Leserstimmen zu
Neujahr

Juli Zeh

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Wir schreiben den 01.01.2018. Der junge Familienvater Henning befindet sich auf einer Radtour in den Bergen auf Lanzarote. Es war eine spontane Idee. Die sofortige Umsetzung seiner guten Vorsätze. Seine Frau Theresa und die beiden Kleinen bleiben zurück im Ferienhaus. Während seines persönlichen Zwiegesprächs auf dem steilen, steinigen Weges erfährt der Leser viel über Henning, sein Leben und seine Schwächen. Die Fassade, die ein Fremder beim Anblick auf Henning und seine Familie als perfekt beschreiben würde, bricht Stück für Stück zusammen. Doch dann erlangt unser Protagonist sein Ziel: Das kleine Bergdorf Femés. Erschöpft und dehydriert landet er schliesslich in dem Haus einer Deutschen - Lisa - und plötzlich, bei dem Rundgang durch das Haus keimen in Henning Erinnerungsfetzen hoch. Dies scheint unmöglich. Schliesslich ist dies doch sein erster Urlaub auf Lanzarote. Doch schliesslich wird er verschluckt von einem Schwall düsterer Erinnerungen, aus dem es kein Entrinnen gibt... Juli Zeh hat mich mit "Neujahr" völlig gepackt. Ich habe das Buch aufgeschlagen und es hat mich mit Henning in seinen Sog gezogen. Ein Roman, der wenig Schönes hat und dennoch sehr lesenswert ist.

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Juli Zeh schreibt schnell. Nicht lange nach „Unter Leuten“ und „Leere Herzen“ jetzt ihr neues Buch, diesmal etwas dünner. Ob es literaturtheoretische oder bloß geschäftsstrategische Überlegungen waren, die den Verlag motivierten, "Roman" auf das Cover zu schreiben, sei dahingestellt. Ich würde eher "Erzählung" dazu sagen, oder eigentlich sind es zwei, die sich dann doch ineinanderfügen. Zunächst folgen wir Henning auf einer Fahrradtour am Neujahrsmorgen – und werden Zeuge einer inneren Zerrissenheit, Überforderung, Depression. Er kann zwischen Job, Kindern und Ehefrau niemandem wirklich gerecht werden und leidet seit geraumer Zeit unter Panikattacken. Dann kommt er an seinem Ziel an – und auf einmal kommen die Erinnerungen an seinen ersten Lanzaroteurlaub wieder hoch; Erinnerungen, die er sein Leben lang verdrängt hat. Als Ganzes betrachtet ist es dramaturgisch überzeugend aufgebaut, nichtsdestotrotz bleibt aber ein Bruch zwischen den Ereignissen des Neujahrstages und den Erinnerungen. Da hätte sich Frau Zeh nochmal ein, zwei Monate länger Zeit nehmen sollen, finde ich.

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Ein Buch, das mich auch einen Tag nach dem Auslesen noch nachdenklich an das zurückdenken lässt, was Henning und seine Schwester Luna als Kleinkinder auf Lanzarote erlebten. Juli Zeh schrieb mit "Neujahr" wieder einen neuen Roman - komplett anders als "Unterleuten" - dieses Mal aufwühlend, spannend und rasch durchgelesen. Es ist der Erste Erste - Neujahrsmorgen. Henning hat endlich Zeit, im Familienurlaub sich alleine auf ein Rad zu schwingen und die Gegend Lanzarotes zu erkunden. Doch irgendwie kommt ihm genau ein Haus hoch oben in den Bergen bereits sehr bekannt vor. . Da das Buch bereits den 1.1. im Titel hat, ist es vielleicht auch ein passendes Mitbringsel zu einer Silvesterfeier oder  bereits ein passendes Weihnachtsgeschenk? Auf jeden Fall: Große Leseempfehlung! . #neujahr #julizeh #lanzarote #igreaders #readers #booknerd #bücher #bookstagram #empfehlenswert #makereadinggreatagain #makereadingsexyagain #booknerds #lesen #lesenswert #leseempfehlung #books #book #reading #lesenistabenteuerimkopf #lesenlesenlesen #igerssalzburg #igersaustria #igersalzburg #luchterhand

