Leserstimmen zu
Harz

Ane Riel

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Harz

Von: Danis Reziseite

22.08.2019

ich finde das Cover total gelungen und passend zur Story gewählt. Es verrät so gar nichts über den Inhalt, das ist mega . Anes Schreibstil ist fesselnd, humorvoll und leicht zu lesen. Ich liebe es, dass sie in diesem Genre mit Humor/ Sarkasmus arbeitet. Mega! Die Charaktere wirken echt , denn durch kleinste Details in der Ausarbeitung hat Ane ihnen Leben eingehaucht. Die Story ist fiktiv, hoffe ich😂. Denn ich könnte mir durchaus auch vorstellen, das diese Story aus dem wahren Leben kommen könnte. Solch kranke Menschen gibt es leider immer und überall. Der Leser ahnt leider schnell was in der Geschichte zu passiert scheint, dennoch ist die Spannung durchgehend vorhanden, da man nicht weiß ob man richtig liegt. Ich muss sagen, das was passiert, hatte ich schnell raus, nur mit wem hat mich dann doch überrascht. Die Schauplätze beschreibt die Autorin ebensfalls sehr bildhaft. Ich konnte das Holz förmlich riechen und es graust mich bei dem Gedanken an das Ritual von Vater und Tochter immer noch. Diese Story wird aus der Sicht von Liv in Vergangenheitsform und als Briefe von Livs verstorbener Mutter, die an Liv gerichtet sind, erzählt. Was es aber mit dem Wort Harz auf sich hat, verrate ich an dieser Stelle nicht. Das düft ihr selbst herrausfinden.

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Cover: Im Hintergrund stapeln sich in Dunkelheit aufgestellt Kartons übereinander. Der TITEL "HARZ", mittig, imposant, aufdringlich, und in einem Bernsteinfarbton abgebildet. In den Buchstaben ist kleines Geäst und Blumen erkennbar, Inhalt: Ein abgelegenes Stück Inselland: Kopf genannt. Zu einer weiteren, größeren Insel, nur durch den schmalen Hals verbunden. Ein weiter Fahrtweg. Kaum ein jemand verirrt sich auf das Anwesen der Haarders, seit ... Das war früher anders. Die Haarders waren bekannt für ihre gute Schreinerarbeit. Für ihre Verbundenheit zu Tier und Natur. Doch das Leben wird einem nicht nur geschenkt, man muss es auch bestreiten. Und so passiert es, dass Jens Haarder in seinem Leben auch etwas verliert, das ihm viel bedeutet hat. Nie wieder möchte er diesen Schmerz fühlen. Nie wieder etwas in seinem Leben missen. Und so finden immer mehr "Dinge" den Weg zum Hof der Haarders. Mal in der einen, mal in der anderen Ecke. Um seine einzige Tochter Liv nicht auch noch zu verlieren, meldet er sie bei den hiesigen Behörden für tot. Ertrunken bei einem Ausflug auf dem Meer. Die Suche durch Hubschrauber und Rettungsteams vergebens. Liv ist gleichzeitig lebendig und auch tot. Sie lebt abgeschirmt von der Außenwelt auf dem Hof der Eltern weiter. Die Dunkelheit ist ihr bester Freund. Ihr Vater verbringt viel Zeit mit ihr. Liebt sie, behütet sie. Ihre Mutter ist ebenfalls sehr einfühlsam und liebevoll zu ihr. Doch sie frisst ihre Probleme immer mehr in sich hinein. Fazit: Liebe Büchereulen, bei meiner Inhaltsbeschreibung werdet ihr euch nun fragen, wo genau ist denn da der Thriller? Und genau diese Frage habe ich mir auch gestellt. Für mich ist HARZ eine Mischung aus Psychothriller und Dramatik. Das Buch wird überwiegend aus der Sicht von Liv in der Vergangenheit erzählt. Kindgetreu, naiv und manchmal erschreckend altklug berichtet sie von den Geschehnissen aus der Vergangenheit. Die Autorin beschreibt parallel dazu in einigen Kapiteln auch die Kinderjahre von Jens Haarder und wie er später seine Frau Maria kennen lernte, Liv´s Mutter. Die Beziehung von Jens Haarder zu seiner Tochter Liv wird sehr detailliert beschrieben. Sehr frühzeitig baut der Leser eine sehr intensive Beziehung zu den Charakteren auf. Die Beweggründe und auch das Verhalten jedes einzelnen Charakters, sei er erwachsen oder noch kindlich, wurde präzise dargestellt und dabei nicht ausschweifend umschrieben. So, wie die einzelnen Personen, wird auch die Umgebung beschrieben. Oftmals konnte ich mir diesen Hof mit seiner Werkstatt, den Tieren und auch die angrenzenden Wälder bildlich sehr genau vorstellen. Jeder hat sein ganz individuelles Bild von Unordnung und Durcheinander im Kopf. Durch den Erzählstrang wird dieses individuelle Bild nur noch intensiviert. Stellenweise ging mein Gemütszustand von einem Lächeln über zu Fassungslosigkeit, Ekel, Missverständnis und sodann wieder über zu Mitleid. Dieser Thriller behandelt ein paar wichtige Themen in Bezug auf Gesellschaftlichkeit und einer gewissen Ignoranz gegenüber seinen Mitmenschen. Doch auch, dass Elternliebe auf ganz unterschiedliche Weise gelebt werden kann. Es zeigt, wie Kinder sich ihrem Umfeld anpassen. Das Buch ist für mich vieles. In knapp 300 Seiten schafft es die Autorin, dass man nicht nur über das Storyboard spricht, sondern noch "darüberhinaus" denkt. Doch für mich ist es kein Thriller. Psychothriller vielleicht aufgrund der subtilen und teilweise gegen Ende erdrückenden Stimmung. Hätte ich es gelesen, wenn es im Genre Drama eingeordnet gewesen wäre? Wohl eher nicht. Für mich ist es ein gutes, solides und sehr durchdachtes Buch. Flüssig zu lesen und sehr kurzweilig. Gegen Ende mochte ich es kaum aus der Hand legen. Es ist gefüllt mit vielen Details, die man zunächst vielleicht gar nicht so wahrnimmt, im Nachhinein jedoch ein Ganzes formen. Von mir gibt es 4 Sterne.

