Leserstimmen zu
Die geliehene Schuld

Claire Winter

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Aufwühlend, realistisch und beeindruckend

Von: Heike Mirabella aus Kaarst

05.05.2018

„Die geliehene Schuld“ von Claire Winter ist im Diana Verlag München / Verlagsgruppe Random House GmbH erschienen. Die Autorin: Claire Winter hat Literaturwissenschaften studiert und war als freie Journalistin tätig. Das Cover ist meines Erachtens für eine Geschichte, die in der Nachkriegszeit stattfindet, absolut perfekt gestaltet: Eine alte schwarz-weiße, nachkolorierte Fotografie, katapultiert die Leserschaft beeindruckend in die Zeit der Trümmerfrauen in Berlin. Das 573-seitige Buch mit dem brisanten Thema um Geheimdienste in einem dunklen Kapitel deutscher Zeitgeschichte war für mich schon recht schwer zu verdauen. Es ist mitnichten so, wie manche aus den Nachkriegsgenerationen möglicherweise vermuten, dass ab Kriegsende sofort die „Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung“ ausgebrochen ist. Dieses Buch schildert aufwühlend ein Stück Zeitgeschichte und die Problematik des „Kalten Krieges“, die Blockade von Berlin, die Rolle der Alliierten und der Kirche. Darüber hinaus werden die Seilschaften der Nazis inklusive ihrer skrupellosen Mechanismen nach dem Krieg spannend erzählt. Auch die Nöte der „Otto-Normal-Verbraucher“ werden thematisch angerissen: Im Park heimlich Bäume fällen, damit man Holz zum Heizen hat, Essensmarken, Hunger, die verzweifelte Suche nach im Krieg verschollenen Familienmitgliedern, die Entfremdung von Eheleuten aufgrund der langen Trennung, die Völkerwanderung, Traumata aus Kriegserlebnissen etc. pp. Die Handlung des Buches ist mit Zeitsprüngen innerhalb von 6 Monaten aus der Sichtweise von mehr als 10 Personen geschrieben. Und genau dieser Umstand fasziniert mich grundsätzlich bei Historien-Literatur. Aufgrund der Komplexität zahlreicher Nebenhandlungen wissen die Leser immer etwas mehr, als die einzelnen Protagonisten. Besonders erwähnenswert finde ich, dass diese fiktive Geschichte sehr real geschildert wird, da auch Personen, die wirklich existiert haben, dort namentlich benannt werden und eine Rolle spielen. Fazit: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich diese aus Realität und Fiktion verknüpfte Geschichte, so oder ähnlich zugetragen hat. Ein großes Dankeschön an die Autorin für dieses absolut lesenswerte Buch!

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Sommer 1949 Ein sehr spannendes und dramatisches Buch, von der ersten bis zur letzten Seite, aus historischen Fakten und Fiktion. Vier Menschen, die verschiedene Weise durch den Krieg traumatisiert sind. Alle haben Zukunftspläne, aber die Vergangenheit verstrickt sie miteinander und ändert alles. Jonathan, Jornalist aus Berlin, recherchiert für die Zeitung ECHO über ehemalige Kriegsverbrecher. Während seiner Recherche in Köln kommt er auf ungeklärte Weise ums Leben. Seine Jugendfreundin Vera verfasst sich mit den brisanten Unterlagen von Jonathan und wird so in das weitere, dramatische Geschehen hineingezogen. Marie lebt in Köln und möchte erfahren, warum ihre Familie so ein Geheimnis ihren gefallenen Vater in der Zeit vor und während des Krieges macht. In Rückblenden wird die Beziehung zwischen Jonathan und Marie und der jungen Jüdin Lina geklärt. In dem spannenden Geschehen werden immer mehr unfassbare Tatsachen aufgedeckt. Ich habe schon einige Bücher über die Nachkriegszeit und die Kriegsverbrecher gelesen. Dieses Buch ist ein Roman, der einen Einblick über die Macht und den Einfluss der Geheimdienste gibt. Erstmals ist mir jedoch die Tatsache bewußt geworden, wie viele Kriegsverbrecher dem System und einer Strafe entkommen sind. Ich habe bereits zwei Bücher von Claire Winter gelesen. Der Roman "Die geliehene Schuld" war bisher der Beste.