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Nach ihren Romanen „Unterleuten“ und „Leere Herzen“ bringt die Bestsellerautorin nun ihren neuen Roman „Neujahr“ heraus, wo der Protagonist Henning in der Bergwelt Lanzarotes mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Bei dieser psychologischen Familiengeschichte stehen die Eheleute Henning und Theresa im Mittelpunkt. Sie leben in Göttingen, haben kleine zwei Kinder (Jonas und Bibbi) und führen ein typisch postmaterialistisches Leben in der Universitätsstadt mit Alltagsproblemen, die jedem bekannt vorkommen würden. Nur die immer wiederkehrenden Panikattacken von Henning sorgen für eine Belastung ihres sonst durchschnittlichen Lebens. Ihr Urlaub in Lanzarote über den Jahreswechsel mit Kindern bildet den Rahmen des Romans. Als Henning alleine auf einem Berg bei Femes bald zusammenbricht, wird er dort von einer fremden Frau aufgefunden und versorgt. Henning fühlt sich in dem Hause gleich wohl und heimisch, bald erfährt man warum. Die fürsorgliche Frau berichtet davon, dass in dem Haus vor langer Zeit zwei kleine Kinder mit Unterernährung gefunden wurden. Als sich dann herausstellt, dass die beiden Kinder Henning und seine Schwester Luna waren, beginnt für Henning eine Reise in die Vergangenheit und die Aufarbeitung seiner Kindheit. Plötzlich kommen Erinnerungen wieder hoch und er durchlebt die Ereignisse im zweiten Teil des Romans noch einmal. Hier schließt sich auch der Kreis zu den anfangs hingewiesenen Panikattacken Hennings, die im Laufe der mühevollen Aufarbeitung langsam verschwinden. Die Geschichte der Aufarbeitung der Jugend von Henning wird gefühlvoll geschildert und bringt das Problem, unter dem viele Menschen leiden, ins Zentrum des Interesses. Die Charaktere dieses Romans sind allerdings nicht besonders spannend, es fehlt die Identifikation für den Leser. Das Flair Lanzarotes mit seiner kargen Bergwelt ist auch überschaubar. Der Roman lebt von der psychologischen Aufarbeitung der Vergangenheit und erhält dadurch seine Spannung, ohne fesselnd zu sein. Insgesamt gesehen ist es ein überdurchschnittlicher Roman, ohne jedoch Bestsellerqualitäten zu entwickeln.

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Silvester und Neujahr sind für die meisten Menschen eine willkommene Zäsur. Innehalten, Revue passieren lassen, Pläne schmieden, sich neu definieren. All das scheint um dieses durchaus magische Datum herum leichter zu fallen. Henning, der Protagonist aus Juli Zehs neuestem Buch, beschließt, eben jene besonderen Tage mit seiner Familie dieses Mal nicht zu Hause zu feiern. Es zieht ihn nach Lanzarote, wie getrieben sucht er schon lange im Voraus nach möglichen Ferienhäusern. Doch die, die ihn besonders in den Bann ziehen, sind leider viel zu teuer. So wird ihre Unterkunft ein Kompromiss. Und wie es meist so ist im Leben, sieht das Häuschen im Internet auf den Fotos deutlich größer und charmanter aus als in Wirklichkeit. Ein bisschen tapsen sich die vier auf den Füßen herum, Rückzugsorte gibt es kaum, aber sei’s drum, es ist Urlaub, eine Auszeit vom Alltag – das ist die Hauptsache. Der Urlaub ist dann aber auch nicht weiter spektakulär, so wie es eben manchmal ist. Die Eltern sind ein bisschen genervt – voneinander, von den beiden Kindern (die eine wirkliche Erholung gar nicht zulassen, denn sie haben ja im Urlaub die gleichen Bedürfnisse und benötigen die gleichen Hilfestellungen wie auch zu Hause), Henning vor allem von sich, seine Frau Theresa von allem ein bisschen, aber hauptsächlich vom permanenten Wind auf der Insel. Der Silvesterabend beginnt früh – Eltern kleinerer Kinder werden sich hierin wiederfinden -, denn man kann ja nicht ewig feiern. Im Restaurant, wo sie reserviert haben, sitzt am Nebentisch ein Franzose, der Theresa ohne jedes Schamgefühl offen anflirtet. Sie ist hingerissen von der Tatsache, dass sie noch immer gutaussehende Männer für sich begeistern kann, davon, dass ihr das Französisch so herrlich perlend über die Lippen kommt und davon, dass der Charmeur auch noch so toll tanzt. Henning beschließt zur Feier des Tages, die Flirterei als Kompliment für sich abzubuchen. Schließlich muss, wer eine so tolle Frau hat, selbst auch ein toller Kerl sein. Aber es wurmt ihn natürlich auch … Als er