? Der Gletscher, das Bergmassiv, die Schlucht, der Mensch? Wer oder was lauert dort? Kann etwas nicht von dieser Welt sein und gleichzeitig doch? Wie unvorstellbar ist das Unvorstellbare? Aber was weiß ich schon? So viele Orte auf dieser Welt, die noch ursprünglich sind, fernab aller Zivilisation. Was weiß ich was es dort alles gibt? Vielleicht mit ein bisschen Fantasie Unglaubliches? Etwas das nicht sein kann? Das liebe ich so an Büchern – immer etwas Neues, Besonderes, Anderes – und deswegen so gut, man muss sich nur darauf einlassen. 10 Buchstaben – lesenswert! Rezension verfasst von © Kerstin

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Dieses Buch erzählt mehrere Geschichten. Zuerst natürlich die der lange zurückliegenden Morde an den 3 Freunden in der Bletterbachklamm. Bis heute ungelöst, werden sie für Salinger zu einer fixen Idee. Er macht zusammen mit seinem Freund Mike Dokumentationen. Nach seinem letzten großen Erfolg zieht er sich für eine Weile mit seiner Frau Anneliese und ihrer gemeinsamen Tochter Clara in Annelieses Heimatdorf in Südtirol zurück. Dort kommt er in Kontakt mit dem örtlichen Bergrettungsteam und will seinen nächsten Film über diese Leute machen. Dann passiert ein tragischer Unfall, der Salinger traumatisiert zurücklässt. Er soll sich ausruhen und nichts tun. Aber das tut ihm noch weniger gut und so verbeißt er sich schon bald in diesen ungelösten Mordfall. In weiten Teilen geht es aber auch um Menschen, die in einem kleinen abgeschiedenen Dorf ihre Eigenheiten entwickelt habe; um altes Brauchtum; um Familie; ums Dokumentarfilmen. Vielen Themen finden Einzug in das Buch und die Geschichte. Das klappt eigentlich erstaunlich gut, nimmt zugleich aber viel Spannung aus der Krimihandlung, um die es ja im Grunde geht. Ich kam auch ein wenig durcheinander mit den vielen Namen. Mal wird der Vorname genannt, mal der Nachnahme, gelegentlich auch mal der Beruf. Manchmal gibt es kleine Cliffhanger, manchmal unheilvolle Andeutungen auf das, was sogleich folgen wird. Luca d’Andrea hat einen eigenwilligen Schreibstil. Dabei hapert es ein wenig bei der direkten Rede. Gesprächspartner werden zu Stichwortgebern. Das empfand ich als ein wenig irritieren und unnatürlich. Ansonsten klappt der Erzählfluss ganz gut. Ein wenig seltsam ist der Hang zur Gewalt bei vielen der Figuren. Anscheinend ist man in Südtirol besonders rauflustig. Aber auch Salinger selber hat ein paar Anger Issues. Er hat sich oft nicht im Griff und hat allgemein einen Hang zur Dramatik. Seine Frau Anneliese bringt auch beklagenswert wenig Verständnis für seinen Beruf auf und seinen Wunsch, nach diesem schrecklichen Unfall nicht nur untätig im Sessel zu sitzen und mit der Tochter zu spielen sondern auch wieder mit der Arbeit zu beginnen. Natürlich hat er sich ein heikles Thema ausgesucht, das tiefe Wunden bei den Menschen in dem Dorf aufwirft, aber insgesamt fand ich die viele negative Energie, die ihm entgegenschlägt, doch etwas übertrieben. Trotz meiner Kritik habe ich das Buch aber gerne gelesen. Der Autor kann sehr gut die Gefühle beschreiben, die eine beeindruckende Landschaft auslösen kann. Er zeigt uns sie eher gefühlsmäßig als plastisch. Das hat mir gefallen und sogar den Wunsch geweckt, mal nach Südtirol zu fahren und dies Klamm zu besuchen, obwohl ich mich von hohen Bergen umgeben immer recht unwohl und beklommen fühle. Vielleicht hat dieses Buch bei mir deswegen so viele richtige Knöpfe gedrückt. Es hätte etwas gestraffter sein können und mehr Augenmerk auf die vielschichtige Krimistory, die auch einige unheimliche Facetten hat, legen können. Man sollte sich eher auf ein ruhiges Buch einstellen mit einem etwas eigenwilligen Schreibstil. 3,5 Sterne

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..spannend...