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Deutschland im Jahr 1949, noch immer hat das Land mit den Auswirkungen des Krieges zu kämpfen, doch man spürt bereits deutlich die Änderungen, die bevorstehen. Die junge Vera arbeitet für die Zeitung “Echo”, gemeinsam mit ihrem besten Freund Jonathan. Doch als Vera das Büro betritt, wird sie sogleich in das Büro ihres Chefs zitiert. Dort erwarten sie furchtbare Neuigkeiten, denn Jonathan kam in Köln bei einem Unfall ums Leben. Aber warum zog es Jonathan immer wieder nach Köln, welchem Geheimnis war er auf der Spur? Kann es nur an Marie liegen, die er dort kennengelernt hat? Als Vera ein Päckchen erhält, dessen Absender Jonathan war, erwartet sie etwas, mit dem sie nicht gerechnet hätte, denn Jonathan war einem Geheimnis auf der Spur, bei dem es vielen lieber wäre, wenn es im Verborgenen bliebe. Allerdings will Vera wissen, was wirklich mit Jonathan geschehen ist und beginnt, der Sache auf den Grund zu gehen. Meine Meinung Ich habe bereits andere Bücher der Autorin gelesen und habe mich dementsprechend gefreut, als ich entdeckte, dass es etwas Neues von Claire Winter gibt. Schon das Cover und der kurz gehaltene Klappentext machten mich gleich neugierig und auch der Roman ist wieder einmal absolut lesenswert. Claire Winter hat einen wirklich fantastischen Schreibstil, mit dem es ihr gelingt, perfekt die beschriebene Zeit und deren Charaktere zu beschreiben und zu beleben. Dabei lässt sich das Buch noch leicht und verständlich und absolut mitreißend lesen. Das Thema der Geschichte, die Bewältigung der schrecklichen Kriegszeit mit all seinen verheerenden Taten, aber auch der Beginn einer Zeit, in der man wieder Hoffnung hatte, wurde hier wunderbar umgesetzt. Man spürt, wie gut der historische Aspekt recherchiert wurde und begleitet hier die Charaktere auf unterschiedlichen Reisen sowohl im Inland als auch in näherer Umgebung. Allerdings geht es hier auch um viel Recherchearbeit, die die Charaktere betreiben und das wurde an manch einer Stelle etwas langatmig, wenn ich mich auch zu keiner Zeit gelangweilt habe. Auch wenn es also hin und wieder kleine Längen gab, war ich doch fasziniert von der Geschichte, wollte gemeinsam mit Vera herausfinden, was ihrem Freund Jonathan widerfahren ist und mit Marie mehr über die Vergangenheit der eigenen Familie erfahren. Die Geschichte erzählt aus wechselnden Perspektiven in einem Zeitraum von ca. einem halben Jahr. Dabei macht Claire Winter doch so einige Sprünge zwischen den aktuellen Ereignissen, kurz nach Jonathans Tod und Rückblicken, was bis zu diesem Unfall geschehen ist. Man muss hier durchaus konzentriert bleiben, um den Faden nicht zu verlieren, doch die Autorin behält hier absolut den Durch- und Überblick, so dass es auch für den Leser nicht allzu verwirrend wird. Ganz besonders gut gefallen haben mir wieder die Charaktere, die die Autorin hier gezeichnet hat. Jeder ist individuell und glaubwürdig dargestellt und ich konnte mir ein gutes Bild der einzelnen Personen machen. So wäre da z. B. Vera, die eine sehr energische junge Frau ist, die sich so leicht nicht beeindrucken und abschütteln lässt. Sie auf ihren Recherchewegen zu begleiten war durchaus spannend und ließ mich mitfiebern. Aber auch Marie und später Lina waren zwei interessante Charaktere, die mich beide berühren konnten. Marie, die behütet aufwuchs und die keinerlei Ahnung hat, wer ihre Familie eigentlich ist und deren Freundschaft zu der jungen Jüdin Lina, die den Holocaust nur überlebte, weil es ihrer Familie gelang, sie nach Amerika zu Verwandten zu schicken, absolut einnehmend war. Alles in allem waren die Charaktere sehr authentisch und facettenreich und nahmen mich für sich ein. Mein Fazit Ein sehr gut recherchiertes Buch über eine Zeit, die immer noch ein wenig im Hintergrund bleibt. Wie immer sehr fesselnd geschrieben und äußerst emotional, dabei mit Charakteren, die mich schnell neugierig machten und mir sympathisch waren. Lediglich die kleinen Längen durch die vielen Reisen bei der Recherchearbeit der Charaktere nahmen mir hin und wieder ein wenig den Lesefluss, doch im Großen und Ganzen war es absolut einnehmend. Leseempfehlung!