später mit seiner Frau ins Bett kriecht und – emotional ein wenig aufgeladen – einen Annäherungsversuch startet, dreht sie sich weg. Leicht frustriert gibt Henning auf. Am nächsten Morgen beschließt er, der Enge der Wohnung und der Beziehung zu entfliehen und außerdem seinen ersten Vorsatz fürs neue Jahr (mehr Sport!) in die Tat umzusetzen. Er setzt sich aufs mittelprächtige Mietfahrrad und strampelt los, bevor der Rest der Familie aufsteht. Das Fahrradfahren bringt Tempo in den Roman. Was gemächlich und banal begann, nimmt nun Fahrt auf. Je länger der Familienvater sich den Berg nach oben quält, den zu erklimmen er sich in den Kopf gesetzt hat, desto schneller fließen seine Gedanken. Alles Mögliche durchquert da sein Bewusstsein, er legt keinen Filter darüber, er lässt die Gedanken kommen – und hofft bei vielen, dass sie rasch auch wieder gehen. Die Kinder, der Job, seine Mutter (Gott, er müsste sie viel öfter anrufen!), seine Frau, seine Anforderungen an sich selbst, denen er kaum genügen kann – und nicht zuletzt ES kreuzen seine Gedanken. ES, das sind seine Panikattacken. Henning hat sie seit 2 Jahren, er weiß nicht wirklich, in welchen Momenten genau sie kommen, aber sie halten ihn in Schach. Immer, wenn er das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren über bestimmte Situationen, dann geht es los – das ist ja vielleicht auch schon ein Muster. Dehydriert, hungrig und völlig überanstrengt kommt Henning tatsächlich oben an. So übereilt, wie er aufbrach, hat er nicht einmal an Geld gedacht, um sich etwas zu trinken kaufen zu können – aber in dem Örtchen, auf dessen Kirchplatz er genießt, endlich mal wieder wirklich etwas erreicht zu haben, hat sowieso nichts offen. Alles ist wie leergefegt. Und genau hier oben, in dem menschenleeren Kaff, beginnt der eigentliche Sog des Romans. Und dieser Sog, man mag das Buch gut finden oder nicht, ist einfach enorm. Es ist nicht einfach nur der plakative Sog, von dem wir Leser immer reden, wenn wir unserem Gegenüber möglichst bildlich klarmachen wollen, wie gut der Lesestoff ist, von dem wir reden, nein, das hier ist anders. Es ist ein fast körperlich spürbares Unvermögen, das Buch wegzulegen, wenn man diesen Punkt erreicht hat. Ein atemlos machender Zwang, Seite um Seite hinter mich zu bringen, um endlich Klarheit zu bekommen, über das was hier passiert. Bei Henning bricht in diesem gottverlassenen Dorf der Nebel auf, der sich über seine Erinnerungen an früher gelegt hatte. Er dringt durch zu den Gedanken, die Wahrheit bringen – er findet die fehlenden Puzzlestücke, von denen er bislang gar nicht ahnte, dass sie fehlten. Das klingt verworren – ist es auch. Denn der Protagonist merkt, dass hier an diesem Ort der Zugang zu einem Wissen aus seiner Vergangenheit liegt, das er braucht, um Frieden mit sich machen zu können. Er folgt diesem inneren Gefühl, läuft wie natürlich einen bestimmten Weg und landet vor einem abgelegenen Haus, in dem Kunsthandwerk verkauft wird. Er kommt mit der aktuellen Besitzerin ins Gespräch und ein Déjà-vu reiht sich ans nächste. Geistesblitze tauchen auf und wieder ab und plötzlich entsteht ein neuer Erzählfluss und wir sind genau in diesem Haus und Henning ist ein kleiner Junge, der auf seine kleine Schwester aufpasst. Geschickt baut Juli Zeh die gesamte Geschichte auf, den Plot, die Erzählstränge, wie sich alles schließlich eineinander verzahnt. Sie ist eine Meisterin, sie kann wahrlich schreiben. Verblüffenderweise haben ihre Bücher ganz unterschiedliche Stile, Inhalte, Richtungen. Das Verbindende ihrer Romane kann man vielleicht am ehesten beschreiben als Lust am Blick auf die psychischen Besonderheiten einer jeden Person. Wie können sich die Charaktere der Menschen verändern, weil bestimmte Dinge geschehen … oder nicht geschehen. Die Hauptperson des vorliegendenden Buches muss sich ihrer Kindheit stellen, um das Jetzt zu begreifen, um leben zu können. Und trotz des