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Liv lebt mit ihrem Vater und ihrer Mutter auf dem „Kopf“, eine kleine Insel über dem Dorf, sie sind meist auf sich alleine gestellt und genießen die Abgeschiedenheit. Liv lernt von ihren Eltern das Wichtigste und kennt keine anderen Kinder oder gar Schule oder andere Verpflichtungen. Die Wende tritt ein als die Großmutter von Liv an Weihnachten auftaucht und möchte dass Liv mit ihr in die Stadt zieht damit sie endlich Kind sein kann... und der Vater von Liv anders entscheidet... um Liv zu schützen meldet der Vater Liv als verstorben... Ein Thriller der gerade diskutiert wird. So genau wusste ich nicht was mich hier erwartet, Harz ist schon mal ein sehr spannender Titel, aber nach dem lesen kann ich sagen – passender hätte er nicht sein können. Der Plot ist gleich mal Mord und Totschlag, im wahrsten Sinne des Wortes, schon da stand ich erstmal fassungslos da und musste das Gelesene verarbeiten. Die Autorin Ane Riel beschreibt das abgeschiedene Leben auf dem „Kopf“ sehr schön, sehr intensiv, mit viel, oft widersprüchlichen, Gefühlen, aber man kann sich bildlich, die Insel sowie das ganze Drumherum sehr gut vorstellen. Wir lernen Joe kennen, der mit seinem Bruder Mogens und den Eltern auf dem Kopf lebt. Der Vater liebt und lebt sein Schreinerhandwerk und ist dafür auf der Insel berühmt. Doch alles ändert sich als der Vater plötzlich verstirbt... Joe wird immer verschlossener, Mogens fühlt sich eingeengt und zieht von heute auf morgen weg. Maria kommt als Haushaltshilfe auf den Kopf und Joe verliebt sich in sie. Als Maria schwanger ist stößt dies auf Unverständnis bei der Mutter die kurze Zeit später in die Stadt zieht. Für Maria und Joe ist Liv ihr Dreh – und Angelpunkt in ihrem Leben. Joe möchte mit den Bewohnern aus dem Dorf nichts mehr zu tun haben, verschließt sich immer mehr, will seine Familie und seinen Besitz krampfhaft beschützen/verteidigen. Maria sieht vieles anders was sie Liv in Briefen an sie mitteilt. Liv konnte mich begeistern, sie ist so unschuldig an der ganzen Situation und hat doch nie was anderes kennengelernt. Sie ist sehr selbstständig, lernt viel von ihrem Vater sowie ihrer Mutter, hat aber keinen Kontakt zu anderen Kindern, besucht keine Schule und lernt eben nur dieses Fenster kennen was ihre Eltern, gerade ihr Vater, ihr vorleben. Ist es ein Thriller? Dieses Buch kommt ohne Blut und grausame, detaillierte Beschreibungen von Gemetzel aus, es ist ein Thriller der anderen Art, ich denke so kann man ihn beschreiben. Wer hier auf Action und die üblichen Thrillerklischees hofft sollte die Finger von diesem Buch lassen. Die menschlichen Abgründe können oft tiefer, dunkler und abscheulicher sein als die Taten, die wir offensichtlich wahrnehmen bzw. gezeigt bekommen. Dieses Buch übte, auf mich, eine oft erschreckende Faszination aus, da ich auf der einen Seite die Eltern verstehen konnte, dass sie Liv eher das Leben beibringen können als es die Schule je könnte. Auf der anderen Seite sieht man aber auch was Abgeschiedenheit, kein rechtes Sozialleben mit einer Kinderseele anstellen können, wie sich die ganze Weltanschauung auf den Kopf stellt und es für ein Kind nicht offensichtlich erscheint was nun Gut oder Böse ist. Das Ende konnte mich dann auch richtig schocken und ja, man kann sich dann aussuchen wie es wohl weitergehen könnte. Ein Thriller der mit leisen, anderen Tönen und Abgründen spielt die aber nicht weniger spannend und erschreckend sind. Mich konnte die Autorin für ihren Thriller auf jeden Fall gewinnen!