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Inhalt: 1949 in Berlin: Als die junge Redakteurin Vera vom angeblichen Unfalltod ihres geschätzten Kollegen Jonathan erfährt und dieser ihr kurz vorher all seine gesammelten Berichte über seine Recherchen zukommen ließ, macht sie sich selber auf die Suche nach der Wahrheit. Seine Beobachtungen galten alten Kriegsverbrechern und dabei spielt wohl auch eine junge Dame namens Marie eine große Rolle, die im Stab Adenauers als Sekretärin angestellt wurde. Den Warnungen zum Trotz macht Vera bald auf sich aufmerksam und schwebt in höchster Gefahr. Meine Meinung: Mein erster Roman der Autorin und mit Sicherheit nicht der Letzte. Obwohl ich schon zugeben muss, dass diese Thematik mich an manchen Stellen schon überfordern konnte und ich auch politisch gesehen kaum Sachverständnis oder Interesse dessen hätte. Doch der Schreibstil und die zarten Momente in diesem Buch, wenn Marie und Lina sich unterhielten oder Jonathan und Marie sich liebkosten, trugen dazu bei, dass ich auch ins Jahre 1949 abtauchen und diese kurzen Momente mit den Protagonisten genießen konnte. Dem Gesamtgeschehen zu folgen war angesichts der enorm vielen und kurzen Zeitsprünge doch recht anspruchsvoll und forderte volle Konzentration. Dies hätte man vielleicht ein wenig kluger lösen können, in dem man erst die Geschichte von Marie und dann später von Vera erzählt. Ich glaube dann hätte ich auch schneller durch dieses Buch beenden können. Die Charaktere sind aber enorm gut gezeichnet, sodass man für einige Sympathie und für andere richtigen Hass empfinden kann. Man bemerkt wieder, wie doch der Gerechtigkeitssinn in den Vordergrund rückt und man gerne alle Mitschuldigen an den schrecklichen Geschehnissen verurteilt sehen möchte. Fazit: "Die geliehene Schuld" kann ich nur empfehlen, wenn man gerne über die Nachkriegszeit liest. Claire Winter hat eine interessante Geschichte zwischen Fiktion und Wahrheit erschaffen und ihre Charaktere sind hervorragend ausgearbeitet. Spannend, gut ausgearbeitet und trotz der Zeitsprünge kaum aus der Hand zu legen. Ich vergebe daher ganze 4 Sterne !!

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Auch in "Die geliehene Schuld" versteht es Claire Winter wieder fantastisch, historische Fakten mit einer sehr spannenden, fiktiven Handlung zu einem grandiosen Roman zu verweben. Sie entführt uns ins Nachkriegsdeutschland 1948/49, in die Gründungsjahre der Bundesrepublik. Während unter Adenauer am Entwurf des neuen Grundgesetzes - der demokratischen Grundlage des neuen Staates - gearbeitet wird, ist auch Jahre nach Kriegsende das nationalsozialistische Gedankengut noch in vielen Köpfen tief verankert. Vieles wird hartnäckig totgeschwiegen, beschönigt oder gar abgestritten. In den Kriegsverbrecherprozessen müssen sich einige für ihre Taten vor Gericht verantworten, aber viele haben sich ihrer Strafe entziehen können. Auch die Kirche hat das Ihre dazu beigetragen, ehemalige Nazigrößen zu decken und ihnen zu neuen Identitäten zu verhelfen. Mitten in diesem Szenario lernen wir zwei beeindruckende, mutige, junge Frauen kennen. Vera, die in Berlin als Kulturredakteurin für den "Echo" arbeitet, möchte die Arbeit ihres Kollegen und guten Freundes Jonathan fortführen, der während einer geheimnisvollen Recherche ums Leben gekommen ist. Mehr als einmal setzt sie dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel. Marie lebt mit ihrer Mutter und ihren beiden älteren Brüdern in Köln. Der Vater ist im letzten Kriegsjahr gefallen. Sie schließt Freundschaft mit Lina, einer Jüdin, deren nahezu ganze Familie unter den Nazis umkam. Marie hinterfragt den "ehrenhaften Offizier", der ihr Vater angeblich gewesen sein soll, versucht, mehr über ihn herauszufinden, stößt bei ihrer Familie jedoch auf eine Mauer des Schweigens. Es folgt eine historisch hoch interessante, dramatische und sehr spannende Geschichte um Schuld, um Vergessen, aber auch um Hoffnung! Claire Winter schreibt sehr fesselnd und bildhaft und versetzt den Leser immer mitten in die Handlung und den Ort des Geschehens hinein. Ohne einen riesigen Rechercheaufwand wäre dieses Buch wohl so nicht möglich gewesen. Hut ab!

