Leserstimmen zu
Sex und Lügen

Leïla Slimani

(14)
(3)
(0)
(0)
(0)
€ 12,00 [D] inkl. MwSt. | € 12,40 [A] | CHF 17,90* (* empf. VK-Preis)

Autsch, Augen öffnen, genau hinsehen/hören und ciao! Mich hat schon lang kein Buch im Alltag so sehr beschäftigt wie dieses! In dem Buch ‚Sex und Lügen‘ welches im @btb_verlag erschienen ist, schreibt Leïla Slimani die berührenden Geschichten und Bekenntnisse von 16 Frauen aus Marroko ungefiltert nieder. Geschichten über absurde Gesetze von Liebe und Sex. Ein Beispiel: Artikel 490 des Strafgesetzbuchs sieht vor, dass Personen unterschiedlichen Geschlechts, die nicht miteinander verheiratet sind und miteinander Geschlechtsverkehr haben, mit einer Freiheitsstrafe zwischen einem Monat und einem Jahr zu bestrafen sind. Sie erzählen von familären Strukturen und Erwartungen, der Zerrissenheit darüber, diese Erwartungen zu erfüllen oder lieber ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Unterdrückung der Frau und die Tabuisierung der Sexualität. Sätze wie „Und wenn jemand etwas gegen mich hat, findet er jederzeit einen Grund, um mich verhaften zu lassen. Unser Lebenswandel ist illegal. Daher können wir in unserem Kampf nicht bis zum Äußersten gehen. Weil wir Angst haben.“ (Radiomoderatorin Faty Badi) machen einen klar wie persönlich und gefährlich der feministische Kampf ist. Auch interessant die Aussage der libanesischen Dichterin und Journalistin Joumana Haddad zur Kölner Silvesternacht 2015. “Mütter, es tut mir leid, euch das zu sagen: Wenn eure Söhne zu Schlägern, Vergewaltigern, verwöhnten Ehemännern werden, wenn sie also Machos sind, dann hat das nicht nur mit Gesellschaft und Kultur zu tun. Es liegt auch an euch, ihren Müttern. […] Anstatt eurer Tochter zu erzählen, dass sie Beute ist, versucht eurem Sohn zu sagen, dass er kein Jäger ist. Anstatt eure Tochter zu lehren, den Mund zu halten, versucht eurem Sohn beizubringen zuzuhören. Anstatt eurer Tochter zu verbieten, dieses T-Shirt zu tragen, macht eurem Sohn klar, dass dieses T-Shirt keine offene Einladung zum Sex ist. Anstatt eure Tochter zu zwingen, sich zu verhüllen, erklärt eurem Sohn, dass eine Frau mehr ist als ihr Körper.“(Zeit.de) 201 Seiten! Berührend. Aufrüttelnd und sein eigenes Leben wertschätzend.

Lesen Sie weiter

In "Sex und Lügen" sind Gespräche versammelt, die Leïla Slimani mit marokkanischen Frauen geführt hat. Sie spricht mit den Frauen über sexuelle Freiheit, freie Entfaltung, Frauenrechte, Moral, Alltag und Familie. Die Frauen kommen aus den unterschiedlichsten Umfeldern, habe die verschiedensten Hintergründe und kommen aus verschiedenen Altersgruppen - und doch erzählen sie alle im Grunde das Gleiche: Dass sie unter der Doppelmoral, der Scheinheiligkeit und den gesellschaftlichen und religiösen Vorschriften leiden. Sex vor der Ehe ist absolut verboten, trotzdem halten sich die wenigsten daran. Man muss ständig Angst haben, erwischt und bestraft zu werden. Männer werden dazu erzogen, vor der Hochzeit sexuelle Erfahrungen zu machen aber in jedem Fall eine Jungfrau zu heiraten. Frauen werden dazu erzogen, jungfräulich in die Ehe zu gehen und dann für ihren Mann und die Familie da zu sein. Die Gespräche mit den Frauen sind erschütternd, inspirierend, aufrüttelnd. Manchmal schreibt die Autorin nur, wo sie die jeweilige Frau kennengelernt hat und lässt dann das von ihr Gesagte für sich sprechen, manchmal ist es ein Dialog, manchmal schreibt die Autorin selbst den Großteil des Kapitels und informiert uns über Hintergründe, Gesetze oder gesellschaftliche Normen. Sie plädiert für eine offenere, tolerantere marokkanische Gesellschaft, in der Frauen selbstbestimmt leben können und mehr Rechte bekommen. Ein lesenswertes Buch, das den Horizont über die westliche Sicht der Dinge hinaus erweitert, zum Nachdenken anregt und zeigt, was noch alles zu tun ist, um Frauen endlich gleichzustellen.  On Top gibt es am Ende eine Literaturliste, von der ich mir direkt einige Titel gemerkt habe.