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Klein, aber Oho!

Von: Kaisu

04.08.2019

“Im weißen Zimmer war es dunkel, als mein Vater meine Großmutter umgebracht hat. Ich war da.” (Buchbeginn) Liv ist ein kleines Mädchen. Unerfahren mit der großen weiten Welt, kaum soziale Kontakte, abgeschirmt von der Außenwelt. Dennoch ist sie glücklich. Sie hat ihren Vater und ihren Bruder. Der Vater ist ihr großes Vorbild und bringt ihr eine Menge bei. Wie man Hasen fängt, wie man Fische angelt, vor welchen Gefahren man sich in Acht nehmen soll. Ihre Mutter übernimmt dabei den Aspekt der Lehrerin und liest ihr vor. Bildet sie auf diese Art und Weise. Aber reicht das aus? “Das Kind muss in die Schule!”, bestimmt die Großmutter, die eines Tages zu Besuch kommt. Energisch nimmt sie die Dinge selbst in die Hand. Möchte das Wohnhaus der Familie auf Vordermann bringen, bestellt einen Container für den ganzen Schrott, der sich angesammelt hat und viele Räume fast unbewohnbar macht. Außerdem meldet sie Liv in der Schule an. Der frische Wind wird jedoch rasant im Keim erstickt. Jens, der Vater, bringt seine Mutter kurzerhand um. “Jens wünschte sich tief im Inneren einen Sohn, Maria wünschte sich tieg im Inneren eine Tochter, und Else Haarder wünschte sich tief im Inneren eine Katastrophe. Auf eine Art bekamen alle drei ihren Wunsch erfüllt.” (S.64) Damit die Behörden nicht nachfragen, wo die kleine Liv denn bleibt und warum sie nicht zur Schule kommt, täuscht der Vater ihren Tod vor. Ertrunken, ein tragisches Unglück, er konnte nichts mehr für seine Tochter machen und bittet von Mitleidsbekundungen abzusehen. Die Familie zieht sich immer weiter zurück. Liv spielt mit wilden Hasen und ihrem Bruder. Der Vater schreinert und bastelt weiterhin wild vor sich hin. Die Mutter nimmt immer mehr zu und kann das Bett nicht mehr verlassen. Der Familienhof vermüllt. Bis hierher ist die Basis der folgenden Ereignisse kurz zusammengefasst. Viel mehr kann ich auch nicht erzählen, da ich sonst zu viele Anreize für Hirngespinste und damit Spoiler geben würde. Letztlich zeigt das Buch eine Familie, die glücklich ist – oder eher war – und die nun an die Grenzen ihres Daseins stößt. Eine Grenze wo Menschen ihre Menschlichkeit verlieren und Dinge machen, die äußerst egoistisch und dramatisch sind. “Er wollte seine Tochter nicht bewahren, um ihre Seele zu erlösen. Er woltte seine Tochter einfach nur bewahren. Sie behalten. Sie nicht verlieren müssen.” (S.176) Liv kommt selbst zu Wort. Aus Kinderaugen – aber nicht zu kindisch – beobachtet sie aufmerksam ihre Umgebung und schildert ihre Eindrücke von den Erlebnissen auf dem Hof. Da werden zugemüllte Räume zu Abenteuerspielplätzen und eine Karnickelplage zu vielen Haustieren, die überall hinköteln. Parallel dazu darf Jens Haarder, aus der Sicht eines auktorialen Erzählers, sein Leben erzählen, ebenso die Mutter in kurzen Frequenzen und später kommt eine weitere Person hinzu. Gerade der Punkt, dass die junge Liv so viel berichten darf, lässt manche Szene übler wirken, als wenn der Vater sie erzählt hätte. Da spricht die Unschuld und Naivität aus ihrem Mund. Sie ahnt nicht im geringsten, welchen Bären ihr ihr Vater aufgebunden hat. Zudem zeigen sich bereits deutliche Auswirkungen der Abschirmung in ihren Wesenszügen. “Harz” ist ein Buch, was mich überrascht, überwältigt und am Ende vollkommen überzeugt hat. Der Schreibstil ist auf den ersten Seiten etwas ungewohnt, aber man ist rasch drin und verfällt seinem Sog. Letztlich sind es die kleinen dramatischen Momente, von denen das Buch lebt. Sie hauen stets eine weitere feine Schippe auf den Trümmerhaufen, bevor er am Ende komplett zusammenbricht. Das Ende, die letzten Zeilen, waren schlussendlich das perfekte i-Tüpfelchen. >> Ein Lesetipp für ein paar kurze Lesestunden, die sich emotional vollends lohnen werden!

