Leserstimmen zu
München

Robert Harris

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Dass Robert Harris ein Meister seines Fachs ist, müsste bei den Lesern von Kriminalromanen und Thrillern ja bereits weitgehend bekannt sein. In „München“ verarbeitet er die vergeblichen Bemühungen, Adolf Hitler von dem drohenden Krieg abzuhalten. Die Handlung erstreckt sich über die vier ereignisreichen Tage der Münchner Konferenz im September 1923. Wir begleiten unsere beiden Protagonisten Hugh Legat auf der britischen und Paul von Hartmann auf der deutschen Seite, welche sich von ihrem gemeinsamen Studium in Oxford kennen. Legat arbeitet als einer der Privatsekretäre des englischen Premierministers Neville Chamberlain, der die schwierige und angespannte Lage mit seiner Appeasement-Politik retten möchte. Aber auch im deutschen Lager bekommt der Führer Gegenwind: Von Hartmann hat sich einer Gruppe Aufständiger angeschlossen, die scharf gegen die machthungrige und unmenschliche Führung der Nationalsozialisten vorgehen möchten. Robert Harris liefert seinen Lesern auch in diesem Buch wieder gut recherchierte und sehr klar ausformulierte Schilderungen der politischen Lage der damaligen Zeit. Ich würde dieses Buch nicht als Thriller, sondern eher als Kriminalroman bzw. als Politkrimi einstufen, ist das Buch doch sehr ruhig und sachlich gehalten. Wer aber Interesse an den Vorgängen des 2. Weltkrieges zeigt, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Der Roman ist klug konstruiert, spannend erzählt und besticht durch seine klare und schöne Sprache. Die Recherchen sind glaubwürdig, detailreich und zeugen von der Kenntnis des Autors. Auch Atmosphärisch ist er sehr dicht. Die Spannung wurde vielschichtig aufgebaut und hielt mich trotz der sachlichen Ruhe sehr gut in der Geschichte! Robert Harris gelingt es wie keinem Anderen, historische Ereignisse und Personen zum Leben zu erwecken! Der spätere Premierminister Churchill zieht mit seinem Kommentar ein sehr klares Resümee aus der Münchner Konferenz: „Sie (Neville Chamberlain) hatten die Wahl zwischen Krieg oder Schande. Sie haben die Schande gewählt und werden den Krieg bekommen!“

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Robert Harris steht für umfassendes historisches Wissen, egal ob es um das antike Rom unter Cicero geht, oder um Hitler, bei jedem von Harris Bücher hat man das Gefühl, dass Harris wirklich Ahnung hat. Es ist nicht nur ein Gefühl, der ehemalige Cambridge-Student hat Literatur studiert und danach bei der BBC und etlichen namhaften britischen Zeitungen gearbeitet. Sein erster Thriller war „Vaterland“ - und eben jenes Buch war auch mein erstes von ihm, das ich gelesen habe. Damals war er noch fiktiv unterwegs, denn das Buch beschreibt ein Deutschland im Jahr 1964 – ein Deutschland, das den Zweiten Weltkrieg gewonnen hat. „München“ spielt etliche Jahre davor und beschreibt die Geschichte des Münchner Abkommens. Es gibt in „München“ etliche Auftritte von historischen Persönlichkeiten – Hitler zum Beispiel. Ein Mensch mit bleichem Gesicht, der ständig nach Schweiß riecht und dem man die Texte auf einer speziellen Schreibmaschine, die größere Buchstaben schreibt, schreiben muss, damit er sie leichter lesen kann. Oder der britische Premierminister Neville Chamberlain, ein sturer und gleichzeitig komplett uncharismatischer Mensch, der mich im Buch mit seiner Beschwichtigungspolitik und seinem „Herr Hitler" (ich hab noch nie jemanden gesehen, der dem „Hitler" ein „Herr" vorangestellt hat) fast wahnsinnig gemacht hat. Oder Benito Mussolini, Ernst von Weizäcker, Joachim von Ribbentrop, und etliche mehr. Eigentlich stehen die fiktiven Charaktere gefühlt klar in der Minderheit. Robert Harris zeichnet die Geschichte rund um die Ausfertigung und Unterzeichnung des Münchner Pakts 1938, wo es um den Einmarsch Hitler-Deutschlands in die Tschechoslowakei geht, genauer um die Eroberung des Sudetenlandes. Und wir dürfen dies anhand zweier (fiktiver) Charaktere miterleben: Einerseits anhand des Privatsekretärs des britischen Premierministers Chamberlains, Hugh Legat, und andererseits an Paul von Hartmann, Beamter im deutschen Außenministeriums. Die zwei kennen sich, haben zwei Jahre gemeinsam studiert. Nun treffen sie nach sechs Jahren wieder aufeinander und wollen etwas Schwung in die Verhandlungen bringen, denn von Hartmann ist, obwohl er in der NSDAP ist, keineswegs ein Fanatiker von Hitler – das genaue Gegenteil ist der Fall. Generell erfahren wir über Paul von Hartmann aber ziemlich wenig. Von Legat ist es dann doch etwas mehr, wenngleich sich Harris auch bei ihm nicht gerade verausgabt. Ich mag Harris' Art, wie er uns Geschichte näherbringt, es macht Spaß und ist auch noch lehrreich. Ich hätte Harris gerne als Geschichtslehrer gehabt, das merkte ich bereits bei „Intrige“, wenngleich man dessen Handlung auch auf Wikipedia nachlesen könnte. Bei „München“ gelingt ihm dann doch etwas, was mich fasziniert hat: Er zieht den Leser mit seinen ausführlichen Beschreibungen nicht nur zurück ins Jahr 1939, der dadurch nicht nur das Gefühl bekommt, live dabei zu sein - Harris gewährt dem Leser auch einen Blick hinter die Kulissen der Politik, er gewährt uns Einblick in die Verhandlungsräume der ganz großen Politik. Und das macht Spaß. Wenngleich… ...man bekommt nicht alles mit, bei Weitem nicht. Bis wir nach München an den Verhandlungstisch kommen, dauert es dazu auch noch seine gut 200 Seiten. Dazu kommt, dass das Buch zwar interessant ist, aber weit weg von einem Thriller – denn Spannung sucht man lange und findet sie doch nicht. Manchmal denkt man sich „Jetzt, JETZT passiert etwas Wichtiges, da kommt jetzt der Plot-Twist!“ - nope, Sir. Das ist immens schade, denn Harris baut sich mehrmals eine Rampe für den großen Höhepunkt, sprengt sie aber im selben Atemzug wieder in die Luft.