unglaublich orkanartigen Sogs kann ich nicht sagen, dass ich dem Buch 5 von 5 Sternen geben würde. Vielleicht würde ich bei 3 Sternen landen. Natürlich ist dieses Buch gut und dennoch habe und hatte ich Fragezeichen beim Lesen in meinem Kopf. Manche Dinge, Szenen verstehe ich auch jetzt noch nicht, beim erneuten Durchblättern für die Rezension. Warum steht das da? Hat das einen tieferen Sinn, der sich mir nicht erschließt? Warum wird überhaupt Henning beleuchtet, dieser weiterhin seltsam blasse Protagonist? Ich erfahre so viel über ihn, aber dennoch wächst er mir nicht ans Herz – vielleicht, weil alles, was ich erfahre, in der Vergangenheit liegt, die zwar seine Gegenwart gestaltet, ihn mir aber als Erwachsenen nicht näherbringt. Er bleibt wenig fassbar für mich, dieser „Romanheld“, ganz zu schweigen von seiner Frau, die reine Statistin ist. Und dann das Ende! Herr im Himmel! Als wäre Juli Zeh etwas auf dem Herd angebrannt, weswegen sie hastig zwei Sätze als Ende hinkritzelte, den Stift wegwarf und zur Schadensbegrenzung eilte … Was also ist das Resumée? Juli Zeh kann schreiben. Aber will man ein wirklich durchkomponiertes Werk, das komplett rundläuft, dann nehme man bitte „Unterleuten“ – und dann erst „Neujahr“.

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Diese Rezension fällt mir schwer. Zum Einen, weil bei diesem Roman schnell zu viel erzählt ist und zum Anderen... Ich habe nach diesem Buch ein Kochbuch gelesen, ich hätte auch das Telefonbuch genommen, solange der Text unverfänglich und unbedrohlich ist. Die Beschäftigung mit Mehlmengen und der Anzahl der Eier pro Rezept hat mir geholfen, einige Szenen aus dem Roman zu verdrängen, die für mich an der Grenze zum Unerträglichen waren. Ich hatte schon immer ein zu gutes Vorstellungsvermögen, um Bücher aus den Bereichen Horror und blutiger Thriller zu lesen. Man kann darüber lachen, aber ich kann mich noch so richtig kindlich und kein bißchen erwachsen gruseln. Und brauche dann nachts als "Schutzschild gegen böse Geister" meine Hunde im Bett. Ich bin also genau die Leserin, die Juli Zeh sich gewünscht haben muss, die die Beklemmung und Panik der Protagonisten komplett mitlebt und erlebt. Zum Inhalt möchte ich nur wenig sagen. Ein junges Paar im Familienurlaub auf Lanzarote, ein Vater, der sich mit der ihm zugedachten Rolle überfordert fühlt, eine Radtour, um den Kopf frei zu bekommen und Zeit allein zu haben. Juli Zeh spielt. Wie die Katze mit der Maus. Und ich weiß jetzt, wie die Maus sich fühlen muss. Der Roman beginnt wie so viele Romane über junge Ehepaare, ein bißchen Stress, ein bißchen Streit, das Übliche, wenn die Paarbedürfnisse denen der Kinder weichen müssen und man nicht alles unter einen Hut bekommt. Und wenn der Leser sich gerade auf einen Roman über Paare im Familienstress eingestellt hat, dann, ja dann kommt der Prankenhieb, der einen quer durch den Raum an die Wand schießt. Und das ganz unangestrengt und leichtfüssig und weitestgehend unblutig. Der Roman ist recht kurz, aber im Gegensatz zu einigen anderen Stimmen glaube ich nicht, dass er länger und ausgearbeiteter besser geworden wäre. Es ist im Grunde nicht wichtig, was die Charaktere schlußendlich aus ihrer Situation machen. Wir sehen sie in einer Extremsituation, bekommen die Erklärung, wie es dazu kommt und werden dann nett vor die Tür begleitet. Und im Grunde reicht das völlig aus. Man braucht nicht seitenlanges Vorher und Nachher für diese Erzählung. Ich halte sie für eine Fingerübung, einen Könnensbeweis. Und eigentlich ist es schade, dass nicht mehr Schriftsteller sich das trauen, dass nicht mehr Kurzromane und Novellen erscheinen, denn diese Form ist in ihrer punktgenauen Verknappung ja hochinteressant und kann immens spannend sein. Von mir kommt eine definitive Leseempfehlung, auch wenn mir die Lektüre stellenweise sehr schwer gefallen ist. Das lag aber an der beschriebenen Situation, nie an der Umsetzung.