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Zum Inhalt Jens Haarder wächst mit seinem Bruder und seinen Eltern auf einer Insel auf. Die Insel besteht aus der Hauptinsel und einem kleinen Stück der sich Kopf nennt. Dort wohnen die Haarders. Jens lebt auch später mit seiner Familie dort. Die Geschichte der Haarders geht um Liebe die zur Obsession wird. Mittendrin ein kleines Mädchen namens Liv. Sie darf sich nicht zeigen, denn sie gilt als tot. Meine Meinung Ane Riel hat mit ihrem Buch Harz einen außergewöhnlichen Thriller erschaffen, der für viel Mitgefühl und Schockmomente sorgt. Das Buch erscheint im August 2019 im btb-Verlag der Randomhouse House GmbH. Übersetzt wurde das Buch aus dem dänischen von Julia Gschwilm. In dem Buch Harz geht es um die dunkle Liebe einer Familie oder mehr eines Vaters, die zur reinen Obsession wird. Mittendrin lebt seine Tochter Liv. Sie mal wie ein Kind und mal wie ein Erwachsener. Die Umstände in denen die Familie lebt sind äußerst schockierend. Auch die Vorfälle die Liv miterlebt hat. Das ein so kleiner Mensch das alles aushält grenzt an ein Wunder. Zu viel möchte ich nicht auf die Geschichte oder Protagonisten eingehen um einfach nicht zu viele Informationen preiszugeben. Die Kapitellänge fand ich gut um das Buch nach schlimmen Geschehnissen aus der Hand zu legen und durch zu atmen. Was ich nicht besonders mochte, ist der Schreibstil des Buches. Man kann es lesen, aber es liest sich Streckenweise nicht flüssig genug. So dass man beim lesen öfter ins Stolpern gerät. Im großen und ganzen ein Thriller, der sich lohnt gelesen zu werden. Fazit Eine dunkle, krankhafte Liebe die zur Obsession wird. Verlustängste die einen Wahnsinnig machen. Dies alles findet ihr in der Geschichte von den Haarders. Lesenswert auf alle Fälle, wenn einen der holprige Schreibstil nicht zu viel wird.