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*** gekürzte Rezension - in voller Länge + Fotos auf meinem Blog *** Von Robert Harris habe ich mittlerweile bereits drei Bücher gelesen, das waren “Imperium”, “Pompeij” (mein Lieblingsbuch des Autors) und “Vaterland”, und war in jedem dieser Werke wieder vom Ideenreichtum Harris begeistert. Eine Wahnsinns Storyline, gepaart mit ausgezeichneten Recherchen und politischen Intrigen. Auch Hörbüchern durfte ich bereits zweien lauschen, “Dictator” und “Enigma”. Das Konzept der Romane über Hochverrat, Loyalität und Vertrauensbruch scheint für Robert Harris ziemlich gut aufzugehen, weshalb sich das Hörbuch “München” natürlich auch hier nahtlos in die Reihe seiner Romane einreiht. Was ja nicht zwangsläufig etwas schlechtes bedeuten muss. Ich habe mir nun für euch das Hörbuch in einer gekürzten Fassung angehört und dabei versucht herauszufinden, was damals im September 1938 in München geschah. ->> Das Hörbuch Das Hörbuch wurde in der gekürzten Lesung auf sechs Audio-CDs mit 7 Stunden und 58 Minuten Laufzeit gepresst. Die vollständige Lesung dauert hingegen etwa 2 Stunden 30 Minuten länger, wobei ich persönlich mit knapp 8 Stunden schon genug bedient bin. Schön wäre es gewesen, wenn die Geschichte auf einem MP3-Datenträger ausgeliefert worden wäre, da es für mich als Medienserver-Nutzer so deutlich einfacher gewesen wäre, das Hörbuch auf meinem Smartphone mitzunehmen. So musste ich die CDs erst einmal rippen um sie komfortabler verwalten zu können. Aber eigentlich brauche ich an dieser Stelle nicht meckern, denn Random House Audio haben ihre Hausaufgaben bereits gemacht und liefern immer mehr Hörbücher auf CDs im MP3-Format aus. Vielleicht gibt es ja auch von “München” eines Tages eine Neuauflage im moderneren Gewand. ->> Der Erzähler In “München” erzählt Frank Arnold die Geschichte um Hitler und der verzweifelt Kampf einer Widerstandzelle gegen den drohenden Krieg. Der in Berlin geborene Dramaturg hat bereits so einige Hörbücher und Hörspiele aufgenommen, allerdings kannte ich seine Stimme tatsächlich nur aus dem Hörbuch “Dictator”, dessen Romanvorlage ebenfalls von Robert Harris verfasst wurde. Ich muss zugegeben, ein riesiger Fan werde ich wohl von Frank Arnold nicht werden. Insgesamt liefert er eine gute Leistung ab, dennoch ist mir seine Stimme irgendwie ein wenig zu langweilig. Ich bin oftmals in Gedanken einfach abgedriftet, was natürlich für ein Hörbuch mit sehr starkem politischem Hintergrund fatale Folgen haben kann. Plötzlich tauchen Protagonisten auf, von denen man bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt nichts mitbekommen hat, aber wohl schon länger in der Geschichte behandelt wurden … wer kennt das nicht? ;-) ->> Fazit Was an der ganzen Geschichte sehr spannend ist, man erlebt “München” aus einer Perspektive, in der es auf jeden Fall noch möglich ist, den drohenden zweiten Weltkrieg im letzten Moment noch irgendwie zu verhindern. Wer den Geschichtsunterricht in der Schule nicht ganz verschlafen hat, weiß natürlich, wie diese Anstrengungen gefruchtet haben und die Geschichte letzten Endes ausging. Und genau das ist irgendwie das spannende an diesem Polit-Thriller. Wobei Thriller jetzt meiner Meinung nach auch nicht unbedingt