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Es ist der erste Januar 2018. Henning steht früh auf und fährt mit seinem Leihfahrrad los. Er ist mit seiner Familie auf Lanzarote zum zweiwöchigen Urlaub, und er hat sich vorgenommen, im neuen Jahr einiges zu ändern, so zum Beispiel wieder mehr Zeit auf dem Fahrrad zu verbringen. Er ist untrainiert und fährt ohne Proviant los. Sein Ziel ist der Atalaya-Vulkan mit dem Dorf Femés. Während er all seine Kraft darauf verwendet, auf dem Berg hochzukommen, erfahren wir in Rückblicken immer mehr über Henning und seine Familie. Er ist ein junger Vater mit zwei Kindern, Jonas und Bibbi. Er liebt seine Frau Theresa, mit der sie die Erziehung der Kinder und die Hausarbeit teilen. Da Theresa mehr verdient als Henning, übernimmt er mehr Hausarbeit. Er findet das in Ordnung so und er liebt seine Familie über alles, aber… Aber etwas stimmt mit ihm nicht. Er hat immer wieder Panikattacken, die es ihm manchmal unmöglich machen, die Nacht durchzuschlafen. Es war seine Idee, Weihnachten und Silverster auf der Insel zu verbringen. Es war eine plötzliche Idee, er wollte unbedingt hier sein, obwohl er noch nie auf der Insel gewesen ist. Oder doch? Nach und nach kommt eine Geschichte zur Oberfläche, die längst in Vergessenheit geraten ist. Eine dunkle Episode seiner Kindheit, die er verdrängt hat. Was ist damals passiert? Ist das damals Geschehene der Ursache für seine heutigen Albträume? Für mich die interessanteste Facette der Geschichte war dieses noch immer als unkonventionell geltende Familienleben, in dem der Vater mehr Verantwortung trägt und die klassische Mutterrolle übernimmt. Auch wenn Henning das völlig in Ordnung findet, ändert das nichts daran, dass er sehr genau weiß, wieviel er geleistet hat, wieviel Zeit er für seine Familie geopfert hat (und zum Beispiel nicht mehr Fahrrad fährt). Und wenn dann die Kinder lieber nach Mutti schreien als nach ihm, fühlt er sich natürlich auch ein wenig betrogen. Er will für seine Familie sorgen, aber darf er manchmal auch an sich selbst denken? Eine Frage, die wahrscheinlich in seiner Kindheit wurzelt. Er und seine Schwester sind ohne Vater aufgewachsen, dieser verließ sie, als Henning erst fünf Jahre alt war. Seitdem trägt er die Verantwortung für seine kleine Schwester, die auch jetzt noch, wo sie beide erwachsen sind, noch auf die Hilfe des Bruders zählt, und diese auch immer wieder bekommt. Die Geschichte aus Hennings Kindheit, die sich ihm ganz plötzlich auf Lanzarote offenbart, ist spannend und beängstigend. Sie zieht den Leser in den Sog, gleichzeitig möchte man am liebsten gar nicht weiterlesen. Für mich war sie aber auch eine vereinfachte Antwort auf Hennings Situation, seine Ängste, seine Probleme. Es hätte mich interessiert, welche Antwort Juli Zeh auf dieses Familienkonzept hat, wenn da kein Kindheitstrauma im Hintergrund steckt. Aber trotzdem eine insgesamt sehr spannende, interessante Lektüre. Der Anfang war für mich etwas schleppend, was aber durchaus zu Hennings körperlicher Anstrengung gepasst hat. Umso rasanter ging es dann weiter, sobald er den Gipfel erreichte.