Thalia

Von: D. aus Grieskirchen

24.03.2017

…. Als Leser tüftelt man, wer wohl der Mörder gewesen sein könnte. Das Ende hat mich überrascht. Fand diesen Thriller spannend, düster und etwas beklemmend.

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Ich glaube, auf Instagram fiel mir dieses Buch das erste Mal auf. Oder war es Twitter? Wie auch immer: An dem Namen "Bletterbachschlucht" bin ich hängen geblieben, weil ich selbst vor ein paar Jahren schon dort war - und diese Schlucht ist beeindruckend! Wenn man sich für die Bergwelt, Gesteine bzw. Geologie interessiert, ist es eigentlich schon fast ein Pflichtbesuch! Aber okay, ich schweife ab ... Zurück zum Buch :). Zum Inhalt: Jeremiah Salinger, verheiratet mit einer Südtirolerin, kommt mit seiner kleinen Familie in den kleinen Ort Siebenhoch, der ganz in der Nähe der Bletterbachschlucht liegt. Durch Zufall erfährt er, dass dort 1985 drei junge Menschen gewaltsam zu Tode gekommen sind. Wer dafür verantwortlich ist, ist ungeklärt. Als Dokumentarfilmer, der selbst mit einem Trauma auf einem Gletscher fertig werden muss, wird Jeremiah neugierig und beginnt Nachforschungen anzustellen. Obwohl ihm besonders von den Dörflern Widerstand erwächst, verbeißt sich Jeremiah in die Ereignisse und kommt so der Wahrheit immer näher und näher ... Meine Meinung: Anfangs war ich ehrlich gestanden etwas verwirrt, aber das legte sich relativ schnell. Denn der Autor lässt sich Zeit, die Geschichte zu erzählen. Aus diesem Grund erfährt der Leser erst einmal die Vorgeschichte, die zu dem Aufenthalt in Siebenhoch führt. Jeremiah, sein Freund Mike und ihre Arbeit als Dokumentarfilmer werden vorgestellt. Nach und nach haben sie damit Erfolg. Bei einer Filmpräsentation lernt Jeremiah seine spätere Frau Annelise kennen und bekommt mit ihr eine Tochter namens Clara. Als sie auf die Idee kommen, die Arbeit der Bergretter in Südtirol zu einer Dokumentarserie zu machen, geschieht ein Unglück, aus dem allein Jeremiah als Überlebender hervorgeht. Bei ihm wird in Folge PTBS (Post-Traumatische Belastungsstörung) diagnostiziert und er erhält einige Psychopharmaka verschrieben, die er allerdings nicht nimmt. Einige Zeit später reist er mit seiner Familie in den Heimatort seiner Frau, weil er ihr versprochen hat, sich ein Jahr eine Auszeit zu nehmen. Anfangs ist er depressiv, lediglich seine Tochter ist ein Lichtblick in seinem Leben und er macht mit ihr verschiedene Ausflüge, unter anderem auch in die Bletterbachschlucht. Zufällig wird er dann Ohrenzeuge eines Gesprächs, in dem der Ausdruck "Bletterbachschlucht-Massaker" fällt - und er wird neugierig. Sein Schwiegervater erzählt ihm erste Details, die ihn dazu bringen, das Thema noch hartnäckiger zu verfolgen. Da er ahnt, dass dies zu Auseinandersetzungen mit seiner Frau führen wird, hält er dies zunächst einmal geheim. Nach und nach spitzen sich die Ereignisse allerdings zu, sodass Jeremiah mehr als einmal zusammengeschlagen wird und auch einer Ehekrise nicht aus dem Weg gehen kann ... Diese Entwicklungen sorgen dafür, dass die Spannung bei diesem Roman erst nach und nach entsteht. Verschiedene Dörfler und ihre Rolle in der Geschichte werden langsam vorgestellt, sodass man als Leser keine Probleme hat zu folgen. Trotzdem habe ich an manchen Stellen den einen oder anderen Namen verwechselt, weil es eine Weile gebraucht hat, bis ich jedem der Toten die Verwandten, Freunde etc. zuweisen konnte. Was Jeremiah die Arbeit erschwert, ist, dass die Dorfbewohner - besonders die Angehhörigen und Freunde - zum Teil nach der langen Zeit bis zu einem gewissen Maß ebenfalls traumatisiert sind. Jeder hat einen anderen Weg gefunden, damit umzugehen. Dies sorgt dafür, dass trotz des Widerstands doch immer wieder einige Leute mit Salinger sprechen, obwohl er eigentlich als Fremder gilt, als "Zuagroasta", der nicht viel mehr über den Touristen steht. Die Sprache des Romans ist einfach, aber fesselnd. Und der Autor versteht es, das Schicksal und die Gegend recht düster zu zeichnen, da ein Großteil der Geschichte in Schnee und Eis bzw. im Winter spielt. Jedes Kapitel ist noch einmal unterteilt in kleinere Abschnitte, die durchnummeriert sind und die manchmal nur wenige Sätze ausmachen, die kleine Teaser auf das Kommende darstellen. Auch aus diesem Grund entwickelt das Buch trotz der familiären Exkurse mit Frau und Tochter eine gewisse Sogwirkung, der man sich spätestens nach dem ersten Drittel nur mehr schwer entziehen kann. Einen ersten Höhepunkt erreicht die Geschichte etwa 80 Seiten vor dem Ende, sodass ich mich kurz gefragt habe, was denn da jetzt noch kommen sollte. Der Autor beweist damit allerdings recht eindrucksvoll, dass nicht unbedingt wahr sein muss, was sich als Wahrheit darstellt. Und auch wenn gegen Ende mit dem Autor ein wenig die Phantasie durchgegangen ist, liest sich das Buch trotzdem sehr spannend und ich hatte die fast 500 Seiten innerhalb von zwei Tagen an einem Wochenende durch :). Mein Fazit: Auch wenn das Buch die eine oder andere Schwäche aufweist, konnte es mich die meiste Zeit fesseln. Wer sich mit dem Setting in den Bergen und der düsteren Stimmung anfreunden kann, kann mit dem Buch eigentlich nicht viel falsch machen (Ähnlichkeiten zum Film "Das finstere Tal" haben sich bei mir gleich an mehren Stellen aufgedrängt). Auch wenn das Ende ein wenig abgedreht daher kommt, empfehle ich das Buch gerne weiter.