Lesen Sie weiter

Leila Slimani hat in ihrem neuen Buch mit sechzehn islamischen Frauen aus Marokko über ihre persönlichen Erfahrungen zum Thema Sex gesprochen. Obwohl die Emanzipation der Frau auch in Deutschland noch nicht gänzlich abgeschlossen ist, halten wir viele Dinge für ganz selbstverständlich. So zum Beispiel die Entscheidung darüber, wann wir mit wem intim werden und wie weit wir dabei gehen. Leila Slimani zeigt, dass so ein Verhalten in Marokko aktuell absolut undenkbar ist. Von klein auf werden Mädchen in islamischen Ländern dazu erzogen, keine Schande über die Familie zu bringen. Ehebruch, Prostitution, Homosexualität werden bis heute noch in Marokko mit Gefängnis bestraft. Die Frauen befinden sich in einer inneren Zerissenheit, zwischen Hoffnung und Aufbegehren. Ein selbstbestimmtes Leben zu führen, heißt gleichzeitig, den Ruf der Familie zu ruinieren, sich komplett abzuwenden von der Familie und anschließend Angst zu haben, nicht nur vor dem Gesetz und dem Gefängnis, sondern vor der eigenen Familie. Ich finde es erschreckend, dass in unserer heutigen Zeit so ein Verhalten immer noch so weit verbreitet ist: Frauen aller Schichten erzählen hier ihre Geschichte. Das schlimme daran ist, dass heute der Spiegel des westlichen Lebens diesen Frauen vorgehalten wird. Ich hoffe sehr, dass das dazu beiträgt, dass sich ihre Situation schnellstmöglich verbessert. Wie das genau passieren kann, weiß ich nicht. Ihre mitreißenden und eindringlichen Worte zu veröffentlichen, die mich erschüttert und bewegt, mich wütend gemacht und empört haben, ist ein erster Schritt.