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Erschreckend und beklemmend

Von: Büchermaulwurf

26.07.2019

Mit „Harz“ hat Ane Riel zu Recht alle vier wichtigen skandinavischen Krimipreise abgeräumt. Ich würde es jedoch nicht als Krimi oder Thriller bezeichnen. Es ist eher ein Familiendrama, das sich nach und nach zum Thriller steigert und mit einem dramatischen Finale abschließt. Sehr gut gefiel mir auch das Cover, dass ich immer wieder gerne in die Hand nehme. Der Titel „Harz“ aus Bernstein ist ungemein passend und die plastisch hervortretenden Holzklötze runden es ab. Zum Inhalt: Die Familie Harder lebt auf einer kleinen Insel, abgeschottet von der Außenwelt. Doch hier ist nichts normal, auch wenn das die sechsjährige Liv denkt. Ihr Vater Jens ist ein krankhafter Sammler mit starken Verlustängsten, was seine Familie betrifft. Ihre Mutter ist stark übergewichtig und kann das Bett zuletzt nicht mehr verlassen und die kleine Liv muss sich in einem Container zwischen Gerümpel verstecken, da ihr Vater ihren Tod vorgetäuscht hat. Die obsessive Liebe des Vaters mündet schließlich in eine Katastrophe. Ruhig und eindringlich, aber auch überaus fesselnd entwickelt die Autorin die Familientragödie aus verschiedenen Perspektiven. Das meiste wird aus der naiv kindlichen Sicht von Liv erzählt. Das alltägliche Grauen, das hier Einzug in den Familienalltag gehalten hat, lässt dem Leser zeitweise den Atem stocken. Und die Sichtweise von Liv macht es um so beklemmender. „Im weißen Zimmer war es dunkel, als mein Vater meine Großmutter umgebracht hat. Ich war da.“ Man erhält auch durch Rückblenden einen Einblick in die Kindheit und Jugend von Jens. Die Wandlung seines Charakters von einem gutaussehenden, naturverbundenen jungen Mann, hin zu dem verwahrlosten Messie wurde sehr gut und nachvollziehbar beschrieben. Auch die übergewichtige Mutter Maria kommt durch Briefe zu Wort, die sie für Liv geschrieben hat und die ebenfalls sehr betroffen machen. Sie liebt ihren Mann noch immer, trotz ihrer schrecklichen Lage. Obwohl Jens wirklich erschreckende Dinge tut, spürt man doch, dass er nicht „böse“ ist, sondern aus Liebe zu seiner Frau und Tochter handelt, die er unter keinen Umständen verlieren will. Diese Wandlung von obsessiver Liebe in Wahnsinn wurde sehr gut beschrieben. Ganz am Ende gibt es noch eine schockierende Enthüllung, die mich genau wie die Familientragödie noch einige Zeit beschäftigt hat. Fazit: „Harz“ ist ein ungewöhnliches Buch, dass mich gleichzeitig gefesselt, erschüttert, schockiert und mir Gänsehaut verursacht hat. Von mir gibt es die volle Punktzahl und eine absolute Leseempfehlung.

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Eine kleine dänische Insel, eigentlich ein wunderbarer Ort zum Leben. Der „Kopf“ der Insel ist durch eine schmale Nehrung, dem „Hals“ mit dem Rest der Insel verbunden. Dort am Kopf, in dieser Abgeschiedenheit wächst Jens Haarder mit seinem älteren Bruder Mogens und den Eltern Silas und Else auf. Den frühen Tod des Vaters verwindet der sensible und eigenbrötlerische Junge kaum. Später gründet Jens mit Maria, der Pflegerin seiner Mutter seine eigene kleine Familie. Doch es ist wieder ein schwerer Verlust, der Jens vollkommen aus der Bahn wirft. Nicht jeder Thriller braucht reißerische Effekte. In Ane Riels Thriller „Harz“ reicht der kleine private Wahnsinn eines Mannes, der in seiner selbst gewählten Isolation immer mehr in seiner eigenen verkehrten Welt lebt und alle mitnimmt, die er liebt. „Nein, er konnte nichts entbehren. Was ihn verließ, kam nicht zurück. Und darum verließ ihn nichts.“ Es ist eine obsessive, fehlgeleitete Liebe, die Jens Haarder die Grenzen zwischen Freund und Feind, zwischen Normalität und Wahn nicht mehr erkennen lässt. Hier wird eine Besessenheit beschrieben, die durchaus im Bereich des Möglichen liegt, was viel stärker auf mich wirkt als haarsträubende Killerstorys. Die Autorin erzählt die Geschichte teilweise aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Kindheit und Jungend von Jens wird von einem durchaus neutralen und beobachtenden Erzähler geschildert. Aber auch die sechsjährige Tochter Liv berichtet aus ihrer kindlich naiven Sicht, eine Perspektive die das ständig ansteigende Grauen noch mehr vorantreibt. Was uns Liv nicht erzählen kann, wird oft durch Briefe der Mutter an das Kind ergänzt. „Harz“ ist ein Thriller, der eine ganze Palette an Gefühlen erzeugt, man wünscht und hofft ganz stark, dass Liv, dieses kleine Leben, gerettet werden kann. Es ist unglaublich in seiner Eindringlichkeit. Die Grausamkeiten Mensch und Tier gegenüber sind verstörend und trotzdem führt einen die Autorin auf seltsam behutsame Weise durch diese beklemmende Tragödie.