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„So ist es immer im Eis. Zuerst hört man die Stimme der Bestie, dann stirbt man.“ (S.7) Warst du schon einmal in den Bergen? Wirklich IN den Bergen? Hast die felsige kalte Umarmung gespürt, die leichte Bedrückung, wenn man sich bewusst wird, was für Massen über einem aufragen? Warst zeitlich überwältigt von der versteckten Schönheit Untertage? Dann das Eis. Tonnenweise weißes kaltes Eis. Was knackt und knistert und dir klar macht, dass du nicht das einzige Lebewesen im Berg bist? Dann wirst du die Euphorie, die die Bewohner eines kleinen Örtchens namens Siebenhoch im Südtirol, absolut verstehen. Ihnen ist ihr Ort heilig. Was in Siebenhoch passiert, bleibt auch dort. Man ist eine eingeschworene Gemeinschaft. Und so sieht man es gar nicht gerne, wenn ein Mann mit seiner Familie dorthin zieht und beginnt Fragen zu stellen. Fragen über jene Nacht, die drei Familien deren Kinder grausam beraubte. „Was ist am 28. April passiert, Werner?“ (S.75) Jeremiah – von allen Salinger gerufen – ist Drehbuchautor und wegen seiner Frau zuliebe, die gebürtig aus Siebenhoch kommt, in die Berge gezogen. Natürlich ist er nur neugierig. Für eine Reportage würde er doch niemals so intensiv bohren und die Ruhe des Dorfes stören. Oder gar alte, begrabene Erinnerungen ins Licht zerren, damit die Beteiligten das Leid erneut erfahren müssen. Auf gar keinen Fall! Darauf ein Amen. Man kann es sich schon denken: Salinger ist penetrant und gibt nicht auf. Er will wissen was damals in der Schlucht passiert ist. Warum drei Menschen so bestialisch ums Leben kamen. Wer für ihren Tod verantwortlich ist und was es mit dieser Bestie auf sich hat, die in den Bergen haust. Vor allem nachdem er sie am eigenen Leib zu spüren bekommen hat. Er hat ihren kalten Atem in Nacken gefühlt und ist dem Tod nur knapp entkommen. „Tu, was du tun musst, Salinger. Aber komm zu mir zurück. Zu uns.“ (S.202) Dabei vertieft er sich so sehr in seiner Recherche, dass er alles um sich herum vergisst und so beginnt seine Ehe zu bröckeln. Man spürt, wie er darunter leidet und zeitgleich nagt das fehlende Wissen an ihm. Eine Zwickmühle. Doch irgendwann hat man selbst als Leser kein Mitleid mehr. Anfangs ist man selbst gespannt auf die Auflösung. Bekommt Bröckchen hingeschmissen und folgt der Krümelspur. Lange. Sehr Lange. Und wenn der Kuchen kann am Ende kommt, mag man ihn gar nicht mehr haben. Denn das ist das allergößte Manko an dem Buch: Man wird zu lange an der langen Leine gehalten. Selbst wenn DAS Gespräch kommt, mit DER entscheidenden Person, kommt keiner zum Punkt. Da geht eine Menge Leselust flöten. So groß ist das Dorf schließlich nicht. Mal ganz angesehen davon, ahnt man worauf alles hinauslaufen wird. Auch wenn man einen Namen zunächst nicht fassen kann. Indizien gibt es zahlreich und so überrascht einen das Ende auch nicht, was dann noch nicht mal zu Ende ist und noch weiter geht. Quasi ein Ende nach dem Ende. EinTüpfelchen zuviel auf dem i. Letztlich war ich enttäuscht von dem Buch. Ich mochte den Schreibstil und die Leidenschaft für die Berge. Es ist eine Art Tagebuch und auch wieder nicht. Eine Art Niederschrift mit Dialogen passt eher. Doch wegen der oben genannten Manko, wird man nicht dauerhaft in den Bann gezogen und hofft wehmütig auf weniger Gejammer und mehr Fakten.