Lesen Sie weiter

Meine Meinung: Obwohl die Emanzipation der Frau auch in Deutschland noch nicht gänzlich abgeschlossen ist, halten wir viele Dinge für ganz selbstverständlich. So zum Beispiel die Entscheidung darüber, wann wir mit wem intim werden und wie weit wir dabei gehen. Leila Slimani zeigt, dass dies in einigen Teilen der Welt (hier Marokko) schier undenkbar ist. Sie erörtert in ihrem Vorwort zunächst die gesellschaftliche und kulturelle Situation in Marokko, führt den Leser in die Problematik ein, die mit dem Festhalten an alten Wertevorstellungen in der heutigen Zeit einhergeht. Sie gibt marokkanischen Frauen eine Stimme, die aus gut nachvollziehbaren Gründen nicht für sich selbst sprechen können: Ihre Sexualität, ihr Körper wird von der Gesellschaft, der Religion, der Politik, sogar vom Gesetz tagtäglich beeinflusst und stark eingeschränkt. Keine der Frauen möchte sich öffentlich zu dem Thema äußern, da sie in Ungnade fallen, Schande über die Familie, ja sogar verhaftet werden könnte, sollte jemals herauskommen, dass sie zum Zeitpunkt der Hochzeit nicht unberührt war, dass sie sich vielleicht zu Frauen hingezogen fühlt, dass sie möglicherweise sogar Ehebruch begangen hat. Leila Slimani und die Frauen, für die sie spricht, bringen uns die marokkanische Kultur näher. Sie erzählen von familären Strukturen und Erwartungen, der Zerrissenheit darüber, diese Erwartungen zu erfüllen oder lieber ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie erzählen von arrangierten Ehen, Gewalt, Unterdrückung, von Angst. Angst davor, den Ruf der Familie zu ruinieren, Angst davor, im Gefängnis zu landen, Angst davor, niemals sexuell, aber auch emotional, frei zu sein. Sie zeigen, welche Rolle die fräuliche „Reinheit“ in der Gesellschaft einnimmt. Einige gehen sogar so weit, sich das Jungfernhäutchen wieder herstellen zu lassen, um Spott und Gefahren durch Männer und auch andere Frauen zu entgehen. Dieses Thema bestimmt also das Leben aller. Es findet sich in der Erziehung, in den Umgangsformen zwischen den Geschlechtern, in der Politik, im Gesetz, im Alltag eines Jeden wider. Dadurch sind nicht bloß Frauen, sondern auch Männer von dem Tabuthema Sexualität betroffen. Die Erzählungen der Frauen sind sich alle sehr ähnlich. Die schiere Anzahl und die Tatsache, dass Frauen aus allen möglichen Schichten, aus allen möglichen Altersklassen betroffen sind, hilft Slimani allerdings in ihrem Versuch, auf die Problematik aufmerksam zu machen und Veränderung herbeizuführen. Das Buch war sehr leicht zu lesen und hat mich sensibilisiert. Obwohl ich vorher bereits wusste, dass das Thema andernorts komplizierter ist, hat „Sex und Lügen“ mir die Problematik in Erinnerung gerufen und mir die Augen geöffnet. Doch obwohl man sich für die marokkanischen Frauen eine baldige Veränderung wünscht, scheint niemand eine klare Lösung zu kennen. Sie selbst halten an ihren Traditionen und ihren Wertevorstellungen fest und vermitteln sie weiter an die nächste Generation, was Wandel erschwert. 5 von 5 Sternen und ein großes Dankeschön an den btb Verlag und die Verlagsgruppe Random House für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Lesen Sie weiter