die richtige Genre-Bezeichnung ist, dafür beginnt die Geschichte irgendwie ein wenig zu langsam. Sehr ruhig werden die Hauptprotagonisten in der Geschichte eingeführt, wobei ich mir hier vorstellen kann, dass die gekürzte Fassung des Hörbuchs bereits einiges an Hintergrund-Fakten zu den Hauptpersonen, einen Übersetzer im auswärtigen Amt der Reichsregierung, Paul von Hartmann und den ihm aus seinen Jugendjahren bekannten Engländer Hugh Legat, seines Zeichens Sekretär, der Schere zum Opfer gefallen sind. Das besonders am Anfang eher träge Tempo erschwert den Zugang zur Geschichte ein wenig, allerdings wird gerade dadurch teils sehr interessantes Geschichtswissen erstklassig recherchiert und aufbereitet vermittelt. Besonders beeindruckend fand ich die Sorglosigkeit der Londoner Bürger, zum Beispiel Hugh Legats Frau, die ihrem Mann beim Mittagessen mal eben so mitteilt, dass sie endlich Gasmasken für die Kinder besorgt hat. Wenn man sich das mal so überlegt, kurz vor dem zweiten Weltkrieg muss schon eine seltsam aufgeladene Atmosphäre in der Luft gelegen haben. Man bereitet sich auf einen Krieg vor, glaubt aber irgendwie nicht so recht daran und legt eine gewisse Art Galgenhumor an den Tag. Während nun Chamberlain, bis 1940 Premierminister des vereinigten Königreichs, Mussolini und Hitler sich in München zu einer Konferenz treffen, um den ziemlich angeschlagenen Weltfrieden wieder ein wenig zu kitten, beginnt dort auch das gemeinsame Wirken von Legat und von Hartmann, der beiden fiktiven Figuren in einem politischen Spiel, welches nicht realer sein könnte. Von Hartman hat sich einer Widerstandszelle angeschlossen, die die Offenlegung Hitlers Machenschaften und dessen Tod als obersten Punkt ihrer Agenda führt. Doch von Hartmann schafft dies nicht allein und benötigt dringend die Hilfe Legats, um den Kontakt zum englischen Premierminister herzustellen und damit dem deutschen Diktator das Wasser abzugraben. Legat sieht aber zuerst nur seine Karriere in Gefahr und wägt die Konsequenzen für sich und seine Familie ab. Bis er Lena wieder trifft… Auch wenn das Hörbuch ein paar unnötige Passagen aufweist, weiß es meistens doch ganz gut zu unterhalten. Man merkt durchaus, das Robert Harris sehr viel Zeit in die Recherche gesteckt hat. Wobei es natürlich auch sein kann, dass er noch ein ordentliches Repertoire an Informationen besaß, welches er möglicherweise in seinem damaligen Bestseller “Vaterland” nicht verwenden konnte. Auf jeden Fall lässt Harris in “München” die Geschichte kurz vor Hitlers Einmasch in die Tschechoslowakei lebendig und nachvollziehbar werden und weiß auch mit den beiden fiktiven Hauptprotagonisten gut zu unterhalten. Von Hartman und Legat tragen meiner Meinung nach die Geschichte sehr gut und man fiebert stellenweise wirklich mit, ob denn die Pläne der beiden nicht vielleicht doch noch irgendwie aufgehen. Aber wie es endet, zeigt der schulische Geschichtsunterricht … Abschließend fehlt dann eigentlich nur noch die Wertung. Abzüge gibt es für die wenigen Längen, ohne die es ein hervorragendes Hörbuch hätte werden können. Zwar ist der Erzähler Frank Arnold nicht so ganz mein Fall, aber ich Insgesamt gesehen vergebe ich dann doch 4 von 5 Couchpiraten für diesen politisch motivierten Thriller.