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Jeremiah Salinger folgt seinem Herz, seiner großen Liebe Anneliese, in das Dorf Siebenhoch, in norditalienischer Provinz. Als der Dokumentarfilmer mit einem Helikopter der Bergwacht in die Luft steigt, um einen Dreh über die Bergretter der Dolomiten zu drehen, gerät dieser in ein Unwetter und stürzt ab. Um Salinger herum wird es plötzlich dunkelste Finsternis, in die er monatelang immer wieder depressiv versinkt, denn nur er überlebt verletzt. Die Dörfler werden ihm später die Schuld an dem Absturz geben. Seit dem Unfall wird Salinger in seinen Träumen von der Bestie der Bletterdach-Schlucht verfolgt und Anneliese nimmt ihm das Versprechen ab, sich ein Jahr lang eine Auszeit zu nehmen, um seelisch wieder zu genesen. Doch Salinger ist wie besessen, den Schuldigen des Bletterbach-Massakers aufzuspüren. Er recherchiert heimlich, wird von den Dorfbewohnern verhöhnt, die ihm nur journalistisches Interesse unterstellen, um Geld damit zu verdienen. Trotz allen Gegenwinds recherchiert Salinger unermüdlich weiter und durchschaut bald, dass tief in der Finsternis der Schlucht, etwas Uraltes zum Leben erweckt ist. Luca D’Andrea hat mich anfangs sehr tief in seine Geschichte hineingesogen. Nach den ersten einhundert Seiten war ich mir sogar sicher, dass dieser Thriller etwas ganz Besonderes sei. Doch umso mehr ich in den Seiten und in der Geschichte vorankam, umso mehr verabschiedete sich mein erstes Leseempfinden immer mal wieder und ich fühlte mich ab und an durchaus gelangweilt. Ganze Kapitel kamen mir nichtssagend vor, sie trugen die Story in ihrer Entwicklung einfach nicht weit genug voran. Die Kernhandlung dieses Debüt-Thrillers ist wirklich hoch spannend und auf Grund der ungewöhnlichen Thematik, die sich mit Bergrettern, Unwettern und verschwiegenen, mysteriösen Dörflern befasst, interessant geplottet, wenn man darüber hinwegsieht, dass einige Seiten merkwürdiges bis belangloses Drumherum enthalten, allen voran die, die Salingers Tochter Clara betrafen, die nach meinem persönlichen Empfinden nur die Seitenanzahl pusht. Dies hat meine Lesefreude etwas reduziert und diesem Debüt einen Bewertungsstern gekostet. Luca D’Andrea schreibt in einem sehr klaren, flüssigen Stil, der einlädt mit hohem Tempo von Seite zu Seite zu lesen. Sein Ausdruck ist angenehm schnörkellos, stets auf das wesentliche konzentriert und er bietet vereinzelt humorvolle Einschübe. Besonders gut hat mir die Stimmung dieses Thrillers gefallen. Sie ist verlässlich düster, passend dramatisch und manchmal ungreifbar mystisch und geheimnisvoll. Gut recherchiert führt Luca D’Andrea den Leser in die Welt der Berge und der Bergretter. Die Beschreibungen von Schauplätzen zeichnen ein umfassendes Bild der Örtlichkeiten, sodass man fast glaubt, schon einmal dort gewesen zu sein. Ebenso gut und feinmaschig sind die Zeichnungen der Charaktere. Sie bieten tiefe Einblicke in das emotionale Seelenleben der lebendigen Figuren, sodass ihre Handlungen authentisch und fast auch nachvollziehbarer werden. Viele Lebensläufe der Protagonisten sind bis tief in die jeweiligen Vergangenheiten miteinander verstrickt und Luca D’Andrea gelingt es, die Auflösungen mit geschickt inszenierten Wendungen bis zu Letzt rätselhaft und unlösbar dastehen zu lassen. Das ureigene Geheimnis der Bletterbach-Schlucht allerding, entzieht sich für mich jedoch jeder logischen und möglichen Authentizität und schickt mich gedanklich ansatzweise in Richtung des Genre Fantasy und Mystik, was mir nicht gefällt. Fazit und Bewertung: Trotz einiger Schwächen ist Luca D’Andrea ein spannendes und lesenswertes Thriller-Debüt gelungen, dass den Leser mit Tempo durch die Seiten schickt. Auf der Suche nach dem Schuldigen, der das Bletterbach-Massaker zu verantworten hat, recherchiert ein Journalist, der tief hinab in die Düsternis dieser nicht ganz authentischen Geschichte gezogen wird.