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„Er will ein Mann sein, den es zu lieben lohnt.“ Die mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnete Juli Zeh ist eine scharfsichtige, klardenkende, gesellschaftlich-politisch engagierte Schriftstellerin, die aktuell wie kaum eine andere Autorin der (deutschen) Gesellschaft einen pointierten Spiegel vorhält, ohne moralisch zu entlarven, sondern die Aufmerksamkeit einzufordern. Dabei gelingt es ihr in ihren Romanen, innerhalb der Geschichte einen Kosmos aufzubauen, wo das Geschehen jederzeit auf einen größeren, gesellschaftlichen Rahmen übertragen werden kann. In ihrem neusten, ausnahmsweise mal recht schmalen Buch erzählt sie die Geschichte von Hennig, Ehemann und Familienvater, der eigentlich alle Voraussetzungen erfüllt, um glücklich zu sein. Doch trotzdem leidet er an Unzufriedenheit und regelmäßig auftretenden Panikattacken. Als er über Silvester mit der Familie einen Urlaub auf Lanzarote, und an Neujahr alleine und schlecht ausgerüstet eine Radtour macht, muss er sich seinen Emotionen und seiner Vergangenheit stellen… In Neujahr befinden wir uns in dem fein ausgearbeiteten Mikrokosmos „Familie“ mit all seinen Facetten und Schwierigkeiten. Dabei gelingt der Autorin mit ihrer erzählenden Hauptfigur eine stimmige Illustration des modernen Mannes. Ein Mann, der versucht, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, der aufgrund des größeren Erfolgs seiner Frau beruflich etwas zurücktritt, einige Arbeitsbereiche in das Home Office verlagert und dafür mehr Bereiche in der Kinderbetreuung und dem Haushalt abdeckt. Ein Mann, der versucht, in allen Bereichen bestmögliche Ergebnisse zu erzielen, zwangsläufig an den eigenen Ansprüchen scheitert und sich selbst und die eigenen Bedürfnisse aus dem Blick verliert. Angststörungen, Schlaflosigkeit und Panikattacken sind ein mittlerweile akzeptierter Zustand, dem man sich erst stellt, als man alleine auf dem Rad das nächste zu hoch gesteckte Ziel erreichen möchte. Ein Zustand, den (mich eingeschlossen) viele Menschen kennen dürften. Hier vielleicht etwas überspitzt, nichtsdestotrotz jedoch treffend beschrieben, zeigt die Autorin einem auf, wie sich verschiedene Momente und Situationen, eigene Erwartungen und Fremdbestimmung zu einem allgemeinen Zustand des Unwohlseins und der inneren Leere führt. Da wirkt es fast schon erleichternd, dass hier plötzlich die Geschichte einen Zeitsprung macht und den Leser in die Kindheit und eine längst verdrängte Episode Hennigs versetzt. So intensiv und beklemmend dieser zweite Abschnitt in seinem Spiel mit den persönlichen Erinnerungen ist, so fesselnd, teils erschreckend empfand ich den ersten Teil, in welchem ich mich als (männlicher) Leser an vielen Stellen nicht nur in die Figur hineinversetzen, sondern mich an einigen Stellen selbst erkennen konnte. Genau hier liegt die Stärke dieses Buches, welches in seiner Erzählung einen solch intensiven Sog auslöst, dem man sich nur schwer entziehen kann. Ein außergewöhnlicher „Familienroman“, der die Spannung eines Psychothrillers zu erzeugen vermag und gleichzeitig gute Literatur ist. Chapeau! Neujahr erscheint als gebundene Originalausgabe mit Lesezeichenband bei Luchterhand (192 Seiten, €20,00). Auch in ihrem neuen Roman, eher schon einer Novelle, gelingt es der Autorin, mit scharfem Blick das Wirken frühkindlicher Erfahrungen zu beschreiben, die noch in der Gegenwart ihre nicht immer sofort erkennbaren Tentakel ausbreiten und einen eigentlich rundum erfolgreichen Menschen fest in ihren Klauen halten. Atmosphärisch sehr dicht und spannend erzählt, gelingt ihr hier eine nachdenklich stimmende Geschichte, bei der man jederzeit Ansätze bei sich selbst zu entdecken vermeint. Für mich definitiv eines der besten Bücher dieses Jahres und entsprechend eine eindeutige Leseempfehlung! Christian Funke

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