Leserstimmen zu
Wir werden glücklich sein

Aurélie Silvestre

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Es fällt mir schwer, dieses Buch zu rezensieren. Die Art, wie Aurélie schreibt, macht den 13. November 2015 und die darauffolgende Zeit zu etwas sehr Persönlichem. Ich hatte die Anschläge nicht wirklich mitbekommen. Zu dem Zeitpunkt war ich in Großbritannien und habe dort nur selten fernsehen geschaut. So richtig bei mir angekommen ist es erst, da waren die Menschen schon wieder aus ihrer Schockstarre erwacht. Erst das Zusammenkommen von Anschlägen, insbesondere in Frankreich, aber beispielsweise auch in Berlin, haben bei mir „Eindruck hinterlassen“ (mir fällt kein besseres Wort dazu ein). Ich gehöre mit zu denen, die – salopp ausgedrückt – sagen: „Weitermachen wie bisher – und den Terroristen damit eine lange Nase drehen.“ Aurélie scheint dies ebenso zu sehen. Mein ursprünglicher Anreiz, Wir werden glücklich sein zu lesen, war daher Neugierde. Wie spiegelt sich diese Einstellung in ihrem Leben nach Matthieus Tod wieder? Denn letztendlich ist es viel einfacher zu sagen „Weitermachen!“, wenn man nicht unmittelbar von den Anschlägen betroffen ist. Aurélie beantwortet die Frage nach dem Weitermachen auf sehr persönliche Art. Manchmal habe ich mich fast geschämt dieses Buch zu lesen. Es fühlte sich an, als würde ich ihr Tagebuch durchwühlen. Größtenteils handelt es sich nur um kurze Abschnitte. Darin berichtet sie von kleinen Momenten; den guten ebenso wie den schlechten. Vom Warten auf eine Nachricht von Matthieu, vom Weinen und Lachen, Rückschlägen, schmerzhaften Erinnerungen, von Spielen mit ihrem Sohn. Eben alles, was das Leben so ausmacht. Länger werden die Absätze nur, wenn sie von der gemeinsamen Zeit erzählt: Vom ersten Kennenlernen oder dem Zusammenleben, aber beispielsweise auch von der Geburt ihres Sohnes. Was mich auch sehr berührt hat, waren die Bilder im Buch. Jedem der Kapitel ist eines vorangestellt. Auf den folgenden Seiten wird klar, woher das Bild stammt; welche Rolle es spielt. Verrückterweise haben genau diese Bilder mir zu schaffen gemacht. Ich reagiere normalerweise sehr stark auf Worte. Hier aber sorgte das visualisieren, zumindest von Ausschnitten, dafür, dass mir Aurélies Texte noch viel näher gingen. Ein hochemotionales Buch, das vor allem Hoffnung macht. Darauf, dass wir uns nicht unterkriegen lassen, sondern aus Gräueltaten wie den Terroranschlägen in Paris gestärkt hervorgehen.

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Sehr berührend

Von: Amber144

29.10.2017

Das Cover ist sehr zurückhaltend gehalten. Im Buchladen kann man es leicht übersehen und würde ein wirklich tollen und berührendes Buch verpassen. Der Schreibstil ist kurz und knapp. Aber selbst in dieser Schreibweise nimmt die Autorin den Leser mit und gefangen in ihrer persönlichen Geschichte. Man spürt die Verzweiflung und auch den Kampf wieder in das normale Leben zurück zu finden. Die Bilder vom 13.11.2015 gingen um die Welt. Auch Aurelie hat sie gesehen, allerdings nicht damit gerechnet, wie sehr sie dieser Anschlag doch betreffen wird. Man folgt ihr, wie sie den letzten gemeinsamen Tag revue passieren lässt, wie sie die Suche nach Matthieu erlebt, wie sie ihr Kind beruhigt und wie sehr sie probiert positiv zu bleiben. Sehr eindruchsvoll schildert sie, dass sie keinen Hass den Tätern gegenüber hat, was einen als Leser tief beeindruckt zurück lässt, schließlich hat sie ihre große Liebe, ihren Partner und den Vater ihrer Kinder verloren. Ein Buch, das tief berührt und den Leser nachdenklich zurück lassen wird. Allerdings zeigt es auch, dass man nach vorne schauen sollte und sich nicht unterkriegen lassen darf. Absolut verdiente 4 Sterne für dieses wunderschöne und eindrucksvolle Buch.

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Am Freitag, den 13. November 2015 wird Matthieu Silvestre als Besucher eines Konzerts der amerikanische Rockband "Eagles of Death Metal" im Bataclan-Theater in Paris von islamistischen Terroristen getötet. Um 21.46 Uhr hatte seine Frau Aurélie, die im fünften Monat schwanger mit dem dreijährigen Sohn Gary zu Hause geblieben war, eine letzte SMS von ihrem Ehemann erhalten. Die folgenden Stunden sind von der Hoffnung geprägt, dass Matthieu die Geiselnahme überlebt haben könnte, aber einen Tag später um 22 Uhr ist traurige Gewissheit, dass ihr Mann erschossen wurde. Aurélie Silvestre hat ein Buch über die Zeit zwischen dem Terroranschlag im November, über die Geburt ihrer Tochter Thelma am 16. März 2016 bis zu ihrem 35. Geburtstag im Frühling geschrieben. "Wir werden glücklich sein" - das ist der Vorsatz, den sich Aurélie unmittelbar nach dem tragischen Ereignis zum Ziel gesetzt hat. Sie möchte sich nicht von der Trauer überwältigen lassen, keine Energie mit Wut verschwenden und stattdessen in erster Linie für ihren Sohn da sein und ihre Tochter gesund zur Welt bringen. In kurzen Kapiteln blickt Aurélie zurück auf die Zeit ihres Kennenlernens und beschreibt die Tage und Wochen nach dem Terroranschlag und wie sie beginnt zu begreifen, dass ihr geliebter Ehemann nicht mehr wiederkommen wird. Vergleichbar mit "Meinen Hass bekommt ihr nicht" hegt auch Aurélie keine Wut gegen die Täter oder gegen den Missbrauch einer Religion zur Rechtfertigung von Gewalt. Sie macht einen unheimlich gefassten Eindruck und hält sich mit Emotionen zurück. Die Tat an sich bzw. die Serie an Gewaltakten an diesem Abend, weitere Opfer oder Hintergründe der Täter und Drahtzieher bleiben unerwähnt. Das autobiografische Buch blickt in die Zukunft, auf das Weiterleben und das Überleben ohne den geliebten Partner Jede Erinnerung an ihn schmerzt, aber Aurélie muss für ihren Sohn, der seinen Papa nie wieder sehen wird und für ihre ungeborene Tochter, die ihren Papa nie kennenlernen wird, stark sein. Ohne Frage bewegt das Schicksal einer Frau, die mit noch nicht einmal 35 Jahren zur Witwe und alleinerziehende Mutter wurde. Es bliebt aber ein sehr persönliches Buch, das ohne den Hintergrund des Terroranschlags keine mediale Aufmerksamkeit bekommen hätte. Mit ihren Aufzeichnungen gedenkt Aurélie Silvestre ihrem Mann und verarbeitet dessen sinnlosen Tod. Es ist ein Buch, das Mut macht und in dem statt Verzweiflung und Wut Hoffnung und Optimismus stecken, so dass man Aurélie Silvestre und ihrer Familie wünscht, dass sie trotz dem schlimmen Verlust zukünftig glücklich sein werden.

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