Dieses Buch hat viele Themen und doch handelt es von einer ganz bestimmten Sache. Ein Thema, das wir, die wir in der westlichen Welt leben, längst als selbstverständlich angesehen haben. Ein Thema, das hier angesprochen und mehr oder weniger in jeder Form akzeptiert wird. Leila Slimani spricht in ihrem Buch "Sex und Lügen" über genau das. Und nicht nur sie selbst spricht. Vielmehr gibt sie Frauen eine Stimme, die in einer Welt leben, in der Sexualität und ihr eigener Körper von Religion, Politik und Gesellschaft beeinflusst und benutzt wird. Schauplatz ist Marokko, ein Land, in welchem der Islam eine wichtige Rolle spielt, in dem die Religion von der Politik hin und wieder missbraucht wird, um altbewährte Wertvorstellungen durchzusetzen. In diesem Buch sprechen Frauen darüber, wie es ist, in einem islamischen Land aufzuwachsen, in welchem sie Schande über die Familie bringen, wenn sie ihren Partner frei wählen, wenn sie gar keinen Partner wählen oder einen Partner mit dem gleichen Geschlecht. Es geht um Angst, um Erziehung, um Zerrissenheit in dem Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und der Furcht, dafür hinter Gittern zu landen. Und es geht darum, nicht selbst über seinen eigenen Körper bestimmen zu dürfen und sexuelle Freiheit etwas ist, das es eigentlich gar nicht geben darf. Ich kann dieses Buch nicht analysieren. Sprachliche Besonderheiten hervorheben oder es auf Grundlage des Schreibstils bewerten, eben weil es sich um Geschichten handelt, die die Frauen erzählen. Allerdings lässt Leila Slimani immer wieder eigene Anmerkungen und Erklärungen mit einfließen. Zu Beginn liefert Leila Slimani ein Vorwort, das mir persönlich die Augen geöffnet und mich total in seinen Bann gezogen hat. Man erfährt hier viel über Marokko und die Einstellung und Kultur der Menschen. Der Leser wird eingeführt in grundlegende Punkte, auf welchen die marokkanische Gesellschaft beruht und erfährt, welche Verhaltensweisen in Marokko absolut nicht angebracht sind, auf welche sogar Strafe steht. Dieses Vorwort hat mich negativ beeindruckt. Nicht, weil es schlecht geschrieben wäre. Die Autorin, die selbst aus Marokko stammt, liefert hier Informationen, die ich einfach nicht glauben kann in meiner westlichen Blase der akzeptierten Sexualität. Ich habe mich regelrecht zurückversetzt gefühlt ins Mittelalter und war, obwohl ich es eigentlich wusste, geschockt von der unbeschönigten Realität, in der viele Menschen noch immer leben müssen und die teilwese nicht ausbrechen können oder wollen, weil die Gesellschaft über Missverhalten den Zeigefinger hebt. Sprich: Ich war negativ beeindruckt von meiner eigenen Naivität. Zu den Erzählungen der Frauen möchte ich eine kleine Sache anmerken. Ihre Erfahrungen und Erlebnisse ähneln sich auf gewisse Weise, unterstreichen dafür aber umso mehr die Missstände, welchen sie ausgesetzt sind. Trotzdem erkennt man klar, wie verschieden diese Frauen sind, welchen sozialen Status sie haben und diese Vielfalt intensiviert die Wirkung hinsichtlich des Hauptthemas in diesem Buch. Was ich zum Abschluss sagen kann, ist, dass die Autorin in diesem Buch ein klares Statement abgibt. Sie hat die Geschichten der Frauen veröffentlicht, um auf die sexuelle Misere in Marokko aufmerksam zu machen. Ich denke, sie will damit etwas erreichen und trotzdem übt sie wenig öffentliche Kritik, sondern lässt den Leser seine eigenen Schlüsse ziehen. In ihrem Schlusswort weißt sie sogar darauf hin, dass die Wünsche und Sehnsüchte, aber auch die Ängste der marokkanischen Frauen durchaus auf die Männer übertragbar sind, die in diesem Buch leider keine Stimme gefunden haben, und verteufelt sie nicht per se. Ein ähnlich aufgebautes Buch mit Geschichten, Erfahrungen und Gedanken der Männer würde mich schon ziemlich interessieren. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dieses Buch zu lesen. In gewisser Weise wird die westliche Welt, so denke zumindest ich darüber, nicht immer zu Unrecht verteufelt. Wer soll den Menschen in Marokko helfen, wenn nicht wir? Wer soll ihnen Alternativen zu ihrem Leben zeigen? Natürlich spreche ich hier nur von Leuten, die das auch tatsächlich wollen, sich aber nicht trauen. "Sex und Lügen" hat mir persönlich die Augen geöffnet und mir eine Realität gezeigt, die außerhalb meiner Regenbogenwelt liegt und gerade deshalb finde ich, dass das Buch gelesen werden muss.