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„Still und langsam wurde mir klar, dass die Dunkelheit wohl nicht noch mehr Schmerz aufnehmen konnte, und dass der Schmerz deshalb in Carl und mir sitzen blieb. Dass die Dunkelheit schon voll war. So wie unser Haus. Vielleicht war es auch das, was mein Vater spürte. Vielleicht hatte er auch Schmerzen in der Dunkelheit. Und vielleicht hat er gedacht, ich hätte keine. Ich wusste nicht, ob ich es erzählen sollte.“ Liv wächst mit ihrer Familie in der Idylle Schwedens auf – sie leben auf einer kleinen Halbinsel und bewohnen dort den einzigen Hof. Fernab von der Zivilisation betrieb der Großvater dort erst eine Schreinerei, dann verkaufte man die wilden Tannen als Weihnachtsbäume und war in der ferneren Umgebung stets beliebt für das handwerkliche Geschick. Alles, was sie zum Überleben benötigen, erhalten sie aus der sie umgebenden Natur, sie fischen, jagen, sammeln. Doch das zurückgezogene Leben birgt auch Schattenseiten, in der Einsamkeit entwickeln sich über die Generationen verhängnisvolle Eigenschaften. Der Vater beginnt sich und die Seinen zu schützen, sich gegen ein mögliches Eindringen, gegen jeden Verlust und das Fremde zu wehren und das um jeden Preis. Schon bald kann er Freund und Feind nicht mehr voneinander unterscheiden und das hat tödliche Folgen … 

Die schwedische Autorin Ane Riel erzählt uns diese Geschichte abwechselnd aus der Sicht des Kindes, des jungen Mädchens Liv – was eine ebenso spannende wie oft schwer zu ertragende Wahl ist, als auch mithilfe von Briefen der Mutter an ihre Tochter. Diese, so erfahren wir bald, hat sich zu diesem Zeitpunkt bereits für den so gar nicht goldenen Käfig ihres Mannes entschieden: „Ich habe das Gefühl, dass ausserhalb dieses Schlafzimmers Dinge passieren, die ich nicht wissen soll. Es hätte nie so schieflaufen dürfen. Und trotzdem kann ich meine Liebe zu ihm nicht bereuen. Vielleicht ist gar nicht er derjenige, der krank ist. Vielleicht bin ich krank, weil ich es nicht bereue.“ Riel beschreibt das Aufwachsen in der Einsamkeit, die vermeindliche Idylle und deren Entwicklung zum Horror ebenso gut wie die psychologischen Entwicklungen und Komplexe der Familie und wie sie aufeinander einwirken. Die gewalttätigen Folgen sind logisch aufgebaut und erscheinen in ihrer Brutalität nicht übertrieben, gehen einem aber gerade deswegen umso näher. Oft wird einem erst nach einigen Seiten klar, was Liv und anderen Charakteren angetan wird, da die kindliche Perspektive und das fehlende Unrechtsbewusstsein die Gewalttaten derart kindlich und unschuldig beschreibt. Gerade durch die wechselnden Einsichten innerhalb der Familienmitglieder, durch den Blick ins Innere aber auch die im Laufe des Buches folgende Sicht von außen, d.h. von einem Bewohner des Dorfes unweit der Halbinsel, bleibt der Roman spannend und – leider – realistisch. Wer Gewalt gegen Kinder und Tiere nur schwer aushält, dem sei von diesem Roman abgeraten. Wer aber gern einen aussergewöhnlichen, abwechslungsreich und professionell aufgebauten und von Julia Gschwilm übersetzten Psychothriller lesen möchte, der in typisch nordischem Stil alle Möglichkeiten des Spannungsgenres auszunutzen weiß, dessen Charaktere einen nach den knapp 300 Seiten noch eine Weile begleiten werden, der ist in Livs Familie gut aufgehoben. Oder zumindest bis der Vater von dem neuen Ankömmling erfährt ..

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