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Beeindruckend und nachwirkend im Kopf

Von: Chrisi

26.04.2018

Das Buch fesselte mich nach wenigen Seiten und ein weg legen war fast unmöglich! Am Anfang kam ich mit den Namen von Vergangenheit und Gegenwart der Menschen ein wenig durcheinander, da sie in der Gegenwart "falsche" Namen angenommen hatten. Die intensive Auseinandersetzung mit den Folgen des 2. Weltkrieges aus Sicht der Täter-Kinder, da viele Kinder nie wussten was ihre Eltern tatsächlich im Krieg an führenden Posten hatten, war für mich emotional stark bewegend. Beim lesen muss ich im Buch versinken und mich einfühlen können in die Geschehnisse, in die Hauptpersonen, dies ist Claire Winter in meinen Augen sehr gut gelungen. Wer sich für diese Zeit nach dem Krieg interessiert und offen ist dahinter zu schauen, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Denn steckt Aufklärung über die Flüchtlingsströme von Deutschland nach 1945 darin und Wahrheiten, vor denen wir uns auch heute nicht verschließen sollten!! Ein für mich persönlich gelungenes Buch und absolut lesenswert!!

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Das Buch hat mich sehr angesprochen, gerade der Mix aus historischen Fakten und Fiktion ist sehr gut gelungen und macht die Geschichte so spannend. Berührend sind auch viele der beschriebenen Begegnungen, die wahrscheinlich auch in der echten Vergangenheit so stattgefunden haben werden. Der Schreibstil ist sehr gut lesbar und gut lesbar. Der Wechsel der der Erzählung aus Sicht der unterschiedlichen Personen bringt Lebendigkeit ins Buch. Ein Stern habe ich dennoch abgezogen, weil ich mich im ersten Drittel sehr schwer getan ins Buch zu kommen und erst ab da so richtig ins Buch gekommen bin.

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Geschichte

Von: get lucky

24.04.2018

Das fest gebundene Buch mit annähernd 600 Seiten hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen! Eine Geschichte, die mich in die Geschichte des zweiten Weltkrieges, eintauchen ließ und von vorne bis hinten fasziniert hat. Einmal hat ein Geschichtslehrer uns ins Heft diktiert, dass der Sinn des Faches der sei, Fehler zu bekennen, und diese nicht mehr zu wiederholen. Wie recht er doch hatte! Auch wenn dieses Buch keine Biographie darstellt, wurde doch sehr gut dafür recherchiert und dargestellt, wie zu dieser Zeit, auch noch nach Ende des Krieges, vertuscht, spioniert und gelogen wurde. Man ist also mittendrin in Geheimdienst und NS-Kriegsverbrechen. Der Schreibstil der Autorin ist so flüssig und lebendig, die hohe Spannung bleibt bis zum Schluss aufrecht, und den Mut mancher Menschen, auch derer im Buch muss man auch heute noch immer wieder bewundern ! Einzig und allein die vielen Zeitensprünge, irritierten mich anfänglich etwas, doch das Buch hat wirklich alle Sterne verdient, in Noten gesprochen: "1"

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