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‚Der Führer hat das Reich in sieben Monaten um zehn Millionen Deutsche erweitert, ohne einen einzigen Schuss abfeuern zu müssen‘ Im September 1938 treffen in München der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler, der britische Premierminister Neville Chamberlain, der französische Ministerpräsident Édouard Daladier und der italienische Regierungschef Benito Mussolini aufeinander und schließen das sogenannte Münchner Abkommen, in dem entschieden wurde, dass die Tschechoslowakei das Sudetenland ans Deutsche Reich abtreten und räumen muss. Der Krieg in Europa, den Hitler mit dem Einmarsch ins Sudetenland provozieren wollte, wurde so verhindert bzw. verschoben, denn mit dem Einmarsch der Deutschen in Polen ein Jahr später begann der Zweite Weltkrieg. Robert Harris nimmt die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Münchner Abkommen zum Dreh- und Angelpunkt seines Romans und hat mich dadurch in eine Epoche mitgenommen, die mich sehr interessiert, und mir eine Facette gezeigt, mit der ich mich bisher noch nicht beschäftigt hatte. Im Hinblick darauf hat mir der Roman gut gefallen, auch wenn er mich nicht so begeistern konnte, wie ich mir gewünscht und wie ich angesichts des Themas erwartet hatte. Sehr gut gefallen hat mir die Charakterisierung der Protagonisten, seien es fiktive Figuren wie Hugh Legat (im Roman der Privatsekretär Chamberlains) oder historische Figuren wie Hitler und Göring. Allesamt wurden sie sehr detailreich und überzeugend beschrieben und sehr lebendig gezeichnet. Auch die Stimmung im Europa der 1930er Jahre wurde perfekt eingefangen: der Zweite Weltkrieg als ernste Gefahr, die es abzuwenden gilt, ohne Hitler zu viel Freiraum zu lassen, das strategische Verhalten Großbritanniens und Frankreichs, die fast minutiös wiedergegebenen Einblicke in historische Details. Beim Hören habe ich mich aus diesen Gründen fast gefühlt, als säße ich mit Zeitzeugen am Tisch, und auch die Lesung von Frank Arnold fand ich sehr gelungen, da er der Geschichte die passende Intonation gibt und überzeugend die Epoche und den Kontext vermittelt. Nichtsdestotrotz hat mich das Hörbuch kaum gepackt, und oft bin ich mit meinen Gedanken abgeschweift und musste Passagen deshalb mehrmals hören. Das Hörbuch hat mich aber neugierig aufs Münchner Abkommen gemacht, so dass ich darüber gerne mehr lesen möchte.

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Robert Harris gilt als Spezialist für historische Stoffe, besonders deutsche Geschichte, die er als Engländer brillant weitergedacht hat, wie in seinen Romanen „Vaterland“ und „Enigma“, diesen Roman habe ich besonders gerne gelesen und fand ihn sehr spannend. „München“ spielt im September 1938 – in der bayerischen Hauptstadt oder wie es bald im Nazijargon heißen wird, in der „Hauptstadt der Bewegung“ treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. Der Weltfrieden wird verhandelt und die Spannung zieht sich daraus, dass der Hörer weiß wie die Geschichte ausgeht. Harris schreibt wie immer sehr präzise, man hat das Gefühl mit am Verhandlungstisch zu sitzen. Detailreich und mit besonderen Charaktereigenschaften schildert er die Figuren, auch die des Widerstands. Geschickte Verhandlungstaktik, Winkelzüge kommen zum Einsatz. Trotzdem ermüdet man beim Hören ein wenig, allzu genau wird aus den wahren Dokumenten zitiert. Die Schauplätze sind letztendlich doch zu farblos geblieben, um bei mir Thrillerspannung zu erzeugen.

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