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Der erfolgreiche New Yorker Dokumentarfilmer Jeremiah Salinger zieht nach einigen erfolgreichen Projekten mit seiner Frau Anneliese und der fünfjährigen Tochter in ihre Heimat Südtirol. Hier erhofft er sich die Ruhe, um neue Kraft für weitere Projekte zu tanken. Vor Ort trifft Salinger auf seinen Schwiegervater Werner, der die Bergrettung in Siebenhoch leitet. Bei einem Einsatz, bei dem der Filmemacher ihn begleitet, kommt es zu einem tragischen Unfall. Salinger, traumatisiert, versucht das Erlebte zu verarbeiten und stößt dabei auf ein düsteres, Jahrzehnte zurückliegendes Geheimnis! Mit Der Tod so kalt legt Autor Luca D'Andrea sein Romandebüt vor. Deutlich merkt man ihm seine Herkunft und Vergangenheit an, denn in Südtirol geboren und immer noch dort lebend war er vor seinem erfolgreichen Einstieg als Thriller-Autor Dokumentarfilmer, der sich in seiner letzten Dokumentation selber mit der Bergrettungswacht auseinandergesetzt hat. Diese Erfahrungen spürt man in seinem Roman deutlich, denn die Erzählung lebt von den detaillierten und kenntnisreichen Beschreibungen. Zudem legt er in seiner Handlung und der verwendeten Sprache ein ziemlich hohes Tempo vor, Sätze und Kapitel zeichnen sich durch eine klare Struktur und eine spürbare Effizienz aus und wirken in ihrer Sprunghaftigkeit wie ein rasant montierter Actionfilm. Ein Buch, in welches man als Leser schnell hinein- aber nur sehr schwer wieder herausfindet, so dass man es erst aus der Hand legt, wenn man es ausgelesen hat! Der Tod so kalt (Originaltitel: La sostanza del male, 2016) erscheint in einer Übersetzung aus dem Italienischen von Verena v. Koskull als Paperback mit Klappenbroschur bei DVA (480 Seiten, €14,99). Gut ausgearbeitete Charaktere, eine spannende Handlung, ein temporeicher Erzählstil und ein interessanter Schauplatz machen das Thriller-Debüt Der Tod so kalt von Luca D'Andrea zu einer absoluten Leseempfehlung!

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