Lesen Sie weiter

Meine Meinung: Eigentlich sollte ich meine Rezension so schreiben: KAUFT ES! LEST ES – Männer sowie Frauen! TEILT ES! Mehr braucht es meiner Meinung nach nicht, aber ich erzähle euch dennoch mehr davon wie mir diese Lektüre gefallen hat. Ich finde ein solches Buch ist immer aktuell und nicht zur aktuellen Zeit in der Themen wie #metoo und Feminismus alltäglich zu lesen sind. Einiges was ich durchs Lesen in Erfahrung gebracht habe, war mir selbst schon bekannt, da ich selbst als Frau mit algerischem Hintergrund aufgewachsen bin. Selbst aber nie sowas erlebt was die Frauen in ihren Geschichten erzählen, machten mich die Geschichten beim lesen auch wütend auf die Gesellschaft. Wütend weil solches Verhalten seit jeher geduldet wird und Geschehnisse einfach so hingenommen werden, weil man sich nicht von der Masse abheben will oder Angst um Konsequenzen haben muss – bei Dingen die normal sind. Gerne möchte ich meine Meinung mit folgendem Abschnitt aus dem Buch abschliessen: „Die libanesische Dichterin und Journalistin Joumana Haddad hebt immer wieder nachdrücklich hervor, welch grossen Anteil die Erziehung am Fortbestehen von Misogynie und Diskriminierung hat. Sie richtet sich vor allem an die Mütter, die allzu oft ihre Söhne wie kleine Halbgötter aufziehen und, egal wie aufgeschlossen sie sind, meinen, ihre Töchter sollten zurückhaltend sein und sich in ihr Schicksal fügen. Nach den sexuellen Übergriffen in Köln in der Silvesternacht 2015 schrieb sie in einem Kommentar: „Mütter, es tut mir leid, euch das zu sagen: Wenn eure Söhne zu Schlägern, Vergewaltigern, verwöhnten Ehemännern werden, wenn sie also Machos sind, dann hat das nicht nur mit Gesellschaft und Kultur zu tun. Es liegt auch an euch, ihren Müttern.[…] Anstatt eurer Tochter ständig einzutrichtern, dass sie Beute ist, versucht eurem Sohn zu sagen, dass er kein Jäger ist. Anstatt eure Tochter zu lehren, den Mund zu halten, versucht eurem Sohn beizubringen, wie man zuhört. Anstatt eurer Tochter zu verbieten, einen Rock zu tragen, macht eurem Sohn klar, dass dieser keine offene Einladung zum Sex ist. Anstatt eure Tochter zu zwingen, sich zu verhüllen, erklärt eurem Sohn, dass eine Frau mehr ist als ihr Körper.“ Abschnitt aus Sex und Lügen von Leïla Slimani, Seite 31/32 Dem Buch gebe ich eine Bewertung von 5 von 5 Punkten und ein sehr grosses Dankeschön an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar und das ihr ein solch wertvolles Buch herausgegeben habt.

Lesen Sie weiter

Ich werde nie in der Lage sein das zu fühlen, was diese Frauen tun. Ich bin sehr frei erzogen worden. Religion und Glauben waren präsent, aber nie wirklich wichtig oder ein Muss. Natürlich bin ich mir bewusst, dass man die Kulturen und Gesellschaften des Islams nicht mit denen des christlichen Europas vergleichen kann und bestimmte gesellschaftliche Werte einfach so tief in der jeweiligen Gesellschaft – nicht nur bedingt durch Religion und Glaube, sondern auch durch die Kultur – verankert sind, dass es nahezu unmöglich ist, diese zu einfach zuverändern. Es ist ja auch gut und wichtig, dass man gewisse kulturelle Werte pflegt und an nächste Generationen weitergibt. Aber es ist falsch, wenn diese Werte einen anderen Menschen degradieren und ihm nahezu alle Rechte nimmt. Leider ist es in vielen Ländern – nicht nur in denen, in denen der Islam überwiegend verherrscht – immer noch normal, dass es große Unterschiede zwischen Mann, Frau sowie Homosexuellen in der Gesellschaft gibt . Das Buch enthält Geschichten von Frauen, die ganz konform mit der Gesellschaft, Religion und Kultur leben, die ihr Schicksal akzeptiert und sich angepasst haben, welche aber dennoch den Wunsch nach mehr Freiheit und Gleichberechtigung haben. Es werden aber auch Geschichten von Frauen geteilt, die sich von all dem los gerissen haben, die auch nie streng erzogen wurden und von klein auf gelernt haben, dass eine Frau nicht weniger wert ist als ein Mann. Es sind Frauen, die gleichzeitig aber dennoch zur Vorsicht erzogen wurden und gerade wegen ihrer sehr liberalen Erziehung, nun immer wieder auf Ablehnung in der Gesellschaft stoßen, da es sich als Frau schließlich nicht gehört ein eigenes Leben zu haben. Dann gibt es die Frauen, die ein Doppelleben führen. Die heimlich bereits Sex haben, ohne verheirated zu sein und sich, um keine Strafe zu bekommen, ihr Jungfernhäutchen wieder herstellen lassen, die Frauen, die heimlich fremdgehen oder als Prostituierte arbeiten. Das Buch geht auch auf die aktuelle Rechtslage in Marokko ein. So kann es, laut Artikel 490 des Strafgesetzbuches, Haftstrafen bis zu einem Jahr geben für alle Personen die unterschiedlichen Geschlechts sind und unverheiratet miteinander schlafen. Außerdem wird im Artikel 489 festgehalten, dass “jede tendenziöse oder widernatürliche Handlung zwischen zwei Personen gleichen Geschlechts mit sechs Monaten bis drei Jahren Gefängnis” bestraft wird. Besonders schockierend finde ich aber, dass “ein Vergewaltiger, der die vergewaltigte Frau heiratet, nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden kann.” Leider sind Vergewaltigungen in Marokko trauriger Alltag und eine Vergewaltigung ist erst dann eine Vergewaltigung, wenn eine tatsächliche penetration stattgefunden hat… Alles andere in den Augen des Gesetzes keine Vergewaltigung… Für mich persönlich sind diese Gesetze einfach inakzeptabel und nicht tolerierbar. Es macht mich traurig zu lesen, dass jeden Tag (!) ca. 24 uneheliche gezeugte Babys ausgesetzt werden und jährlich hunderte Frauen bei illegalen Abtreibungen sterben, weil diese sonst auch mit Gefängnis bestraft werden würden. Die Autorin geht teilweise auch auf die Vorfälle der Silvesternacht 2015 in Köln ein und zitiert Joumana Haddad, eine libanesische Dichterin und Journalistin: “Mütter, es tut mir leid, euch das zu sagen: Wenn eure Söhne zu Schlägern, Vergewaltigern, verwöhnten Ehemännern werden, wenn sie also Machos sind, dann hat das nicht nur mit Gesellschaft und Kultur zu tun. Es liegt auch an euch, ihren Müttern. […] Anstatt eurer Tochter zu erzählen, dass sie Beute ist, versucht eurem Sohn zu sagen, dass er kein Jäger ist. Anstatt eure Tochter zu lehren, den Mund zu halten, versucht eurem Sohn beizubringen zuzuhören. Anstatt eurer Tochter zu verbieten, dieses T-Shirt zu tragen, macht eurem Sohn klar, dass dieses T-Shirt keine offene Einladung zum Sex ist. Anstatt eure Tochter zu zwingen, sich zu verhüllen, erklärt eurem Sohn, dass eine Frau mehr ist als ihr Körper. Anstatt eurer Tochter zu beweisen, dass Männer Feinde sind, beweist eurem Sohn, dass Frauen wertvolle Partner auf Augenhöhe sind. Anstatt eure Tochter in Angst vor Männern und euren Sohn zum Frauenverächter zu erziehen, versucht sie beide in Vertrauen, Wertschätzung und Liebe zueinander groß werden zu lassen. Meine Worte richte ich an Mütter überall auf der Welt.” (Zeit.de) Fazit: Erschreckend und traurig und dennoch realität für viele Frauen. In der Hoffnung, dass sich das irgendwann dennoch etwas ändern wird… Danke an die mutige Autorin und die mutigen Frauen, die ihre Geschichte geteilt haben.

Lesen Sie weiter

Ich habe mich gefragt, wie und ob es möglichst objektiv gelingen kann, einen feinfühligen und zugleich aufrüttelnden Text über die Thematisierung von weiblicher Sexualität im islamischen Kontext zu schreiben. Denn es handelt sich nicht nur um ein heikles Thema, das es mit Vorsicht zu entfalten gilt, vielmehr bedarf es bestimmten Quellen, die Auskunft über die Situationen von Betroffenen geben ohne sie zu entblößen oder in Gefahr zu bringen. Leila Slimani ist eine Annäherung an dieses Thema unverkennbar geglückt. Ihr neues Werk ist ein nachdrückliches Plädoyer für die Freiheit individueller Sexualität. Die Texte von Slimani gehen unter die Haut. Das erzählerische Tabubrechen zählt zu den Hauptthemen ihres Werkes. Nachdem sie 2014 in Dans le jardin de l’orge das verstörende Porträt einer Nymphomanin zeichnet und Ende 2017 in Dann schlaf auch du die ambigue Mutterrolle in der modernen, westlichen Gesellschaft diskutiert, liefert sie nun mit Sex und Lügen. Gespräche mit Frauen aus der islamischen Welt starken Stoff für die aktuellen Debatten um Feminismus und #metoo. Slimani positioniert sich mit diesem Band strikt gegen die fortwährende Unterdrückung der Frau im islamischen Land Marokko. In einer Ansammlung von persönlichen Geschichten verschiedener Frauen, lässt sie Freundinnen, Prostituierte und Leserinnen zu Worte kommen, die in intimen Berichten ein destruierendes Gesellschaftssystem angreifen, das vor allem Frauen essentielle sexuelle Rechte abspricht. Dabei geht es der Autorin, wie sie im Intro einführt, weniger darum, einen soziologischen Essay, sondern die Gedanken und Worte betroffener Frauen zunächst „ungefiltert“ darzulegen. Dazu gehören ebenso enttabuisierende Versprachlichungen von Traumata und Träumen wie Wut, Angst und schließlich Hoffnung. Dabei treffen Erzählungen von pubertierenden Verliebtheiten junger Mädchen auf erschreckende Details, die von lähmender Angst beim harmlosen Händchenhalten berichten oder fehlgeleiteter elterlicher Fürsorge, die jegliche emotionale Wünsche zu hindern sucht. Ganz im journalistischen Stil stellt Slimani den privaten emotionalen Bekenntnissen unanfechtbare offizielle und inoffizielle Fakten entgegen: „Der Begirff h’chouma“, schreibt die Autorin eingangs, „in etwa übersetzbar mit ‚Schande’ oder ‚Scham’, der jedem von frühester Kindheit eingetrichtert wird, bildet eine weitere Säule der marokkanischen Gesellschaft“, und verweist damit auf moralisch-gesellschaftliche Grenzziehungen, deren Verstoß strafgesetzlich geahndet wird. So wird jede Form außerehelichen Beischlafs laut des marokkanischen Strafgesetzbuches mit Haftstrafen bis zu einem Jahr und Fälle von Ehebruch bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft. Erschreckende Realität. Leila Slimani desavouiert damit ein tyrannisches Gesellschaftssystem, das etliche Menschen unterdrückt und fordert mit den mutigen Berichten einzelner Frauen Aufmerksamkeit für ein menschenrechtsverletzendes Gesellschaftsumfeld, gegen das es zu rebellieren gilt. Bitte lesen!

Lesen Sie weiter